Brot vom Vortag: 7 Wege, Brot zu retten

Brot retten, Bäckerei Auslage
Foto: Pixabay, CCO Public Domain

Jahr für Jahr landen hierzulande 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll – darunter viel Brot und Backwaren. Wir zeigen, wie ihr Brot vom Vortag retten könnt und wie pfiffige Unternehmer aus altem Brot Alkohol und Knödel herstellen.

Volle Regale – und das bis in die Abendstunden: Wir sind es gewohnt, zu jeder Tageszeit frisches Brot zu bekommen. Gleichzeitig können die Backstuben nicht immer richtig einschätzen, wie viel und was die Kunden an bestimmten Tagen kaufen. Die Folge: Nach Ladenschluss bleiben oft jede Menge Brot und Backwaren übrig.

Öfter zum günstigeren greifen

Bei vielen Bäckern gibt es daher neben frischen Produkten auch Ware vom Vortag günstiger zu kaufen. In Teilen Österreichs ist es üblich, dass Backwaren ab 18 Uhr zur Hälfte des Preises angeboten werden, auch in konventionellen Supermärkten. In der Münchner Hofpfisterei etwa gibt es in der letzten Verkaufsstunde Brot und Backwaren mit 30 Prozent Rabatt.

Wie Supermärkte, Discounter und Backketten mit Waren vom Vortag umgehen, hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (VZ NRW) herausgefunden. Sie hat 13 Anbieter gefragt, was mit ihren unverkauften Backwaren vom Vortag passiert. Das Ergebnis: Nur drei Anbieter verkaufen Teigiges vom Vortag. So gibt es bei Aldi Süd über 30 Prozent Rabatt, bei Lidl 50 Prozent; auch Edeka verkaufe je nach Filiale Backwaren von gestern vergünstigt. Die Befragung bezog sich nicht auf die Bäcker im Eingangsbereich, sondern meinte nur Brot, das auf der Verkaufsfläche angeboten wird.

Und was passiert mit dem unverkauften Brot der anderen Anbieter? Laut der VZ NRW kooperierten viele Verkäufer mit Tafeln, karitativen Einrichtungen oder Bauern, welche die übrig gebliebenen Backwaren abholten.

Brot vom Vortag in diesen Läden kaufen

Neben individuellen Angeboten gibt es immer mehr Läden, die ausschließlich Backwaren vom Vortag anbieten. Diese Läden sammeln übrig gebliebene Backwaren ein und verkaufen sie günstiger, oft zur Hälfte des ursprünglichen Preises. Schau auf unserer „Brot vom Vortag“-Karte nach, ob ein solcher Laden in deiner Nähe ist.

Produkte aus Brot vom Vortag

Knödel aus gerettetem Brot

Eine beliebte Beilage für viele Gerichte sind hierzulande Knödel. Warum also nicht aus altem Brot Knödel fertigen? Diese unternehmerische Idee hatte vergangenes Jahr ein Konstanzer Start-up: Knödelkult schenkt unverkäuflichem Brot aus regionalen Bäckereien neues Leben.

Seit dem Start sind so aus über 1.700 Brotlaiben Knödel geworden. Die Fertig-Knödel im Glas sind durchs Einwecken haltbar gemacht und können in Scheiben geschnitten angebraten werden.

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Und die Idee kommt an: 2017 gewann Knödelkult den Bundespreis für Engagement gegen Lebensmittelverschwendung in der Kategorie Produktion.

Bier aus Brot vom Vortag

Wenn andere aus unverkauftem Brot fertige Knödel machen, warum dann nicht Bier aus hartem Brot und schlaffen Brötchen brauen? Zusammen mit Wasser, Hefe, Hopfen und Gerstenmalz wird das getrocknete und gemahlene Brot zum „Bread Beer“ vom Schweizer Unternehmen Damn Good Food & Beverages. Das Brot ersetzt etwa 30 Prozent des Braumalzes und wird zu vergärbarem Zucker umgewandelt. So werde laut Unternehmen pro 100 Liter Bier rund 8 Kilogramm unverkauftes Brot verarbeitet.

Aus altem Brot alkoholhaltige Getränke zu produzieren ist keine neue Idee. Die Biohofbäckerei Gottschaller etwa verwendet ebenfalls Brot vom Vortag aus der eigenen Bäckerei und braut damit Bio-Brotschnaps und Brotwhisky. Den Brotschnaps verwendet der Hersteller außerdem, um Brotschokolade herzustellen.

Reste günstig abkaufen – mit der App

Nicht nur übrig gebliebene Backwaren, sondern auch Essen aus Restaurants kannst du mit der App Too good to go günstig finden und somit vor der Tonne bewahren. Teilnehmende Betriebe stellen überschüssige Speisen preisgünstig kurz vor Ladenschluss ein. Kunden können diese dann reservieren und vor Ort in der Stunde vor Ladenschluss abholen. Lies in unserem Artikel, wie unser Test der App ausfiel.

Too Good to Go
Überschüssige Lebensmittel finden & abholen mit der App (Foto: © Too Good to Go)

Too good to go wurde Ende 2015 in Dänemark gegründet, mittlerweile gibt es Niederlassungen in neun Ländern.

Brot retten – mit foodsharing

„30-40 kg Biobrot (geschnitten, verpackt), abzuholen am heutigen Tag, ab 16 Uhr“ – die Plattform foodsharing.de organisiert die Rettung und Verteilung von überschüssigen, aber noch genießbaren Lebensmitteln, darunter oft Brot und Backwaren.

Erstelle selbst einen Essenskorb auf der foodsharing-Karte oder schau nach, ob es verfügbare Lebensmittel in deiner Umgebung gibt.

gerettete Brötchen foodsharing
Eigentlich für den Müll bestimmt: gerettete Brötchen (Foto © raphaelfellmer.de)

Übrigens: Foodsharing-Mitbegründer Raphael Fellmer möchte mit seinem neuen Start-up Sirplus bald einen eigenen Laden für aussortierte Lebensmittel eröffnen.

Altes Brot zu Hause retten: pfiffige Rezepte

Nicht nur in den Läden wird viel Brot weggeworfen, immerhin rund 15 Prozent des Lebensmittelabfalls bei uns zu Hause sind Brot und Backwaren. Schmeiß dein hartes Brot nicht weg, du kannst noch einiges daraus zaubern, zum Beispiel:

  • Brotsalat: aus Brot, Salat, Tomaten und dem passenden Dressing wird ein leckeres Abendbrot, das besonders für warme Sommerabende geeignet ist
  • Armer Ritter: der Klassiker aus altbackenen Brötchen, die je nach Rezept in einer Milch-Ei-Mischung gewendet und dann gebraten werden
  • Semmelbrösel: Mit einer Reibe klein hobeln

Mehr Rezepte gibt es hier: „Bis zum letzten Krümel – Süße und herzhafte Rezepte mit Brot vom Vortag“ von Camille Antoine, **online zu kaufen zum Beispiel bei Bücher.de, Amazon /„Kochen mit Brot“ von Tainá Guedes, **online bei Buch7, Bücher.de

Brot richtig aufbewahren

Wer sein Brot außerdem clever aufbewahrt, der hat länger etwas davon. Brot am Stück bleibt länger frisch als geschnittenes. Am längsten halten sich Brot und Brötchen mit hohem Roggenanteil. Zu viel Brot im Haus? Dann ab damit in den Tiefkühler, dort hält es sich mehrere Wochen. Brot nicht im Kühlschrank aufbewahren, sondern beim Zimmertemperatur.

Einfrieren ohne Plastik: im Stoffbeutel
Plastikfrei einkaufen geht mit dem eigenen Stoffbeutel (Foto: © Utopia)

Möglichkeiten zur Aufbewahrung sind zum Beispiel:

Fazit: Brot vom Vortag ist ein leckeres Lebensmittel, das auf den Teller und nicht in die Tonne gehört. Aufgebacken oder getoastet schmeckt es fast so gut wie frisches. Roggenbrote etwa schmecken am zweiten Tag oft besser und manche Menschen vertragen gar frisches Brot nicht so gut wie älteres.

Frag bei deinem Bäcker nach Backwaren vom Vortag, lass die Verkäufer wissen, dass du am Abend keine vollen Regale erwartest und setze somit ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung.

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(2) Kommentare

  1. Hier in Potsdam kann ich in der Geschwister-Scholl-Str. in Annis Feinkostladen und bei Frau Jaster im Regionalladen auch Brot vom Vortag kaufen zum halben Preis. Wie kann man das in die Karte einbringen? Oder mag das jemand machen, ich kenne mich da nicht so aus.

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