Das große Teilen: Wie nachhaltig ist die Sharing Economy wirklich?

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Viele Menschen nutzen Sharing-Angebote, weil sie dadurch Geld sparen und neue Kontakte knüpfen können. Aber auch die Schonung der Umwelt wird häufig als Argument angeführt. Ist da etwas dran?

Peer-to-Peer-Sharing, also das Teilen (oft auch: Tauschen oder Weitergeben) von Gebrauchsgegenständen untereinander, ist praktisch: Mittlerweile gibt es zahlreiche (Online-)Plattformen, die zwischen Vermietern und Mietern von Autos, privaten Apartments für die Ferien oder auch das Ausleihen von Haushaltsgegenständen vermitteln. Und: Die Nutzung dieser Angebote spart bares Geld.

Das Forschungsprojekt „PeerSharing“ hat sich mit der Frage beschäftigt, ob die Sharing Economy auch vorteilhaft für die Umwelt ist. Auf den ersten Blick erscheint das logisch: Wenn mehrere Menschen den gleichen Gegenstand benutzen, muss weniger produziert werden und Ressourcen werden geschont. Aber ist es wirklich so einfach?

Um das herauszufinden, hat das Projekt-Team aus IÖW (Institut für ökologische Wirtschaftsforschung), IZT (Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung) und IFEU (Institut für Energie- und Umweltforschung) verglichen, wie sich Menschen mit und ohne Peer-to-Peer-Sharing-Angeboten verhalten. Das Ergebnis lautet wie so oft: Es kommt darauf an.

Carsharing & Mitfahren

Je mehr Alternativen es zum eigenen Auto gibt, desto leichter fällt die Abschaffung des privaten Pkw (oder die Entscheidung gegen eine Neuanschaffung). Zu dieser sogenannten „multioptionalen Mobilität“ tragen Angebote wie privates Carsharing (z.B. von Drivy) und regelmäßige Mitfahrgelegenheiten bei. Darüber hinaus ist aber auch der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel essentiell.

Eine Befragung unter Nutzern von Drivy ergab, dass 37 % unter ihnen einen PKW besitzen. Auf die Frage, wie eine Situation ohne das Angebot von Drivy aussähe, gaben im Durchschnitt 14 % mehr Nutzern an, dass sie dann einen Pkw besäßen. Diesen Menschen hat das Angebot des privaten Carsharing ermöglicht den eigenen Pkw abzuschaffen.

Auch Nutzern der Mitfahrbörse flinc wurden befragt: Ohne flinc fahren durchschnittlich 1,5 Personen in einem Auto. Mit flinc erhöht sich diese Zahl auf 2,8 Personen – die Autos werden also besser ausgelastet. Durch Umwege, um die Mitfahrer an Orten abzuholen oder abzusetzen, die nicht direkt auf der eigentlichen Strecke liegen, verlängtert sich die Strecke des Fahrers zwar gering (um ca. 5 km auf 100 km gemeinsam gefahrene Strecke), der Nutzen des Zusammenfahrens überwiegt jedoch deutlich. Ein Teil der Nutzern von flinc gab – ähnlich wie die Drivy-Nutzern – an, aufgrund des Angebotes auf einen eigenen Pkw verzichten zu können.

Fazit: Privates Carsharing und Mitfahrgelegenheiten sind eine echte Alternative zum eigenen Auto und somit ein guter Schritt in Richtung Verkehrswende. Wichtig ist jedoch, dass solche Angebote anstelle eines eigenen Fahrzeugs genutzt werden – und nicht nachhaltigere Verkehrsmittel wie beispielsweise Bus und Bahn ersetzen. Daher ist das Zusammenspiel von Carsharing, Mitfahrgelegenheiten und öffentlichen Verkehrsmitteln besonders spannend. Die Abschaffung privater Pkw begünstigt insgesamt die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und schafft freie Flächen wo sonst Parkplätze gebraucht würden.

Kleidung gebraucht kaufen & verkaufen

In einer weiteren Befragung zum Kaufen und Verkaufen gebrauchter Kleidung gaben die Teilnehmer an, durchschnittlich etwas mehr als 2 T-Shirts pro Jahr zu kaufen, und diese etwa 100-mal zu tragen, bevor sie entsorgt werden. Durch die Nutzung von Portalen wie Kleiderkreisel wird das Kaufverhalten beeinflusst: Die Teilnehmer an der Umfrage kaufen zwar insgesamt etwas mehr T-Shirts (im Schnitt 2,3 statt 2,1), davon aber rund 17 % gebraucht über Kleiderkreisel.

Außerdem steigt mit der Verfügbarkeit von Online-Portalen die Wahrscheinlichkeit, dass gebrauchte Kleidung einem neuen Träger zur Verfügung gestellt, und nicht einfach im Altkleidercontainer oder Müll entsorgt wird. Durch den Kauf und Verkauf gebrauchter Kleidung (statt ausschließlich neuer) kann man in Deutschland den eigenen „Beitrag“ zum Klimawandel („Global Warming Potential“ genannt) im Bereich Bekleidung um fast die Hälfte reduzieren!

Fazit: Peer-to-Peer-Sharing hat bei Mode das Potenzial, Neukäufe zu vermeiden und die Lebensdauer von Kleidungsstücken zu verlängern. So schont es die Umwelt. Wichtig ist, dass die (oft) günstigen Preise und das unkomplizierte Shoppen per App bei Kleiderkreisel & Co. nicht dazu führen, dass mehr konsumiert wird, als man sich bei Neukäufen leisten würde.

Private Unterkunft im Urlaub

Plattformen wie Wimdu, auf denen man eine private Unterkunft für den Urlaub mieten oder sein Gästezimmer tageweise vermieten kann, können einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Die Nutzung dieser vorhandenen privaten Räume verursacht weniger Umweltlasten als eine Übernachtung in einem durchschnittlichen Hotelzimmer. Wenig Sinn machen die Apartmentbörsen, wenn ganze Wohnungen (oftmals in besonders attraktiven Wohnlagen) ausschließlich an Touristen vermietet werden, und der lokalen Bevölkerung nicht mehr als Wohnraum zur Verfügung stehen.

Im Projekt PeerSharing wurde untersucht, inwiefern das Angebot von Wimdu die Reisehäufigkeit und -gestaltung von Nutzern des Angebots beeinflusst: 24 % der Befragten gaben an, öfter in Urlaub zu fahren, nur 3 % seltener. Mehr Reisen bedeutet in diesem Fall auch: Mehr Anreise, also mehr zurückgelegte Strecke. Hier kommt es vor allem darauf an, für welches Verkehrsmittel man sich entscheidet. Während Fliegen und Autofahren die Umwelt durch Treibhausgase und Feinstaub enorm belasten, stehen Bahn und Fernbus um einiges besser da. Die gute Nachricht ist deshalb, dass die zusätzlichen Reisen, die Wimdu & Co. ermöglichen, meist Städtereisen sind, bei denen man ohne Probleme auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel zurückgreifen kann.

Fazit: Die Übernachtung in einer Privatunterkunft hat laut Berechnungen des Forschungsteams eine bessere Klimabilanz als eine Übernachtung im Hotel. Dieser positive Umwelteffekt wird auch durch die leichte gesteigerte Anzahl der Reisen und somit die größere Menge an Emissionen durch An- und Abreise nicht zwangsläufig zunichtegemacht, sofern es sich nicht um Fern- und vor allem nicht um Flugreisen handelt. Gerade auf letztere sollte man verzichten, da sie mit Abstand die größten negativen Auswirkungen auf das Klima haben.

Utopia meint: Die Sharing Economy hat großes Potenzial, unseren Konsum umweltverträglicher zu gestalten – und uns darüber hinaus mit Menschen in Kontakt zu bringen, denen wir sonst vielleicht nie begegnet wären. Es kommt eben darauf an, Leihen, Tauschen und Gebrauchtes anstelle von weniger nachhaltigen Alterativen (wie dem Kauf kurzlebiger Produkte oder unnötiger Neukäufen) zu nutzen, und sich nicht von den finanziellen Ersparnissen zu zusätzlichen Anschaffungen verführen zu lassen.

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