Wie billig darf Fleisch sein? Kaufland-Prospekt macht erneut fassungslos

Foto: Screenshot Prospekt Kaufland

Pünktlich zu Weihnachten bietet Kaufland ein besonderes Schnäppchen an: Eine „Junge Pute“ gibt es für nur 2,99 Euro das Kilo. Es ist nicht das erste Mal, dass Kaufland dieses Sonderangebot macht.

31 Prozent auf Käse, 20 Prozent auf Orangen und Schokolade zum Sonderpreis – im aktuellen Kaufland-Prospekt gibt es jede Menge Rabatte. Eine der Aktionen: Eine „Junge Pute“ gibt es für nur 2,99 Euro das Kilo.

Als wir das Sonderangebot entdeckten, kam es uns bekannt vor: Bereits vor zwei Jahren hatte Kaufland eine „Junge Pute“ vom selben Hersteller im Angebot. Im Gegensatz zu diesem Jahr erntete Kaufland damals einen Shitstorm für den Billigpreis – was vor allem an der Gestaltung des Prospekts lag.

Fleisch ist billiger als Schokolade

2017 war im Kaufland-Prospekt neben der Pute ein Ferrero-Set mit Mon Chérie, Rocher und Ferrero Küsschen abgebildet. Die Schokoladen kosteten pro Kilo 14,84. Ein Facebook Nutzer hatte das Sonderangebot entdeckt – und einen wütenden Post auf Facebook verfasst: „Die ‚Junge Pute‘ kostet ein Fünftel im Vergleich zum Ferrero Naschwerk! Nochmal für die, die es noch nicht geschnallt haben: das Fleisch eines Tieres (Lebewesen, Eltern, Gefühle,…), welches irgendwie auf bis zu 6,4 kg gemästet worden ist, ist billiger als industriell gefertigte Schokolade oder Kaffee“. Der Facebook-Post ist inzwischen nicht mehr verfügbar.

Junge Pute Kaufland Fleisch Preis
Kaufland-Prospekt aus dem Jahr 2017. (Foto: Thomas Parth (Facebook))

In diesem Jahr hat Kaufland beim Design des Prospektes einen anderen Weg gewählt: Neben der „Jungen Pute“ sieht man nun eine Packung „Kaninchenteile“ [wir lassen diese Bezeichnung unkommentiert für sich sprechen ] aus Bodenhaltung für 5,99 Euro. Blättert man in dem Prospekt, sieht man jedoch, dass sich sonst wenig geändert hat: Ein Kilo Ferrero-Klassiker kosten 14,02 Euro – also immernoch deutlich mehr als ein Kilo Puten- oder Kaninchenfleisch.

Fleischkonsum und das Klima

Damit das Fleisch so günstig sein kann, muss so viel wie möglich so schnell und günstig wie möglich produziert werden. Das geht nur mittels industrieller Massentierhaltung – für die Tiere eine Quälerei. Die billigen Fleischpreise sorgen wiederum dafür, dass noch mehr Menschen mehr Fleisch kaufen. Das ist nicht nur wegen der Haltungsbedingungen problematisch: Viehzucht und Tierhaltung verursachen hohe Treibhausgas-Emissionen, die zum Klimawandel beitragen. Außerdem geht extrem viel landwirtschaftliche Fläche für Tierfutter und Tierfarmen verloren, viele Tier- und Pflanzenarten sind dadurch bedroht.

Umwelt- und Tierschützer kritisieren die Billigpreise für Fleisch schon lange.  Wie man auch am aktuellen Kaufland-Prospekt sehen kann, hat sich aber wenig getan. Die „Junge Pute“ wird zum exakt gleichen Preis wie noch vor zwei Jahren angeboten – an den Haltungsbedingungen kann sich bei diesem Preis auch kaum etwas geändert haben.

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(6) Kommentare

  1. Fleisch ist hierzulande wirklich viel zu billig. Ich wundere mich immer wieder, dass das so wenig hinterfragt wird. Stattdessen wird von den meisten Leuten gerügt, dass das Fleisch vernünftig gehaltener Tiere so sehr viel teurer ist als das der „Industrietiere“ (klassisches Argument: Das teure Fleisch kann ich mir nicht leisten…) und Bilder aus Mastanlagen werden einfach verdrängt. Ich fände es richtig, wenn Fleisch wieder zu etwas Besonderem werden würde und statt 7 x Billigfleisch in der Woche auf den Tisch zu bringen nur ein- oder zweimal wöchentlich Fleisch gegessen würde. Damit würde auch die Wertschätzung der Tiere automatisch steigen und dann kann man sich auch das Fleisch der besser gehaltenen Tiere leisten. Solange aber etwas so verramtscht wird, wird es offensichtlich kritiklos konsumiert. Was (fast) nix kostet ist (fast) nix wert. In Sachen Qualität stimmt das sogar, aber anscheinend sind die Konsumenten nichts Besseres gewohnt. Lieber viel Billigware als seltener etwas Hochwertiges, Quantität vor Qualität, das gilt leider in so ziemlich allen Lebensbereichen.

  2. Das ist doch noch nichts gegen die Huehnerschenkel mit Rueckenstueck, die massenhaft fuer 1,50 € /kg angeboten werden. Die Dinger haben bis zur Schlachtreife ein mehrfaches an Nahrungsmitteln gefressen, was in den armen Laendern der Bevoelkerung fehlt!
    Und? Regt sich darueber jemand auf? Werden da mal die Firmen und die Politik aufs Korn genommen, die diese unsaeglichen eigentlich kriminellen Machenschaften zulaesst, bzw. sogar erst moeglich macht?
    Wer zwingt denn mal diese Firmen, ihre Kalkulation zugaenglich zu machen?
    Wo sind den die schlauen Journalisten und Medien, die sich dieser Sache mal annehmen? Dieser Mist ist doch durch eine Fleischsteuer nicht aus der Welt zu schaffen!
    Werner Labuhn

  3. Einige Worte zum Fleischessen aus der Offenbarung des Propheten Jakob Lorber:

    Zu Fleisch aus Heilkraft des Sonnenlichtes‘, 4. Kapitel, Vers 8
    Gut gekochtes und gesundes Fleisch – mäßig genossen – schadet
    auch nicht, nur soll es mit gekochtem Obst, Äpfeln oder Birnen,
    auch Zwetschgen, genossen werden, und das mäßig; denn das
    Fleisch enthält gleichfort Seelenspezifika gröberer und untergeordneter
    Art. Wenn es aber mit Obst genossen wird, so werden
    diese Spezifika gemildert, und es wird solche Speise den Kranken
    gut zustattenkommen.

    Vom Fleischessen
    [GEJ.07_085,14=Großes Evangelium Johannes Band 7, Kap. 85]
    …Besonders sollet ihr mit dem Fleischessen behutsam
    sein, so ihr am Leibe lange und dauernd gesund bleiben wollet. Das
    Fleisch von erstickten Tieren dient keinem Menschen zur Gesundheit,
    da es böse Geister in den Nerven des Leibes erzeugt, und das Fleisch
    der als unrein bezeichneten Tiere ist nur dann gesund zu genießen, wenn
    es so zubereitet wird, wie Ich euch solches schon angezeigt habe.

    Fleisch- Speisen sollten nur zu gewissen Zeiten, und da nie
    länger als sieben Tage nacheinander, sehr mäßig und allezeit von
    frisch geschlachteten Tieren genossen werden. Und da ist das
    Fleisch der Fische besser als das Fleisch der Tauben, das Fleisch
    der Tauben besser als das der Hühner, das Fleisch der Hühner besser
    als das Lämmerfleisch, dieses besser als das Ziegenfleisch, und
    dieses besser als das Kälber- und Rindfleisch,

    HGt.01_017,24=Haushaltung Gottes=Urgeschichte der Menschheit] Am Morgen aber sollet ihr essen Früchte der Bäume; um die Mitte des Tages aber sollet ihr essen vom Baume des Lebens; und am Abend aber sollet ihr trinken Milch und Honig, den Ich für euch werde sammeln lassen auf den Ästen der Bäume von vielen Tierchen der Luft des Himmels, die ihr ,Celie‘ benamsen sollet (was ihr heutzutage ,Bienen‘ nennet). Der Name ,Celie‘ aber heißt soviel als ,die Sorge des Himmels‘. Und am dritten Tage vor dem Sabbat sollet ihr schlachten ein Schaf, es reinigen vom Blute, es dann braten am Tage beim Feuer aus dem Steine und es essen am Abende fröhlich.
    [HGt.01_017,25] Und es soll auch der Cahin und sein Weib Ahar kommen zu euch und essen mit euch das Fleisch des sanften Tieres; aber sonst soll er bleiben auf dem Felde und essen sein Brot mit den Früchten alldort.

    Ich rate Ihnen: Essen Sie nur gewachsenes Fleisch
    und vermeiden Sie die vielerlei im Handel angebotenen
    Wurstsorten, wenn Sie gesund bleiben wollen!

  4. „Wer die Praktiken der Massentierhaltung nicht unterstützen will, sollte Fleisch nur in Bio-Qualität kaufen.“ <- Stimmt so leider nicht. Bitte einfach mal richtig recherchieren und nach "Bio-Fleisch" googeln oder Youtube-Videos ansehen, wenn man wissen möchte, woher sein "Essen" kommt. – Frohe Weihnachten!

  5. Danke, Nadja Ayoub!
    Werbeverbot: bin sofort dafür,
    Fleischsteuer (MWSt von 7% für Lebensmittel auf die „normalen“ 19%): bin sofort dafür,
    aber politisch – wie so oft – wohl kaum durchzusetzen… 🙁
    Gibt es eine Petition dafür?
    Die kleinen Schritte lauten weiterhin: Aufklärung, gerade zur Massentierhaltung, die diese (den Lebewesen gegenüber) unwürdigen Preise ermöglicht. Und Einfordern von mehr „Tierwohl“ (mehr, als die gleichnamige Initiative fordert!)
    PS: Zum Thema Biofleisch: Vielleicht leben und fressen die (meisten) Bio-Tiere gesünder (und damit isst der Mensch ein wenig gesünder), aber der Schlachthof (und damit das Leiden am bitteren Ende) ist der selbe!

  6. Moin,
    im Endeffekt haben wir Verbraucher es doch selber in der Hand! Wir müssen nur mehr artgerechte und qualitativ hochwertige Lebensmittel kaufen und vor allem auch bereit sein, dafür etwas mehr Geld auszugeben. Wenn man dan noch seine Essgewohnheiten ein wenig umstellt, wird man schnell feststellen, das man dieses ganze FASTFOOD überhaupt nicht braucht. Es ist doch die reine Beqemlichkeit alles überall, sofort und verzehrfertig zu bekommen. Wir haben heutzutage alle Möglichkeiten uns über alles zu informieren, leider ist es den meisten wichtiger materielle Dinge zu besitzen, als die Wertschätzung gegenüber den Tieren.
    Das ganze Politisch durchzusetzen ginge vielleicht schon, wenn viel mehr Leute die Tierschutzpartei wählen würden… oder jeder arbeitet einmal probeweise in einem Schlachthof, dann würde sich das Kaufverhalten auch ändern.