Nach Rassismus-Debatte bei Knorr: Barbara Schöneberger sorgt mit Witz für Empörung

Bilder: © Knorr und Screenshot Instagram Barbara Schoeneberger

Vergangenen Monat hat die Marke Knorr verkündet, den Namen der „Zigeunersauce“ zu ändern – um einen rassistischen Begriff zu verbannen. Bei der Verleihung des Deutschen Radiopreises hat Barbara Schöneberger nun einen Witz über die Namensänderung gemacht, der für Empörung sorgte.

„Zigeunersauce“ von Knorr gibt es nicht mehr – stattdessen heißt sie jetzt „Paprikasauce Ungarische Art“. „Da der Begriff ‚Zigeunersauce‘ negativ interpretiert werden kann, haben wir entschieden, unserer Knorr Sauce einen neuen Namen zu geben“, hatte Mutterkonzern Unilever Mitte August mitgeteilt.

Die Namensänderung sorgte tagelang für Diskussionen, der Zentralrat der Sinti und Roma begrüßte die Entscheidung. Bei der Verleihung des Deutschen Radiopreises war die Sauce erneut Thema: „Zigeunersauce heißt jetzt: Sauce ohne festen Wohnsitz“, sagte Moderatorin Barbara Schöneberger vor laufender Kamera.

„Für Schöneberger ein Witz, für Sinti und Roma herabwürdigend“

Mit dieser Aussage bediente sich Schöneberger einem der gängigen Stereotype über Sinti und Roma. Dass die Moderatorin einen solchen Witz über eine diskriminierte Minderheit macht, kam auf Twitter nicht gut an. „Das ist einfach nur menschenverachtend, ich bin fassungslos“, kommentierte beispielsweise jemand auf Twitter. „Danach musste ich spontan das Radio ausstellen“, lautet ein anderer Kommentar.

Auch der Zentralrat der Sinti und Roma äußerte sich: „Beschämend und unwürdig: Antiziganismus ist immer noch Alltag! Vor allem in den Medien. Für Barbara Schoeneberger ein Witz, für Sinti und Roma herabwürdigend und tief verletzend.“

Wieso ist der Begriff „Zigeuner“ rassistisch?

Knorr, Zigeunersauce
Diese Sauce heißt demnächst anders. (Foto: © Knorr)

Allerdings gibt es in den sozialen Medien auch einige User*innen, die die Kritik an Schönebergs Witz nicht verstehen. Bei jeder neuen Debatte um den Begriff „Zigeuner“ wird außerdem infrage gestellt, ob die Bezeichnung überhaupt rassistisch sei. Dabei ist der Rassismus ziemlich leicht identifizierbar. Der Begriff ist auf mehreren Ebenen problematisch:

  1. Mit „Zigeunern“ sind Sinti und Roma gemeint – sie selbst haben sich aber nie so genannt und lehnen diese Fremdbezeichnung ab. Hier hat also die Mehrheitsgesellschaft einer Minderheit einen Namen aufgezwängt.
  2. Hinzu kommt: Historisch gesehen ist die Bezeichnung mit zahlreichen rassistischen Klischees verbunden – etwa, dass „Zigeuner“ Kinder stehlen würden. Laut dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma habe eine bestimmte Duden-Auflage noch 1986 unter dem Stichwort „Zigeuner“ auf die Begriffe „Abschaum“ und „Vagabund“ verwiesen. Im Konzentrationslager Auschwitz wurden Sinti und Roma in einem eigenen Bereich namens „Zigeunerlager Auschwitz“ ermordet.
  3. Auch heute wird der Name als Schimpfwort verwendet.

Dass der Begriff neutral ist – wie oft behauptet – ist also schlicht falsch. Eine solch herabwürdigende Bezeichnung aus der Öffentlichkeit zu verbannen, ist längst überfällig. Es wäre erfreulich, wenn auch erniedrigende Witze über diskriminierte Minderheiten verschwinden würden.

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(5) Kommentare

  1. Frau Schoenebergers „Witz“ ist schlicht geschmacklos. Die Entscheidung von Knorr bei der heutigen Debatte eine richtige.
    Nun darf man aber auch nicht vergessen dass der Zentralrat der Sinti und Roma durchaus nicht für alle Sinti, Roma u.a. spricht. Es auch durchaus Menschen dieser Bevölkerungsgruppe gibt, die sich eben nicht mit Sinti und Roma ansprechen lassen wollen. Genausowenig wie Ditib für alle Moscheen im Land sprechen dürfte, es aber insgeheim doch tut, so kann Herr Rose für alle sprechen. Ethymologisch stammen alle Bezeichnungen wie Zigeuner, Tziganes, Gitans, Gypsy usw aus dem gleichen Wortstamm und werden auch problemlos bis auf Zigeuner so verwendet.
    Der Alltagsrassismus betrifft mich auch, trotzdem muss Gutmensch auch nicht bei allem ein Fass aufmachen.
    Frau Schoeneberger ist dennoch wegen ihres geschmacklosen Witzes zu tadeln und alle sollten ihr eigenes Verhalten und ihre Wortwahl kontrollieren. Das tut ja nicht weh.

  2. Unpassend und an den Haaren herbeigezogen, sicher hätte sie besser die Klappe gehalten.
    Aber was machen wir jetzt mit Hamburgern, Wiener und Frankfurter Würstchen, Berlinern (die nur in Berlin nicht so heissen) Sauce Bolognaise, Bearnaise oder Hollandaise ? Mein Vater war Ostpreusse, mochte Königsberger Klopse aber trotzdem.

  3. Im Gegensatz zum Wort Zigeuner sind die Worte „Hamburg“, „Berlin“, „Wien“, „Frankfurt“ usw. nur reine Städtebezeichnungen. Darin liegt keinerlei Beleidigung. Ansonsten würde ja auch die „Paprikasauce Ungarische Art“ eine Beleidigung sein.

  4. QuadartimKreis: Genauso ist es aber, die negative Konnotation wird immer mitgenommen, egal was für schicke neue Begriffe sich die PC ausdenkt.
    Übrigens verwenden sie selbst den Begriff Antiziganismus…

  5. Ich wohne in Spanien, und wer hier einen Zigeuner (“Gitano”) fragt, ob er Sinti oder Roma ist, bekommt die empörte Antwort, ob einem die “Zigeuner” denn vielleicht nicht gut genug seien und was genau an ihm denn so ehrrührig wäre, dass man es nicht mal in den Mund nehmen will!?! – Grund genug für eine kleine Recherche: Die Forderung nach Abschaffung von “Zigeuner” wurde nur in Deutschland und manchen Teilen Frankreichs laut, und zwar auf Bitten zunächst nur der Sinti: Denn diese Blutsverwandten der Roma gibt es nur dort, sie trafen ein paar hundert Jahre vor den Roma ein und legen grossen Wert darauf, (daher) deutlich besser integriert (und deutlich seltener kriminell, laut Statisik) zu sein, als ihre Roma-Verwandten, mit denen sie aus irgendwelchen Gründen nichts mehr zu tun haben und vor allen Dingen auf keinen Fall mit ihnen verwechselt werden möchten. Warum nur wurde dies ausgerechnet jetzt, wo so viele Roma dazustiessen, den Sinti so ganz besonders wichtig? – Die Deutschen jedenfalls gehorchen dieser geforderten “Verbal-Apartheid” artig und reden sich – wie es ihre Art ist- auch noch (mal wieder) ein, sie seien “rassistisch” gewesen. Denn zu den drei hier aufgeführten Beweisen sagen meine spanischen “Gitano”-Freunde glaskkar: 1. Dass der Begriff von aussen “aufgezwungen” ist, finden sie in etwa so problematisch, wie dass die Amis sich nicht selber Amis nennen. Also gar nicht. Und dass den Zigeunern allerhand bösartiger Unsinn von Kinderklau bis was weiss ich nachgesagt wurde, hat nichts mit dem Begriff als solchem zu tun. Und wenn es ein Problem sein soll, dass damit bis heute allerhand Vorurteile verknüpft wurden, dann könnte dies zumindest mit “Roma” vielleicht bald ganz genau so kommen (befürchten die Sinti). – Schade, dass sich von meinen Vorkommentatoren niemand fragt, weshalb er sein halbes Leben lang das Wort “Zigeuner” benutzte, ohne irgendetwas Böses zu fühlen, dies allen anderen aber so gegangen sein soll(?). Mal darüber nachdenken bei der Musik meiner Lieblings-Band, den Gipsy- äh, pardon, den “Sinti-& Roma-Kings” natürlich!😉