Buch-Tipp: Ich brauche nicht mehr – ein philosophischer Blick auf Glück und Konsum

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Wir wollen das neueste Smartphone, die coolsten Apps und die trendigsten Sneaker – jedes Jahr aufs Neue. Doch macht uns das wirklich glücklicher? Und welche Auswirkungen hat unser Kaufrausch auf die Erde? „Ich brauche nicht mehr“ beantwortet diese Fragen – auch aus philosophischer Sicht.

„Alles begann in einer Zeit, in der die Menschen sich jeden Morgen schwungvoll einen unförmigen Stofflappen um den Körper wickelten […]. In der ein abenteuerlicher Mix aus Gerstengraupen, geriebenem Ziegenkäse und Wein ein beliebtes Erfrischungsgetränk war und Männer mit Äpfeln nach ihrer Angebeteten warfen, um ihr Interesse zu bekunden.“

Mit diesen Worten führt Autorin Ines Maria Eckermann in ihr konsumkritisches Buch „Ich brauche nicht mehr“ ein. Das ganze erste Kapitel ist der Frage gewidmet, was Glück wirklich bedeutet – und wie es sich moderne und vor allem antike Philosophen vorstellen. Denn schon die alten Griechen lebten im Luxus – zumindest verglichen mit vielen anderen Gegenden der antiken Welt. Doch trotz ihres materiellen Wohlstandes waren nicht alle glücklich. Ein Problem, das auch unsere heutige Gesellschaft beschäftigt.

„Ich brauche nicht mehr“: gelassenen Konsum lernen

Was treibt uns zum Konsum und wie können wir nachhaltig glücklich werden? Diesen Fragen versucht Eckermann auf den Grund zu gehen. Ihr Buch Ich brauche nicht mehrgliedert sich in folgende Kapitel, die je einen Themenschwerpunkt behandeln:

  • Glück: Was ist das eigentlich?
  • Pleonexia: Die Angst, nie genug zu haben
  • Marken, Medien, Materialismus: Wieso wir so viel konsumieren (wollen)
  • Nachhaltigkeit: Bedeutung und Probleme durch unseren Konsum
  • Minimalismus: Wo fange ich an?
  • Konsumgelassenheit: Wie kann ich bewusst kaufen lernen?

Wir haben Angst, etwas zu verpassen

Ich brauche nicht mehrist kein Ratgeber für Minimalismus. Vielmehr versucht die Autorin Ines Maria Eckermann, ihrem Leser die Hintergründe unseres Konsums zu erklären – von einem philosophischen, psychologischen und ökologischen Standpunkt aus.

Dabei verweist Eckermann auch auf Pleonexia – „das Mehr-haben-wollen, die Sucht nach neuem, Zusätzlichem“. Sie sei daran Schuld, dass wir immer die trendigsten Neuheiten kaufen und viertelstündlich aufs Smartphone starren, weil wir Angst haben, etwas zu verpassen. Und weil wir uns immer wieder zum Kaufen verführen lassen, verbrauchen wir unnötig Ressourcen. Dadurch wirkt sich unsere Pleonexia auch auf die Umwelt aus.

Was also tun? Dem gesellschaftlichen Kaufdruck zu entkommen, ist nicht leicht – aber machbar. Die Autorin erzählt anhand von Anekdoten, wie sie selbst lernte, gelassener zu konsumieren. Außerdem gibt sie ihren Lesern allerlei Tipps, wie sie sich von FOMO – der Fear Of Missing Out – lösen und an weniger erfreuen können (JOMO – Joy Of Missing Out).

Fazit: Konsumkritik mit Humor

„Ich brauche nicht mehr“ kann man mit einem philosophischen Werk vergleichen – es liest sich aber nicht wie eins. Die Autorin erklärt komplexe Theorien einfach und mit viel Humor: Diogenes, ein heimatloser Asket? Kennen wir, digitale Nomaden trifft man in jedem Großstadt-Café.

Doch Eckermanns Buch liefert auch viele Denkanstöße, die den Leser noch lange beschäftigen werden. Schon die alten Griechen wussten also, dass Konsum allein nicht glücklich macht. Trotzdem sind wir ihm heute mehr verfallen denn je. Gleichzeitig versorgt das Buch den Leser mit Hintergrundwissen und gibt hilfreiche Tipps für den Alltag.

Über die Autorin: Dr. Ines Maria Eckermann promovierte in Philosophie über die Aktualität antiker Glückstheorien. Heute arbeitet sie als Journalistin und Autorin und hält Workshops und Vorträge zu den Themen Nachhaltigkeit, Glück und Achtsamkeit.

Das Buch:Ich brauche nicht mehr“ ist im Tectum-Verlag erschienen, circa 320 Seiten.

ISBN: 3828841732

Kaufen**: für 25,00 Euro beim lokalen Buchhändler deines Vertrauens oder online bei Buch7 oder Ecobookstore.

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(1) Kommentar

  1. Zu diesem Thema ist immer noch lesenswert das Buch des Psychologen und (Religions-)Philosophen Erich Fromm, „Haben oder Sein“, erschienen in den 1970ern, zu einer Zeit, als Ökologie kaum und Minimalismus gar nicht im deutschen Wortschatz existierte.
    Früherer Bestseller und mehrfach neu aufgelegt, heute gebraucht für kleines Geld zu haben.