Entdeckung: Krebsart zerlegt Plastik – aber das ist keine gute Nachricht

Salzwiesenkrebs
Foto: CC0 Public Domain / Wikipedia

In unseren Meeren schwimmen Unmengen an Plastik – das Problem: Plastik braucht Jahrhunderte um sich zu zersetzen. Forscher haben nun ein Lebewesen entdeckt, das Plastik zerlegen kann. Das ist allerdings eine ziemlich schlechte Nachricht.

Seit den 50er Jahren hat die Menschheit über acht Milliarden Tonnen Plastik produziert. Nur ein Bruchteil davon wird recycelt, der Rest wird verbrannt oder landet in der Umwelt – das meiste davon sammelt sich in riesigen Müllstrudeln in den Ozeanen.

Wissenschaftler von der University of Plymouth haben nun eine Entdeckung gemacht, die auf den ersten Blick Hoffnung macht: Ein winziger Salzwiesenkrebs aus den Nord- und Westküsten Europas schafft es, gewöhnliche Plastiktüten zu zerlegen. Die Auswirkungen sind allerdings fatal.

Winzige Plastikpartikel

Das Problem: Der „Orchestia gammarellus“ zerlegt eine Plastiktüte in etwa 1,75 Millionen mikroskopisch kleine Teilchen. Die einzelnen Fragmente sind nur noch 0,3 bis fünf Millimeter groß.

Ist das Plastik erst einmal so klein, ist der Schaden den es anrichtet umso größer: „Je kleiner das Mikroplastik, desto wahrscheinlicher verwechseln Muscheln, Würmer oder Fische die Partikel mit Nahrung oder nehmen sie passiv durch Filtration auf“, so Nadja Ziebarth, Meeresschutzexpertin beim BUND.

Auswirkungen auf die Gesundheit

Besonders gefährlich dabei: Mikroplastik wirkt wie ein Magnet auf Giftstoffe im Wasser. Die Meereslebewesen nehmen also mit dem Plastik noch weitere Schadstoffe auf. Die Auswirkungen auf Meeresorganismen reichen von physiologischen Störungen über Tumorbildung bis hin zu erhöhten Sterberaten.

Mikroplastik
Kleine Plastikpartikel (Foto: 5Gyres / Oregon State University unter CC BY-SA 2.0)

Über Fisch und Meeresfrüchte gelangt das Mikroplastik auch in unsere eigene Nahrungskette. Forscher konnten inzwischen sogar in Salz und selbst in Leitungswasser Mikroplastik nachweisen. Wasserreinigungssysteme schaffen es bislang noch nicht, die winzigen Partikel herauszufiltern.

Wie sich das Mikroplastik auf unsere Gesundheit auswirkt, lässt sich noch nicht mit Sicherheit sagen. Die Erkenntnisse über die Auswirkungen auf Meereslebewesen stimmen jedoch nicht gerade optimistisch.

Kleines Plastik bleibt im Wasser

Ein weiteres Problem: Mikroplastik macht es noch schwieriger, die Ozeane wieder vom Plastikmüll zu befreien. Meeressäuberungsprojekte wie „The Ocean Cleanup“ oder „Pacific Garbage Screening“ können nur die größeren Plastikteile aus dem Meer fischen.

Die Forscher der University of Plymouth gehen davon aus, dass der Salzwiesenkrebs nicht alleine ist – auch viele andere Organismen könnten potenziell Plastik im Meer zerlegen. Für den Salzwiesenkrebs mache es keinen Unterschied, um welche Art von Plastik es sich dabei handle.

„Kein ästhetisches Problem“

In den Untersuchungen zerlegte er das Plastik jedoch vier Mal schneller, wenn es von einem Biofilm bedeckt war. Der Biofilm ist eine Schicht aus Mikroorganismen wie Bakterien oder Algen, die sich auf Oberflächen in Gewässern bilden kann.

„Diese Forschung zeigt, dass bestimmte Spezies dazu beitragen, dass sich verstreuter Abfall weiter verbreitet. Sie zeigt außerdem, dass Abfall in den Meeren keineswegs nur ein ästhetisches Problem ist, sondern ernsthafte und bestehende Umweltschäden verursachen kann“, so Richard Thompson, Professor für Meeresbiologie an der University of Plymouth.

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(3) Kommentare

  1. Ok,

    Lösungsvorschlag:

    Man nimmt 5-10 alte Öltanker, macht an diese Öltanker lange Arme dran, so dass der oberflächliche Plastikmüll abgeschöpft werden kann.
    In den Bauch dieses Tankers stellt man einen Thermoselect Müllverbrenner incl. CO2 Abscheiderhttps://de.m.wikipedia.org/wiki/CO2-Abscheidung_und_-Speicherung. Mittels der durch die Verbrennung des Plastikmülls gewonnen Energie kann der Tanker autark fahren.
    Daher sind die Betriebskosten überschaubar. Das CO2 kann ebenfalls https://www.ise.fraunhofer.de/de/forschungsprojekte/konversion-von-co2-und-h2-zu-methanol-als-nachhaltigem-chemischen-energiespeicher.html zu Energie umgewandelt werden. Damit kann der Tanker quasi kostenneutral über die Weltmeere schippern und sauber machen. 10-100 solcher Schiffe ubd weitere Maßnahmen der Politik sollten das Problem lösen.

  2. Ich glaube das Problem bei so einem Lösungsvorschlag ist, dass nicht nur das Plastik abgefischt wird, sondern auch andere Organismen, die an der Oberfläche des Meeres leben. Außerdem treibt das Plastik zwar zum Großteil an der Oberfläche, aber es wurde auch schon Plastik am Meeresgrund gefunden. So kann man also nicht das gesammte Plastik abschöpfen, wenn auch wahrscheinlich den Großteil – wenn das mal jemand macht. Ähnliche Projekte gibt es ja bereits. Aber es sind immernur Überlegungen. Am besten ist es doch immernoch seinen eigenen Plastikkonsum zu reduzieren. Oder selbst an einem solchen Projekt teilzunehmen. Auch wenn es nur an der Oberfläche kratzt.

  3. Das Problem an der Sache ist, dass dieses Verfahren einen Gewinn abwerfen muss.
    Wer kauft ein Schiff und heuert eine Besatzung an, wenn das ganze keinen Gewinn abwirft?
    Jedes Geschäft ist zum scheitern verurteilt, wenn der Unternehmer keinen Gewinn daraus macht.
    Ich vermute einfach mal, dass es relativ wenig Leute gibt, die auf einem Schiff arbeiten möchten ohne etwas zu verdienen.
    So frei nach dem Motto: Meine Familie soll sich selbst versorgen, ich bin ausschließlich zum Wohle der Menschheit unterwegs. Mehr als Fisch brauche ich nicht zum essen. Das ist mein ganzer Wohlstand.

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