Forscher warnen: Mikroplastik in Meersalz nachgewiesen

Foto: CC0 PD / pixabay.de / kopekk_pl

Neue Untersuchungen zeigen: Selbst Salz ist inzwischen mit Plastik belastet. Wissenschaftler haben verschiedene Salzarten aus mehreren Ländern analysiert – und Mikroplastik in den Proben gefunden. Was bedeutet das für unsere Gesundheit?

Plastik ist noch viel tiefer in unsere Nahrungskette eingedrungen, als vielen von uns bewusst ist. Der britische „Guardian“ berichtet über eine neue Studie, die Plastik in Salz in Europa, den USA und China nachgewiesen hat.

Durchgeführt wurde die Untersuchung von einem Forscherteam um Sherri Mason, eine Chemieprofessorin an der State University of New York in Fredonia. Sherri Mason war auch an der Studie beteiligt, die Plastik in Leitungswasser gefunden hat. Der „Guardian“ hat einen Vorab-Einblick in die Ergebnisse der Salz-Analysen erhalten und berichtet über die wichtigsten Forschungsergebnisse.

Mikroplastik in Salz aus dem Supermarkt

Die Wissenschaftler haben für ihre Analyse zwölf Salzsorten aus Supermärkten in Großbritannien, Frankreich, Spanien, China und den USA auf Plastik hin untersucht, zehn davon waren Meersalze. Die Forscher fanden dabei jede Menge Mikroplastik.

„Mason fand heraus, dass Amerikaner jedes Jahr bis zu 660 Plastikpartikel aufnehmen, wenn sie der offiziellen Gesundheitsempfehlung folgen, täglich 2,3 Gramm Salz zu sich zu nehmen.“, schreibt der Guardian. Allerdings würde die Mehrheit der Amerikaner deutlich mehr Salz essen, also dementsprechend viel mehr Plastik aufnehmen. Wie viele Proben Mikroplastik enthielten und wie hoch die Plastik-Konzentration im Salz jeweils war, hat der Guardian allerdings noch nicht verraten.

Noch mehr Studien weisen Plastik in Salz nach

Die aktuelle Studie ist übrigens nicht die einzige, die Plastik in Salz gefunden hat. Erst vor wenigen Wochen haben spanische Wissenschaftler 21 verschiedene Speisesalze analysiert – und in allen 21 Plastik gefunden. Der größte Anteil des gefundenen Plastiks war dabei „Polyethylenterephthalat“ (PET), was für Plastikflaschen verwendet wird.

Meersalz als Wunderwaffe
Selbst in Salz steckt inzwischen schon Mikroplastik. (Foto: CC0/andreas160578/pixabay)

Der Guardian berichtet außerdem über eine weitere Untersuchung von einem internationalen Forschungsteam, das 17 verschiedene Salzsorten in acht Ländern analysiert hat. In allen außer einer Probe habe das Team Plastikpartikel gefunden, das meiste davon waren Polyethylene und Polypropylen.

Auswirkungen auf die Gesundheit sind unklar

Wie sich Mikroplastik auf unsere Gesundheit auswirkt, lässt sich noch nicht mit Sicherheit sagen. Für die Wissenschaft ist es schwierig, konkrete Aussagen zu machen, da hierfür ein Vergleich nötig wäre: zwischen Menschen, die Plastik aufnehmen, und solchen, die keinem Plastik ausgesetzt waren. Eine solche „plastikfreie“ Kontrollgruppe gibt es laut dem Guardian jedoch nicht.

Einige Erkenntnisse gibt es jedoch zumindest über die Effekte von Mikroplastik auf Meeresorganismen wie Muscheln, Würmer oder Fische. Wissenschaftler konnten bei ihnen physiologische Störungen, Tumorbildung und erhöhte Sterberaten feststellen.

Salz reduzieren, Umgang mit Plastik überdenken

Die aktuellen Erkenntnisse über Plastik in Salz sind also besorgniserregend. Salz ist allgegenwärtig, es aus dem Speiseplan zu streichen, dürfte den meisten schwer fallen. Die Studie liefert jedoch einen Grund mehr, die tägliche Salzmenge zumindest zu reduzieren. Zu viel Salz ist ohnehin schädlich – egal ob mit oder ohne Mikroplastik.

Solange noch nicht feststeht, wie viel Mikroplastik in Salz steckt und ob wirklich so viele verschiedenen Salzsorten betroffen sind, wie die aktuellen Studien andeuten, sollten wir nicht in Panik geraten. Allerdings zeigt die aktuelle Untersuchung einmal mehr, wie schwerwiegend unser Plastik-Problem ist und wie dringend sich etwas ändern muss – der Umwelt und unserer Gesundheit zuliebe.

Die Verschmutzung der Meere und der Umwelt durch Plastik aufzuhalten, ist eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahrzehnte. Was du selber tun kannst, um deinen Plastikverbrauch zu reduzieren, erfährst du in unseren Beiträgen „Leben ohne Plastik: diese 14 einfachen Tipps kann jeder umsetzen“ und „Mikroplastik: wo es sich versteckt, wie du es meiden kannst“.

Weiterlesen auf Utopia.de:

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter:

(7) Kommentare

  1. Ich frage mich wo das Plastik herkommt das im Meer zu finden ist.
    Leider wird darauf im Artikel nicht eingegangen.
    Umweltbewusste Bürger entsorgen ihr Plastik im gelben Sack oder im Recyclinghof/Wertstoffhof und das sollte ja nicht im Meer landen.
    Folglich bringt es nichts wenn umweltbewusste Menschen Plastik sparen (in Bezug auf Mikroplastik im Meer).

  2. Zu diesem Thema gab es bereits zahlreiche Artikel. Mikroplastik gelangt ins Meer über unser Abwassersysteme. Viele Kosmetikprodukte enthalten winzig kleine Plastik- Kügelchen. Die Fasern von Kleidung aus Fleece und Synthetik gelangen über das Schmutzwasser unserer Waschmaschinen ebenfalls ins Meer und noch viele andere Produkte sind problematisch.

    Lies doch bitte mal den folgenden Artikel von Utopia:
    https://utopia.de/ratgeber/ueberraschende-quellen-verstecktes-mikroplastik/

    und schau dir die folgende Grafik des World Wildelife Fund an:
    http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/Infografik_Muell_im_Meer.pdf

    und vielleicht noch meinen letzten Kommentar mit einem Auszug aus dem Grünbuch auf der folgenden Seite:
    https://utopia.de/plastik-wellen-im-urlaubsparadies-erschuetterndes-video-geht-viral-97788/#comment-0-35424

    Über die Google-basierte Suchfunktion (rechts oben) kannst du noch etliche weitere Artikel zu diesem Thema finden, z.B. unter dem Stichwort Mikroplastik.

  3. Du kannst Deine Frage nicht ernst meinen oder?
    Es gibt noch andere Möglichkeiten, wie Plastik ins Meer kommt, einfach mal googeln oder Greenpeace anschreiben. Dort wirst Du mehr erfahren, garantiert.

  4. Ein Vergleich mit Steinsalz (theoretisch ohne Plastik, aber wer weiß schon Näheres über die Reinigungsmethoden) wäre nun also gefragt.
    Und eine Abschätzung, ob diese Überlegung überhaupt noch Sinn macht, wenn wir doch auch im täglichen unumgänglichen Trinkwasser ebenfalls schon Plastik zu uns nehmen.

  5. Studien dazu gibt es bereits. Die hier z.B. ist recht neu: https://pubs.acs.org/doi/10.1021/acs.est.8b04180 Steinsalz schneidet am besten ab, enthält aber meist ebenfalls nicht geringe Mengen an Plastik, die wie du schon erwähntest wahrscheinlich durch die Reinung dem Salz „hinzugefügt“ werden. Es gibt auch Steinsalze zu kaufen, die nicht „industriell gereinigt“ werden, wobei ich mir nicht sicher bin ob das gar kein Kontakt mit Wasser bedeutet. Zudem könnte das Salz dann andere Verunreinigungen aufweißen und zumindest theorethisch könnte es auch einen Unterschied machen ob die Salze noch per Bohrer und Spitzhacke abgebaut werden oder wie heute idR üblich gesprengt werden.
    Letztlich kannste dir dadrüber den Kopf zerbrechen, aber wie du schon sagtest ist Plastik mittlerweile überall. Im Wasser, in der Luft.. wenn sich Mikroplastik zu Nanoplastik zersetzt könnte es meines Wissens nach theoretisch sogar von Pflanzen(wurzeln) aufgenommen werden. Mhhm, lecker Nanoplastiksalat :).
    So oder so werden wir an langfristige Lösungen für Plastikabrieb nicht vorbeikommen. Kurzfrist kannste nur auf Vermeidung setzten. Von Plastik, aber eben auch von Salz, insbesondere Meersalz, da hier nicht nur der Mikroplastikanteil hoch ist, sondern sich dank unserer Meeresverschmutzung auch die im Meer enthaltenen Schadstoffe (PCBs, etc.) wohl sehr gerne am Plastik anreichern (https://rochmanlab.files.wordpress.com/2016/08/rochman-et-al-2013-scientific-reports.pdf).
    Aus Nachhaltigkeitsaspekten würde sich deutsches Steinsalz anbieten, das idR nicht nur vergleichsweiße günstig ist, sondern zumindest in der ersterwähnten Studie noch ganz „gut“ abschneidet (könnte natürlich von Abbaugebiet zu Abbaugebiet varrieren).
    Ich persönlich esse seit ca 10 Jahren gar kein zugefügtes Salz mehr. Ob man so radikal sein will, muss jeder selbst wissen. Von heute auf morgen vielleicht nicht die beste Idee. Essen gehen ist dann schwierig und die ersten paar Wochen schmeckt das Essen etwas fad, aber danach nimmt man Lebensmittel wieder ganz anders war und alles Gesalzene schmeckt fast ungenießbar. Gleiches Spiel bei Öl und Zucker im Übrigen. Zudem müsste man seine Jodversorgung entsprechend überdenken (ich decke meinen Jodbedarf mit Meeresalgen, die zwar nicht wie Salz den Blutdruck erhöhen und zT diverse gesundheitsfördende aufweisen, wahrscheinlich aber auch mit etwas Mikroplastik belastet sein werden. Zudem muss man sich gut in die Materie reinlesen, da gewisse Sorten zu viel Jod oder Arsen aufweisen).

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.