Das Kleiderschrank-Projekt: „Weniger Klamotten, aber immer etwas anzuziehen“

Foto: Utopia

Mode-Bloggerin Anuschka Rees weiß, wie die perfekte Garderobe aussieht, in ihrem Buch gibt sie dieses Wissen weiter. Eine Anleitung für Minimalismus im Kleiderschrank und wie man mit weniger (Mode-)Konsum glücklicher wird.

Trends, Stiltypen oder Must-haves – das gehört in den Kleiderschrank modebewusster Menschen. Oder? Anuschka Rees, Autorin und Mode-Bloggerin, ist anderer Meinung: Die perfekte Garderobe bildet den eigenen Stil ab, ist langlebig und vor allem vollständig. Und: Sie beinhaltet nur Kleidung, die auch wirklich getragen wird. Wer das beherzigt, konsumiert laut Rees automatisch bewusster, vermeidet Fehlkäufe, spart Geld, Zeit und schont Ressourcen – und handelt somit nachhaltiger.

„Nur Lieblingsteile haben Platz im Kleiderschrank“

Aufgeteilt in vier Abschnitte, liefert ihr Buch „Das Kleiderschrank-Projekt“ eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur perfekten Garderobe.

Die beginnt mit einer einfachen Übung: Sichten was man alles besitzt, was man davon gerne trägt und braucht, und was überflüssig ist. Um als nächstes überlegen zu können: Was würde ich gerne ändern?

Wer alles richtig macht, hat am Schluss nur noch Lieblingsteile im Kleiderschrank hängen und jeden Tag eine Antwort auf die Frage: „Was soll ich heute anziehen?“

Stilbewusstsein und Nachhaltigkeit

Anuschka Rees ist überzeugt, wer Stilbewusstsein besitzt, handelt nachhaltig. Denn, wer weiß was er mag und gerne trägt, verirrt sich nicht ziellos in großen Einkaufszentren und kauft unüberlegt und halbherzig jede Menge Kleidung, die eine angebliche Lücke im Kleiderschrank schließen soll.

„Eine wirklich gut funktionierende Garderobe passt optimal zu Ihrem Leben – genau so, wie es jetzt ist. Nicht zu dem Leben, das Sie gerne führen würden.“

Im Buch erfährt man Schritt für Schritt, wie man seinen Kleiderschrank am besten ausmistet. Eine wichtige Frage ist dabei: Welche Kleidung spiegelt nicht nur den eigenen Stil wieder, sondern passt auch zum Lebensstil? Wer einen Vollzeitjob hat und nur alle zwei Monate ein schickes Restaurant besucht, braucht beispielsweise mehr Kleidung für die Arbeit als Abendgarderobe.

Außerdem gibt das Buch Tipps dazu, wie man bewusst einkauft, gute Qualität erkennt, sein Budget optimal nutzt und die perfekt sitzende Kleidung findet. Dazu gibt es Beispiele für unterschiedliche Farbkonzepte, Anleitungen wie den „ultimativen Passform-Check“, sogenannte Outfit-Formeln („Was kombiniere ich womit?“), Shopping-Listen oder Anleitungen für verschiedene Garderoben: „normal“, Capsule Wardrobe oder Business Garderobe.

Buchtipp: Das Kleiderschrank-Projekt
Das Kleiderschrank-Projekt. (Foto: © Utopia)

„Wir kaufen pro Person siebzig Teile im Jahr, das ist mehr als eines pro Woche.“

Auch wenn die Bloggerin den übermäßigen Konsum kritisiert, in ihrem Buch geht sie leider weder auf die katastrophalen Arbeitsbedingungen der Näherinnen in Niedriglohnländern wie Bangladesch oder Indien ein, noch auf die massive Verschwendung von Rohstoffen wie Baumwolle; und auch nicht auf die Umweltschäden, die giftige Färbemitteln und Gerbstoffen verursachen.

Beim Modekonsum geht es Rees „vor allem darum, das Tempo herauszunehmen, den Prozess zu verlangsamen.“ Und das führe dann zwangsläufig zu bewussteren Entscheidungen beim Shoppen. Darum sei ihr Buch nachhaltig.

Für wen ist dieses Buch? Für Modeinteressierte, die gerne bewusster konsumieren würden; und für alle, die einen vollen Kleiderschrank, aber nichts anzuziehen haben.

Fazit: Das „Kleiderschrank-Projekt“ ist sehr ausführlich und führt Schritt für Schritt und bis ins kleinste Detail zu mehr Stilbewusstsein und einer reduzierten Garderobe. Wer gerne bewusster Mode konsumieren, seinen eigenen Stil finden und/oder seinen Kleiderschrank minimalistischer gestalten möchte, kann in dem Buch wertvolle Inspirationen finden. Weil es auf konkrete „Fashion-Vorschriften“ verzichtet, und gedankenlosen Konsum kritisiert, finden wir „Das Kleiderschrank-Projekt“ empfehlenswert.

Die Autorin: Anuschka Rees ist freie Autorin und lebt in Berlin. Sie studierte Sozialpsychologie und beschäftigt sich seit Jahren mit der Komplexität menschlicher Entscheidungsprozesse. Sie interessiert sich für Minimalismus und Mode. Über beide Themen schreibt sie auf ihrem Blog INTO MIND.

Das Buch: „Das Kleiderschrank-Projekt. Systematisch zum eigenen Stil und zu bewussterem Modekonsum“ von Anuschka Rees  (Dumont Verlag, ISBN: 978-3-8321-9926-5, 28,00 Euro)

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(5) Kommentare

  1. Liebes utopia Team,

    ich finde eure Artikel immer sehr interessant und habe schon einiges für mich davon umsetzen können. Allerdings verwundert es mich jetzt etwas, dass ihr bei diesem Buchtipp als Bezugsquelle online amazon.de angebt??

  2. Wir können deine Kritik gut nachvollziehen. Zur Erklärung: Unser Ziel ist es, viele verschiedene Möglichkeiten zu nachhaltigerem Konsum aufzeigen und damit ein möglichst breites Publikum zu erreichen. Wir wissen natürlich, dass es dafür bessere Bezugsquellen gibt als Amazon (und haben auch schon mehrmals kritisch über Amazon berichtet). Oftmals zeigen wir auch alternative Einkaufsquellen auf. Wir wissen aber auch, dass viele Leute ausschließlich Amazon nutzen und diesen möchten wir zeigen, dass sie auch dort nachhaltige Produkte kaufen können.

  3. ich würde noch Mari Kondo empfehlen. In ihrem Buch bespricht sie die selbe Ideen wie Rees, aber mit japanischen Strichen und mehr Fokus auf nachhaltiges Leben

  4. Soweit es um Mode und Stil geht, finde ich das Buch nicht schlecht. Umwelt- und soziale Aspekte fehlen aber -wie im Artikel beschrieben – komplett. Negativ finde ich Ratschläge etwa zu „Statement Pieces“ wie Schmuck, Tücher, Taschen, auffällige Kleidung und Schuhe etc.. Dort meint die Autorin, diese könnte man ruhig billiger und weniger haltbar kaufen. Finde ich schon vom Ansatz her falsch und zumindest wenn die Sachen noch einem Saisontrend folgen, will die zwei Jahre später vermutlich auch niemand anderes mehr haben…

  5. Mein Kleiderschrank ist voller Lieblingsteile und viele davon sind schon seit 10 und mehr Jahren da und Mode ist für mich das, was mir gefällt und zwar unabhängig von jedem Saisontrend. Diese ganzen Aufräumgurus wie Mari Kondo etc sind doch nur Förderer der Wegwerfgesellschaft.