Mehr als 13 Millionen Schweine landen jedes Jahr im Müll

Foto: CC0 Public Domain / Pixabay

In deutschen Schweinemastanlagen sterben jährlich mehr als 13 Millionen Schweine oder müssen „notgetötet“ werden. Grund sind auch die katastrophalen Zustände in den Schweinemastanlagen – wie neue Bilder aus zwei Betrieben zeigen.

Es ist eine erschreckende Zahl, die die Ausmaße der Massentierhaltung verdeutlicht: Laut einer Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover werden jedes Jahr 13,6 Millionen Schweine in sogenannten „Tierkörperbeseitigungsanlagen“ entsorgt. Der Grund: Die Tiere verenden, noch bevor sie überhaupt geschlachtet werden können. Manche Schweine verhungern in den Mastanlagen. Teils müssen sie „notgetötet“ werden, weil sie krank oder verletzt sind.

Dass es den Tieren so schlecht geht, verwundert nicht, wenn man sich aktuelle Aufnahmen der Tierschutzorganisation „Animal Rights Watch“ ansieht. Die Organisation hat versteckte Kameras in zwei Schweinemastanlagen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg installiert – und schlimme Bilder veröffentlicht. Allein in der Anlage in Brandenburg sollen 20.000 Schweine leben.

35 Minuten Todeskampf in der Schweinemastanlage

Schweine, Schweinemastanlage, Animal Rights Watch
Eine Szene aus den verdeckten Aufnahmen von Animal Rights Watch. (Foto: © Animal Rights Watch)

Die Kameras dokumentierten, wie Arbeiter in dem Betrieb Schweine töteten – in einem Fall äußerst brutal mit zehn Knüppelschlägen auf den Kopf. Bis das Tier starb, vergingen 35 Minuten.

Zu sehen ist außerdem, wie drei kranke Schweine in einer leeren „Krankenbucht“ vor sich hinvegetieren. Sie haben große offene Wunden und können sich kaum bewegen – behandelt wurden die Tiere aber nicht. Laut Animal Rights Watch fraßen sich die Tiere mehrere Tage lang gegenseitig Ohren und Beine an.

„Entzündete Gelenke und offene Wunden, Nabelbrüche, Klauenerkrankungen sowie blutig gebissene Schwänze und Ohren sind direkte Folgen der üblichen Mastbedingungen. Die betroffenen Tiere sind von vornherein als ‚Verluste‘ einkalkuliert“, schreibt Animal Rights Watch. Die Schweine von einem Tierarzt behandeln zu lassen, würde sich nicht lohnen. Daher lassen die Arbeiter in den Schweinmastanlagen die Tiere lieber sterben – oder töten sie.

Das Tierschutzgesetz geht nicht weit genug

Die Autorin der Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover geht davon aus, dass etwa 62 Prozent der „notgetöteten“ Tiere ohne Betäubung oder auf fehlerhafte Weise getötet wurden – das sind rund 730.000 Tiere pro Jahr. Sie fordert systematische Kontrollen in den Tierkörperbeseitigungsanlagen, um Missstände in den Betrieben aufdecken zu können. Das Tierschutzgesetz schreibt solche Inspektionen nicht vor – Kontrollen gibt es bislang nur auf freiwilliger Basis.

Bei Fleisch gilt deshalb: Weniger ist mehr – und wenn es doch mal ein Fleischgericht sein soll, lieber Bio-Fleisch kaufen. Vor allem Billigfleisch aus dem Supermarkt stammt immer aus Massentierhaltung, die für die Tiere in der Regel mit Leid verbunden ist.

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(6) Kommentare

  1. Die Skandale nehmen kein Ende. Immer wieder treten neue Missstände zutage.
    Mir dreht sich der Magen um. Wenn keine Kontrollen stattfinden und man sich nicht darauf verlassen kann, dass die Betreiber der Mastbetriebe Einsicht zeigen, müssen eben andere Maßnahmen erfolgen. Auch wir als Konsumenten stehen in der Pflicht:
    kein Billig-Fleisch kaufen oder Konsumverzicht! Ich würde mir wünschen, dass mehr Leute zu Vegetariern werden. Bei dem Gedanken an die entsetzlichen Bilder der letzten Zeit müsste einem doch jeder Bissen Fleisch im Halse stecken bleiben.

    In Bezug auf den Zigarettenkonsum sollen Warnhinweise mit Schockbildern auf den Schachteln angeblich bereits Wirkung gezeigt haben. Vielleicht sollte man auch auf den Fleisch-Verkaufsverpackungen schockierende Fotos zeigen mit einem Hinweis darauf, wie viel Prozent der Tiere schätzungsweise auf dem Müll landen oder ein qualvolles Leben hinter sich haben und wie viele nicht ordnungsgemäß (ohne Betäubung) getötet werden.
    Wir müssen uns klarmachen: Fleischverzicht käme nicht nur den Tieren zugute, sondern wäre besser für uns alle, auch aus ökologischer Sicht im Hinblick auf unsere Zukunft.

    ? ? ? Jeder Bissen ein Fall für’s Gewissen! ? ? ?

  2. Ich finde den Beitrag sehr voreingenommen. Aussagen, wie „Grund sind auch die katastrophalen Zustände in den Schweinemastanlagen – wie neue Bilder aus zwei Betrieben zeigen“, sind rhetorisch hochproblematisch. Sie verallgemeinern von zwei Betrieben auf alle.
    Aus meiner Sicht gilt eher folgendes: Tatsächlich sterben Tiere auch in sehr guten Betrieben. Das will ich nicht bestreiten. Schweine sind gesundheitlich sehr sensibel. Wenn die Tiere unheilbar krank sind, werden sie getötet. Der Tierschutz sieht das vor, um diesen und anderen Tieren Leid zu ersparen.
    Dass Sie da von Müll sprechen, halte ich für einen weiteren unzulässigen rhetorischen Kniff. Dass die Kadaver kranker Tiere verbrannt werden, ist sinnvoll, um Seuchen zu verhindern. Das ist aber definitiv kein Müll.
    Bitte nicht falsch verstehen: wenig oder kein Fleisch essen, finde ich gut. Genauso auch artgerechte Haltung. Ich denke aber, dass man das auch anders berichten kann und würde mir das sehr wünschen. Bitte mehr Argumente und weniger Emotion ( wie z.B. https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2019-10/oekologische-landwirtschaft-landbau-klimaschutz-treibhausgase/seite-1)

  3. Sie haben natürlich Recht, dass niemand von 2 Betrieben auf alle Landwirte schließen darf…. und wenn es die einzigen Betriebe wären…oder die ersten Bilder dieser Art, gäbe es auch nur ein kleines Problem.
    Dass es auch gute Betriebe mit netten Landwirten gibt, macht das Problem genausowenig kleiner.
    Wenn einzelne Arbeiter in riesigen Mastanlagen die Schweine elendig verrecken lassen oder brutal totschlagen, dann behandeln sie diese Teire wie Müll und dann ist die Verwendung diese Wortes im o.g. Artikel duchaus zutreffend.
    Die Zustände in EINIGEN Anlagen sind katastrophal!
    Da scheinen wir uns ja einig zu sein und dass man dies ändern muss, ist sicher auch unstrittig. Um Menschen aufzurütteln, kann man halt keine durchschnittlichen Beispiele darstellen. Man sucht sich die Extreme heraus und wirbt damit um Veränderung.
    Der von Ihnen verlinkte Artikel bietet nach meiner Meinung auch nicht „mehr Argumente und weniger Emotion“. Er vergleicht nur recht wenige Aspekte des konventionellen mit dem Bio-Landbau (z.B. verschweigt er, das Bio-Essen weniger belastet ist und damit gesünder für Tier und Mensch) und ist darin genauso tendenziös wie der Artikel oben.

  4. Ist Ihnen vielleicht entgangen, dass die Autorin der Tierärztlichen Hochschule Hannover davon spricht, dass ca. 62 Prozent der „notgetöteten Tiere“ ohne Betäubung oder auf fehlerhafte Weise getötet wurden (ca. 730.000 Tiere pro Jahr)? So wird es im Film gezeigt und auch oben im Text wiederholt. Was ist bitte an einer solch gewaltigen Zahl „voreingenommen“ und „verallgemeinernd“? Sind das nicht mehr als genug „Schweinereien“? Wie soll man es denn berichten, damit es möglichst beschönigend, nett (vielleicht mit heiterer Musik) und bei 62 Prozent nicht „verallgemeinernd“ rüberkommt? Und nach Möglichkeit nicht emotional (warum sollte eine Quälerei in diesem Ausmaß einen auch irgendwie emotional berühren). „Bitte mehr Argumente und weniger Emotion“. Was bedarf es noch für Argumente, die eine solch hohe Zahl rechtfertigen? Ehrlich, bei einem solchen Kommentar kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln.

  5. 13 Millionen Schweine landen jährlich im Müll in Deutschland!! o_O (2018) https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/tierhaltung-13-millionen-schweine-landen-im-muell-1.3917126

    Massentierhaltung ist Tierqual und Mord! 🙁

    ABER was hier vergessen wird: Wieviel Prozent ist das von der Gesamtzahl an Schlachtschweinen pro Jahr?
    Die absolute Summe schockt schon, aber wieviel ist das relativ?

    Sie glauben vllt es sei aber doch sehr wenig, denn sonst hätte es doch schon längst einen Skandal gegeben???
    Sie meinen vllt weniger als vllt 10%, soviel wie ein Atomkraftwerk an Eigenstrom unversteuert und ohne EEG-Abgabe für sich selbst schon viel verbraucht??

    Wieviel würden Sie denn akzeptieren als Schwund, Müll, Fehlproduktion in der Schweinemast???
    1%???
    .
    .
    .
    56,6 Millionen geschlachtete Tiere im Jahr 2018:
    https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/02/PD19_043_413.html

    DAS macht fast 25% Tierverluste in der Schweinefleischproduktion in DE!! o_O
    WTF?! >:(
    Ein Viertel aller Tiere ab der Geburt verreckt früher!
    Krankheiten, Verletzungen, Schwäche, Stress, Gewalt führen zu früheren Toden bei Ferkeln! 🙁

    UND: Es ist noch nicht vorbei mit der Verschwendung von Tierfleisch-Lebensmitteln nur in der Produktion!
    Der Fleischhandel, die Supermärkte werfen zuviel weg!
    WIEVIEL?
    Und wir Verbraucher werfen ebenso zuviel Schweine in den Müll!
    WIEVIEL?!

    Diese Zahlen fehlen noch, um ein konkreteres Bild unserer Lebensmittelverschwendung NUR BEIM SCHWEINEFLEISCH zu bekommen!

    Ich tippe über 50% allen Schweinefleisches wandert in den Müll….
    Das rechnen Sie auch mal um in Öko+Klimafußabdruck durch Futter, Energie, Wasser, Antibiotika, Arbeit, CO2, uvm.
    Denn es ist nicht nur Tierqual und „Tiermüll“ was wir durch unsere Tierfleisch-Verschwendung erzeugen, nein, auch Klimakiller und Umweltvernichtung!!!
    Über 50% aller Umweltzerstörung weltweit durch Schweinefleisch ist „umsonst“ gewesen!!!! >:(

    Das kann man nicht begreifen!