Foodwatch: Fast jede zweite Lebensmittelwarnung erfolgt verzögert

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Eine Untersuchung der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch zeigt: Die staatliche Website lebensmittelwarnung.de informiert oft zu spät oder gar nicht über Lebensmittelrückrufe von Unternehmen. In der Vergangenheit fielen darunter teils auch lebensgefährliche Nahrungsmittel-Verunreinigungen.

Glasscheiben im Gurkenglas, Kunststoffteilchen im Nasi Goren, Fipronil in Eiern – die staatliche Plattform lebensmittelwarnung.de informiert Verbraucher über Rückrufe von Lebensmitteln. Kann man dem Portal also vertrauen? Foodwatch hat sich die Seite jetzt genauer angeschaut und über 90 Produktrückrufe und Produktwarnungen analysiert. Die Untersuchung, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt, zeigt: Über beinahe jeden zweiten Rückruf berichtet die Seite verzögert – oder gar nicht.

Lebensmittelwarnung.de: Foodwatch kritisiert Verzögerungen

So berichtete das Portal im Frühjahr erst nach drei Tagen von einem möglicherweise gesundheitsschädlichen Stoff in einem Bio-Säuglingstee. Genauso spät kam die Meldung von Metallsplittern in Netto-Würstchen und die Warnung vor Käse, in dem E.coli-Bakterien vermutet wurden, die zu blutigem Durchfall und schlimmstenfalls zum Tod führen können.

Bund und Länder hatten das Portal lebensmittelwarnung.de im Jahr 2011 als zentrale Anlaufstelle für Verbraucher eingerichtet – vor allem als Reaktion auf den EHEC-Ausbruch mit Dutzenden Toten. Martin Rückert, Geschäftsführer bei Foodwatch Deutschland hält die Seite zwar für eine gute Idee, sie funktioniere seiner Meinung nach in der jetzigen Form aber nicht.

Es könne nicht sein, dass Verbraucher bei lebensgefährlichen Produkten wochenlang warten müssen, bis sie bundesweit informiert werden, sagt er gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Erst kürzlich gab es einen Produktrückruf, weil Fipronil in Eiern gefunden wurde.

Keine einheitliche Regelung und das „Freitagsproblem“

Das Problem: Es gibt keine feste Regelung, die bestimmt, auf welchen Kanälen ein Unternehmen vor unsicheren Lebensmitteln warnen muss. Die Entscheidung, wie die Information veröffentlicht wird, treffen die Unternehmen selbst.

Oft bekommen die Behörden den Rückruf deswegen erst verspätet mit. Manche Unternehmen hätten einen großen Presseverteiler, andere gäben die Informationen nur an ausgewählte Medien weiter oder informieren über Facebook und Twitter, sagt Foodwatch-Geschäftsführer Rückert.

Ein weiterer Grund sei das sogenannte „Freitagsproblem“, sagt Gert Kretschmann, Betreiber des privaten Warnportals produktrueckrufe.de. Weil viele Lebensmittelwarnungen Freitagnachmittag oder Abend kämen, wenn die Beamten oft schon im Feierabend seien, werden Rückrufe erst Montag wieder auf die Seite gestellt. Er selbst ist mit seinen Meldungen meist früher dran als das staatliche Portal.

Das Verbraucherschutzministerium in Baden-Württemberg bestätigt diese Annahme. Es begründet die Verzögerung in einem Schreiben an Foodwatch mit dem dazwischenliegenden Wochenende, dem Jahreswechsel oder den Weihnachtsfeiertagen.

Verbraucherschutz: alternative Portale für Verbraucherwarnungen

Neben lebensmittelwarnungen.de gibt es weitere Websites privater, gemeinnütziger und unabhängiger Organisationen, die über Rückrufe informieren und Verbraucherinteressen vertreten.

  • Produktrueckrufe.de: Informiert kostenlos über Rückrufaktionen, Produktwarnungen und Sicherheitshinweise für gefährliche Produkte. Auch als Newsletter, Whatsapp und iPhone-App.
  • Produktwarnung.eu: Informiert kostenlos zu Produktrückrufen und Verbraucherwarnungen für Endverbraucher. Auch via App in Echtzeit. Für Beligien, Dänemark, Frankreich, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Schweiz.
  • CleanKids: Informiert über Produktrückrufe speziell im Kinder- und Baby-Bereich. Hier finden Eltern auch weitere Infos und Ratgeber zur Kindersicherheit.
  • AGES: Produktwarnungen und –rückrufe in Österreich. Auch als App für IPhone und Android und RSS-Feed.
  • Verbraucherzentrale: Informiert, berät und unterstützt bei Fragen des privaten Konsums und verfolgt Rechtsverstöße von Unternehmen.
  • Foodwatch: Liefert Hintergrundinformationen, Untersuchungen und Recherchen zu bedenklichen Praktiken in der Lebensmittelindustrie.
  • Mimikama: Kontrolliert nicht direkt Produkte, sondern berichtet und klärt auf über Internetmissbrauch, Internetbetrug und (auch Produkte betreffende) Falschmeldungen bzw. Fakes im Internet.

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