Schwere Vorwürfe gegen den WWF: Organisation soll mit kriminellen Wildhütern arbeiten

Bild: © Utopia

Die Umweltschutzorganisation WWF soll Wildhüter unterstützen, die Menschen geschlagen, gefoltert und sogar getötet haben – das geht aus einer Recherche des Nachrichtenportals Buzzfeed hervor. Der WWF hat sich bereits zu den Anschuldigungen geäußert.

„WWFs geheimer Krieg“ – so heißt der seitenlange Bericht, den das Nachrichtenportal „Buzzfeed News“ am Montag veröffentlicht hat. Der Inhalt ist erschreckend: Der WWF (World Wide Fund For Nature) soll seit Jahren in verschiedenen Ländern paramilitärische Gruppierungen unterstützen, die schwere Verbrechen begangen haben.

Dabei handelt es sich um Gruppen von Wildhütern, die Wilderei bekämpfen sollen – und dabei laut Buzzfeed brutal mit (verdächtigten) Wilderern und auch unbeteiligten Zivilisten umgehen. In dem Bericht ist die Rede von Mord, Folter und Vergewaltigung.

WWF-Wildhüter in Nepal

Buzzfeed berichtet beispielsweise von einem Bauern aus dem nepalesischen Chitwan-Nationalpark. Vom WWF finanzierte und mit Equipment ausgestattete Waldhüter hatten ihn verdächtigt, ein Nashorn-Horn in seinem Hinterhof vergraben zu haben.

Die Hüter fanden kein Horn, verhafteten den Mann aber trotzdem und schlugen ihn in ihrem eigenen Gefängnis. Nach neun Tagen sei er gestorben. Eine Autopsie habe ergeben, dass sieben Rippen gebrochen waren, außerdem sei sein Körper mit Blutergüssen übersät gewesen.

Laut Buzzfeed wurden die Ranger wegen Folter angeklagt. Mitarbeiter des WWF hätten sich jedoch dafür eingesetzt, dass die Anschuldigungen fallengelassen werden. Als die nepalesische Regierung die Anklage zurückzog, feierte der WWF dies demnach als „Sieg gegen die Wilderei“. Außerdem führte die Organisation die Zusammenarbeit mit den beschuldigten Waldhütern fort.

„Schock-Truppen“ und  Spionage

Viele Nashornarten sind vom Aussterben bedroht
Viele Nashornarten sind vom Aussterben bedroht – der WWF versucht, gegen Wilderer vorzugehen. (Foto: CC0 / Pixabay / Pexels)

Der Vorfall in Nepal sei kein Einzelfall gewesen, schreibt Buzzfeed. Die Reporter haben nach eigenen Angaben ein Jahr lang in sechs Ländern recherchiert, hunderte Interviews geführt und tausende Dokumente ausgewertet – und noch mehr schockierende Details ans Licht gebracht. Einige der Vorwürfe im Überblick:

  • Vom WWF unterstützte Wildhüter sollen Dorfbewohner mit Gürteln geschlagen, mit Macheten attackiert, mit Bambusstöcken bewusstlos geschlagen und ermordet haben.
  • In Asien und Afrika soll der WWF-Außendienst Anti-Wilderer-Missionen mit „Schock-Truppen“ organisiert haben. Die Truppen sollen für ihre Brutalität berüchtigt gewesen sein.
  • Der WWF soll paramilitärische Gruppen finanziert, trainiert und mit Messern, Nachtsichtferngläsern, Kampfausrüstung und Schlagstöcken ausgestattet haben. Außerdem soll die Organisation eine Razzia in einem Dorf finanziert haben.
  • Darüber hinaus soll der WWF wie ein globaler Spionagering gearbeitet und ein „gefährliches und geheimes“ Netzwerk aus Informanten ausgebaut haben.

Das sagt der WWF

Der WWF hat am Montag mit einer kurzen Stellungnahme auf die Vorwürfe von Buzzfeed reagiert: „Respekt für Menschenrechte steht im Zentrum unserer Mission. Wir nehmen jede Art von Vorwürfen ernst und setzen eine unabhängige Untersuchung ein, um die Fälle aus dem Artikel zu überprüfen.“ Sollten die Untersuchungen Verstöße gegen die Richtlinien der Organisation aufdecken, wolle der WWF Konsequenzen ziehen.

Buzzfeed wiederum hat angekündigt, in den nächsten Tagen aufzuzeigen, wie der WWF weiterhin Ranger finanziert und ausgestattet hat – auch nachdem Mitarbeiter in höheren Positionen von Menschenrechtsverletzungen erfuhren.

Der WWF ist eine der größten internationalen Umweltschutzorganisationen und in mehr als 80 Ländern vertreten. Wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten, wird die Organisation einiges wiedergutmachen müssen, um das Vertrauen ihrer Spender zurückzugewinnen.

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(1) Kommentar

  1. Der WWF sollte Wildhüter aus den westlichen Ländern einsetzen um die Einhaltung von Regeln besser zu gewährleisten.Sicher wären viele Aussteiger an solch einer Arbeit interessiert.