Fernbus: Wie öko ist er im Vergleich zu Bahn, Auto, Flugzeug?

Foto: Fernbus von unter CC BY-SA 2.0

Dass das Flugzeug nicht das klimafreundlichste Transportmittel ist, haben viele inzwischen verstanden. Doch ist das Auto so viel schlechter? Ist Bahnfahren wirklich das einzig Wahre? Und wie steht es um die immer beliebteren Fernbusse? Die Antworten überraschen.

Keine politische Debatte kommt mehr ohne Forderungen zur Bahn aus: Bahntickets sollen billiger werden, die Strecken besser ausgebaut und vieles mehr. Doch praktiziert wird seit Jahren fast nur das Gegenteil: Die Bahn wurde nach Meinung vieler „kaputtgespart“, wie beispielsweise die SZ schreibt.

Zugleich boomt der Markt der Linien- und Fernbusse, seit 2013 der Konkurrenzschutz für die Bahn und bereits vorhandenen Fernbuslinien aufgehoben wurde und so neuer Wettbewerb entstehen konnte. Flixbus & Co. etablieren sich zunehmend als preisgünstige, kundenfreundliche, nicht ständig überfüllte und oft sogar pünktliche Alternative zur Bahn und auch zum Auto.

Aber sind Busse auch ähnlich nachhaltig wie andere Verkehrsmittel?

Auto, Bus, Flugzeug, Bahn: Was ist umweltfreundlicher?

Zumindest Flixbus wirbt stark mit Umweltfreundlichkeit und bietet schon bei der Buchung an, einen geringen „Klimaschutzbeitrag“ zu zahlen. Besser als jede CO2-Kompensation ist aber natürlich die Vermeidung von schädlichen Klimagasen.

Das Umweltbundesamt vergleicht daher regelmäßig die Emissionsdaten diverser Verkehrsmittel. Letzter Stand des Wissens:

  • Der Fernlinienbus ist zurzeit das ökologischste Verkehrsmittel, gemessen an den Emissionen von Treibhausgasen pro Personenkilometer. Der Unterschied zur Bahn ist allerdings gering.
  • Daher ist für längere Strecken aus Sicht des Klimaschutzes ganz klar die Reise mit Fernbus oder Bahn zu empfehlen.
  • Das Auto ist im Vergleich das deutlich schlechtere Verkehrsmittel, die CO2-Emissionen sind etwa um den Faktor 5 höher (wobei der individuelle Fußabdruck natürlich mit der Auslastung des Autos variiert).
  • Noch mieser ist nur das Flugzeug, bei dem die Emissionen etwa um den Faktor 8 höher liegen, und wo auch Stickoxide und Feinstaub dazukommen.

Hier die nackten Zahlen der Emissionen der Verkehrsträger in Gramm pro Personenkilometer (g/Pkm) laut Umweltbundesamt 2020:

Treibhausgase Kohlenmonoxid Stickoxide Feinstaub
Pkw 147 1,00 0,14 0,004
Flugzeug, Inland 230 0,48 1,01 0,011
Eisenbahn, Fernverkehr 32 0,02 0,04 0,000
Fernlinienbus 29 0,02 0,06 0,001
sonstige Reisebusse 31 0,04 0,11 0,002
Eisenbahn, Nahverkehr 31 0,04 0,20 0,002
Linienbus 80 0,06 0,32 0,003
ÖPNV 58 0,04 0,05 0,000

Quelle: UBA 01/2020; Bezugsjahr: 2018; „Treibhausgase“ meint hier CO2, CH4, N2O in CO2-Äquivalenten; bei „Feinstaub“ wurde u.a. Reifenabrieb nicht berücksichtigt. Weitere Details, auch zur je angenommenen Auslastung, im PDF.

Dazu einige Anmerkungen:

  • Obige Betrachtung stellt vor allem die aktuell stark diskutierten Treibhausgase in den Vordergrund.
  • Der Reifenabrieb, der als größte Quelle für Mikroplastik gilt (siehe: Überraschende Mikroplastik-Fakten), spielt bei dieser Darstellung dagegen keine große Rolle.
  • Faktoren wie Flächenversiegelung durch Verkehrswege kommen auch nicht vor, sind aber auch schwer zu bewerten. Das Schienennetz ist derzeit etwa 38.500 km lang, das Straßennetz wird mit 231.000 km beziffert (ohne Gemeindestraßen, die noch mal 413.000 km addieren). Allerdings existiert das Schienennetz nur für den Bahnverkehr, das Straßennetz keineswegs nur für Busse.
  • Die Bahn hat viele Mitarbeiter mit tariflicher Bezahlung. Fernbusse dagegen kommen immer wieder mal ins Gerede, weil sie mit niedrigen Löhnen und knapper Personaldecke kalkulieren, um im Wettbewerb bestehen zu können.
  • Gefühlt mag das auch auf die Sicherheit durchschlagen. Fakt ist aber, dass Bahn und Bus gleichermaßen zu den sichersten Verkehrsmitteln gehören (beide reklamieren für sich, am sichersten zu sein, etwa hier Bahn und Bus) und das Auto das gefährlichste Verkehrsmittel ist.
  • Das heißt: Aus anderen Perspektiven mag sich also ein anderes Bild ergeben als bei einer reinen Klimagas-Betrachtung.

Lies auch: 10 einfache Reisetipps für besseren Tourismus

Grundlage unserer vereinfachten Tabelle oben im Text sind die regelmäßigen Veröffentlichungen des UBA hier. Sie basieren auf dem Computermodell TREMOD, das alle in Deutschland betriebenen Personenverkehrsarten (Pkw, motorisierte Zweiräder, Busse, Bahnen, Flugzeuge) und Güterverkehrsarten (Lkw, Bahnen, Schiffe) ab dem Basisjahr 1960 bis zum Jahr 2030 erfasst bzw. modelliert. Die Basisdaten reichen von Fahr-, Verkehrsleistungen und Auslastungsgraden bis zu den spezifischen Energieverbräuchen und Emissionsfaktoren.

Vergleich der durchschnittlichen Treibhausgas-Emissionen einzelner Verkehrsmittel im Personenverkehr Bezugsjahr 2018
Vergleich allein der durchschnittlichen Treibhausgas-Emissionen im Personenverkehr. (Grafik/Quelle: Umweltbundesamt)

Die Berechnung der im Straßenverkehr freigesetzten Schadstoffmengen basiert auf den Emissionsfaktoren aus dem Handbuch für Emissionsfaktoren (HBEFA). Als Emissionen erfasst man dort Stickstoffoxide, Kohlenwasserstoffe, differenziert nach Methan und Nicht-Methan-Kohlenwasserstoffen sowie Benzol, Kohlenmonoxid, Partikel, Ammoniak, Distickstoffoxid, Kohlendioxid und Schwefeldioxid. Bilanziert werden die direkten Emissionen einschließlich der Verdunstungsemissionen und derjenigen Emissionen, die vor dem Endenergieverbrauch entstehen, diesen aber erst ermöglichen.

Fernbus besser als Bahn? War die Bahn nicht „100 % Ökostrom?“

Speziell die Bahn wirbt damit, im Fernverkehr „100 % Ökostrom“ zu verwenden. Erfolgreich, denn die meisten Menschen glauben, die Bahn fahre stets elektrisch und stets mit Ökostrom, umweltfreundlicher ginge es nicht. In einer eigenen Darstellung (PDF) von 2017 beziffert die Bahn ihre CO2-Emissionen im Fernverkehr gar auf „unter 1 Gramm“ – also sichtlich anders als das Umweltbundesamt (siehe oben).

Der Teufel liegt aber im Detail. In der gleichen Darstellung räumt die Bahn ein, dass eben nur etwas über ein Drittel des „DB Bahnstrom“ aus erneuerbaren Energien stammt – aber 26,6 Prozent aus Steinkohle, 17,3 Prozent aus Atomkraftwerken und so weiter.

In Sachen Ökostrom geht es eben nur um den „Fernverkehr“ der Bahn. Aber darüber sollte man den Stab nicht gleich brechen: Derzeit (Stand 1/2020) gibt die Bahn an, „mehr als 57 Prozent des Energiebedarfs“ würden mit erneuerbaren Energien abgedeckt – das ist schon ziemlich gut, etwa im Vergleich zum sonstigen Stromverbrauch in Deutschland.

Die Zahlen verändern sich früher oder später, wenn auch nicht radikal. So sind natürlich Elektro-Fernbusse zu erwarten. Auch wird die Bahn gewiss den Anteil an Ökostrom ausbauen. Gleichzeitig steigt bei Autos nach wie vor der prozentuale Anteil der zugelassenen SUVs und Geländewagen (siehe KBA), deren Treibhausgasausstoß dürfte dort also eher noch wachsen. Bei Flugzeugen könnte ein Wechsel zu Power-to-Liquid-Treibstoffen die CO2-Emissionen zumindest auf dem Papier reduzieren, was aber erstens noch ferne Zukunftsmusik ist und zweitens andere Probleme des Flugverkehrs nicht automatisch mitlöst.

Fernbus: Die wichtigsten Anbieter

  • Relativ neu im Geschäft ist BlaBlaBus**: Das französische Unternehmen punktet mit einem tollen Streckennetz im Nachbarland.
  • Flixbus** ist Marktführer in Deutschland und die bekannteste Fernbusmarke.
  • IC Bus** gehört zur Deutschen Bahn und verkehrt auf Strecken, die die Bahn mit der eigenen Schienen nicht (gut genug) abdecken kann.

In unserer Bestenliste findest du die bekanntesten Fernbusunternehmen im Vergleich:

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(26) Kommentare

  1. Ich denke auch, dass nur der Vergleich der Emissionen von CO2, NOx und Abgas-Feinstaub zu kurz greift – der Flächenverbrauch für die benötigten Straßen, die Geräuschbelästigung und die Gefährdung Dritter sind sicher auch Punkte, die beim Vergleich wesentlich zu beachten sind und die bei der Bahn besser aussehen als beim Fernbus.
    Außerdem sollte man aber auch beachten, dass die Bahn elektromobil unterwegs ist und durch die zunehmende Umstellung unseres Energiesystems auf erneuerbare Stromerzeugung in ihrer Umweltbilanz jedes Jahr besser wird – da kommt kein Bus mit, der stinkt sein Lebtag lang gleichmäßig vor sich hin.
    Dennoch hat der Bus gewiss dem Individual-Automobilverkehr einiges voraus !
    Bodo

  2. an Bodo : im Vergleich gesehen, hast Du völlig recht. Die Frage ist allerdings noch nicht gestellt worden, warum Umwelttechnik u Industrie bislang weiterhin zurückhalten mit bereits markttauglichen modernen Wasserstoff betriebenen Bussen wie z B in Island…das ergäbe eine ganz andere Ökobilanz.. manche Länder habens eben längst begriffen, daß es nicht darum geht alleine dem zeitökonomisch gestressten Teil der arbeitenden Bevölkerung und den Interessen der von Zeiteinheiten diktierten Arbeitswelt Rechnung zu tragen, sondern ein sozial durchdachtes bürger- ( u senioren-) nahes umweltfreundliches u alltagstaugliches – heißt preisl erschwingliches- Transportsystem wieder einzuführen, das ruhig durch Bahn, Straßenbahn u viell sogar Sammeltaxis u Carsharing ergänzt werden kann. Im Kampf um eine allgemeine Flexiblisierung der Arbeitszeiten, müßen wir uns auch vom subventioniertem Billig-fliegen verabschieden.. – weg vom ressourcenveschlingenden motorisierten Individualverkehr..hin zu umweltfreundlichen Antriebsstoffen u -systemen.

  3. @ Kate Dunning

    knapp ein Jahr später und hoch aktuell /
    Mein Dank, für Deine treffenden Worte und Artikulation der Situation wie Zukunft.

    Gute Zeit & Greez

  4. Dieser Vergleich hinkt sehr auf diese Weise. Sie müssen den Life-Cycle vergleichen! Umweltkosten der Produktion bis Verschrottung/Recyclen/Verbrennung. Sorry, Utopia, da gibt es bereits deutlich bessere und wissenschaflich gehaltvollere Analysen.

  5. Was ich in der Tabelle beim Pkw vermisse, ist der Hinweis auf die Anzahl der Personen, auf die sich die.Werte beziehen. Oder sind das die Werte pro Fahrzeug?

  6. Wer wie ich schon einmal bei Schneeregen, Dunkelheit und dichten Feierabend-Verkehr auf einer Gefällestrecke über die dritte Autobahn-Spur von einem Fernbus überholt wurde oder in einer Baustelle bei erlaubten 60 km/h und gefahrenen 80 km/h von einem Fernbus mit der Lichthupe bedrängt wurde, der wird über den Fernbus am Fortbewegungsmittel ganz anders denken!

  7. Wir fliegen nie, haben schon seit 35 Jahren kein Auto mehr und fahren 2x/jährlich mit dem Bus nach Kroatien, allerdings organisiert mit einem Reisebüro. FlixBus u.Co sind mir suspekt, weil ständig Koffer verschwinden. Sonstige Reisen mit der Bahn, in der Stadt und näheren Umgebung Jahreskarten für Öffis. Die sind allerdings in Wien sehr günstig, 365€, für Senioren 235.- – und das bei einem riesigen Streckennetz