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4-Tage-Woche und weniger Geld: Das hat sich dadurch in meinem Leben verändert

Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - Melissa Grootes / Pixabay - RAEng_Publications

Viele von uns träumen davon, weniger zu arbeiten. Manche reduzieren ihre Arbeitszeit deshalb auf eine 4-Tage-Woche, trotz geringerer Bezahlung. Wie sich dadurch ihr Leben verändert hat, erzählen Redakteur:innen aus dem Team von Utopia.

Vier Tage Arbeit tun, um am fünften Tag zu ruh’n. So stellen sich manche Menschen den Alltag jener vor, die nur vier Tage pro Woche arbeiten. Dabei ändert sich durch die angepasste Arbeitszeit nicht nur, dass man mehr Zeit für Entspannung hat. Welche konkreten Auswirkungen die Reduzierung auf vier Tage hat, erzählen drei Redakteur:innen von Utopia.

Anmerkung: Im Fall unserer Redakteur:innen sind sowohl Arbeitszeit als auch Bezahlung reduziert. Anders als bei einer 4-Tage-Woche mit gleicher Bezahlung oder gleicher Stundenzahl, wie die 4-Tage-Woche in der Regel definiert wird. So wird sie bereits in manchen Pilotprojekten getestet, zum Beispiel bei Lidl.

Micha: Ich „gebe weniger Geld für unnütze Dinge aus“

Einige Zeit vor meiner Anstellung bei Utopia habe ich mich mit dem Thema Suffizienz beschäftigt. Damals habe ich angefangen, meine Lebensweise und meine Ziele stark infrage zu stellen. Insbesondere in Bezug auf Materielles, Konsum und den damit verbundenen gesellschaftlichen Status.

Für mich ist die 4-Tage-Woche bei Utopia in erster Linie ein großes Privileg. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich nicht in Vollzeit arbeiten muss, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Für viele Menschen ist eine solche Arbeitszeitreduktion finanziell wahrscheinlich gar nicht so leicht möglich.

Schließlich habe ich erkannt, dass ich für mich persönlich mit etwas weniger Geld und mehr freier Zeit wesentlich glücklicher sein kann. Ich arbeite jetzt weniger, verdiene etwas weniger, gebe aber auch weniger Geld für unnütze Dinge aus.

Weniger zu arbeiten bedeutet auch: mehr Zeit für Hobbies (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay - Bridges Ward)

Der Alltag fällt mir jetzt leichter, ich habe weniger Freizeitstress und fühle mich nicht so oft gehetzt, wie es zuvor der Fall war. Ich nutze die Zeit primär für Hobbies: Ich treffe Freunde, treibe Sport, mache Musik oder lerne Fremdsprachen. Es ist auch wesentlich leichter, Termine wie z.B. Arztbesuche unterzubekommen. Manchmal faulenze ich am zusätzlichen freien Tag aber auch einfach.

Ursprünglich hatte ich geplant, an diesem Tag ehrenamtlich tätig zu sein. Ich habe noch nicht geschafft das umzusetzen, hoffe aber, dass mir das in der Zukunft noch gelingt.

Mein Fazit: Ich habe das Gefühl, dass ich durch mehr Zeit für Ausgleich bei der Arbeit fokussierter bin und teils sogar mehr schaffe, als es bei 40 Stunden der Fall war. Daher glaube ich, dass das Modell auch für Arbeitgeber:innen Vorteile haben kann.

Kathi: 4-Tage-Woche und Weiterbildung = Stress

Wer die Arbeitszeit auf vier Tage reduzieren will, hat oft konkrete Pläne für den 5. Tag. Einige wollen die Freizeit genießen, andere private Projekte verfolgen. In meinem Fall ging es um eine nebenberufliche Weiterbildung an einer Uni, die ich angehen wollte. Sie dauerte ein halbes Jahr, der Arbeitsaufwand sollte circa 8-10 Stunden pro Woche umfassen. Ich bat meinen Arbeitgeber also, mich für diesen Zeitraum einen Tag pro Woche freizustellen – damit ich mein Wochenende noch genießen kann. Soweit der Plan.

Eine 4-Tage-Woche bietet die Möglichkeit, sich (leichter) berufsbegleitend weiterzubilden. (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - Green Chameleon)

Tatsächlich zeigte sich dann recht schnell, dass mir 8 Stunden die Woche nicht ausreichen würden, um den Stoff ernsthaft zu lernen und zu bearbeiten. Ich verbrachte also nicht nur den Freitag mit meinen Büchern, sondern oft auch den Samstag. Vor dem Urlaub kam auch der ein oder andere Sonntag dazu, damit ich in Spanien nicht meine Bücher wälzen musste. Das halbe Jahr mit 32 Stunden pro Woche war für mich also mit viel Stress verbunden, und leider blieb auch oft zu wenig Zeit für Freund:innen, Familie und Hobbies.

Natürlich war die Weiterbildung sehr wertvoll für mich und ich bin dankbar, dass ich die Option hatte, sie zu absolvieren. Und trotz Stress hatte die kürzere Woche viele Vorteile. Auch wenn ich am Freitag Arbeit zu erledigen hatte, konnte ich mir die Zeit dafür frei einteilen. Wenn ich morgens ausschlafen wollte, hab ich das getan und dafür am Abend länger gebüffelt. Wenn ich am Freitag lieber das schöne Wetter genießen wollte, habe ich erst Samstag mit dem Lernen begonnen.

Mein Fazit: Wer sich eine 4-Tage-Woche wünscht, um sich beruflich weiterzubilden oder an dem fünften Tag einer anderen Tätigkeit nachgehen will, dem rate ich: Mach es! Aber unterschätze den Aufwand nicht und stell sicher, dass noch Zeit für Entspannung und Soziales bleibt.

Lino: „Zurück möchte ich nicht“

Ich arbeite seit etwa vier Jahren nur noch vier Tage in einer Festanstellung. Zuvor habe ich Vollzeit gearbeitet. Meinen freien Tag nutze ich ganz unterschiedlich: Manchmal beschäftige ich mich mit einem Buchprojekt, tue etwas für mein Ehrenamt, bin ich aber auch oft vollauf zufrieden damit, ein paar Bücher zu lesen und nachmittags etwas Sport zu machen.

Mein Fazit: Zurück möchte ich nicht. Ich bin froh, etwas Geld für mehr Zeit eingetauscht zu haben. Denn Zeit lässt sich, anders als oft behauptet, weder sparen noch vermehren.

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