Das Schweinehochhaus bei Halle – ein Jahr nach dem Skandal

Ralf Lotys (Sicherlich) [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Schweinezucht auf sechs Etagen – das „Schweinehochhaus“ in Sachsen-Anhalt hat letztes Jahr fragwürdige Berühmtheit erlangt. Nach verdeckten Videoaufnahmen stand der deutschlandweit einzigartige Berieb stark in der Kritik. Seit rund einem Jahr steht das Hochhaus leer, wie es damit weiter geht, ist unklar. 

Massentierhaltung in einer erschreckenden Dimension: In Maasdorf bei Halle steht ein 25 Meter hohes „Schweinehochhaus“, ein Prestigeobjekt der ehemaligen DDR, das Ende der 60er-Jahre erbaut wurde. Noch bis vergangenes Jahr fanden dort tausende Tiere Platz. Die Schweine wurden in engen Käfigen gehalten und über Fahrstühle transportiert – verdeckte Videoaufnahmen zeigten außerdem: Die Tiere wurden brutal gequält.

Die Tierschutzorganisation „Deutsches Tierschutzbüro“ hatte über mehrere Monate versteckte Kameras in dem Hochhaus installiert. Die Bilder sind nur schwer zu ertragen: Die Schweine wurden getreten, misshandelt und sogar totgeschlagen. „Du verdammtes Vieh“, schrie ein Arbeiter, bevor er ein kleines Ferkel gewaltsam in eine Kiste schmetterte.

Hier das Video bei YouTube:

Schweinehochhaus sollte modernisiert werden

Die Aufnahmen aus dem Schweinehochhaus haben deutschlandweit für Entsetzen gesorgt. Das Deutsche Tierschutzbüro erstattete Anzeige, die Staatsanwaltschaft ermittelt noch. Der Druck auf den Betreiber stieg – mit Erfolg: Im April vergangenen Jahres erklärte er, vorerst keine Schweine mehr nachzuzüchten. Laut der Tierschutzorganisation steht das Hochhaus seit Anfang Oktober 2018 leer – inzwischen also rund ein Jahr.

Die Betreiber hatten angekündigt, ein Konzept für eine tier- und umweltfreundlichere Schweinezucht zu erarbeiten. Die Anlage sollte entsprechend umgebaut und modernisiert werden. „Sollte ein Weg gefunden werden, der sich auch wirtschaftlich darstellen lässt, wird so bald wie möglich mit der Rekonstruktion begonnen“, hieß es in einer Erklärung des Unternehmens. Wie es um diese Pläne inzwischen steht, ist nicht bekannt.

Ob eine „tiergerechte“ Zucht in dem Schweinehochhaus überhaupt möglich ist, ist zweifelhaft. Selbst wenn das Gebäude modernisiert wird, werden die Tiere in den sechs Etagen ihr Leben lang kein Sonnenlicht sehen. Tausende Schweine auf engstem Raum zu halten, lässt sich nicht „tierfreundlich“ gestalten. Das Deutsche Tierschutzbüro fordert den Abriss des Hochhauses.

Utopia meint: Auch wenn das Schweinehochhaus eine besonders absurde Form der Massentierhaltung ist – in vielen anderen industriellen Betrieben geht es den Tieren nicht besser. In deutschen Schweineanlagen sind die Zustände so katastrophal, dass jährlich mehr als 13 Millionen Schweine an Krankheiten und Verletzungen sterben oder „notgetötet“ werden müssen. Wer dieses Leid nicht unterstützen will, sollte vor allem Billigfleisch aus dem Supermarkt meiden – und seinen Fleischkonsum grundsätzlich überdenken. Bei Fleisch und anderen tierischen Produkten gilt generell: Weniger ist mehr.

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(5) Kommentare

  1. Sind die Tierärzte, welche solche Betriebe kontrollieren sollen, blind auf beiden Augen? Oder genau so abgebrüht wie die Betreiber/Mitarbeiter dieser Anlagen? Echte Tierärzte sind meiner Meinung nur die, welche sich wirklich für das Wohl der Tiere einsetzen und ihren Beruf nicht nur als Gelddruckmaschine sehen. Als ehemaliger Lieferant von Düngekalken bin ich oftmals auf (baufällige) Höfe gekommen, wo ich oftmals gedacht habe:Eyeyeyeiii! Zum Glück gibt es mittlerweile immer mehr auch wirklich sehr gut geführte Betriebe, welche ich sehr gerne beliefert habe, weil ich sehen konnte, dass es den Tieren dort wirklich gut geht. Dennoch: mein Essverhalten, was Fleisch anbetrifft hat sich seit etlichen Jahren sehr gewandelt, man könnte es auch als gestört bezeichnen. Dennoch: ein gelegentlicher Sauerbraten, Bratwurst oder so, schmecken mir auch heute noch.Gerade fällt mir noch rechtzeitig ein: Über den Unterschied zwischen Tierärzten und Veterinären muss ich mich bei Wikip…. mal ein wenig schlauer machen. Ändert aber nichts an meiner Grundmeinung.

  2. Hallo Wuselix,
    um die Tierärzte wenigstens ein bisschen zu verstehen, hat mir dieser Artikel hier geholfen: https://www.animalequality.de/neuigkeiten/interview-tieraerztin-schlachthof
    Hier ein Auszug:
    „Was passiert, wenn ich als Veterinär einen solchen Fall melde?

    Wenn ich das mache, habe ich als Veterinär etwa ein halbes Jahr lang bis zum Gerichtstermin buchstäblich Theater. Bis dahin werde ich vom Schlachthofbetreiber gemobbt und muss nach all der Zeit noch beweisen können, dass wirklich etwas schief lief. Und unter den Mitarbeitern werden garantiert keine Zeugen zu mir stehen, weil sie alle Angst um ihren Job haben. Oft genug verläuft das Ganze dann im Sande – und ich als Veterinär hatte den ganzen Ärger umsonst. Das ist frustrierend.“

    Es ist zwar auch nur in gewisser Weise nachvollziehbar, aber ich kann mir schon vorstellen, dass man ziemlich alleine dasteht gegen diese riesige Fleisch-Lobby. Daher ist für mich die einzig logische Konsequenz – damit so etwas nicht in meinem Namen passiert – die vegane Ernährung. Vielleicht probierst du dich mal durch die pflanzlichen Alternativen von Bratwurst und Co. 🙂

  3. Es ist eine Schande, dass es solche Respektlosigkeit und Grausamkeit gegenüber unschuldigen und wehrlosen Tiere in der heutigen Zeit noch gibt. Hier wären unsere Politiker und Behörden gefordert, für die aber Tiere nur „Sachen“ sind. Die Grausamkeit an fühlenden Lebewesen, in denen genauso ein Herz schlägt, wie in uns, interessiert seit Jahrzehnten unsere Politik nicht. Umso größer der Widerspruch,  bei dem Wort „christlich“ oder „sozial“ in so manchem Parteinamen… Wir Deutsche geben uns immer so intelligent und gebildet. Dies ist wieder einmal ein Beispiel wie weit unsere Fähigkeit oder Bereitschaft reicht, verantwortungsvoll zu denken und zu handeln.

  4. Ich habe gar keine Worte für sowas!
    Dass soviel Missachtung gegen das Leben in unserem Land nicht geahndet und rigoros verboten wird, ist mir unbegreiflich.
    Wie dumm kann ein Mensch sein, etwas ohne Not zu essen, was auf derart viel Leid basiert?