Suffizienz: Das bedeutet der Begriff in der Nachhaltigkeitsforschung

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Suffizienz bedeutet im richtigen Maß zu konsumieren. Welche Idee sich hinter dem Nachhaltigkeitsbegriff verbirgt und wie er im Alltag umzusetzen ist, kannst du hier nachlesen.

Suffizient zu konsumieren bedeutet, die natürlichen Grenzen unseres Planten zu berücksichtigen und möglichst wenig Ressourcen zu verbrauchen. Dies ist auch eine Kritik an unsere Überflussgesellschaft. Unsere derzeitige Wirtschaftsweise ist darauf ausgelegt, möglichst viel zu konsumieren, um das Wirtschaftswachstum immer weiter anzukurbeln.

Dass es nicht immer höher, schneller und weiter geht, dürfte dabei allen klar sein. Das Problem ist, dass Wohlstand in der westlichen Welt am Konsumniveau gemessen wird. Die Idee, weniger Güter und Dienstleistungen zu konsumieren, empfinden viele als Rückschritt und Verzicht.

Was sich hinter der Suffizienz-Strategie verbirgt, ob sich die gängigen Konsummuster durchbrechen lassen und wie Suffizienz in unserem Alltag integriert werden kann, erfährst du in diesem Beitrag.

Suffizienz: So funktioniert die Strategie

Suffizienz ist auch eine Kritik an der aktuellen Konsumgesellschaft.
Suffizienz ist auch eine Kritik an der aktuellen Konsumgesellschaft.
(Foto: CC0 / Pixabay / gonghuimin468)

Suffizienz steht dafür, sich begrenzter Ressourcen, dem drohenden Klimawandel sowie dem Aussterben vieler Tier- und Pflanzenarten bewusst zu sein. Also jene Faktoren, die heute zur realen Gefahr werden, weil Menschen zu viel konsumieren.

Die nachhaltige Strategie soll für die Belastungsgrenzen unseres Ökosystems sensibilisieren und Ressourcen schonen. Das kann nur dadurch erreicht werden, dass weniger Güter und Dienstleitungen konsumiert werden. Dabei soll dennoch ein zufriedenstellendes Leben möglich sein.

Dieses Ziel kann nur dann erreicht werden, wenn ein großer Bewusstseinswandel stattfindet und das Konsumverhalten entsprechend angepasst wird. Konkret gibt es fünf Faktoren, die für eine suffiziente Gesellschaft umgesetzt werden müssen:

  1. Die gesamte Gesellschaft muss sich darüber klar werden, dass Lebensqualität auch ohne materiellen Reichtum möglich ist. Besonders die Idee des Minimalismus knüpft hier an.
  2. Menschen müssen ihr Konsumverhalten anpassen: Sie dürfen nur noch die Menge konsumieren, die sie auch wirklich benötigen.
  3. Dabei soll der Konsum von Gütern und Dienstleistung möglichst wenig Ressourcen binden und die Umwelt schonen, also so nachhaltig wie möglich sein.
  4. Die Wegwerf-Mentalität müssen hinterfragt und geändert werden. Somit müssen Einweg-Produkte durch Mehrweg-Alternativen ersetzt werden.
  5. Die Lebenszeit von Produkten muss verlängert werden. Das heißt auch, dass Menschen weniger Dinge neu kaufen sollten. Dadurch verbraucht man weniger Ressourcen und belastet die Umwelt weniger.

Die Suffizienz-Strategie ist nicht nur für jeden Einzelnen eine Alternative zum aktuellen Konsumverhalten. Selbstverständlich müssen sich auch Politiker dafür einsetzen, den Alltag nachhaltiger zu gestalten. Dazu zählt zum Beispiel der Ausbau von sicheren Radwegnetzen und eine nachhaltige Stadtentwicklung.

Sharing Economy und Suffizienz

Nicht alle Sharing-Konzepte sind so suffizient wie Mitfahrgelegenheiten.
Nicht alle Sharing-Konzepte sind so suffizient wie Mitfahrgelegenheiten.
(Foto: CC0 / Pixabay / Creative_Media_Imaging)

Seit einigen Jahren gibt es immer mehr Unternehmen, die Sharing Konzepte anbieten. Die bekanntesten sind wohl Carsharing-Anbieter wie DriveNow oder Car2Go sowie die Reiseplattform AirBnB. Auch wenn gern mit Nachhaltigkeit geworben wird, handelt es sich dabei eher um Greenwashing. Denn die meisten Konzepte sind nicht auf das Teilen an sich ausgelegt, sondern auf Profit.

  • Carsharing basiert weniger auf Mitgefühl für urbane Menschen ohne Auto. Vielmehr ist es die Möglichkeit, dem Kunden eine günstige Probefahrt mit einem beliebigen Modell des Herstellers anzubieten. Zusätzlich wird dadurch die Bequemlichkeit gefördert, da Mietautos an fast jeder Ecke verfügbar sind. Umweltschonendere Alternativen wie der öffentliche Nahverkehr oder das Fahrrad geraten hier in den Hintergrund.
  • Ähnlich ist es mit AirBnB-Angeboten. Die Wohnungsangebote können Hotelpreise oftmals deutlich unterbieten, weshalb sie auch so beliebt sind. Fraglich ist nur, wie nachhaltig eine Reise in die fernsten Länder ist, wenn der Urlaub dort so unglaublich günstig ist. Das regt dazu an, noch mehr Reisen zu unternehmen. Wie du die Welt nachhaltig erkunden kannst, erfährst du hier: Wie passen nachhaltig leben und weltweite Reisen zusammen?

Wirklich nachhaltig und suffizient sind nur Modelle, bei denen es vorrangig wirklich um das Teilen geht. Ein gutes Beispiel sind Mitfahrgelegenheiten, die nicht nur per Auto, sondern auch per Zug angeboten werden. Dadurch wird es möglich, nachhaltig zu konsumieren und gleichzeitig mit neuen Menschen in Kontakt zu treten. Also genau solche Erfahrungen zu sammeln, für die die Sharing Economy steht.

Suffizienz-Strategie in den Alltag integrieren

Auf dem Wochenmarkt findest du regionale und saisonale Produkte.
Auf dem Wochenmarkt findest du regionale und saisonale Produkte.
(Foto: CC0 / Pixabay / brigwa)

Um mehr Suffizienz in deinen Alltag zu integrieren, solltest du dich an die vier E’s halten:

  1. Entrümpeln: Räume bei dir zu Hause einmal gründlich auf und trenne dich von allem unnötigen Ballast. Du musst die aussortieren Dinge natürlich nicht wegwerfen, sondern kannst sie spenden, verschenken oder verkaufen. Ein minimalistischer Lebensstil kann dir eindrucksvoll aufzeigen, wie einfach es ist, mit weniger Konsum auszukommen. Mehr Inspirationen findest du hier: Minimalismus 2.0: Die Entdeckung der Einfachheit
  2. Entschleunigen: Achtsamkeit und Meditation sind mehr als nur ein Trend. Durch das bewusste Wahrnehmen und Reflektieren sind wir in der Lage, unser Leben auf die wesentlichen Dinge zu reduzieren und uns zu erden. Dadurch kannst du (Konsum-)Entscheidungen bewusster treffen und auch bestehende Verhaltensmuster durchbrechen.
  3. Entflechten: Einerseits mag die Globalisierung dazu führen, dass wir Menschen weltweit vernetzt sind. Aber sie sorgt auch für irrsinnige Importe und Exporte, die viele CO2-Emissionen ausstoßen. Um nachhaltig und suffizient zu leben, sollten wir uns wieder mehr regionalen Produkten widmen. Besonders Obst und Gemüse sind dafür ein gutes Beispiel. Einen Guide, wann und wo was wächst, findest du im Saisonkalender.
  4. Entkommerzialisieren: Um weniger zu konsumieren, ohne dabei Lebensqualität einzubüßen, kannst du viele Dinge selber herstellen oder reparieren. Besonders bei Nahrungsmitteln kannst du viel selbst machen. Soßen, Pasten und Marmeladen lassen sich einfach selbst herstellen. Auch Säfte oder Limonaden kannst du mit wenigen Zutaten selbst kreieren. Kaputte Gegenstände müssen oftmals nicht ausgetauscht werden. Die meisten Dinge lassen sich reparieren, bei YouTube findest du für fast alle Probleme Anleitungen. Und zur Not helfen dir auch Repair-Cafés und lokale Werkstätten weiter.

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(1) Kommentar

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    Die Deutsche Umweltstiftung realisierte eine zweimonatige Kampagne zur Förderung einer Zukunft, die sich vom Mantra des Wachstums emanzipiert. Darin sollen beispielhaftes Engagement vorgestellt und konkrete Tipps für individuelle Handlungsmöglichkeiten gegen unbedachten Konsum aufgezeigt werden.