Gegen das 6. Massensterben: UN-Experten stellen 20-Punkte-Rettungsplan vor

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Rund eine Million Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht. Experten der Vereinten Nationen haben nun ein Konzept vorgestellt, mit dem die Biodiversität gerettet werden soll. Dazu müssten 30 Prozent der Erdoberfläche zum Naturschutzgebiet werden.

Das Artensterben auf der Erde geschieht in einem rasanten Tempo. Im vergangenen Jahr hatte der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) der Vereinten Nationen gewarnt, dass eine Million Tier- und Pflanzenarten in Gefahr sind – und dass wir sie in einer „so noch nie dagewesenen“ Geschwindigkeit verlieren. Ursache für das globale „sechste Massensterben“ (von dem einige Wissenschaftler sprechen), ist vor allem die Zerstörung von Ökosystemen durch den Klimawandel und die Landwirtschaft.

Um diese Entwicklung zu bremsen und die Artenvielfalt zu bewahren, sind drastische Maßnahmen nötig. UN-Experten haben nun einen Rettungsplan entwickelt (pdf), der am Montag in New York vorgestellt wurde. Wie der „Guardian“ berichtet, soll er im Oktober bei einer Biodiversitätskonferenz im chinesischen Kunming von Regierungsvertretern aus fast 200 Ländern geprüft werden.

Ein 20-Punkte-Plan, um die Artenvielfalt zu retten

Die Vision hinter dem Konzept: Bis 2050 sollen wir „in Harmonie mit der Natur leben“, wobei sowohl die Bedürfnisse der Menschen als auch gesunde Ökosysteme ihren Platz haben. Dafür gilt es aber zunächst, ein Etappenziel zu erreichen: Die „Mission 2030“ lautet, jetzt dringend zu handeln, damit die Biodiversität wiederhergestellt wird – zum Wohl der Erde und des Menschen.

Dazu haben die UN-Experten einen 20-Punkte-Plan aufgestellt. Ein zentraler Punkt des Konzepts: Mindestens 30 Prozent der Erdoberfläche (auch Meere) sollen bis zum Jahr 2030 zu Naturschutzgebieten werden – darunter sollen zehn Prozent unter strengem Schutz stehen. Aktuell sind rund 15 Prozent der Landflächen und drei Prozent der Meere Naturschutzgebiete (Quelle: UN environment programme).

Pestizide und Plastikmüll um 50 Prozent reduzieren

Weitere Maßnahmen, die laut dem Konzept notwendig sind: Das Vordringen neuer, invasiver Arten soll um 50 Prozent reduziert werden, ebenso wie die Umweltverschmutzung, die unter anderem durch Plastikmüll und Pestizide entsteht. Wilde Spezies sollen nur geerntet, gehandelt oder genutzt werden dürfen, wenn dabei Nachhaltigkeit gewährleistet ist.

Die Punkte sind auch mit dem Pariser Klimaabkommen von 2015 verknüpft und sollen dazu beitragen, dessen Ziele zu erreichen und die Klimaerwärmung zu entschärfen. Der UN-Entwurf legt dabei den Fokus auf naturbasierte Lösungen (zum Beispiel Wiederaufforstung oder der Schutz von Feuchtgebieten). Deren große Bedeutung im Kampf gegen die Klimakrise hatten übrigens auch Greta Thunberg und der Journalist George Monbiot in einem eindringlichen Kurzfilm erklärt. Mehr dazu hier: „Das ist keine Übung“ – Greta Thunberg veröffentlicht Kurzfilm über die Klimakrise.

Ein „angemessenes und nachhaltiges Kosumniveau“

Die einzelnen Punkte sollen nicht nur die Bedrohungen für die Biodiversität reduzieren, sondern auch die Bedürfnisse der Menschen auf nachhaltige Weise befriedigen und dauerhafte Lösungen schaffen. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass Menschen in den Städten Zugang zu Grünflächen haben, um von der positiven Wirkung der Natur auf Gesundheit und Wohlbefinden zu profitieren.

Viele Maßnahmen, die im Rettungsplan festgehalten sind, konzentrieren sich auf mehr Nachhaltigkeit: Wirtschaftliche Produktionsprozesse sollen reformiert und dadurch nachhaltiger werden, um negative Auswirkungen auf die Biodiversität um mindestens 50 Prozent zu reduzieren. Und Menschen überall der Welt sollen messbare Schritte unternehmen, um nachhaltiger zu leben – das Ziel ist, bis 2030 ein „angemessenes und nachhaltiges Kosumniveau“ zu erreichen.

Jede Regierung der Erde muss sich hinter die Mission stellen

Umweltschützer*innen begrüßen den Rettungsplan. So sagte der National-Geographic-Forscher Enric Sala gegenüber dem „Guardian“: „Wenn diese Zielsetzung übernommen wird, könnte sie erreichen, wozu unsere Kinder die Regierungen aufgerufen haben – auf die Wissenschaft zu hören.“ Jetzt müsse sich jede Regierung der Erde hinter diese „kühne Mission“ stellen und sich dieses Jahr auf ein globales Abkommen für die Natur einigen.

Eine solche Einigung wäre dringend notwendig, um das Massensterben noch aufzuhalten. Der UN-Entwurf zeigt, wie komplex das Problem des globalen Artensterbens ist – und wie eng verknüpft mit der Klimakrise. Er verdeutlicht aber auch, dass jeder Einzelne durch seinen Lebensstil einen wichtigen Beitrag leisten kann. Mehr dazu hier: Eine Million bedrohte Arten: 6 Dinge, die du gegen das Massensterben tun kannst

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