Foodsharing – wie Foodsaver & Foodsharer aktiv Lebensmittel vor dem Müll retten

gerettete Brötchen foodsharing
Foto © raphaelfellmer.de

In unserer Überflussgesellschaft ist die Verschwendung von Lebensmitteln ein großes Problem. Seit über drei Jahren setzt sich der Verein foodsharing erfolgreich dafür ein, dass wir weniger Lebensmittel wegwerfen. Wir haben mit Mitbegründer Raphael Fellmer gesprochen.

Zwei vollgepackte Einkaufswagen: So viele Lebensmittel wirft jeder von uns pro Jahr weg. Supermärkte produzieren große Mengen Biomüll, doch es sind auch Privathaushalte, die viele Lebensmittel wegschmeißen.

Die ehrenamtlich betriebene Internet-Plattform foodsharing.de organisiert die Rettung und Verteilung von überschüssigen, aber noch genießbaren Lebensmitteln. Seit dem Start vor knapp dreieinhalb Jahren wurden in Deutschland, Österreich und der Schweiz fast fünf Millionen Kilo Lebensmittel gerettet.

foodsharing: „Verteilt, was ihr nicht mehr braucht!“

Das foodsharing-Prinzip ist einfach und für jeden kostenlos. Wer Lebensmittel übrig hat, erstellt nach Registrierung einen digitalen Essenskorb. Interessierte Mitglieder können sich melden und das Essen an einem vereinbarten Ort abholen. Hinzu kommen 300 öffentliche Kühlschränke und Regale, über die Foodsharer Lebensmittel verteilen können. Abholpunkte und Kühlschränke sind auf einer Karte sichtbar.

foodsharing-Abholpunkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz
foodsharing-Abholpunkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz (Screenshot foodsharing.de)

Vom Verteiler zum Retter

Doch nicht nur von privat zu privat funktioniert die Lebensmittelrettung. Sogenannte Foodsaver holen bei den rund zweieinhalbtausend kooperierenden Betrieben überschüssige Lebensmittel ab und verteilen sie. Darunter sind große Supermarktketten, Produzenten, Hotels, Bäckereien, Restaurants, Marktstände, aber auch kleinere inhabergeführte Läden.

Jeder Foodsaver entscheidet selbst, wer die geretteten Lebensmittel bekommt. Manches wird selbst genutzt, vieles wird an Nachbarn, Suppenküchen, Projekte, Flüchtlinge, Bahnhofsmissionen und gemeinnützige Vereine verteilt oder bei foodsharing.de eingestellt.

Warum wegwerfen? Viele Lebensmittel sind dafür viel zu schade und könnten verteilt werden.
Warum wegwerfen? Viele Lebensmittel sind dafür viel zu schade und könnten verteilt werden. (Foto © raphaelfellmer.de)

Keine Konkurrenz zu den Tafeln

Im Gegensatz zu den Tafeln richtet sich foodsharing nicht ausschließlich an Bedürftige, sondern an jedermann. Da der Verein – anders als die Tafeln – kein Lebensmittelbetrieb ist, übernimmt er zudem keine Haftung. Theoretisch trägt somit jeder Foodsaver selbst Verantwortung für die abgeholten Lebensmittel. Hackfleisch, rohe Eier, Fisch und andere sensible Lebensmittel sind daher von vornherein aus Hygienegründen auf der Plattform tabu.

„foodsharing ist keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung zu den Tafeln“, erklärt Mitbegründer Raphael Fellmer. Ein gemeinsamer Kooperationsvertrag hält fest, dass die Tafeln immer Vorrang haben. „Wenn sie beispielsweise an einem Samstag nicht abholen können, springen wir ein. Wir arbeiten für ein gemeinsames Ziel, jedoch mit unterschiedlichen Ansätzen.“

Raphael Fellmer ist Mitbegründer von foodsharing.
Raphael Fellmer ist Mitbegründer von foodsharing. (Foto © Valeri Koort)

Angst vor Haftung und andere Hindernisse

Schlau wäre ja, gleich mit Supermärkten zusammen zu arbeiten. Doch bis foodsharing.de die erste Kooperation mit einer großen Bio-Supermarktkette starten konnte, dauerte es eine Weile. „Mittlerweile kommen die Betriebe selbst auf foodsharing zu“, erzählt Raphael. Jedoch seien von 15.000 angesprochenen Betrieben bislang nur zweieinhalbtausend Kooperationen mit foodsharing eingegangen. Die Gründe dafür seien vielfältig: Angst vor Haftung bei der Weitergabe von Lebensmitteln, zeitlicher und organisatorischer Mehraufwand, Kooperationen mit anderen Organisationen oder weil sie die Lebensmittel an die Mitarbeitenden verschenken.

Auch Betriebe profitieren vom Foodsharing

„Dabei ist es doch eine Entlastung für den Betrieb. Schließlich sind die Foodsaver pünktlich, zuverlässig, sauber und richten sich nach den zeitlichen Wünschen der Betriebe. Entsorgungskosten werden eingespart und die Haftung für die Lebensmittel übernommen“, meint Raphael. „Gleichzeitig haben die Läden kostenlos Werbung, dass sie nachhaltig handeln und für die Angestellten ist es ein schönes Gefühl, die Dinge nicht in die Tonne zu kloppen.“

Yunity.org: bald weltweit Lebensmittel retten

Seit dem Start vor knapp drei Jahren bemerkt Raphael einige positive Veränderungen: So würden Läden mittlerweile intelligenter bestellen und Produkte mit kurzem Mindesthaltbarkeitsdatum oder Mangelware reduzierter anbieten.

Als Nächstes will sich der Verein neu strukturieren und Raphael möchte das Retten und Teilen von Lebensmitteln im weltweiten Maßstab ermöglichen – mit der Plattform yunity.org. Übrigens: Vom 12. bis 14. August 2016 findet das kostenfreie vierte foodsharing Festival in Berlin statt.

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(3) Kommentare

  1. hallo „gemeinde“ !
    da meine „Prinzessin“ und meine „Wenigkeit“ seit fast 50 Jahren ein Paar sind, u. wir nur streng Diabetisch leben, u. auch nach diesen Regeln Konsumieren tangieren uns diese ganzen so genannten „Weltverbesserer Clubs u. Vereine u. deren „Botschaften“ überhaupt nicht. Der einzige Makel ist das wir immer einen kleinen PKW besaßen. Weil man ja hier auf dem „Lande“ ohne total aufgeschmissen ist. was der junge Mann mach ist schon von seiner Sicht richtig. Dann hat er wenigstens ein „Gutes Gewissen“ Weiter So !!!!! Gruß Doedell !!!

  2. Es ist wirklich toll, dass hier 5.000 Tonnen gerettet wurden. Leider ist das nicht mal 1 Promille der Lebensmittelüberschüsse in Deutschland. Es kann auch nicht jeder bei Foodsharing mitmachen. Die Koordination geht ausschliesslich übers Internet. Ich habe über 120.000 kg selbst gerettet und das nur weil ich mich nicht an einige verrückte Foodsharing Regeln gehalten habe. Das Hauptproblem ist die ‚Geldlosigkeit‘. Ohne Geld kann man in diesem Land eben nicht mehr als 1 Promille schaffen.

  3. Ich verstehe nicht, worauf Du hinaus willst.
    Ist das eine Kritik an Foodsharing?
    Willst Du auf bessere Methoden der Lebensmittelrettung aufmerksam machen?
    Du bist doch der „Brotretter“ von Köln, oder?
    Arbeitest Du nicht auch mit Foodsharing zusammen?

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