Umwelt-Ampel für Produkte: Lidl testet das neue Nachhaltigkeits-Label Eco-Score

Foto: Lidl

Wie nachhaltig sind die Produkte im Supermarkt? Und welche Auswirkungen haben sie auf das Klima? Eine neue Öko-Ampel soll die Nachhaltigkeit bei Lebensmitteln auf einen Blick sichtbar machen. Lidl will das Eco-Score-Label als erster deutscher Händler testen.

Nach dem Nutri-Score kommt jetzt der Eco-Score. Während es beim Nutri-Score um das Nährwertprofil geht, soll bei dem neuen Eco-Label die Nachhaltigkeit von Produkten auf einen Blick sichtbar sein.

Der fünf-teilige Eco-Score erinnert optisch an den Nutri-Score.
Der fünf-teilige Eco-Score erinnert
optisch an den Nutri-Score. (Foto: Lidl)

Das Label erinnert optisch an das Nutri-Score-Label: Beide arbeiten mit einem fünfteiligen Farbsystem, dabei steht das dunkelgrüne A für die besten Werte, ein rotes E für die schlechtesten. Die Nachhaltigkeits-Wertung wird in Form eines stilisierten Blattes dargestellt.

Lidl will das Eco-Score-Label testen

Der Discounter Lidl testet nun als erstes deutsches Unternehmen den Eco-Score. In seinen Berliner Filialen will Lidl die Preisschilder ausgewählter Lebensmittelgruppen mit der Öko-Ampel kennzeichnen. Im zweiten Schritt wird das Unternehmen dann untersuchen, wie die Kunden die Kennzeichnung wahrnehmen und annehmen. „Diese übergeordnete Nachhaltigkeitskennzeichnung soll unseren Kunden eine schnelle und nachhaltigere Kaufentscheidung ermöglichen“, erklärt Lidl.

Vorbild und Partner: Eco-Score aus Frankreich

Partner von Lidl ist die französische ECO2-Initiative, die im Nachbarland Frankreich Anfang des Jahres mit dem Eco-Score an den Start ging. Die Methode zur Berechnung des Eco-Scores wurde von zehn französischen Unternehmen entwickelt. Berücksichtigt werden dabei:

  • die Umweltwirkungen eines Produkts (basierend auf dem „Product Environmental Footprint“ (PEF) – und zwar über die gesamte Kette der Wertschöpfung, angefangen von der Rohstoffgewinnung bis hin zur Entsorgung
  • zusätzliche Nachhaltigkeitskriterien wie Biodiversität, Transport, die Recyclingfähigkeit von Verpackungen und die Zertifizierung der Inhaltsstoffe (z.B. Bio/Bioland, ASC, MSC oder Fairtrade).

Das Label basiert auf den Angaben, die Hersteller zu den Produkten machen. Die Daten werden von der französischen Agribalyse-Datenbank zur Verfügung gestellt.

Detaillierte Daten werden zudem über das französische Mitmach-Internetportal „Open Food Facts“ eingespeist. Mit Hilfe der Open-Food-Facts-App können können Verbraucher:innen ein Produkt scannen und erfahren dann mehr über den jeweiligen Eco-Score. Derzeit gibt es noch keine Datenbank mit spezifischen Daten für Deutschland.

Wie unterscheidet sich der Eco-Score vom CO2-Fußabdruck?

Bei beiden Konzepten geht es um die Umweltauswirkungen von Produkten, die Schwerpunkte unterscheiden sich allerdings:

  • Beim CO2-Fußabdruck stehen die Emissionen von Treibhausgasen, die durch ein Produkt verursacht werden, im Mittelpunkt.
  • Der Eco-Score berücksichtigt insgesamt 16 Kriterien über den gesamten Lebenszyklus eines Lebensmittelprodukts. Der CO2-Fußabdruck fließt zu rund 20 Prozent in den Eco-Score mit ein.

Utopia meint: Ein mehr als überfälliger Ansatz

Der Ansatz, die Nachhaltigkeit von Produkten sichtbar zu machen, ist mehr als überfällig. Bei der Einführung des Eco-Scores in Frankreich gab es allerdings nicht nur Lob, sondern auch Kritik für das neue Label. Wichtige Kriterien wie der Einsatz von Antibiotika und Pflanzenschutzmitteln, die Auswirkungen auf die Gesundheit und die Umwelt sowie das Tierwohl werden bei der Bewertung nicht berücksichtigt. Umweltschützer befürchten, dass das Label womöglich Produkte aus intensiver Landwirtschaft zu gut bewerten könnte, da hier die Lieferwege kurz sind.

Unklar ist bislang, wie vertrauenswürdig das private Label ist und ob es durch eine externe Institution, die die Angaben der Hersteller überprüft, kontrolliert wird.

Ob sich der Eco-Score so oder in anderer Form in Deutschland durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Lidl will jetzt im ersten Schritt den Einsatz des Nachhaltigkeits-Labels mit Vertretern aus Gesellschaft, Verbänden und Politik diskutieren.

Bis es ein verlässliches Label gibt, bleibt dir als Verbraucher:in nur eins: Achte auf regionale und saisonale Lebensmittel, kauf am besten Bio-Ware und ernähre dich am besten vegetarisch oder vegan.

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(2) Kommentare

  1. Toll, dass Lidl für das Eco-Label den Vorreiter macht.
    Und wie ich finde, macht der Discounter heute schon einiges besser als noch vor einigen Jahren. Weiter so!

  2. Anregung: wäre es nicht auch wünschenswert, die riesigen ungenutzten Dachflächen sowie die Abwärme der Diskounter für die bedarfsgerechte Erzeugung von Gemüse vor Ort zu nutzen?
    Zwar gibt es schon Versuchsaufbauten in einigen Märkten, allerdings wird für den Aufbau im Markt dafür zusätzlich Fläche benötigt und „verschwendet“ und das Flachdach bleibt weiter ungenutzt, was wiederum unnötige Energieverschwendung für Kühlung und Wärme bedeutet. Dabei könnte man dort mit dem natürlichem Licht auf effizienteste Weise Gemüse produzieren und dabei noch Heiz/Kühl-Kosten sparen 😉