Fischstäbchen bei Öko-Test: 4 sind sehr gut, 1 ist ungenügend

Fotos: Ökotest

Öko-Test hat 20 Fischstäbchen-Marken im Labor untersucht und zudem geprüft: Woher kommt der Fisch? Und wie nachhaltig ist der Fischfang? Unsere Empfehlung sieht etwas anders aus.

Sie sind schnell zubereitet und gelten als gesund: Öko-Test hat für die Juli-Ausgabe Fischstäbchen getestet. Das Ergebnis: Beim Fischfang kommen teils umweltschädliche Methoden zum Einsatz, die Lieferketten sind meist intransparent und in so mancher Panade stecken problematische Fettschadstoffe.

Trotzdem fallen nur drei Fischstäbchen im Test durch – zwölf der 20 getesteten Produkte schneiden gut oder sogar sehr gut ab. Doch angesichts der Überfischung der Meere, illegalen Fischfangs und zerstörerischen Fangmethoden haben wir uns die Frage gestellt: Kann man Fischstäbchen überhaupt noch guten Gewissens essen? Unsere Empfehlung fällt etwas anders aus als die von Öko-Test.  

Fisch essen
Kann man Fisch überhaupt noch guten Gewissens essen? (Foto: CC0 / Pixabay / Free-Photos)

Bio-, Discounter- und Marken-Produkte: So hat Öko-Test getestet

Öko-Test hat Fischstäbchen-Marken aus Supermärkten, Bio-Läden, von Discountern und Tiefkühllieferdiensten getestet. Die Preise für jeweils 450 Gramm liegen zwischen 1,99 Euro und 8,98 Euro. Alle Fischstäbchen tragen das MSC-Siegel für nachhaltigen Fischfang.

Im Labor prüften die Tester auf Mineralölbestandteile, Fettschadstoffe und Chlorat. Außerdem für das Ergebnis relevant: Wie die in der Pfanne zubereiteten Stäbchen rochen und schmeckten und sich im Mund anfühlten.

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Das Ergebnis: Fettschadstoffe in konventionellen Fischstäbchen

Zwölf der 20 getesteten Produkte findet Öko-Test gut oder sogar sehr gut.

  • Zu den Testsiegern gehören die Fischstäbchen der nachhaltigen Marke Followfish in Bio-Panade: Sie erhielten die Note „sehr gut“.
  • Auch konventionelle Fischstäbchen konnten überzeugen: So waren die Lachs-Stäbchen von Käpt’n Iglo ebenfalls „sehr gut“, die Fischstäbchen von Frosta schnitten „gut“ ab.

Drei Produkte fielen im Test durch – darunter die Eismann Fischstäbchen mit der Note „ungenügend“. Und auch das zweite getestete Produkt von Iglo fiel im Test durch. Öko-Test entdeckte Fettschadstoffe in den Produkten.

Alnatura Fischstäbchen fallen im Test durch

Auch die Fischstäbchen von Alnatura schnitten im Test schlecht ab. Öko-Test kritisierte hauptsächlich die Fischfangmethode: Der verwendete Seelachs werde mit Grundschleppnetzen gefangen, eine aus wissenschaftlicher Sicht hochproblematische Fangmethode, so Öko-Test. Forscher und Umweltschützer verlangen seit Jahren ein Verbot, denn bei der Methode wird der Meeresboden stark durchwühlt und Ökosysteme werden zerstört.

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Laut Alnatura seien die eingesetzten Rundschleppnetze mit 1,3 statt der üblichen vier Tonnen Gewicht aber relativ leicht, schreibt Öko-Test. Außerdem würden immer wieder die gleichen „Korridore“ befischt, um die Zerstörung von Kaltwasserkorallen zu vermeiden.

Alle Details findest du in der Ausgabe 07/2020 von Öko-Test sowie online auf www.ökotest.de.

Überfischung
Überfischung ist ein großes Problem. (Foto: CC0 / Pixabay / moritz320)

Fischstäbchen essen mit gutem Gewissen?

Grundsätzlich rät Öko-Test nicht davon ab, Fischstäbchen zu essen. Wir sehen das etwas anders. In den rechteckigen, panierten Stäbchen steckt meist Alaska-Seelachs – auch Alaska-Pollack oder Pazifischer Pollack genannt. Mit echtem Lachs hat der Fisch wenig zu tun: Er gehört zum Dorsch und ist damit mit dem Kabeljau verwandt. Laut WWF Artenlexikon ist er der meist verspeiste Fisch in Deutschland – und das bereits seit mehreren Jahren.

Seelachs ist „nicht nachhaltig“

Umweltschutzverbände stufen Seelachs als „nicht nachhaltig“ ein – trotz MSC-Siegel. Im Fischratgeber von Greenpeace wird komplett von der Fischart abgeraten. Meeresbiologie Thilo Maack erklärt uns, dass die umweltzerstörerische Fangmethode aus Greenpeace-Sicht inakzeptabel sei, „wir können daher Alaska-Seelachs nicht für den Einkauf empfehlen.“ Der WWF-Fischratgeber sieht das ähnlich. Die Empfehlung lautet: Seelachs höchstens aus der nordöstlichen Arktis, aber bitte nur als zweite Wahl.

Einzig die Lachs-Stäbchen von Iglo bestehen aus echtem Wildlachs. Dieser stammt aus dem Nordwest-Pazifik und ist laut dem von Öko-Test befragten Experten guten Gewissens genießbar. Auch Greenpeace stuft Lachs aus diesem Fanggebiet als nachhaltig ein – er ist allerdings die Ausnahme. Lachs ist per se nicht nachhaltig und sollte selten bis gar nicht verzehrt werden. Eine spannende Doku dazu ist aktuell in der ZDF Mediathek verfügbar: Hört auf Lachs zu essen: Hannes Jaenickes eindringlicher Appell an uns alle.

Utopia.de meint: Statt Fischstäbchen empfehlen wir auf vegetarische Alternativen aus Soja oder Tofu zurückzugreifen. Diese sind in der Regel in Bio-Supermärkten erhältlich. Wer nicht verzichten will, sollte Fischstäbchen nur selten essen.

Bitte lies unseren Hinweis zu Gesundheitsthemen.

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