Das ZDF macht aus Schlachtabfall Wurst – und bekommt eine Auszeichnung dafür

Wurst Siegel Frontal 21
Foto: Screenshot YouTube (ZDF)

In Wurst steckt nicht unbedingt hochwertiges Fleisch, das ist bekannt. Was das ZDF nun jedoch aufdeckte, ist unglaublich: Ein Team des Senders produzierte eine Ekel-Wurst, die vermutlich kaum jemand freiwillig essen würde – die Wurst erhielt aber sogar eine Auszeichnung.

Wurst besteht aus zerkleinertem Fleisch, Speck, Salzen und Gewürzen – eigentlich. Oft stecken aber auch Fleischabfälle und sogenanntes Separatorenfleisch drin. Spezielle Siegel sollen Wurst von höherer Qualität für Kunden erkennbar machen.

Aber wie zuverlässig sind solche Siegel? Und wie weit kann die Fleischindustrie gehen, um möglichst billige Wurst zu produzieren – ohne, dass der Verbraucher etwas davon erfährt? Das Fernsehmagazin „Frontal 21“ des ZDF wollte es wissen und gründete deshalb eine eigene Scheinfirma: „Die Rheinsberger Wurstwaren“.

Wurst mit kaum Fleisch

Das Magazin ließ anschließend eine Wurst produzieren, genauer gesagt zusammenpanschen: Die Wurst bestand nur zu sieben Prozent aus richtigem Fleisch, 27 Prozent waren Wasser und 46 Prozent Separatorenfleisch.

Separatorenfleisch wird aus Schlachtresten hergestellt. Dabei werden Knochen ausgedrückt, wodurch ein Brei entsteht, der nicht mehr als Fleisch bezeichnet werden darf. „Das heißt also, das ist so der letzte Rest, der Abfall im Grunde genommen“, erklärt ein Metzger im Beitrag von Frontal 21. Zusätzlich wurde ein Proteinpulver aus Schlachtblut dazu gegeben. Mit dem Pulver lässt sich das viele Wasser in der Wurst verdecken.

Wurst bekommt eine Auszeichnung

Die fertige Wurst reichte die Scheinfirma bei der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) ein. Die DLG bezeichnet sich selbst als „führende Organisation der Land-, Agrar- und Lebensmittelwirtschaft“. Sie zeichnet Lebensmittel mit Preisen in Gold, Silber und Bronze aus. Ausgezeichnete Hersteller dürfen das entsprechende Siegel auf ihre Produkte drucken.

Nur fünf Wochen später kam die Reaktion der DLG: Die gepanschte Wurst erhält den silbernen DLG-Preis. Eigentlich dürfte das nicht sein – Produkte mit Separatorenfleisch sind von vornherein von der DLG-Qualitätsprüfung ausgeschlossen.

Das Team von Frontal 21 hatte jedoch verheimlicht, woraus die Wurst tatsächlich besteht und falsche Angaben gemacht. Offenbar machte die DLG also keine eigenen Tests, sondern verließ sich voll auf die Informationen des Herstellers.

Das richtige Siegel

Das Experiment von Frontal 21 zeigt, wie leicht bei Wurst getrickst werden kann – und wie wenig vertrauenswürdig manche Siegel und Auszeichnungen sind. Das DLG-Siegel für Fleisch ist ohnehin kritisch zu sehen: Das Label bewertet Aussehen, Konsistenz, Geruch, Geschmack und ob die Verpackung leicht zu öffnen ist. Aspekte wie die Tierhaltung, Produktions- und Transportbedingungen spielen keine Rolle.

Bei Fleisch sollte man sich daher vom DLG-Siegel nicht täuschen lassen, sondern sich besser auf strengere Siegel verlassen, allen voran das Naturland-, Demeter oder Bioland-Siegel. (Mehr Informationen: Bio-Siegel: Was haben die Tiere davon?) Und bei Fleisch gilt grundsätzlich: Weniger ist mehr.

Die ganze Sendung: Frontal 21 vom 10.04.2018 

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