Richtig regional einkaufen

Richtig regional einkaufen
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Kaffee, der aus „Unserem Norden“ stammt, und Bananen-Nektar als das „Beste aus Bayern“. Verbraucher wollen mehr regionale Produkte, aber bekommen nicht selten Mogelpackungen verkauft. Utopia erklärt, worauf es bei echter Regionalität ankommt und wo man diese finden kann.

Die Entwicklungen am Lebensmittelmarkt sind absurd. Einerseits wollen Kunden mehr Regionalität, andererseits kaufen mehr Leute denn je ihr Essen in großen Supermarkt-Ketten und Discountern. Ein deutschlandweites Vertriebsnetz verträgt sich aber kaum mit regionalem Konsum – und darum ist bei regionalen Produkten häufig viel weniger Region drin, als versprochen wird.

Regionale Mogelpackungen

Ökotest deckte 2011 den großen Schwindel mit regionalen Lebensmitteln auf: Das Verbrauchermagazin hatte 53 regionale Lebensmittel aus ganz Deutschland unter die Lupe genommen, lediglich 14 wurden von den Testern als „echtes Regionalprodukt“ befunden. Entweder wurden die Lebensmittel zwar in der Herkunfts-Region der Rohstoffe verarbeitet, dann aber bundesweit vermarktet oder sie wurden tatsächlich regional hergestellt und angeboten, aber die Rohstoffe kamen nicht aus der Region.

Zwei besonders drastische Beispiele: Unter den Labeln „Unser Norden“ und „Das Beste aus Bayern“ wurden Kaffee und Bananensaft als regionales Produkt in Supermarktregalen angeboten. Ist es mit dem Klimawandel etwa schon so weit, dass hierzulande solch exotische Pflanzen wachsen?

Was sind wirklich regionale Produkte?

Für Lebensmittelhersteller ist es einfach, mit regionalen Lebensmitteln zu schwindeln, weil nicht gesetzlich geregelt ist, was Regionalität bei Produkten bedeutet. Auch das Konzept „Region“ hat keine eindeutigen Grenzen. Dennoch gibt es drei Haupt-Kriterien, auf die sich echte regionale Produkte stützen können.

  • Geographische Grenzen

    In Umfragen und bereits existierenden Initiativen erwies sich ein Radius von ca. 50 Kilometern als sinnvolle und praktikable Eingrenzung für regionale Produkte. Es kommt aber nicht auf eine starre Umzäunung an, sondern auf die Sicherstellung kurzer Produktionswege. Wenn z.B. ein Produzent seine Rohstoffe fünf Kilometer entfernt, schon leicht außerhalb des Umkreises, beziehen kann, dann ist das sinnvoller als der Einkauf bei einem Lieferanten am anderen Ende der Region.

  • Anteil der regionalen Zutaten

    Oft benötigt ein eigentlich regionales Produkt ein paar Zutaten, die nicht örtlich zu beziehen sind. Ist beispielsweise ein Gewürzkäse nicht regional, nur weil einige der Gewürze nicht aus dem Umland stammen? Bei anderen Produkten wie Bier sind es gerade die prozentual schwachen Zutaten, die den Charakter ausmachen. In Anlehung an das Bio-Siegel wäre ein Prozentsatz von 95% regionalen Erzeugnissen wünschenswert.

  • Gesamt regionaler Wertschöpfungsprozess

    Dass der oben erwähnte Kaffee kein regionales deutsches Produkt sein kann, sollte jedem einleuchten. Trotzdem versuchen Hersteller, damit zu argumentieren, dass die Ware beispielsweise in der Region verpackt oder zusammengestellt wurde. Ein wirklich regionales Produkt sollte hingegen von Anfang bis Ende regional sein, Regionalität betrifft den gesamten Wertschöpfungsprozess.

Super vs. Markt – richtig regional kaufen

  • Regional einkaufen ohne Supermarkt

    Wer die Umwelt durch kurze Transportwege schonen und die lokale Wirtschaft stärken möchte, sollte sein Geld am besten im Hofladen oder auf dem guten alten Markt ausgeben. Dort steht im Zweifel auch der Erzeuger selbst Rede und Antwort zu Anbaumethoden und Qualität. Die Regionalkiste des Verbands Ökokiste e.V. oder Initiativen für solidarische Landwirtschaft sind weitere interessante und absolut empfehlenswerte Alternativen.

  •  Regional einkaufen im Supermarkt

    Auch die regionalen Eigenmarken und Produkte regionaler Anbauverbände im qualitätsbewussten Einzelhandel (Rewe, Edeka, Tegut) sind zu empfehlen. Wer dort Obst und Gemüse aus der Region kauft, erhält üblicherweise das, was ihm die Verpackung verspricht. Die Verpackung selbst besteht allerdings häufig aus Plastik und das ist ein großes Manko regionaler Supermarkt-Produkte.

    Aufpassen sollte man bei verarbeiteten Lebensmitteln mit mehreren Zutaten. Unterschiedliche Bestimmungen für den Anteil regionaler Zutaten erlauben es, Produkte als „regional“ anzubieten, deren Regionalität fragwürdig ist. Laut Trägerverein des „Regionalfensters“, das Rewe, Edeka und Tegut seit 2014 als freiwilliges Siegel nutzen, muss die jeweilige Hauptzutat zwar zu 100 Prozent aus der Region kommen; wenn diese weniger als 51 Prozent am Produktgewicht ausmacht, müssen auch weitere Zutaten aus der Region stammen – aber nur bis insgesamt 51 Prozent erreicht sind.

    Abraten müssen wir von regionalen Marken in Discounter-Märkten wie Aldi und Lidl. Deren aggressive Preispolitik widerspricht dem nachhaltigen Regionalitäts-Ansatz und in den seltensten Fällen ist hier wirklich drin, was drauf steht.

  • Bio nicht vegessen

    Mit Regionalität allein ist noch nicht alles gewonnen: Auch regionale Ware kann Pestizide enthalten oder chemisch gedüngt worden sein. Kurze Tranportwege und regionale Vermarktung stehen nicht automatisch für umweltfreundliche und gesunde Produkte. Deswegen sollte man auch bei regionalen Produkten auf Bio achten. Außerdem sollte man nicht vergessen, dass beispielsweise hierzulande im Frühjahr keine Äpfel reifen. Unser Saisonkalender hilft, Produkte nicht nur regional, sondern auch saisonal zu kaufen.

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(20) Kommentare


  1. Da zeigt sich wieder, dass man „regional“ wirklich nur von seinem Erzeuger des Vertrauens direkt in der Nähe bekommt. Positive Beispiele sind aber auch regionale Produkte wie man sie ab und zu bei Rewe oder Edeka findet. Bei einem Rewe in meiner Nähe gibt es auch Eis von einem nahe gelegenen Bauernhof. Klar kann man da argumentieren, das die verwendete Vanille wahrscheinlich nicht aus der Nähe kommt, aber sollte man da wirklich so penibel sein? Ich denke solang der Hauptbestandteil „regional“ ist, sollte es sich auch „regional“ nennen dürfen. Toll finde ich auch, dass es erste Onlineshops gibt, die auf den „Regional-Zug“ aufspringen.

    Bei mir im Odenwald gibt es z.B einen Anbieter ( http://www.genussreich-odenwald.de/ ) der nur handgemachte Produkte von Odenwälder Erzeugern verkauft. Finde es sollte mehr solcher Shops geben, damit „regionale“-Produkte sich weiter verbreiten können. Aber wahrscheinlich führt das auch die Bezeichnung regional zuwider, wenn ich mir in Süddeutschland ein „regionales“ Produkt aus Hamburg bestelle.

  2. Wir haben und im letzten Jahr der solidarischen Landwirtschaft angeschlossen und bekommen jetzt jede Woche von unserem Demeter Bauern in der Nähe. Das ist super, das Gemüse frisch, saisonal und wir wissen vor allem, wie es angebaut wurde. Einfach klasse – kann ich nur empfehlen.

  3. Ich fahre mit dem Fahrrad 5 km zu meinem nächsten Biohof und zücke das Messer. Alles was da auf dem Acker steht ist regional. Wenn keiner da ist, wiege ich mir das Ganze selbst ab und packe das Geld in eine Holzkiste.

  4. Leider muss ich einem Punkt in der Bildgalerie „ein Wegweiser zu regionalen Lebensmitteln“ widersprechen. Unser Bioladen im Ort (ich wohne in Idstein) cheint überhaupt nicht auf Regionalität zu achten. Dort finde ich mehr Bioprodukte aus Übersee als in unserem Edeka, zum Beispiel Honig aus Mexiko. Das hat mich dann doch recht enttäuscht.

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