Buch-Tipp: Aufschrei der Meere – was unsere Ozeane bedroht

Fotos: Jag_cz / stock.adobe.com; Ullstein-Verlag

Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, um „Aufschrei der Meere“ zu lesen. Denn: Das Buch zeigt nicht nur, was das Wasser und seine Bewohner gefährdet, sondern macht auch klar, warum wir den Umweltschutz auf keinen Fall vernachlässigen dürfen.

Wegen Corona bleibt mir momentan viel Zeit zum Lesen. Die habe ich genutzt, um mir ein Buch vorzuknöpfen, das schon lange auf meinem Nachtkästchen lag: „Aufschrei der Meere“ von der Journalistin Ina Knobloch und dem Schauspieler und Aktivisten Hannes Jaenicke erschien bereits letztes Jahr beim Ullstein-Verlag. Doch der Inhalt ist so aktuell und wichtig wie nie.  

Von Klimawandel und Killerseesternen

Anders als der Name vermuten lässt, handelt „Aufschrei der Meere“ nicht nur vom Meer, sondern auch von Flüssen, Seen und ihren Bewohnern. Und vor allem von der Dreistigkeit, mit der wir Menschen all das ausbeuten.

Viele der Missstände, die Knobloch und Jaenicke anklagen, sind bekannt: Zum Beispiel, dass die Meere von immer mehr Plastikmüll durchseucht sind, der Walen, Delfinen und zahlreichen anderen Meereslebewesen zum Verhängnis wird. Oder dass dieser Plastikmüll zusammen mit dem Klimawandel droht, die sensible Balance der Ökosysteme im Ozean aus dem Gleichgewicht zu bringen. Die Folgen sehen wir als Bilder von toten Walen oder Müllstrudeln oft genug in der Presse.

Doch es gibt auch viele Katastrophen, die es nicht in die Schlagzeilen schaffen – unter anderem, weil sie erst unter der Meeresoberfläche sichtbar werden. In Kalifornien werden beispielsweise Seesterne von einer geheimnisvollen Seuche dahingerafft. In einem anderen Erdteil, am Great Barrier Reef in Australien, breiten sich ungehindert „Killerseesterne“ aus, die die Korallen zerstören. Die Ursache? Ungewiss.

Andere Katastrophen lassen sich ganz klar uns Menschen zuordnen. Jaenicke und Knobloch mahnen zum Beispiel, dass die Industrie seit Jahrzehnten unterirdische Tangwälder rodet, die unzähligen Arten als Nahrungsquelle und Schutz dienen. Oder dass zum Beispiel Delfine jahrzehntelang im großen Stil misshandelt wurden, nicht nur in Delfinarien sondern auch bei Drehs, zweifelhaften Experimenten und sogar zu militärischen Zwecken.

Wie viel werden die Meeresbewohner noch aushalten müssen, wie viel die Ozeane noch wegstecken? Nicht mehr viel, davon sind die beiden Autoren überzeugt. „Aufschrei der Meere“ ist ihr Aufruf zum Handeln – an die Politik und an uns Verbraucher*innen.

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Von der Filmindustrie, Militär und Jägern: „Aufschrei der Meere“ erklärt, wie grausam Delfine von Menschen misshandelt werden.

Aufschrei der Meere: Mix aus Fakten, Mythen und Anekdoten

Wer „Aufschrei der Meere“ aufschlägt, findet darin keine trockene Aneinanderreihung von Studienergebnissen. Das Buch liest sich viel persönlicher: Es vermischt wissenschaftliche Erkenntnisse mit Anekdoten der Autoren aus ihrer Kindheit oder Erlebnissen auf Reisen. Um die besondere Beziehung zwischen Mensch und Meer zu beschreiben, erzählen sie auch Meeresmythen nach. Knobloch zitiert zum Beispiel immer wieder Szenen einer Maori-Sage, in der ihre Namensvetterin Ina zusammen mit einem Hai auszieht, um den Zorn des Meergottes zu besänftigen.

Dem Schicksal der Haie haben die Autoren ein ganzes Kapitel gewidmet, genauso Aalen, Lachsen, Seepferdchen, Meeresschildkröten, Walen, Feuerfischen, Rochen, Kraken und Delfinen. In jeden Abschnitt erzählt erst Ina Knobloch, dann folgt die Ansicht von Hannes Jaenicke. Die einzelnen Abschnitte ähneln Monologen, in denen die beiden nicht nur ihr Wissen, sondern auch ihr Entsetzen über die Missstände im Meer und an Land ausdrücken. Natürlich ähneln sich die Aussagen der beiden – schade, dass der Verlag nicht mehr darauf geachtet hat, Wiederholungen innerhalb der Kapitel zu vermeiden. 

Fazit: Die Ozeane sind am Ende – und wir müssen handeln!

„Aufschrei der Meere“ ist genau das, was der Titel verspricht – ein Aufschrei. Nicht der Meere, sondern von zwei Umweltschützern, die entsetzt darüber sind, was die Menschen den Ozeanen antun. Eine wissenschaftliche und strukturierte Abhandlung über die Zustände der Ozeane darf man hier nicht erwarten, auch nicht eine gefühlvolle Liebeserklärung an das Meer. Dennoch liefern Knobloch und Jaenicke einen lesenswerten Appell an Verbraucher und Politik, der auf ungewohnte Art und Weise Neues vermittelt.

Wer sich nach der Lektüre engagieren möchte, für den gibt es eine Liste mit 99 Maßnahmen zur Rettung der Ozeane und des Klimas. Vieles davon lässt sich einfach umsetzen, zum Beispiel Aquarien zu boykottieren oder Bio-Waschmittel zu kaufen.

Mehr Infos und Tipps dazu, wie du die Ozeane schützen kannst, findest du hier:

„Aufschrei der Meere“: Über die Autoren

Dr. Ina Knobloch arbeitet als Filmproduzentin und freie Autorin. Sie ist promovierte Biologin und engagiert sich seit Jahren für den Umweltschutz.

Hannes Jaenicke arbeitet als Schauspieler und Dokumentarfilmer. Er veröffentlichte bereits andere Bücher zum Umweltschutz, unter anderem „Wut allein reicht nicht“ (2010).

Hannes Jaenicke, Dr. Ina Knobloch: „Aufschrei der Meere“ Erschienen bei Ullstein, Berlin 2019, 317 Seiten, 20 Euro, ISBN: 978-3-550-20047-2

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