Corona-Demo: Kabarettist erteilt Demonstrant*innen eine Lektion

Foto: Screenshot Youtube / Florian Schroeder

Am Wochenende fand erneut eine Demonstration gegen die Coronamaßnahmen statt – dieses Mal in Stuttgart. Als Redner war unter anderem der Kabarettist Florian Schroeder geladen. Er lieferte allerdings einen etwas anderen Auftritt als Veranstalter*innen und Gäste erwartet hatten. Das Video der Rede ging viral.  

Etwa 1.500 Teilnehmer*innen versammelten sich am Samstag in Stuttgart, um gegen die aktuelle Corona-Politik zu demonstrieren. Die Gruppe „Querdenken 711“ organisiert dort bereits seit April regelmäßig Proteste.

Für die Veranstaltung am Samstag hatten die Organisator*innen Florian Schroeder eingeladen, einen Kabarettisten und Moderator, der vor allem aus der ARD bekannt ist. Offenbar hatten sie einen satirischen NDR-Auftritt von Schroeder gesehen und waren davon ausgegangen, dass er die Coronamaßnahmen ebenfalls ablehnt.

Schroeder: „Sind unsere Medien gesteuert?“

Zu Beginn seiner Rede erweckt Schroeder noch den Eindruck, dass er ein Gleichgesinnter sei. Er komme aus dem „Mainstream“ und habe seinen Auftritt beim NDR dazu genutzt, „die Wahrheit“ zu sagen. In Stuttgart – der Stadt der Freiheit – wolle er nun über Dialektik reden.

Nach ein paar anfänglichen Witzen beginnt er, die Hauptargumente der Demonstrant*innen auseinander zu nehmen. „Ich würde gerne von euch wissen: Sind unsere Medien gesteuert?“ Die Antwort der Teilnehmenden ist im Video deutlich zu hören. „Ja!“.

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Florian Schroeder bei seiner Rede (Foto: Screenshot Youtube / Florian Schroeder)

Daraufhin zählt Schroeder einige Fakten auf: Das Gesundheitsministerium habe vor dem Shutdown mehrere Male Fake News zurückgenommen, nach denen Einschränkungen des öffentlichen Lebens bevorstünden. Kurze Zeit später seien die Einschränkungen eingetreten. Das Robert-Koch-Institut habe seine Bewertung von Masken mehrere Male geändert. Nicht das Robert-Koch-Institut habe Ischgl als Hotspot identifiziert, sondern der Hamburger Senat.

Während Schroeder redet, jubeln die Zuschauer*innen. Dann stellt er eine weitere Frage: „Woher habe ich diese Informationen, die ich jetzt kurz hier vorgetragen habe? Ich habe sie aus dem Spiegel und aus der Zeit. Aus dem Mainstream. Sind unsere Medien also alle gesteuert? Wenn ja, dann stünde das vielleicht gar nicht im Spiegel und in der Zeit. Sind unsere Medien wirklich gesteuert?“

Hier kannst du das Video auf Youtube ansehen:

Abweichende Meinungen aushalten

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Die Teilnehmer*innen der Demo protestierten unter anderem gegen die Maskenpflicht. (Foto: Drazen / stock.adobe.com)

In einem ähnlichen Stil macht Schroeder weiter: „Leben wir in einer Diktatur? Leben wir in einer Corona-Diktatur?“ Dieses Mal ist das „Ja!“ der Demonstrant*innen noch lauter. „Ich glaube nicht, dass wir in einer Diktatur leben“, sagt Schroeder. „Denn wenn wir irgendeine Form von Diktatur hätten, dürftet ihr hier euch heute gar nicht versammeln, dann dürftet ihr hier gar nicht stehen und ich dürfte gar nicht sprechen.“

Bei der nächsten Frage thematisiert Schroeder den Vorwurf, dass man heutzutage seine Meinung nicht mehr frei äußern dürfe. „Wollt ihr die totale Meinungsfreiheit?“ Auch hier ist die Antwort „Ja“. Der Kabarettist erklärt daraufhin, dass er überzeugt sei, dass Corona eine hochansteckende Krankheit ist. Maskentragen und Abstandhalten seien die wichtigsten Maßnahmen, um dagegen vorzugehen. Erwartungsgemäß wird Schroeder bei diesen Worten ausgebuht. „Das ist meine Meinung. Wenn ihr für Meinungsfreiheit seid, müsst ihr meine Meinung aushalten.“

Verantwortungslosigkeit ist keine Freiheit

Schroeders Botschaft an die Protestierenden: Auf Masken in engen Räumen zu verzichten, sei keine Freiheit, sondern Verantwortungslosigkeit. „Freiheit heißt, sinnvolle Einschränkungen akzeptieren. […] Eine Freiheit, die sich nur als Verantwortungslosigkeit zeigt, ist das Ende der Freiheit.“

Im Verlauf der Rede hört man immer wieder wütende Protest. „Bist du für die Diktatur?“, ruft ein Mann etwa. Auf Youtube hingegen kommt Schroeders Auftritt gut an. Das Video wurde mehr als 350.000 Mal aufgerufen (Stand 10.8.) – die Kommentare sind überwiegend positiv. „Ich wollte testen, ob die Verfechter der Meinungsfreiheit auch mit Meinungsfreiheit umgehen können“, kommentierte Schroeder seinen Auftritt am Montag im SWR-Radio. „Es ist die Pflicht eines Satirikers in dieser Zeit, genau so eine Aktion zu nutzen, um damit ein Stück Aufklärung zu betreiben“

Bitte lies unseren Hinweis zu Gesundheitsthemen.

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