Glyphosat: Erste Molkerei verbietet das Unkrautvernichtungsmittel

Kuh Milch Berchtesgadener Land
Foto: CC0 Public Domain / Pixabay

Die EU-Kommission überlegt noch, ob sie die Zulassung für Glyphosat verlängern soll oder nicht – die Molkerei Berchtesgadener Land hat hingegen schon eine Entscheidung gefällt. Das Unternehmen verbietet allen Zuliefern, Glyphosat zu verwenden.

Rund 1800 Landwirte beliefern die Berchtesgadener Molkerei – sie alle dürfen ab sofort kein Glyphosat mehr einsetzen. Berchtesgadener Land ist damit die erste Großmolkerei in Deutschland, die ein offizielles Verbot für Glyphosat ausgesprochen hat.

Die Molkerei will das Verbot nun mit in die Milchlieferbedingungen aufnehmen. Außerdem werde sie extern überwachen lassen, ob sich die Bauern an die Einschränkung halten, verkündete das Unternehmen.

Glyphosat-Vorfall in Oberbayern

Grund für den Vorstoß war wohl ein Vorfall in Oberbayern von vor etwa zwei Wochen: Ein Mann war bei einem Spaziergang auf ein Feld gestoßen, das eine „giftig-gelbe“ Farbe hatte. Ein Anwohner habe dem Spaziergänger erklärt, dass der Bauer sein Feld mit Roundup ausgespritzt habe.

Monsanto Glyphosat
Roundup von Monsanto. (Foto: "DSC_0313 " von Andy Wright unter CC-BY-2.0)

Roundup ist das weltweit meistverkaufte Unkrautvernichtungsmittel des Saatgut-Konzerns Monsanto. Offenbar hatte der Bauer sein Feld für die nächste Saison vorbereitet und dafür zu dem Mittel gegriffen.

Der Aufsichtsrat war sich einig

Der Anwohner, der das gelbe Feld entdeckte, wandte sich daraufhin an den Bayerischen Rundfunk (BR), sowie an die Molkerei Berchtesgadener Land selbst. Die Molkerei erklärte gegenüber dem BR zunächst, dass es sich um einen Einzelfall gehandelt habe, den das Unternehmen nicht befürworte.

Diesen Mittwoch beschloss der Aufsichtsrat dann einstimmig, allen Lieferanten den Einsatz von Glyphosat komplett zu verbieten. „Es gibt in unserem Milcheinzugsgebiet keine Notwendigkeit, ein Totalherbizid einzusetzen, dessen wissenschaftliche Bewertung hinsichtlich Auswirkungen auf Mensch und Umwelt kontrovers ist“, erklärte Bernhard Pointner, Geschäftsführer der Molkerei.

Berchtesgadener Land verkauft übrigens nicht nur konventionelle Milch, sondern ist auch einer der größten Anbieter für Bio-Milch. Die Milch ist zudem mit dem „Naturland Fair“-Siegel zertifiziert, das einen faireren Milchpreis für die Bauern garantiert.

Entscheidung zu Glyphosat steht an

Wie es mit Glyphosat in Europa weitergeht, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Die aktuelle Zulassung als Unkrautvernichtungsmittel läuft am 15. Dezember aus. Die EU-Kommission muss bis dahin entscheiden, ob sie Glyphosat weiterhin zulässt oder nicht.

Zehn Länder sind dagegen, darunter beispielsweise Italien und Frankreich. Deutschland wird sich bei der EU-Abstimmung voraussichtlich enthalten, da das Umwelt- und Agrarministerium sich bislang nicht einigen konnten.

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(1) Kommentar

  1. Ich frage mich, ob die Molkerei so konsequent gewesen wäre, wenn sie nicht auch Bioprodukte vertreibt und sich dann sicherlich auch einige unbequeme Fragen hätte stellen lassen müssen. Dennoch ist es ein guter Schritt, welches Unternehmen ist das Nächste? Wie lange müssen wir uns noch dem Mammon unterordnen, derweil unsere Umwelt kaputt geht? Ich schäme mich für meine Regierung!

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