Fleischatlas 2021: Fast alle jungen Menschen wollen weniger Tiere essen

Fleischatlas 2021 / Elke Stockmar / CC BY 4.0

Der aktuelle Fleischatlas 2021 zeigt, dass die weltweite Nachfrage nach Steaks, Nuggets & Co. weiter zunimmt. Durch Corona haben sich lediglich die Bedingungen in den Schlachtbetrieben ein wenig gebessert. Vor allem die Jungen stehen der Fleischindustrie mehrheitlich kritisch gegenüber.

Die Heinrich-Böll-Stiftung, der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und die Monatszeitung Le Monde Diplomatique haben soeben den Fleischatlas 2021 veröffentlicht. Der aktuelle Fleischatlas ist bereits die fünfte Ausgabe der gleichnamigen Heftreihe, die alle drei Jahre viele Daten und Fakten zu Fleischproduktion und -konsum versammelt.

Aus dem aktuellen Atlas geht u.a. hervor, dass jede:r Deutsche im Schnitt 60 Kilogramm Fleisch im Jahr isst. Die Heinrich-Böll-Stiftung und der BUND fordern eine Strategie, um den Verbrauch auf die Hälfte zu reduzieren. Denn: Deutschland ist EU-Spitzenreiter bei der Erzeugung von Fleisch. Das liegt neben dem hohen Verbrauch innerhalb des Landes auch am Export: Etwa 16 % unserer Fleischwaren werden in andere Länder exportiert.

Fleischatlas 2021: Mehr Tiere auf weniger Fläche

„Diese Abhängigkeit vom Weltmarkt schadet der Umwelt, den Tieren und den bäuerlichen Betrieben. Auf immer weniger Höfen leben immer mehr Tiere“, so der BUND-Vorsitzende Olaf Brandt im aktuellen Atlas. Bei Legehennen und bei Hähnchen zur Geflügelfleischerzeugung seien die Bestände beispielsweise gewachsen: Innerhalb von 17 Jahren habe sich der Gesamtbestand an Tieren verdoppelt, gleichzeitig hätten sich drei Viertel der Betriebe aufgelöst.

Es gibt immer mehr Tiere auf immer weniger Höfen. (Fleischatlas 2021, Bartz/Stockmar, CC BY 4.0)

Laut aktuellem Fleischatlas wurden 2019 in Deutschland über zwei Millionen Tiere pro Tag geschlachtet, darunter 1,7 Millionen Hühner, 151.000 Schweine und 94.000 Puten. Allein die Hälfte der Tiere wurde in den drei großen Unternehmen Tönnies, Westfleisch und Vion verarbeitet. Dass ein paar wenige Firmen in Deutschland so erfolgreich werden können, liege an den schlechten Arbeitsbedingungen, so der Atlas. Die Beschäftigten steckten oft in Leiharbeit und Werkverträgen, erhielten keinen bezahlten Urlaub oder Krankheitstage, und ihre Überstunden würden häufig nicht richtig abgerechnet.

Zwei Millionen Tiere wurden 2019 pro Tag in Deutschland geschlachtet. (Fleischatlas 2021, Bartz/Stockmar, CC BY 4.0)

Minimale Besserung in den Schlachtbetrieben

Die prekären Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter:innen in Schlachtbetrieben wurden durch die Corona-Skandale auch eine breiteren Öffentlichkeit bekannt. In einem Gesetzentwurf verbot die Bundesregierung daraufhin den Einsatz von Werkverträgen und Leiharbeit in Fleischfabriken.

Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, schränkt allerdings ein: „Keine Werkverträge mehr sind zwar ein gutes Zeichen, ein Ende der Ausbeutung markieren sie aber nicht. Die wirtschaftlichen Interessen der milliardenschweren Fleischindustrie und die Reformverweigerung der Politik halten uns auf einem dramatischen Irrweg, der die ökologischen Grenzen des Planeten sprengt.“ Gerade junge Menschen lehnen die Bedingungen in der Fleischindustrie ohnehin ab, so die Ergebnisse des Fleischatlas: „70 % sind bereit, mehr für Fleisch zu zahlen, wenn die Produktionsbedingungen sich grundlegend ändern“, so Unmüßig.

Immer mehr junge Menschen lehnen die Bedingungen in der Fleischindustrie ab. (Fleischatlas 2021, Bartz/Stockmar, CC BY 4.0)

Fleischatlas 2021: Mehr Vegetarier:innen bei jungen Menschen

Eine Umfrage aus dem Fleischatlas zeigt auch, dass sich 13 % der 15- bis 29-Jährigen vegetarisch oder sogar vegan ernähren. Die Zahl ist gestiegen: Vor zehn Jahren waren es gerade einmal 4 %.

Die junge Generation lehnt nicht nur die schlechten Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie ab, sondern auch die heutige Form der Tierhaltung. Fast alle Befragten möchten nicht, dass Kühe noch mehr Milch geben müssen und Schweine und Hühner noch schneller gemästet werden. Die Mehrzahl der jungen Menschen fordert deshalb eine Klimakennzeichnung von Lebensmitteln, strengere Tierschutzgesetze und ein Tierschutzlabel. Außerdem möchte sie, dass das Lebensmittelretten („Containern„) zukünftig nicht mehr unter Strafe steht.

Den vollständigen Fleischatlas 2021 mit allen Daten und Grafiken findest du als PDF auf der Seite des BUND.

Die Anzahl der Vegetarier und Veganer steigt. (Fleischatlas 2021, Bartz/Stockmar, CC BY 4.0)
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