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„Wir haben Angst“: Emotionaler Appell eines Bäckers geht viral

Foto: Screenshot Instagram landbaeckereibosselmann

Das Coronavirus stellt viele Firmen vor Herausforderungen – vor allem kleinere Unternehmen fürchten um ihre Existenz. Wie belastend die Situation für viele Menschen ist, zeigt ein Bäcker mit einem berührenden Video auf Instagram. Der Bäcker selbst steht aber ebenfalls in der Kritik.

Damit sich das Coronavirus nicht noch schneller ausbreitet, gilt zurzeit vor allem eines: zu Hause bleiben. Das hat Auswirkungen auf die Wirtschaft: Menschen kaufen weniger ein und nutzen weniger Dienstleistungen. Für viele Unternehmen sind die mangelnden Einnahmen existenzbedrohend.

Ein Bäcker aus Hannover macht in einem Instagram-Video auf dieses Problem aufmerksam. Unter Tränen erzählt Gerhard Bosselmann, was die aktuelle Situation für ihn als selbstständigen Bäcker bedeuten: „Wir brauchen einen bestimmten Mindestumsatz, sonst wird unser Unternehmen nach sechs bis acht Wochen sterben.“

„Der Mittelstand wird fallen gelassen.“

Zwar hat die Bundesregierung bereits einige Maßnahmen wie etwa Kurzarbeitergeld beschlossen, um bedrohten Unternehmen zu helfen. Allerdings seien solche Hilfen noch nicht angekommen, sagt Bosselmann. „Der Mittelstand wird fallen gelassen, es ist eine Katastrophe. Wir müssen uns selbst helfen. Und Sie als unsere Kunden können uns helfen und in schlechten Zeiten zu uns halten.“

Sein Appell lautet daher: „Gehen Sie zu Ihrem Bäcker um die Ecke, […] weil Sie retten damit Arbeitsplätze. […] Wir haben alle um unsere Jobs eine Scheiß-Angst.“ Im Video kämpft Bosselmann immer wieder mit den Tränen. Zehn Filialen habe er schon schließen müssen, wie es weitergeht, wisse er nicht.

Mehr als fünf Millionen Aufrufe auf Instagram

Zum Schluss des bedankt sich der Bäcker noch bei den Mitarbeiter*innen im Gesundheitsdienst. Ab sofort bekommen Sie Backwaren in seinen Filialen umsonst, sagt er sichtlich emotional. Bosselmann beendet sein Video mit diesem Satz: „In a world where you can be anything be kind.” („In einer Welt, in der du alles sein kannst, sei gütig.““

Das Video ging übers Wochenende viral: Allein auf Instagram wurde es mehr als fünf Millionen Mal aufgerufen. Selbst einige Prominente und Influencer*innen haben Kommentare hinterlassen. Allerdings gibt es auch Kritik: Auf Twitter tauchte ein Bild von einem Schreiben auf, dass der Unternehmer an seine Mitarbeiter*innen gerichtet hatte – und einige nicht sehr gütige Dienstanweisungen enthält.

Krankmeldungen nur mit Corona-Test

„Krankmeldungen wegen Erkältungen ohne Fieber werden nur mit vorgelegter Corona-Testierung akzeptiert“, heißt es in dem Schreiben. Andernfalls werde es keinen Lohn mehr geben. „Ich bin entschlossen, bei begründeten Zweifeln die Mitarbeiter zu versetzen oder zu entlassen.“ Wer die Corona-Krise und Kontaktverbote nicht ernst nehme, dem drohe ebenfalls eine fristlose Kündigung.

Bosselmann hat sich bereits zu dem Schreiben geäußert. Dem „Spiegel“ sagte er, er habe sich im Ton vergriffen. „Ich war einfach wütend und vor allem auch in Sorge.“ Ein Mitarbeiter habe ihn gefragt, ob er nach einer „Corona-Party“ noch zur Arbeit kommen müsse. Auf der Party war eine Person anwesend, die positiv auf Corona getestet wurde. Daraufhin habe Bosselmann das Schreiben mit den Drohungen verfasst. 

Utopia meint: Das Video und die fragwürdigen Dienstanweisungen von Bosselmann zeigen: die Nerven liegen blank. So wie dem Bäcker geht es aktuell vielen Unternehmer*innen. Bosselmann geht es noch besser als seinen Kolleg*innen aus anderen Branchen: Seine Filialen sind noch offen. Viele Unternehmen aus nicht systemrelevanten Bereichen mussten schließen – und machen jetzt überhaupt keine Einnahmen. So kannst du gefährdete Unternehmen unterstützen:

  • Kauf beim kleinen Lebensmittelladen, Bäcker, Obstmarkt oder Feinkostladen in deiner Umgebung ein.
  • Nutze Online-Angebote, etwa von Sportstudios.  
  • Kaufe Gutscheine, die du nach der Krise einlösen kannst.
  • Viele kleinere Buchhandlungen bieten einen Lieferservice. Bestelle dort Bücher.

Bitte lies unseren Hinweis zu Gesundheitsthemen.

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(1) Kommentar

  1. „Für viele Unternehmen sind die mangelnden Einnahmen existenzbedrohend.“
    – Richtig! Und das betrifft auch alle, die niemals mit dem Virus in Kontakt gekommen wären, weil sie regional wirtschaften.
    Dabei sind Schuldigen ganz einfach zu identifizieren: alle Wirtschaftszweige, die sich zunehmend auf den globalen Massen-Markt konzentrieren und dadurch die Gefahr und die Ausbreitung solcher Pandemien fördern!
    Und wie wir alle wissen, geht es diesen Firmen im Grunde nur um möglichst billige (Sklaven-) Arbeiter, für die konsumorientierte Wegwerf-Gesellschaft.
    Solange die Masse der Menschen bei dem allgegenwärtigen Raubbau unserer Erde und an unserer Gattung mitmacht oder schweigt, bekommen wir nur das was wir verdienen!
    Aber der schöne Schein beginnt dieser Tage zu bröckeln 🙂
    Ich hoffe das Beste! Viel zu lange wurde eine nachhaltige Entwicklung ausgebremst. Der hundertste Affe wurde schon vor langer Zeit geboren.