Der minimalistische Kleiderschrank – Tipps & Tricks

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Ein überquellender Kleiderschrank stellt dich täglich vor die Qual der Kleiderwahl? Schluss damit! Wir zeigen, wie du deine Kleidungsstücke reduzierst und welche Basics sich für eine kleine, gut kombinierbare und minimalistische Garderobe eignen.

Ständig wechselnde Kollektionen, immer neue Trends, schnelle Mode für wenig Geld: Die Modeindustrie verführt uns dazu, pausenlos neue Kleidung zu kaufen – auch wenn wir das meiste davon gar nicht brauchen. Das Ergebnis ist ein Schrank voller Klamotten, von denen wir laut einer Greenpeace-Umfrage gerade mal etwa ein Drittel regelmäßig tragen. Ganze 40 Prozent selten oder gar nicht.

Diese 40 Prozent loszuwerden (und auch nicht wieder neu anschaffen) wäre aber sinnvoll, denn ein gut sortierter, minimalistischer Kleiderschrank birgt einige Vorteile: Wer wenige, dafür gut kombinierbare Kleidungsstücke besitzt, muss sich kaum Gedanken um sein Outfit machen, spart Zeit bei der Kleiderwahl, Geld beim Shoppen und Ressourcen bei der Produktion. Eine Herausforderung bleibt allerdings: Was kommt rein in den minimalistischen Kleiderschrank – und was bleibt draußen?

Was in deinen Kleiderschrank gehört – und was nicht

Was gefällt, was einem steht, was gern getragen wird und zu welchen Anlässen, entscheidet natürlich jeder für sich. Ein bisschen Orientierung schadet aber nicht und spart an anderer Stelle Geld und Zeit. Deshalb lautet Schritt 1: Mach dir einen Plan! Überlege genau, welche Kleidungsstücke du für welchen Anlass brauchst, was du gerne hättest und was du glaubst haben zu müssen, nur weil es gerade angesagt ist. Letzteres kommt natürlich nicht in deinen minimalistischen Kleiderschrank.

Erstmal ausmisten

Sich von Klamotten zu trennen ist schwer, denn wer weiß schon, wann man Schlaghose und Spaghettiträger nochmal gebrauchen kann? Und vielleicht passt die zu klein gewordene Jeans nächsten Sommer wieder. Aber oft ist es doch so: Was wir jetzt nicht tragen, das tragen wir auch in fünf Jahren nicht mehr.

Der minimalistische Kleiderschrank
Damit es minimalistischer wird: ausmisten. (Foto: Unsplash, CC0)

Schritt 2 lautet deshalb: weg damit. Wenn man sich erstmal von dem Gedanken verabschiedet hat, man könnte seine Entscheidung doch noch bereuen, dann geht effizientes Ausmisten ganz einfach:

  • Eine Bestandsaufnahme
    Räum deinen Kleiderschrank komplett aus und sortiere deine Klamotten nach Kategorien: Oberteile, Hosen, Kleider, Röcke. Nimm dir dann jedes Teil einzeln vor: Was trägst du gerne und häufig? Welche Farben und Schnitte gefallen und stehen dir gut? Und worin fühlst du dich wohl? Diese Kleidung bleibt.
  • Aussortieren
    Was steht dir nicht? Was trägst du nie? Was ungern? Und worin fühlst du dich nicht wohl? Das kommt weg! Hier kannst du auch die Glücksgefühl-Methode von Marie Kondo anwenden: Du behältst nur das, was dich glücklich macht.
  • Wohin damit? Verkaufen, tauschen, spenden
    Du kannst nichts mehr mit deinen aussortierten Klamotten anfangen – jemand anderes womöglich schon. Gut erhaltene Kleidung verkaufen geht auf Kleiderkreisel, Flohmärkten oder in manchen Second-Hand-Läden. Tauschen kannst du deine Sachen auf öffentlich oder privat organisierten Kleidertauschpartys. Wo du Kleidung sinnvoll spenden kannst, liest du in diesem Artikel: Kleiderspende statt Altkleidercontainer: Gebrauchte Klamotten sinnvoll spenden

Minimalistischen Kleiderschrank: Das kommt rein

Sehr wahrscheinlich besitzt du die meisten Klamotten für einen minimalistischen Kleiderschrank bereits: Ein Grundstock an vielseitig kombinierbaren Basics, in denen du dich wohl fühlst. Falls du dich doch für etwas Neues entscheidest, überlege dir vor dem Einkaufen, welche Schnitte, Muster und Materialien du gerne trägst und wähle neue Kleidungsstücke passend dazu aus. Mit einzelnen ausgefalleneren Second-Hand-Teilen oder Fair-Fashion-Schätzen ergänzt, steht deine individuelle minimalistische Garderobe.

Öko-Sünden im Kleiderschrank
Ein minimalistischer Kleiderschrank hat viele Vorteile. (Foto: © pontchen / photocase.com)

Schwarz, weiß, grau. Auch wenn das nach Tristesse klingt: solche Basics sind schlicht einfacher zu kombinieren – und damit alltagstauglich. Das kann rein in deinen minimalistischen Kleiderschrank:

  • Pullover, Cardigans, Blousons: In schlichten Farben und schnitten lassen sie sich beliebig kombinieren. Du kannst sie über Blusen und Hemden tragen, T-Shirts, Tops und Longsleeves, zu Jeans, Stoffhosen oder Röcken.
  • Hemd und Bluse: Kann schick und förmlich aussehen – muss es aber nicht. Etwa mit hochgekrempelten Ärmeln, zu Jeans, unter einen Blouson oder Cardigan. Achte auf angenehme Materialien wie Baumwolle und vermeide Polyester, dann hast du lange etwas davon.
  • Tops und Shirts: Gehen das ganze Jahr und zu praktisch jeder Gelegenheit. Unter einem Hemd, Cardigan oder einfach zu Hose oder Rock.
  • Jeans: Eine in dunkel und eine in hell. Die meisten Jeans-Label empfehlen, die Hosen nur selten zu waschen und sie stattdessen auszulüften, deine Jeans steht dir also immer zur Verfügung.
  • Stoffhose: Gehen eigentlich immer, egal ob schick oder casual.
  • Ein Rock und ein Kleid:  Röcke gehen im Winter mit Strumpfhose und im Sommer ohne – und sind eine nette Abwechslung zu Hosen. Kleider sind praktische Bestandteile des minimalistischen Kleiderschranks. Schlichte Schnitte, wie etwa ein T-Shirtkleid, gehen sowohl im Sommer zu Sneakers, Sandalen und Ballerinas, als auch im Winter mit Strumpfhose, Leggings, Cardigan oder Pullover und Boots. Gerade geschnittene Kleider kannst du mit und ohne Gürtel variieren oder sogar über einer Jeans tragen.
  • Schuhe: Je nachdem, für welchen Anlass du Schuhe brauchst, variiert dein Sortiment natürlich. Ein paar Kriterien kann trotzdem jeder beachten: Schuhe für den Winter sollten warm sein, ein ordentliches Profil haben und über den Knöchel gehen, damit du sie auch bei Schnee, Regen und Matsch tragen kannst. Sneakers kann man beinahe das ganze Jahr über tragen und Sandalen oder Ballerinas im Sommer.

Das heißt aber noch lange nicht, dass eine minimalistische Garderobe nur aus solchen Teilen besteht. Hier und da ein farbenfrohes, auffälliges Lieblings-Kleidungsstück geht immer und wertet deine Basics auf.

Kaufen:** Faire Kleidung und Schuhe gibts zum Beispiel bei Greenality, Glore, Avocadostore, Le Shop Vegan oder Waschbär. Viele weitere faire Marken findest du in unserer Bestenliste für faire Mode-Labels. Viele weitere faire Schuhe findest du in unserer Bestenliste für faire Schuh-Labels.

Capsule Wardrobe-Experiment
Die Capsule Wardrobe ist ein Konzept für einen minimalistischen Kleiderschrank. (Foto: © Geneva Vanderzeil)

Exkurs Capsule Wardrobe: Ein Konzept für einen minimalistischen Kleiderschrank ist die sogenannte „Capsule Wardrobe“. Das Prinzip: nur wenige, aber wichtige Teile im Kleiderschrank haben, die gut kombinierbar und zeitlos sind. Alle drei Monate, also saisonal, wird die Capsule Wardrobe neu arrangiert – nur wenn wirklich etwas fehlt, wird es dazugekauft. Klamotten anderer Saisons werden gelagert und zur richtigen Zeit wieder in die Garderobe integriert – frisch kombiniert und neu entdeckt. Lies mehr in unserem Artikel: Capsule Wardrobe: Minimalismus mit 37 Teilen pro Kleiderschrank im Quertal.

So geht „richtig“ shoppen

Damit dein Kleiderschrank minimalistisch bleibt und in ein paar Monaten nicht wieder aus allen Nähten platzt, solltest du beim Shoppen ein paar Regeln beherzigen:

  • „Richtig“ shoppen heißt auch, nicht zu shoppen. Du brauchst etwas für einen einmaligen Anlass? Vielleicht kannst du dir bei Freunden und Verwandten etwas leihen statt es neu zu kaufen.
  • Überlege dir vorher, was du brauchst. Brauchst du überhaupt etwas? Wenn ja, kaufe nur das und auch nur wenn es dir wirklich gefällt. So vermeidest du, dass sich zu viel bei dir ansammelt und findest automatisch deinen eigenen Stil.
  • Frustshoppen war so ziemlich jeder schon einmal und auch Belohnungskäufe sind weit verbreitet. Oft kaufen wir nicht aus der Not heraus, sondern weil wir uns etwas gönnen wollen. Was das ist, ist Nebensache. Und so landet die nächste Schrankleiche in unseren Einkaufstaschen.
  • Wird jetzt nicht dein Lieblingsteil, ist aber im Sale und irgendwie schon ganz nett … Stop! Spontan- und Schnäppchenkäufe fallen meist in die Kategorie „Schrankleiche“ und bleiben deshalb draußen.
Slow Fashion, Faire Mode kaufen, leihen, tauschen
Die Prinzipien von Slow Fashion. (Foto: © jUliE:p / photocase.de)
  • Trends sind kurzweilig, dein Geschmack nicht. Trendkäufe fallen in die Kategorie „Frust- und Belohnungsshopping“ – und das wollten wir ja vermeiden. Wenn du dir bei einem Teil unsicher bist, lass es im Laden hängen und schlafe eine Nacht darüber. Es geht dir nicht mehr aus dem Kopf und in Gedanken bist du sämtliche Kombinationen mit anderen Kleidungsstücken durchgegangen? Dann ist es aller Wahrscheinlichkeit nach ein potenzielles Lieblingsteil – du darfst es kaufen.
  • Achte auf Materialien. Naturfasern wie Baumwolle, Leinen, Hanf, Wolle, Seide etc. sind langlebig. Synthetik-Fasern wie Polyester hingegen müffeln schnell, sind unangenehm auf der Haut und verseuchen zudem unser Grundwasser.
  • Kaufe Second Hand. Hier findest du meist die schönsten Schätze, verhinderst, dass etwas Neues produziert wird und sparst oft Geld.
  • Kaufe Fair. Zum Beispiel bei diesen Alternativen zu Zalando.

Weitere Tipps für einen bewussteren Umgang mit Mode findest du in unserem Artikel zu Slow Fashion.

Weiterlesen auf Utopia.de:

Bestenlisten: 

English Version available: Minimalist Wardrobe: Closet Clearing Tips and Tricks

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(17) Kommentare

  1. Toller Artikel! Und ich möchte an dieser Stelle Mut machen, das Projekt „Der minimalistische Kleiderschrank“ anzugehen – vor Jahren kaufte ich sogar über mein monatliche Budget hinaus und trug Kleidung nach Hause, die ich ungetragen wieder in den nächsten Container warf. Wenig später verlor sich das, da der Blick auf den Kontoauszug dann doch zu gruselig war, doch gab es danach noch so manchen Fehlkauf.

    Vor 18 Monaten dann machte ich in allen Räumen und zu allen Kategorien (Kleidung, Kosmetik, Küchensachen…) klar Schiff, diesmal als Spenden. Seither halte ich die Anzahl der Kleidungsstücke, die ich damals festgelegt habe. Nur wenn ein Teil geht, kann ein anderes kommen. I-Tüpfelchen sind nachhaltig produzierende Labels, die ich konsumiere, wenn ich neu kaufe.

    Wie du siehst habe ich es geschafft, vom Konsumwahn abzulassen. Es geht tatsächlich ganz leicht, wenn man nur will und einfach damit anfängt, und der Prozess bringt ungeahnte Energie und Freude!

    Inspiration zum Entrümpeln gibt es bei youtube im Überfluss. Mittlerweile halte ich Ordnung und Klarheit bis ins letzte Detail ( digitale Unterlagen und solche auf Papier, Werkzeugkoffer… ) und bin zu einem Aufräumprofi geworden, von dem so manche/r Bekannte bereits profitieren konnte 🙂

    Also, wann legst du los?