Ein Jahr, ein Kleid: Drei Klimahelden und ihre Selbstversuche

Fotos: Zippora Marti, CC0 Public Domain / Pexels - SenuScape, Rob Greenfield

„Ich würde ja gerne, aber bei mir geht das leider nicht“ – die beliebteste Ausrede, wenn es darum geht, den eigenen Lebensstil nicht zu ändern. Angeblich fehlt die Zeit, mit dem Zug statt mit dem Flugzeug zu reisen, oder das Geld, um Bio-Lebensmitteln oder Fair-Trade-Kleidung zu kaufen. Manchmal mag das stimmen. Aber oft genug sind wir einfach nur zu bequem, um etwas zu verändern.

Zum Glück gibt es Menschen, die mit gutem Beispiel vorangehen. Sie zeigen mit einem Selbstversuch oder einer Challenge, dass Veränderung sehr wohl machbar ist. Sie beweisen, dass man nicht fliegen muss, um von A nach B zu kommen, oder nicht viel Geld braucht, um nachhaltiger zu leben. Dass es Spaß machen kann, Sachen anders zu machen als bisher. Und sie inspirieren andere dazu, es ihnen nachzumachen.

Wir stellen dir drei Menschen und ihre Ein-Jahres-Experimente vor, die zum Umdenken bewegen, was Mode, Mobilität und Ernährung betrifft. Und fragen die drei Pioniere auch gleich, was sie aus ihren Selbstversuchen gelernt haben.

Zippora Marti hat ein Jahr lang dasselbe Kleid getragen

Klimaheld Zippora Marti
Zippora Marti trug ein Jahr lang dasselbe Kleid – um ein Zeichen zu setzen. (Zippora Marti)

Das Experiment: Die ökologische und soziale Bilanz von Mode ist verheerend. Für die konventionelle Produktion von einem Kilo Baumwolle werden 11.000 Liter Wasser benötigt, meist aus ohnehin wasserarmen Gebieten. Außerdem werden laut WWF insgesamt ein Viertel der weltweit verkauften Insektizide und elf Prozent der Pestizide dafür eingesetzt.

Auch die Weiterverarbeitung der Baumwolle erfolgt oft unter dem Einsatz schwer abbaubarer Chemikalien, und die meisten Kleidungsstücke, die wir im Laden kaufen, werden unter hohen Emissionskosten rund um den Globus transportiert. Wenn wir Synthetikfasern reinigen, lösen sich bei jedem Waschgang winzige Plastikteile, die letztlich im Meer landen.

Der großflächige Baumwollanbau und der Preisdruck der Textilindustrie haben zudem ökologische und soziale Folgen für die Anbau- und Produktions-Regionen und für deren Bewohner, die oft unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten. Der Fast-Fashion-Trend und unsere Konsumgewohnheiten verursachen diesen Raubbau an Natur und Menschen.

Eine Frau, ein Kleid – Minimalismus trifft Klimaschutz

Vor etwa eineinhalb Jahren beschloss Zippora Marti, dabei nicht mehr mitzumachen und weniger zu konsumieren: Die Schweizerin nahm sich vor, 2018 ein Jahr lang jeden Tag dasselbe Kleid tragen. „Erst nur für mich privat, irgendwann habe ich mich aber entscheiden, das öffentlich zu machen“, sagt sie.

So entstand das Projekt ONE: eine Frau, ein Jahr, ein Kleid (das von einem kleinen lokalen Label designt und produziert wurde). „Ich versuche, die Dinge zu reduzieren, die ich besitze“, schreibt Marti dazu auf ihrem Blog: „Weil für jeden Gegenstand, den ich kaufe, Ressourcen wie Wasser, Strom, Holz, Metall, Öl und menschliche Energie und Intelligenz benötigt werden.“

365 Tage lang postete Marti täglich ein Foto auf Instagram, Facebook und ihrem Blog, immer in ihrem schwarzen Kleid, das sie mit verschiedenen Strumpfhosen, Schals, Schuhen und Jacken kombinierte – die allerdings auch limitiert waren. Marti kaufte in ihrem Experiment-Jahr kaum etwas Neues, und wenn, dann nur Secondhand oder von nachhaltigen Marken. In den Kommentaren auf Facebook und Instagram bekam sie viel Lob, und viele Menschen fühlten sich von ihrem minimalistischen und nachhaltigen Stil inspiriert.

Hat das Experiment sie auch mal vor Probleme gestellt? „Probleme?“, fragt Marti zurück. „Ich hab das Kleid am Morgen angezogen, am Abend wieder ausgezogen, dazwischen irgendwann ein Foto gemacht und es gewaschen, wenn es schmutzig war. Da gab es keine Probleme.“

Typischste Reaktion auf das Experiment: „Viele Leute waren nach der ersten Skepsis fasziniert und wollten mehr wissen. Manche haben es mir sogar nachgemacht.“

Diesen Satz sagte sie am häufigsten: „Ja, ich wasche das Kleid!“

Was sie vermisst hat: „Meine bunten Jumpsuits, die ich im Sommer gerne trage.“

Die wichtigste Erkenntnis: „Dass es den anderen egal ist, was ich trage, und ich diesbezüglich machen kann, was ich für richtig halte.“ Heute sagt sie sogar: „Ich mache nichts mehr, weil andere sonst etwas Bestimmtes über mich denken könnten.“

Wie es nach dem Jahr weiterging: Marti gründete 2018 Thoughts of September, ein Label für nachhaltige und lokal produzierte Lingerie. Und ihr Kleiderschrank hat sich verändert: „Ich setze jetzt auf eine ,Minimal Wardrobe’, bestehend aus Kleidungsstücken, die ich kombinieren kann, alle im gleichen Stil, und mit wenigen besonders auffälligen Stücken.“

Christoph Küffer ist ein Jahr lang nicht geflogen

Klimaheld Christoph Küffer
Christoph Küffer hat ein Jahr lang kein Flugzeug bestiegen. Oft schlug ihm dafür Unverständnis entgegen. (Hochschule für Technik Rapperswil)

Das Experiment: Christoph Küffer hat in seinem Berufsleben die Erde mehrfach mit dem Flugzeug umkreist, „mindestens zehn Mal“, schätzt er. Küffer ist Professor für Siedlungsökologie und Privatdozent für Pflanzenökologie, er lehrt und forscht an der Hochschule für Technik im schweizerischen Rapperswil und an der ETH Zürich. Nach der Pariser Klimakonferenz im Dezember 2015 beschloss er, 2016 auf Flugreisen zu verzichten. Um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, müssen die weltweiten Emissionen bis 2060 auf Null reduziert werden, und Küffer konnte und wollte als Umweltwissenschaftler seine hohe persönliche CO2-Bilanz nicht länger verantworten.

Ihm war klar, dass der Verzicht nicht leicht werden würde – immerhin ging es für ihn nicht bloß darum, den Jahresurlaub künftig mit Zug statt Flug anzutreten. Küffer war und ist für internationale Projekte verantwortlich, bei denen der regelmäßige Austausch vor Ort als selbstverständlich gilt, ebenso wie der Besuch von Konferenzen im Ausland. „Die größte Herausforderung war es, wie ich meine Entscheidung kommunizieren sollte“, sagt er. Seine Lösung: Er erklärte das Ganze zu einem „Experiment“ und kündigte das auch mit einem Blogeintrag auf der Webseite der ETH an.

Umweltwissenschaften im Selbstversuch

Küffer wurde damit zum Umweltwissenschaftler, der testet, wie man persönlich mit dem globalen Umweltproblem umgehen kann. Ob Forschung und wissenschaftliche Zusammenarbeit noch funktionieren, wenn man weniger reist, stattdessen per Skype konferiert und die Feldarbeit im Ausland an lokale Forscher delegiert. „Ich habe mich selbst als Experiment verstanden, wie das zum Beispiel Mediziner seit Jahrhunderten immer wieder getan haben“, sagt Küffer. „Zum Glück bin ich kein Mediziner. Für deren gefährlichen Experimente hätte mir wohl der Mut gefehlt.“

Aber auch sein Klimaexperiment erforderte Mut: „Ich habe meinen Arbeitsalltag auf den Kopf gestellt und damit auch denjenigen vieler Kolleginnen und Kollegen stark beeinträchtigt.“ Mit der Zeit merkte er allerdings, dass man mehr zu gewinnen als zu verlieren hat, wenn man sich auf neue Möglichkeiten einlässt. Insgesamt habe er von dem flugfreien Jahr profitiert: mehr Zeit mit der Familie, höhere Produktivität, keine verlorenen Tage auf Flughäfen und in Flugzeugen, romantische Zugfahrten nach Lissabon oder Athen, spannende Treffen, Beobachtungen und Erlebnisse auf den langsamen Reisen, neue Erfahrungen im Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln.

Selbstauferlegtes Flugverbot brachte neue Einsichten

Gleichzeitig konnte er sich in seiner Forschung stärker auf lokale Probleme konzentrieren, was ihm zu neuen Kontakten und Projekten verhalf. Sein Horizont sei durch seinen Selbstversuch nicht geschrumpft, sondern gewachsen. Ende 2016 zog er in einem weiteren Blogbeitrag eine Bilanz seines Experiments und kündigte an: „Ich werde auch im nächsten Jahr versuchen, nicht zu fliegen.“

Typischste Reaktion auf das Experiment: „Bei mir geht das leider nicht.“

Diesen Satz sagte er am häufigsten: „Uns rennt die Zeit davon.“ Küffer ist der Meinung, dass wir in unserem persönlichen Umfeld experimentieren müssen, wie wir unsere Gesellschaft, unsere Arbeit und unser Leben neu erfinden können – „und zwar ab heute, nicht nach der Pensionierung.“

Was er vermisst hat: „Die Freunde rund um die Welt, die ich nun kaum mehr treffen kann.“

Die wichtigste Erkenntnis: „Es gibt tausend Wege zu mehr Nachhaltigkeit. Der Unterschied von nachhaltigem und nicht nachhaltigem Leben ist nicht, dass das Erste weniger Spaß macht. Im Gegenteil: Nachhaltigkeit ist gesünder, spannender und ökologischer – aber man muss mehr selbst denken.“

Wie es nach dem Jahr weiterging: Küffer hat nicht aufgehört – sein Experiment läuft inzwischen im vierten Jahr. Vor Kurzem ist er allerdings zum ersten Mal wieder geflogen, von Athen zu einer Konferenz in Kairo. „Bis Athen klappte es mit Schiff und Zug, danach blieb nur das Flugzeug“, sagt er. Auf der Reise von Zürich nach Athen und zurück besuchte er eine für seine Weiterbildung wichtige Ausstellung und traf sich mit verschiedenen Kollegen – und bewies so auch auf dieser Reise, dass ein Verzicht aufs Flugzeug weitgehend möglich ist.

Rob Greenfield baut ein Jahr lang sein Essen selbst an

Klimaheld Rob Greenfield
Rob Greenfield lebt als Selbstversorger. Hier präsentiert er stolz eine seiner Ernten. (Rob Greenfield)

Das Experiment: Ist es im 21. Jahrhundert noch möglich, seine Lebensmittel komplett selbst anzubauen und zu verarbeiten? Diese Frage versucht Rob Greenfield gerade zu beantworten. Seit vergangenem November lebt der 32-jährige Amerikaner als Selbstversorger, das Projekt soll ein Jahr laufen. Greenfield ist Umweltaktivist und hat schon mit ähnlichen Projekten für ein nachhaltigeres Leben geworben – etwa, indem er sich ein Jahr lang nur mit natürlich vorkommendem Wasser gewaschen oder bei einer Radtour durch die USA nur Lebensmittel gegessen hat, die von Supermärkten weggeworfen worden waren.

Sein aktuelles Anbau-Experiment bezeichnet er als „extrem herausfordernd“, vor allem, weil es so viel Zeit in Anspruch nimmt: 40 bis 60 Stunden pro Woche verbringt er mit Pflanzen, Säen, Ernten und damit, seine Ernte zu verarbeiten, zu kochen und zu essen. „Mein Leben dreht sich um Lebensmittel“, sagt Greenfield. Sogar sein Salz und sein Öl gewinnt er selbst. Auf die Jagd geht er nicht, aber er fischt regelmäßig – das ist wichtig für den Proteinhaushalt.

Selbstversorgung als Vollzeitjob

Greenfield lebt in Florida, und bevor er sein Projekt starten konnte, musste er erst einmal herausfinden, was sich in seiner Region gut anbauen lässt. Er hat bei Bauern und Gärtnern nachgefragt, Bücher gelesen, Videos angeschaut. Über Social Media kam er mit einer Frau in Kontakt, die ihm anbot, in ihrem Garten zu wohnen, wo er sich ein kleines Haus gebaut hat, komplett mit eigener Biogasanlage, Regenwasserspeicher und Wasserfilter.

Um ihn herum lagern in Regalen dutzende Kürbisse, Gläser voll mit fermentiertem Obst und Gemüse, getrocknete Kräuter und Früchte, Kisten mit Kartoffeln und Grapefruits und in einem Gefrierschrank Fisch sowie noch mehr Obst und Gemüse. Er unterhält nicht nur den Garten, der an sein Haus grenzt, sondern einige weitere in der näheren Umgebung, und sammelt Früchte, Gemüse und Kräuter ein, die er andernorts in der Stadt findet – allerdings nie, ohne die Besitzer eines Baums oder Gartens vorher zu fragen.

Experiment ohne viel Erfahrung gestartet

„Wenn ich etwas aussäe und ein paar Monate später einen großen Berg Essen auf dem Tisch habe, ist das für mich immer noch eine Art Wunder“, sagt Greenfield, der vor Beginn seines Projekts so gut wie keine Erfahrung mit dem Anbau von Lebensmitteln hatte. Wer mitten in einer Überflussgesellschaft beginnt, sich vollständig selbst zu ernähren, verändert seine Lebensgrundlage. Das zu bewerkstelligen, empfindet Greenfield täglich aufs Neue als Erfolg – „und Erfolg macht Spaß!“

Dass sein Lebensstil nicht für jeden infrage kommt, weiß Greenfield, aber darum geht ihm auch nicht. „Was ich mache, ist extrem“, sagte er einer Reporterin von National Geographic. „Es soll die Menschen aufwecken. Fünf Prozent der Weltbevölkerung lebt in den USA und verbraucht 25 Prozent der weltweiten Ressourcen.“ Wie bei seiner vorherigen Projekten will Greenfield Aufmerksamkeit erregen. Zeigen, was möglich ist, und seine Mitmenschen zum Nachdenken anregen: Woher kommt mein Essen, wie sehr schadet es der Umwelt, was kann ich verändern?

Typischste Reaktion auf das Experiment: „Viele Menschen fühlen sich inspiriert. Nicht unbedingt dazu, all ihre Nahrungsmittel selbst anzubauen und einzulagern, aber immerhin mehr von lokalen Bauern zu beziehen.“

Was er vermisst: „Die Bequemlichkeit. Nach einem langen, harten Tag wäre es schön, nach Hause zu kommen und einfach etwas zu essen zu haben. Stattdessen muss ich etwas zubereiten und zwar aus rohen, unbearbeiteten Zutaten. Außerdem denke ich sehr oft an Brot und Olivenöl!“

Die wichtigste Erkenntnis: „Dass Lebensqualität Zeit kostet. Es kostet Zeit, gesund zu bleiben. Zu tun, was uns glücklich macht. Sich gut zu ernähren. Unsere Beziehungen kosten Zeit. Ich glaube, unsere Bequemlichkeit ist nicht gut für uns und die Erde.“

Wie es nach dem Jahr weitergeht: Greenfield wird wohl nicht mehr all sein Essen selbst anbauen und einlagern, weil das zu zeitintensiv ist. Aber: „Ich möchte auf keinen Fall anfangen, haufenweise verarbeitete und abgepackte Nahrung aus dem Supermarkt zu essen“, sagt er. „Ich hoffe, dass ich das meiste von lokalen Bauern und Gärtnern beziehen kann.“

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(6) Kommentare

  1. Da hat sich also jemand im Laufe der Jahre einen riesigen ökologischen Fußabdruck angeflogen und jetzt fliegt er seit einem Jahr nicht mehr. Toll! Ich bin 1976 zum ersten und letzten Mal geflogen und es geht. Wir haben auch kein Auto mehr seit 1985 und es geht auch.

    Würde jeder nur ein Kleid besitzen (hat sie alles weggeworfen???? Einschließlich der geliebten „Jumpsuits“, was immer das sind?) hätten wir mehr Probleme mit Arbeitslosen auf der ganzen Welt und einer noch zügelloseren Einwanderung. Weltweit kein Baumwollanbau mehr, keine Textilproduktion mehr, keine Geschäfte….. Ich kaufe auch keine neuen Sachen, weil ich genug im Schrank habe und damit bis an mein Lebensende auskomme. Die Dame lebt ja wohl von ihrem Instagram-Account.
    Wo soll das Land herkommen, wenn sich jeder autark ernährt (er tut es ja auch nicht, sondern lebt vom Weggeworfenen). Mein seit 40 Jahren ökologisch betriebener Kleingarten in der Großstadt spendet zwar manches, aber nicht alles zum Leben.

  2. Jo, ich bin auch seit Jahren nicht mehr geflogen. Na und?

    Jemand, der hauptberuflich viel auf der ganzen Welt unterwegs ist und ein Jahr lang nicht fliegt, hat meinen Respekt und meine Dankbarkeit.
    Das – und gewisse Urlauber – sind die Leute, die aufhören müssen mit dem vielen Fliegen. Nicht wir, die sowieso nicht fliegen.

    Ich kann nicht nachvollziehen, was an diesem Bericht dazu einlädt, mieszumachen und sich aufzuregen.
    Schlechte Laune und Rummeckern ist auch eine starke Form der Umweltverschmutzung. Kommt vielleicht aus einem inneren Leiden, genährt von Schmerz und Trauer, mag sein. Durch Rummäkeln und MIesmachen wird das aber nicht besser, sondern verstärkt.

    Also sag ich DANKE an die drei mutigen und vorbildlichen Leute hier und wünsche mir, dass die positive Energie des TUN und Ausprobierens uns alle inspiriert, erfreut und ansteckt. =)

  3. Auch ich bin 1977 das letzte Mal geflogen, und ich kenne viele Leute, die ebenfalls nie fliegen oder sogar noch nie in ihrem Leben geflogen sind.
    Mein Gemüse baue ich, wie meine Schrebergartenkollegen, ebenfalls selbst an und würde mir den Rest meines Bedarfs gerne aus den Mülltonnen der Supermärkte holen, wenn das bei uns möglich und nicht verboten wäre.
    Mit nur einem Kleidungsstück, das ist allerdings schwierig. Soll ich wirklich zuhause dasselbe Kleid anziehen, das ich mir kürzlich notgedrungen wegen einer Einladung zu einer Hochzeit secondhand gekauft habe? Oder hätte ich diese Veranstaltung mit Jogginghose und Sweatshirt besuchen sollen? Soll ich im Sommer mit einem dicken Wollpulli, den ich im Winter brauche, verschmachten, oder soll ich im Winter das ärmellose Top und die Shorts vom Sommer anziehen, und, damit ich nicht allzu sehr friere, die Heizung entsprechend aufdrehen? Soll ich mich nun von fast meinen gesamten Klamotten trennen, von denen manche, nebenbei bemerkt, bereits so abgetragen sind, dass sie nach der Abgabe im Secondhand-Laden wohl postwendend entsorgt und dann recycelt als Fleckerlteppichoder Putzlappen enden würden? Also, man kanns auch übertreiben.
    Im übrigen sind diese drei Herrschaften bestimmt auf ihre Art Umwelthelden, aber keine Klimahelden. Das Klima wird nämlich ganz sicher nicht nennenswert vom Kohlendioxid-Ausstoß, sondern von anderen Faktoren bestimmt.

  4. 1 Jahr dasselbe Kleid tragen. hm..
    Schuhe und Strümpfe wären da vllt der Rebound-Effekt?
    Es ist anzunehmen, dass andere Kleidungsstücke den modischen Tod im eitlen Konkurrenzkampf der Frauen um Sexyness und Aufmerksamkeit allein durch Äußerlichkeiten kompensieren sollten.
    Die Eitelkeit sucht sich andere Wege durch Schuhe und Schmuck und Frisuren u.a. Accessoirs und Blingbling.
    DAS müssen Frauen doch zugeben wollen.
    Das Rollenklischee wird dadurch nicht berührt.
    Und DAS ist die alte Falle.

    Also ist diese Aktion zu hinterfragen und bedenklich, läßt sie doch zu viele Auswege.
    Zu inkonsequent.
    Wer das zuerst hört, denkt doch Schreckliches, weil suggeriert wird, das wirklich immer dasselbe getragen würde, also wirklich immer derselbe Look.
    Aber nein, denn die modische Totsünde Monotonie muss ja kaschiert, übertüncht, abgelenkt werden.
    ES bleibt also Einerlei.

    Sie wird NICHT ihren bisherigen Lebensstil beibehalten haben, sprich: Sie hat sicher mehr andere Mode gekauft, wie gesagt: Schuhe, Frisuren, Schminke usw.
    Dies muss zuerst geprüft und ausgeschlossen werden.
    Sonst ist die FAKE und Schein und PR-Gäg.

    Also nur jeweils 3 Kleidungsstücke bis hin zu nur 3 Kayals (?) wäre konsequenter und ehrlicher.

    Besser ist Second Hand oder FairTrade, FairFashion in Ökobio.

  5. Ich weiß wirklich nicht, was es immer zu kritteln gibt, wenn Menschen versuchen, ihren Lebensstil zu ändern und dabei einfach mal irgendwo anfangen. Nach dem Motto „Wenn es nicht perfekt ist, kann man es auch gleich lassen“ haben viele eine schöne Ausrede selber gar nichts zu ändern.
    Es ist toll, dass Leute feststellen, dass das, was da vorgestellt wird, von ihnen selbst schon jahrelang so gemacht wird. Aber anstatt sich darüber zu freuen, dass das eigene Handeln Bestätigung bekommt, werden die Bemühungen der anderen, die etwas länger gebraucht haben, herabgewürdigt.
    Ich finde es gut, wenn Leute sich auf den Weg machen, auch wenn es nicht perfekt ist. Wenn man erst mal auf dem Weg ist, gibt es kein Zurück mehr und man findet automatisch immer mehr Möglichkeiten, noch was zu verändern.
    Auch wenn nicht alles immer so machbar ist, wie man es gerne hätte, stellt man doch fest, dass Vieles möglich ist und am Ende nicht einen Verzicht sondern eine Bereicherung darstellt.