Oxfam-Bericht: Aldi, Edeka und Co. kümmern sich am wenigsten um Menschenrechte

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Foto: CC0 Public Domain Pixabay

Große Supermarktketten wie Aldi, Edeka, Lidl und Rewe und andere tun wenig, um die Menschenrechte der Arbeiter in den verschiedenen Lieferketten zu gewährleisten – das zeigt eine aktuelle Analyse von Oxfam. Der Profit sei wichtiger als die Arbeitsbedingungen bei den Zulieferern, kritisiert die Organisation.

Löhne unter dem Existenzminimum für Erntehelfer, Zwangs- und Kinderarbeit auf Kaffeeplantagen oder sexuelle Belästigungen auf Erdbeerfarmen – jedes Mal wenn solche oder ähnliche Skandale bekannt werden, schieben die Supermärkte die Verantwortung auf ihre Zulieferer.

Aber welche Maßnahmen ergreifen die Supermärkte selbst, um die Menschen zu schützen, die unsere Lebensmittel produzieren?

Nicht genug – zu diesem Ergebnis kommt die Hilfsorganisation Oxfam in ihrem aktuellen Bericht „Die Zeit ist reif“. Für den Bericht hatte Oxfam 16 international tätige Supermarktketten aud Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und USA untersucht. Die Kriterien:

  • Transparenz und Rechenschaftspflicht
  • Schutz der Rechte von Arbeiter/innen
  • Umgang mit Kleinbäuerinnen und Kleinbauern
  • Schutz vor Gewalt gegen und Ausbeutung von Frauen

Für jeden Bereich konnten die Supermärkte zwischen 0 und 100 Prozent erzielen.

Aldi, Edeka und Co. auf den letzten Plätzen

Besonders Aldi, Edeka, Lidl und Rewe enttäuschten: „Im Vergleich zu anderen großen europäischen Supermärkten schneiden Deutschlands Big Four mit am schlechtesten ab“, heißt es in dem Bericht. Keine der vier Supermärkte erhielt in irgendeiner der Kategorien mehr als 8 Prozent. Selbst der amerikanische Walmart steht in dem Bericht besser da, als die deutschen Konzerne.

Zwar haben Aldi, Lidl und Co diverse Richtlinien und Unternehmensstandards, allerdings greifen die laut Oxfam zu kurz: „Keiner der bewerteten deutschen Supermärkte hat sich als Gesamtkonzern explizit […] verpflichtet, die UN-Leitprinzipien einzuhalten und entsprechend Bericht zu erstatten.“

Die Supermärkte profitieren, die Arbeiter leben unter dem Existenzminimum

Außerdem veröffentliche keine der vier Ketten die Namen und Standorte von Lieferanten, die besonders „risikobehaftete“ Produkte wie Kaffee, Bananen oder Garnelen verkaufen. Für Verbraucher sei es deshalb „nahezu unmöglich, informierte Kaufentscheidungen zu treffen oder Supermärkte zur Rechenschaft zu ziehen.“

Außerdem kritisiert Oxfam, dass Kleinbauern und Arbeiter in der Produktion solcher Lebensmittel so wenig verdienen, dass sie unter dem Existenzminimum liegen. Gleichzeitig würden die Supermärkte immer mehr vom Verkaufserlös für sich behalten.

Britische Supermärkte tun mehr

Andere europäische Supermärkte schnitten besser ab als die aus Deutschland, aber auch bei ihnen gibt es laut Oxfam noch viel zu tun. Den Spitzenplatz belegen die britischen Supermarktketten Tesco und Sainsbury. Sie kamen beispielsweise in der Kategorie „Schutz der Rechte von Arbeiter/innen“ auf 42 beziehungsweise 38 Prozent – immer noch wenig, aber ein Vielfaches mehr als die deutschen Handelsketten.

Die vier großen Supermärkte haben sich bereits zu dem Bericht von Oxfam geäußert: „Die Bewertung ist intransparent und daher für uns nicht nachvollziehbar“, sagte ein Vertreter von Edeka der Tageszeitung (taz). Aldi und Lidl verwiesen auf die zunehmende Zahl an Produkten mit Siegeln und Zertifikaten. Rewe kündigte Gespräche mit Oxfam an, berichtet die taz.

Aldi, Edeka, Lidl und Rewe sollten ihre Marktmacht nutzen

Oxfam sieht die Schuld an den vielen Menschenrechtsverletzungen nicht nur bei den Supermärkten. Auch Faktoren wie die Wirtschaft, Politik oder Machtverhältnisse vor Ort würden eine Rolle spielen. Die Supermärkte hätten jedoch eigentlich die Möglichkeit, etwas zu verändern:

„Mit ihrer starken Marktposition könnten sie soziale und ökologische Standards in der Lebensmittelproduktion durchsetzen und Menschenrechtsverletzungen verhindern. Doch stattdessen missbrauchen sie ihre Macht, indem sie einen enormen Preisdruck auf Lieferanten ausüben und damit eine sozial gerechte und nachhaltige Lebensmittelproduktion erschweren oder sogar unmöglich machen.“

Mit einer Petition will Oxfam die vier großen Supermarkt-Ketten dazu bringen, strengere Standards durchzusetzen. Hier könnt ihr den Appell von Oxfam an Aldi, Edeka, Lidl und Rewe unterzeichnen.

Hier die einzelnen Ergebnisse des Supermarkt-Checks (PDF) und der gesamte Bericht von Oxfam (PDF)

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