Tierquälerei in Schweinehochhaus: Jetzt erhält der Betreiber eine Auszeichnung

Foto: Von Ralf Lotys (Sicherlich) - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15395526

Das Schweinehochhaus in Sachsen-Anhalt ist deutschlandweit einzigartig: Dort werden Schweine auf sechs Etagen gezüchtet. Nach verdeckten Videoaufnahmen aus der Anlage geriet der Betrieb stark in Kritik – jetzt hat der Betreiber eine spezielle Auszeichnung erhalten.

Massentierhaltung in einer erschreckenden Dimension: In Maasdorf bei Halle steht ein 25 Meter hohes „Schweinehochhaus“, in dem tausende Tiere Platz finden. Die Schweine werden dort in engen Käfigen gehalten und über Fahrstühle transportiert – verdeckte Videoaufnahmen zeigen außerdem: Die Tiere werden hier brutal gequält.

Die Tierschutzorganisation „Deutsches Tierschutzbüro“ hat dem Betreiber der Anlage nun einen Preis verliehen – nämlich den „Preis der Herzlosigkeit 2018“. Die Organisation vergibt diese Negativ-Auszeichnung nach eigenen Angaben einmal jährlich an Deutschlands größte Tierquäler. Im vergangenen Jahr war es ein Düsseldorfer Kaufhaus für seine Geschäfte mit Pelzen.

Tritte und Schläge für die Schweine

Die Zustände in dem Schweinehochhaus sind gut dokumentiert – das deutsche Tierschutzbüro hatte über mehrere Monate versteckte Kameras in dem Hochhaus installiert. Im März veröffentlichte Stern TV die Aufnahmen in einer Reportage.

Die Bilder des Tierschutzbüros sind nur schwer zu ertragen: Die Schweine werden getreten, misshandelt und sogar totgeschlagen. „Du verdammtes Vieh“, schreit ein Arbeiter, bevor er ein kleines Ferkel gewaltsam in eine Kiste schmettert.

Hier das Video bei YouTube:

Schweinehochhaus soll modernisiert werden

Der Betrieb wird regelmäßig behördlich kontrolliert, hieß es in der Stern-TV-Reportage. Die Kontrollen hatten aber offenbar wenig Wirkung. Am 25. Januar wurde in dem Hochhaus versucht, insgesamt 15 Ferkel zu töten. Sie wurden an den Hinterbeinen genommen und auf den Boden geschlagen – eine Prozedur, die verboten ist.

Das Schweinehochhaus war ein Prestigeobjekt der ehemaligen DDR und wurde Ende der 60er-Jahre erbaut. Das Deutsche Tierschutzbüro filmt und fotografiert schon seit 2013 Verstöße in dem Betrieb und stellte mehrere Strafanzeigen. Auch aktuell läuft eine Anzeige gegen den Betreiber.

Dieser hatte im April angekündigt, vorerst keine Schweine mehr nachzuzüchten, sodass das Hochhaus bis September leer werde. Anschließend wolle man die Anlage umbauen und modernisieren, damit die Schweinehaltung tier- und umweltgerechter fortgeführt werden könne.

Petition: Schweinehochhaus schließen

Dass eine „tiergerechte“ Zucht in dem Schweinehochhaus möglich ist, bezweifelt das Tierschutzbüro jedoch. Der Betreiber sei noch in weitere Zuchtbetriebe in Deutschland involviert. Er „und seine Unternehmen haben sich bisher dadurch ausgezeichnet, leidvolle und quälerische Zustände für Tiere zum Geschäft zu machen und den Profit klar vor das Tierwohl zu stellen“, schreibt die Organisation auf ihrer Webseite. Mit dem „Preis der Herzlosigkeit 2018″ will sie auf das Problem aufmerksam machen. In einer Petition an die zuständige Landeswirtschaftsministerin fordert sie außerdem, das Schweinehochhaus komplett zu schließen.

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(5) Kommentare

  1. Sind die Tierärzte, welche solche Betriebe kontrollieren sollen, blind auf beiden Augen? Oder genau so abgebrüht wie die Betreiber/Mitarbeiter dieser Anlagen? Echte Tierärzte sind meiner Meinung nur die, welche sich wirklich für das Wohl der Tiere einsetzen und ihren Beruf nicht nur als Gelddruckmaschine sehen. Als ehemaliger Lieferant von Düngekalken bin ich oftmals auf (baufällige) Höfe gekommen, wo ich oftmals gedacht habe:Eyeyeyeiii! Zum Glück gibt es mittlerweile immer mehr auch wirklich sehr gut geführte Betriebe, welche ich sehr gerne beliefert habe, weil ich sehen konnte, dass es den Tieren dort wirklich gut geht. Dennoch: mein Essverhalten, was Fleisch anbetrifft hat sich seit etlichen Jahren sehr gewandelt, man könnte es auch als gestört bezeichnen. Dennoch: ein gelegentlicher Sauerbraten, Bratwurst oder so, schmecken mir auch heute noch.Gerade fällt mir noch rechtzeitig ein: Über den Unterschied zwischen Tierärzten und Veterinären muss ich mich bei Wikip…. mal ein wenig schlauer machen. Ändert aber nichts an meiner Grundmeinung.

  2. Hallo Wuselix,
    um die Tierärzte wenigstens ein bisschen zu verstehen, hat mir dieser Artikel hier geholfen: https://www.animalequality.de/neuigkeiten/interview-tieraerztin-schlachthof
    Hier ein Auszug:
    „Was passiert, wenn ich als Veterinär einen solchen Fall melde?

    Wenn ich das mache, habe ich als Veterinär etwa ein halbes Jahr lang bis zum Gerichtstermin buchstäblich Theater. Bis dahin werde ich vom Schlachthofbetreiber gemobbt und muss nach all der Zeit noch beweisen können, dass wirklich etwas schief lief. Und unter den Mitarbeitern werden garantiert keine Zeugen zu mir stehen, weil sie alle Angst um ihren Job haben. Oft genug verläuft das Ganze dann im Sande – und ich als Veterinär hatte den ganzen Ärger umsonst. Das ist frustrierend.“

    Es ist zwar auch nur in gewisser Weise nachvollziehbar, aber ich kann mir schon vorstellen, dass man ziemlich alleine dasteht gegen diese riesige Fleisch-Lobby. Daher ist für mich die einzig logische Konsequenz – damit so etwas nicht in meinem Namen passiert – die vegane Ernährung. Vielleicht probierst du dich mal durch die pflanzlichen Alternativen von Bratwurst und Co. 🙂

  3. Es ist eine Schande, dass es solche Respektlosigkeit und Grausamkeit gegenüber unschuldigen und wehrlosen Tiere in der heutigen Zeit noch gibt. Hier wären unsere Politiker und Behörden gefordert, für die aber Tiere nur „Sachen“ sind. Die Grausamkeit an fühlenden Lebewesen, in denen genauso ein Herz schlägt, wie in uns, interessiert seit Jahrzehnten unsere Politik nicht. Umso größer der Widerspruch,  bei dem Wort „christlich“ oder „sozial“ in so manchem Parteinamen… Wir Deutsche geben uns immer so intelligent und gebildet. Dies ist wieder einmal ein Beispiel wie weit unsere Fähigkeit oder Bereitschaft reicht, verantwortungsvoll zu denken und zu handeln.

  4. Ich habe gar keine Worte für sowas!
    Dass soviel Missachtung gegen das Leben in unserem Land nicht geahndet und rigoros verboten wird, ist mir unbegreiflich.
    Wie dumm kann ein Mensch sein, etwas ohne Not zu essen, was auf derart viel Leid basiert?