Fernbus: Wie öko ist er im Vergleich zu Bahn, Auto, Flugzeug?

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Foto: Fernbus von unter CC BY-SA 2.0

Noch debattieren Verkehrspolitiker über eine Maut für den immer beliebteren Fernbus, dabei stellt sich doch eigentlich die Frage, ob Fernbusse im Öko-Vergleich überhaupt sinnvoller sind.

Der Fernbus-Markt boomt: Seit der Liberalisierung im Jahr 2013 hat sich die Anzahl der Strecken-Verbindungen verdreifacht, laut VCD von 86 im Jahr 2012 auf 255 im Jahr 2014. Die Kunden der Fernbusse sind jeweils zur Hälfte ehemalige Bahn- beziehungsweise Autofahrer.

Die wichtigsten Fernbuslinien

Fernbus: Flixbus

Flixbus ist zur Zeit mit 900 Zielen in 20 Länder der größte Anbieter von Fernbuslinien. Seit 2015 bietet der Flixbus-Fernbus auch internationale Reisen an, unter anderem nach Frankreich, Italien, Österreich und in die Niederlande. Das komplette Fernbuslinien-Angebot findest du hier.

Bei der Onlinebuchung jeder Fernbus-Fahrt mit Flixbus hast du die Möglichkeit, den CO2-Ausstoß deiner Reise via ClimatePartner auszugleichen. So werden die auf deiner Fahrt entstandenen CO2-Emissionen anhand der zurückgelegten Kilometer berechnet und der Betrag automatisch auf den Ticketpreis aufgeschlagen. Dabei liegt der Klimaschutz-Beitrag zwischen 1 – 3 % vom Reisepreis.

Welche aktuelle Projekte Flixbus mit deinem Kompensationsbeitrag unterstützt, kannst du hier nachlesen.

Fernbus: Postbus

Postbus ist der Fernbus der Deutschen Post und wird ad dem 1. November 2016 von Flixbus übernommen. Die Fernbuslinien umfassen derzeit Ziele in über 120 deutsche Städte. Dazu kommen Nachtlinien und Flughafenzubringer-Fahrten in Zusammenarbeit mit Lufthansa. Die Übersicht aller Fernbus-Routen von Postbus findest du hier.

Bei Postbus kannst du deine Fahrt auch klimaneutral buchen, indem du bei der Online-Buchung die Option „GoGreen“ auswählst. Der Aufschlag in Höhe von 50 Cent wird in Klimaschutz-Projekte investiert und so der durch deine Fahrt entstandene CO2-Ausstoß ausgeglichen. Alle Projekte, die durch GoGreen unterstützt werden, findest du auf der Seite der Deutschen Post.

Fernbus: Deutsche Bahn IC Bus

Der IC Bus gehört zur Deutschen Bahn, die Fernbuslinien verbinden verschiedene deutsche Städte und einige Städte in EU-Ländern. Tickets für diesen Fernbus kannst du am Fahrkartenautomaten, im DB-Reisezentrum oder online buchen. Eine BahnCard sowie verschiedene Sparangebote wie der Europa-Spezial-Ticket gelten auch für den IC Bus.

Fernbus: berlinlinienbus.de

Das Angebot von berlinlinienbus.de umfasst über 40 Fernbuslinien und 250 Haltestellen in Deutschland und Europa. Zu den Reisezielen zählen bei diesem Fernbus auch Erholungsorte wie der bayrische Wald oder die Ostsee.

Fernbus: DeinBus.de

Die DeinBus.de Fernbuslinien umfassen knapp 30 Städte in der südwestlichen Hälfte Deutschlands. Eine Karte mit der Übersicht aller Städte findest du hier.

Auch bei DeinBus.de hast du bei jeder Online-Buchung die Möglichkeit, den CO2-Ausstoß auszugleichen, der während deiner Busfahrt entsteht. Der zu zahlende Betrag wird anhand der von dir gefahrenen Kilometer errechnet. Der Kooperationspartner zum CO2-Ausgleich einer Fernbus-Reise ist bei DeinBus.de das Unternehmen Arktik. In welches Klimaschutz-Projekt DeinBus.de gerade investiert, kannst du hier nachlesen.

Fernbus: Megabus

Ab dem 1. August 2016 hat der Fernbus-Riese Flixbus die Fahrten von Megabus innerhalb von Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien sowie zwischen London und Europa übernommen. Nur Reisen innerhalb Großbritanniens können weiterhin bei Megabus gebucht werden.

CO2 selber ausgleichen

Niemand ist darauf angewiesen, sein CO2 direkt über den Fernbus-Anbieter auszugleichen – man kann das auch selbst tun. Infos im Beitrag CO2-Kompensation; dort geht es zwar vor allem um Fliegen, aber auch für andere Verkehrsarten läßt sich der CO2-Ausgleich ebenfalls durchführen.

Hier eine Bildstrecke mit den wichtigsten Fernbus-Anbietern:

Grund für die steigende Nachfrage ist vor allem der niedrige Ticketpreis. Doch wie ökologisch ist der Fernbus eigentlich? Und was ist im Vergleich die umweltfreundlichste Alternative bei längeren Strecken – die Bahn, der eigene Pkw oder das Flugzeug?

Der Fernbus ist selbst im Vergleich zur Bahn überraschend öko

„Gemessen am CO2-Ausstoß pro Personenkilometer ist der Fernbus das ökologischste Verkehrsmittel“, sagt Jörn Roßberg von der Pressestelle des Marktführers Flixbus und beruft sich dabei auf Zahlen des Statistischen Bundesamts.

Tatsächlich ist für das gute Gewissen ganz klar die Reise mit Fernbus oder Bahn zu empfehlen. Welches davon genau, ist aus ökologischen Gesichtspunkten nicht so relevant. „Die nehmen sich nichts“, sagt Heidi Tischmann vom Verkehrsclub Deutschland (VCD).

Auch welche Entfernung dabei zurückgelegt wird, spielt keine Rolle. Wichtig ist lediglich die Auslastung: „Je größer, desto umweltfreundlicher“, so Tischmann. In jedem Fall spricht sich die Referentin für Verkehrspolitik für die Förderung der öffentlichen Verkehrsmittel aus: „Lieber eine 50-prozentige Auslastung bei Bus- und Bahnverkehr als die Reise mit Auto oder Flugzeug.“

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Busreisen sind ökologisch sinnvoller als Reisen per Auto und Flugzeug. (Foto: MeinFernbus/Flixbus)

Fernbus im Emissionen-Vergleich zu den anderen Verkehrsträgern

„Wenn der Fernbus neue Kunden vom Auto weg lockt, ist er zu befürworten“, sagt Simon Hüther vom VCD. Warum, zeigt ein Vergleich der Emissionen: Im direkten Vergleich liegt ein ausgelasteter Fernbus bei den Treibhausgasen sogar unter den Werten der Bahn. Bei Stickstoffoxiden und Feinstaub schneidet die Bahn hingegen besser ab als ein Fernbus. Die Unterschiede fallen allerdings nicht stark aus – Autos und speziell das Flugzeug belasten die Umwelt in jedem Fall deutlich stärker, ein CO2-Ausgleich ist dann ratsam.

Ohnehin räumt das Umweltbundesamt (UBA) ein: „Zuverlässige Aussagen über die Umweltwirkungen des Fernlinienbusverkehrs können bisher nicht gemacht werden.“ Fernbusunternehmen sind nämlich nicht verpflichtet, Daten an das Statistische Bundesamt zu melden. Als Anhaltspunkt beim Vergleich der Emissionen verschiedener Verkehrsmittel (s. Tabelle) dienen daher nur die Werte von Reisebussen – diese sind allerdings häufiger voll ausgelastet als Fernbusse und erzielen dadurch bessere Ökobilanzen.

Emissionen der Verkehrsträger
in Gramm pro Personenkilometer (g/Pkm) (Bezugsjahr 2012):

Treibhausgase als
CO2-Äquivalente*
Stickstoffoxide
(NOx)
Feinstaub
Pkw 139 0,3 0,007
Linienbus (Nahverkehr) 74 0,48 0,005
Straßen-, S- und U-Bahn 74 0,07 0
Eisenbahn-Nahverkehr 72 0,22 0,003
Reisebus*** 30 0,23 0,004
Eisenbahn-Fernverkehr 43 0,05 0
Flugzeug **196 0,42 0,006

Quelle: VCD-Bahntest; Bezugsjahr: 2012; *hier: CO2, CH4, N2O); **alle klimawirksamen Effekte des Flugverkehrs; ***Emissionen des Reisebusses sind nicht direkt auf den Fernlinienbus übertragbar

Knallharter Wettbewerb beim Fernbus, Maut-Frage

Ein Gesetz aus den 1930er-Jahren verhinderte bis vor zweieinhalb Jahren mit nur wenigen Ausnahmen, dass es parallel zu vorhandenen Bahnverbindungen in Deutschland ein Angebot von Linienbussen auf denselben Strecken gibt. Seit der Freigabe zum 1.1.2013 ist ein knallharter Wettbewerb um die Marktherrschaft entbrannt. Das Streckennetz wird immer weiter ausgebaut, sodass auch kleinere Orte und mittelgroße Städte ohne Anbindung an den Schienenverkehr erreichbar sind.

Der Preiskampf forderte bereits Opfer: So sind einige kleinere Fernbus-Anbieter ausgestiegen, andere haben sich zusammengeschlossen. Wie zum Beispiel MeinFernbus/Flixbus, der inzwischen nur Flixbus heißt. Das Unternehmen hat mit mittlerweile 75 Prozent Marktanteil klar die Oberhand und bietet auch Reisen in andere europäische Länder wie Skandinavien, Italien, Frankreich und sogar Kroatien an.

Der (ADAC) Postbus mit neun Prozent und die DB AG (berlinlinenbus, IC-Bus) mit sieben Prozent folgen auf Platz zwei und drei. Das britische Verkehrsunternehmen Megabus versucht seit April 2015, mit Ticketpreisen von teils einem Euro Marktanteile und Fahrgäste im deutschen bzw. europäischen Fernlinienbusmarkt zu gewinnen.

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Flixbus und Postbus bieten gegen Aufpreis CO2-Ausgleich an. (Foto: Deutsche Post Mobility)

„Diese Dumpingpreise kann es nicht auf Dauer geben“, glaubt Heidi Tischmann vom VCD. Die Fahrkarten sind auch deshalb so günstig, weil der Fernbus im Gegensatz zur Bahn bisher von der Maut befreit ist. Laut einem Spiegel-Bericht würde eine Maut die Preise allerdings auch nur marginal erhöhen. Die Bundesregierung hat kürzlich eine Pkw-Maut beschlossen, die ab 2016 greift.

In diesem Zusammenhang wurde zuletzt auch über eine Maut für Fernbusse diskutiert. Das ist ganz im Sinne des VCD: Dieser findet die Beschränkung auf Pkw kontraproduktiv und fordert eine fahrleistungsabhängige Maut für Busse und Pkw.

VCD-Test: Im Vergleich zum Fernbus punktet Bahn bei Fahrtzeit und Fahrkomfort

Beim CO2-Wert und beim Preis hat der Bus also Vorteile. Doch wie steht es um die Zeit? Hier führt die Bahn das Feld an, dicht gefolgt vom Auto. Beim Fernbus müssen Passagiere nämlich längere Fahrtzeiten in Kauf nehmen. Berücksichtigt man CO2-Wert, Preis und Zeit ist laut VCD-Bahntest in 60 Prozent der Fälle die Reise mit der Bahn die beste Wahl. Die Bahn punktet bei ihren Kunden vor allem mit ihrem Fahrkomfort und einem unkomplizierten Reiseablauf mit wenigen Umstiegen.

Der Fernbus ist in 40 Prozent der Fälle das ideale Verkehrsmittel, Antworten auf viele Detailfragen bietet die Fernbus-FAQ von GoEuro. Der Pkw, mit dem man am flexibelsten unterwegs ist und Ziele besonders gut erreichen kann, liegt abgeschlagen auf Platz drei. Dessen ungeachtet wird das Auto mit über 80 Prozent von allen motorisierten Verkehrsmitteln am meisten genutzt.

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Auch die Deutsche Bahn selbst ist mit berlinlinienbus.de und IC Bus am Fernbusgeschäft beteiligt. (Foto: berlinlinienbus.de)

Das Flugzeug ist unter den Verkehrsträgern natürlich das schnellste und bei fernen Auslandsreisen die erste Wahl. Wegen der hohen CO2-Emissionen ist das Fliegen allerdings nicht zu empfehlen. Auch entstehen die Abgase von Flugzeugen in großer Höhe, wo sie viel stärker zum Treibhauseffekt beitragen als am Boden. Ein Beispiel, das den Unterschied deutlich macht: Ein Urlaubsflug für vier Personen von Berlin nach Mallorca (rund 1750 km) verursacht 2,7 Tonnen Kohlendioxid, dafür kann selbst ein Auto mit durchschnittlichen CO2-Emissionen 11.000 km fahren.

Einige Fluggesellschaften bieten immerhin an, die entstandenen CO2-Emissionen zu kompensieren. Seriöse Anbieter sind hier zum Beispiel atmosfair, climate company und myclimate. Mit atmosfair arbeitet übrigens auch Flixbus zusammen. Der hier zu entrichtende Kompensationsbetrag ist im Vergleich zum Flugzeug allerdings verschwindend gering – und macht auf diese Weise deutlich, das Fernbusse zweifellos besser sind als Flugzeug und Auto.

Die wichtigen Fernbus-Anbieter zum Durchklicken:

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(24) Kommentare

  1. Ich denke auch, dass nur der Vergleich der Emissionen von CO2, NOx und Abgas-Feinstaub zu kurz greift – der Flächenverbrauch für die benötigten Straßen, die Geräuschbelästigung und die Gefährdung Dritter sind sicher auch Punkte, die beim Vergleich wesentlich zu beachten sind und die bei der Bahn besser aussehen als beim Fernbus.
    Außerdem sollte man aber auch beachten, dass die Bahn elektromobil unterwegs ist und durch die zunehmende Umstellung unseres Energiesystems auf erneuerbare Stromerzeugung in ihrer Umweltbilanz jedes Jahr besser wird – da kommt kein Bus mit, der stinkt sein Lebtag lang gleichmäßig vor sich hin.
    Dennoch hat der Bus gewiss dem Individual-Automobilverkehr einiges voraus !
    Bodo

  2. an Bodo : im Vergleich gesehen, hast Du völlig recht. Die Frage ist allerdings noch nicht gestellt worden, warum Umwelttechnik u Industrie bislang weiterhin zurückhalten mit bereits markttauglichen modernen Wasserstoff betriebenen Bussen wie z B in Island…das ergäbe eine ganz andere Ökobilanz.. manche Länder habens eben längst begriffen, daß es nicht darum geht alleine dem zeitökonomisch gestressten Teil der arbeitenden Bevölkerung und den Interessen der von Zeiteinheiten diktierten Arbeitswelt Rechnung zu tragen, sondern ein sozial durchdachtes bürger- ( u senioren-) nahes umweltfreundliches u alltagstaugliches – heißt preisl erschwingliches- Transportsystem wieder einzuführen, das ruhig durch Bahn, Straßenbahn u viell sogar Sammeltaxis u Carsharing ergänzt werden kann. Im Kampf um eine allgemeine Flexiblisierung der Arbeitszeiten, müßen wir uns auch vom subventioniertem Billig-fliegen verabschieden.. – weg vom ressourcenveschlingenden motorisierten Individualverkehr..hin zu umweltfreundlichen Antriebsstoffen u -systemen.

  3. @ Kate Dunning

    knapp ein Jahr später und hoch aktuell /
    Mein Dank, für Deine treffenden Worte und Artikulation der Situation wie Zukunft.

    Gute Zeit & Greez

  4. Dieser Vergleich hinkt sehr auf diese Weise. Sie müssen den Life-Cycle vergleichen! Umweltkosten der Produktion bis Verschrottung/Recyclen/Verbrennung. Sorry, Utopia, da gibt es bereits deutlich bessere und wissenschaflich gehaltvollere Analysen.

  5. Was ich in der Tabelle beim Pkw vermisse, ist der Hinweis auf die Anzahl der Personen, auf die sich die.Werte beziehen. Oder sind das die Werte pro Fahrzeug?

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