Schweine-Hochhäuser: In China entsteht eine neue Dimension der Massentierhaltung

Foto: Bill Northey (Twitter)

China will mehr Schweinefleisch produzieren und baut deswegen Hochhäuser für die Schweinezucht. Die Gebäude haben bis zu 13 Stockwerke. Selbst in der Hauptstadt entsteht aktuell ein solches Hochhaus. 

China konsumiert so viel Schweinefleisch wie kein anderes Land. Wegen der Afrikanischen Schweinepest wurden die Schweine-Bestände allerdings reduziert und China ist stark auf Importe angewiesen. Die chinesische Fleischindustrie sucht schon länger nach Wegen, um mehr Schweinefleisch produzieren zu können – unter anderem mithilfe von „Schweine-Hochäusern“.

In der Region Guangxi im Süden von China startete bereits 2018 ein entsprechendes Projekt: In einem etwas abgelegenen Gebiet umgeben von Gebirgen wurde eine Hochleistungs-Schweinezuchtanlage mit mehreren Hochhäusern für die Tiere gebaut. Das höchste Gebäude ist 13 Stockwerke hoch.

Die größte Schweine-Zuchtanlage der Welt

Auf elf Hektar sollen insgesamt 30.000 Sauen Platz haben, die jährlich 840.000 Ferkel produzieren sollen, hieß es zu Beginn des Bauprojekts. Zum Vergleich: Eine typische Schweinezucht-Anlage in China ist dem Medienunternehmen „PRI“ zufolge 13 Hektar groß und beherbergt etwa 8.000 Schweine.

Die Hochhäuser wurden für den Agrarbetrieb „Guangxi Yangxiang“ gebaut, er nennt sie auch „Schweine-Hotels“. „Hochhäuser haben große Vorteile“, erklärte Xu Jiajing, ein Farm-Manager des Betriebes der Nachrichtenagentur Reuters bereits 2018. „Sie sparen Energie und Ressourcen. Die Fläche ist nicht so groß, aber man kann viele Schweine aufziehen.“ So lassen sich auch Kosten für teures Bauland einsparen – Schlachtbetriebe einfach in die Höhe bauen.

So sehen die Hochhäuser von außen und innen aus (Video):

Auch in Großstädten entsteht ein Schweine-Hochhaus

Inzwischen baut China nicht nur in ländlichen Gegenden solche Hochhäuser. Wie „agrarheute“ berichtet, entsteht die größte Schweinefarm in der Nähe der Großstadt Nanyang. Dort sollen 105.000 Sauen gehalten und jedes Jahr 2,1 Millionen Schweine „produziert“ werden.

Zusätzlich werden bereits bestehende Zuchtbetriebe wieder aufgebaut oder erweitert. Jede Provinz und jede größere Gemeinde solle eine bestimmte Menge an Schweinefleisch herstellen, um die Ernährungssicherheit zu gewährleisten.

Sieht so die Zukunft der Fleisch-Industrie aus?

Wenn so viele Tiere auf so engem Platz leben, steigt das Risiko, dass sich Krankheiten und Infektionen verbreiten. Das Unternehmen, das die Schweine-Hochhaus in der Nähe von Nanyang baut, versucht das zu vermeiden: Das Futter wird sterilisiert, die Luft wird gefiltert, Wärmebildkameras prüfen die Körpertemperatur der Schweine.

Das Modell aus China könnte zeigen, wo die Zukunft der Massentierhaltung liegt: Mit wachsender Bevölkerung und steigendem Wohlstand wird auch der Hunger nach Fleisch größer. Die Tiere in Hochhäusern zu züchten, ist für viele Fleischhersteller eine naheliegende Lösung.

„Wir bemerken eine höhere Nachfrage nach zwei- bis dreistöckigen Gebäuden“, sagte Peter van Issum von der Firma „Mikrofan“ der Nachrichtenagentur Reuters. Die Firma konzipierte das Belüftungssystem für die „Schweinestadt“ in China. „Die höheren [Gebäude] sind noch eine Ausnahme, aber das könnte sich in Zukunft schnell ändern.“

Schweine-Hochhaus in Deutschland

Ganz neu ist die Idee allerdings nicht – auch nicht in Deutschland: In Sachsen-Anhalt wurde bereits seit den 70er-Jahren ein Schweine-Hochhaus erbaut: Dort wurden Schweine auf sechs Etagen gehalten.

Wie verdeckte Videoaufnahmen Anfang aus dem Jahr 2018 zeigten, waren die Zustände dort katastrophal: Die Tiere wurden in engen Käfigen gehalten, über Fahrstühle transportiert und hatten keinen Auslauf. Das Tageslicht bekamen sie nicht zu sehen. Teilweise wurden die Schweine außerdem geschlagen und getreten. Nachdem die Videoaufnahmen veröffentlicht wurden, musste der Betreiber das Hochhaus schließen.

Utopia meint: In Deutschland legt das Corona-Virus gerade die unerträglichen Zustände in der Massentierhaltung offen. Wir brauchen ein Ende – und keine Zukunft auf mehreren Etagen.

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