27 Jahre vor Greta: Das Mädchen, das die Welt zum Schweigen brachte

Fotos: Screenshot Youtube

Greta Thunberg ist mit 16 Jahren zum Gesicht des Klimaaktivismus geworden. Es ist nicht das erste Mal, dass einer Schülerin das gelingt. 1992 zog das „Mädchen von Rio“ die Welt mit einer berührenden Rede in seinen Bann.

Egal ob vor dem schwedischen Parlament, beim Weltklimagipfel oder auf dem Weltwirtschaftsforum: Greta inspiriert. Kein Wunder: Die 16-Jährige findet die richtigen Worte, macht klar, wie dringlich das Problem des Klimawandels ist – und wie sehr die Politik versagt. Mit Sätzen wie „Ich will, dass ihr handelt, als würde euer Haus brennen – denn das tut es“ wird sie womöglich in die Geschichte eingehen.

Ein anderes junges Mädchen hat das bereits erreicht: die Kanadierin Severn Cullis-Suzuki. Sie hielt 1992 eine Rede auf der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung. Damals war sie 12 Jahre alt. Seitdem ist sie als „das Mädchen von Rio“ bekannt oder auch als „das Mädchen, das die Welt zum Schweigen brachte.“

Cullis-Suzukis Worte erinnern an Greta

„Ich bin hier, um für alle Generationen zu sprechen, die noch kommen. Ich bin hier, um für die verhungernden Kinder der Welt zu sprechen, deren Schreie ungehört bleiben. Ich bin hier, um für die zahllosen Tiere zu sprechen, die sterben, weil sie keinen Platz mehr haben“, sagte Cullis-Suzuki am Anfang ihrer Rede.

Die Schülerin hatte bereits mit neun Jahren die Umweltschutzorganisation ECO (Environmental Children’s Organization) gegründet. 1992 entschied sie sich, mit drei weiteren Schülerinnen am Umweltgipfel in Rio de Janeiro teilzunehmen. Das Geld für die 8.000 Kilometer lange Reise hatten die Mädchen selbst zusammengespart. Cullis-Suzuki wollte den Erwachsenen sagen, dass sie etwas ändern müssen.

Wir kaufen und schmeißen weg

Wie Greta wählte Severn Cullis-Suzuki in ihrer Rede emotionale und anklagende Worte: „In meiner Wut bin ich nicht blind; und in meiner Angst fürchte ich mich nicht, der Welt zu sagen, wie ich mich fühle. In meinem Land produzieren wir so viel Müll. Wir kaufen und schmeißen weg, kaufen und schmeißen weg, kaufen und schmeißen weg. Und trotzdem teilen nördliche Länder nicht mit den Bedürftigen. Sogar wenn wir mehr als genug haben, haben wir Angst, zu teilen. Wir haben Angst davor, etwas von unserem Wohlstand gehen zu lassen.“

Die Scheinheiligkeit der Erwachsenen

Die Zuschauer beim Weltklimagipfel 1992 waren hochrangige Politiker. Vor ihnen sprach Cullis-Suzuki über Luftverschmutzung, aussterbende Tierarten, Armut, Krankheiten und Krieg. Sie führte den Menschen außerdem vor Augen, wie scheinheilig die Welt der Erwachsenen ist: „In der Schule, sogar im Kindergarten bringt ihr uns bei, wie man sich in der Welt verhalten soll. Ihr bringt uns bei, nicht mit anderen zu kämpfen, sich zu einigen, andere zu respektieren, unseren Müll aufzuräumen, keine anderen Lebewesen zu verletzen, zu teilen, nicht gierig zu sein. Warum geht ihr dann raus und macht die Dinge, die ihr uns verbietet?“

Hier die gesamte Rede auf YouTube:

Severn Cullis-Suzuki heute

Nach ihrer Rede wurde Cullis-Suzuki weltberühmt. „Ich hatte damals zwei Leben; auf der einen Seite war ich noch ein Kind, gleichzeitig aber hielt ich weltweit Reden über die Umwelt“, sagte sie im Jahr 2012 in einem Interview. Von den politischen Maßnahmen zum Umwelt- und Klimaschutz zeigte sich Cullis-Suzuki enttäuscht: „Heute, nach zwanzig Jahren, würde ich sagen, wir haben es nicht geschafft, die Welt nachhaltiger zu gestalten.“

Inzwischen ist Cullis-Suzuki 39 Jahre alt, zweifache Mutter – und noch immer Umweltaktivistin. Sie hat mehrere Bücher geschrieben und engagiert sich für verschiedene Stiftungen und wohltätige Projekte. Sieht so auch die Zukunft von Greta aus? Die Kanadierin scheint auf jeden Fall als Vorbild zu taugen – Greta folgt ihr auf Twitter.

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(4) Kommentare

  1. Das war 1996, ich erinnere mich gut. Jetzt haben wir 2019, dazwischen liegen 23 Jahre, das ist sehr viel Zeit.
    Sind die Worte unserer Kinder geachtet und beherzigt worden? NEIN!!
    Also geht unsere Kultur mit Volldampf in den Untergang.
    Das ist der „breite Weg“, der in der Bibel beschrieben ist.

  2. Tja, hätten wir damals auf das junge Mädchen gehört, und radikal an der Begrenzung der Weltbevölkerung bzw. deren Rückgang gearbeitet, wären unsere Probleme heute kleiner.

    Nicht falsch verstehen: Es ist sinnvoll, Plastik-Verschmutzung und -verschwendung anzuprangern und abzuwenden. Es ist sinnvoll Energie zu sparen und gleichzeitig erneuerbare Energien zu fördern. Auch etliche andere Punkte auf der Agenda von Greta heute und Cullis damals waren und sind sinnvoll, sie umzusetzen.

    Aber das Kernproblem ist die pure Zahl an Menschen.
    Ein Punkt, den ich persönlich auch Greta anrate ist, ihre Argumentation mal wirklich bis zu Ende zu denken. Sie will, dass wir in Panik geraten angesichts der Umweltverschmutzung und der drohenden Klima-Katastrophe. Gleichzeitig kann sie sich aber nicht vorstellen, dass viele schon lange in Panik sind angesichts Milliarden von Chinesen, Indern und Afrikanern. Ganz zu schweigen davon, dass (auch von Cullis damals geforderte) Programme, hungernde Kinder in Afrika zu füttern, ohne auch für deren lukrative(!) Vollbeschäftigung und Alterversorgung zu sorgen, nur Millionen neuer hungernder Kinder hervor gebracht hat.
    Selbst der olle CDU-Mann hat recht, dass Greta hauptsächlich idealistisch denkt, aber nicht realistisch. Entweder reißen wir das Ruder herum, wie sie das fordert, und die Leute gehen sich gegenseitig an die Gurgel, weil sie ohne Job sind und sich die steigenden Umweltkosten nicht mehr leisten können, oder wir machen gemäßigt weiter und sterben größtenteils im Klimawandel. So oder so geht’s uns an den Kragen. Und das ist etwas, dass Greta nicht begreift oder begreifen möchte. Sonst sähen ihre Forderungen anders aus.

  3. Ich wurde Mitte der 1960er Jahre „grün angefixt“ durch Carsons Buch “ Der stumme Frühling“, damals war ich 14. Ich war überzeugt, meine Generation würde das Ruder rumreißen und reparieren, was die vorigen falsch gemacht haben. Waldsterben, Tier- und Umweltschutz, ökologischer Garten- und Feldanbau, Umweltverschmutzung waren schon damals ein Thema. Kinder sind offen für Tierleid und alles, was die Erde kaputtmacht. Nicht wenige werden Vegetarier. Die wenigsten bringen ihre Haltung ins Erwachsenenalter. Mittlerweile ist die 2. Generation am Ruder, fliegen billigst in den Urlaub und befördern die Klimakatastrophe (zerstören gerade die Trauminseln, die sich besuchen), hängen stundenlang am Smartphone, shoppen wie wild („Ich schrei vor Glück und schick’s zurück“) usw.
    Ich habe damals keinen Führerschein gemacht, fliege nie, habe seit 40 Jahren einen Bio-Kleingarten mit erheblicher Pionierarbeit und passe auch sonst auf unsere Umwelt auf. Ich habe Papier und Textilien schon getrennt, als das nur 2x/Jahr abgeholt wurde. Damals wurden die Lumpen zur Papiererzeugung verwendet, heute will man nur Weiterverkaufbares für Afrika. Auch Greta wird nichts Dauerhaftes erreichen können. Die Bereitschaft des einzelnen endet dort, wo sie seinem Egoismus und seiner Bequemlichkeit entgegensteht.

  4. Danke für den Artikel – der gleichzeitig wieder beweist, dass von Politikern nicht zu erwarten ist. Es geht IMMER NUR um Wirtschaftswachstum, Gewinnmaximierung für Industrie und Banken und shareholder value…sprich Rendite für die Reichen / Aktionäre. Das wird sich in unserer Schein- Demokratie auch nicht ändern Dank der Lobbyorganisationen CDU/CSU, FDP, SPD u. a. und deren Klientel Pharma, Rüstung, Landwirtschaft, Banken.
    Hoffen wir auf viele weitere Gretas, Severns, Rezos die der verlogenen Politikerkaste und dem trägen Volk den Spiegel vorhalten.

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