„Zu gesund“: Limonadenhersteller warnt vor den eigenen Getränken

Foto: © Lemonaid

Limonaden mit Bio-Zutaten aus fairem Handel: Lemonaid macht einiges besser als konventionelle Hersteller. Weil die Getränke weniger Zucker enthalten als üblich, hat die Marke jedoch seit Jahren Ärger mit den Behörden – so auch aktuell. Lemonaid protestiert nun mit Warnhinweisen auf den Flaschen.

Limette, Maracuja, Blutorange und Ingwer: Die Limonade von Lemonaid gibt es in vier Geschmacksrichtungen. Wer aktuell eine Flasche kauft, findet womöglich einen Sticker mit einem Warnhinweis darauf: „Achtung – wenig Zucker“. Hintergrund ist ein Streit zwischen Lemonaid und Lebensmittelbehörden, der nun schon mehrere Jahre andauert.

Damit ein Getränk „Limonade“ heißen darf, muss es einen Zuckergehalt von mindestens 7 Prozent haben – die Lemonaid Limette kommt nur auf 6 Prozent, Maracuja auf 5,6 Prozent. 2018 erhielt Lemonaid deswegen zum ersten Mal eine Abmahnung.

Wegen einer neuen Regelung müsste Lemonaid seine Flaschen entsorgen

Das Unternehmen startete in den folgenden Jahren mehrere Kampagnen gegen die Limonaden-Richtlinien. Mit Erfolg: Im Februar hob die Lebensmittelbuch-Kommission die Mindestzuckergrenze für Limonade auf. Allerdings gibt es eine Einschränkung. Limonaden, die ohne andere Süßstoffe weniger als 7 Prozent Zucker enthalten, müssen den Zuckergehalt auf der Flasche angeben.

Für Lemonaid sind das schlechte Nachrichten. Die Flaschen tragen nämlich kein austauschbares Etikett, alle Zutaten und Informationen sind direkt auf die Mehrwegflasche gedruckt. Um den Zuckergehalt von beispielsweise 5,6 Prozent anzugeben, müsste Lemonaid nach eigenen Angaben Millionen neue Flaschen anschaffen – und die aktuellen Flaschen entsorgen.

Ohnehin findet Lemonaid die neue Verordnung unfair: „Dass wir einen Warnhinweis anbringen müssen, weil unsere Limonaden ‚zu gesund‘ sind, widerspricht jeder Intuition“, sagt Lemonaid-Gründer Paul Bethke. „Es sollten doch die Hersteller, die überzuckerte Getränke vermarkten, abgestraft werden.“ Lemonaid befürchtet außerdem, dass der Hinweis auf den Flaschen Kund:innen verwirren könnte.

Warnhinweise wie bei Zigarettenschachteln

Lemonaid, Limonade, Zucker
Die Lemonaid-Flaschen mit Warnhinweis. (Foto: Lemonaid)

Aus Protest hat Lemonaid nun Aufkleber auf die Limonadenflaschen geklebt, die wie Warnhinweise von Zigarettenpackungen aussehen. Auf ihnen stehen die Worte „Achtung, wenig Zucker“.

Konventionelle Limonaden enthalten oft extrem viel Zucker – laut einer Foodwatch-Untersuchung  zwischen 10 und 13 Prozent. In manchen Limos steckt sogar mehr Zucker als in klassischer Coca-Cola. Zu viel Zucker fördert nachweislich Übergewicht und die Entstehung von Typ-2-Diabetes. Ein Hinweis auf den Zuckergehalt wäre bei klassischer Limonade also deutlich sinnvoller.

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(5) Kommentare

  1. Wieder mal: Deutschland schafft sich ab – mit unsinnigen, veralteten Vorschriften und vor allem mit deren gnadenloser Durchsetzung! Wen interessiert der Zuckergehalt von Limonade? Hauptsache, es ist süß genug. Und wenn das mit weniger Zucker erreicht wird – da kann es doch nichts zu meckern geben! Eher, daß die anderen immer noch zuviel Zucker enthalten….

  2. Das macht wirklich fassungslos!
    Ein Verbot wegen zu wenig Zucker?
    Diese Ämter, bzw. deren offenbar sehr gelangweilten Mitarbeiter haben sich eine saftige Abmahnung verdient, wegen zu wenig Vernunft, zu uninformiert und besonders wegen unvorhandenem gesundem Menschenverstand.
    Das wäre zeitgemäß!

    Überhaupt sollten solche Leute, die irgendwelche Entscheidungen treffen dürfen jährlich eine Prüfung durchlaufen müssen, ob sie überhaupt genug Verstand haben, um anderen zu sagen, was richtig ist.
    Wenn man darüber nachdenkt wofür manche Leute bezahlt werden, dann muss einem direkt schlecht werden.

  3. Und noch einen drauf: Es wird gewaltiger Wind gemacht mit dem Gezerre um die NOx- Grenzwerte; die Grünen berufen sich auf die „Vorsorgepflicht“ des Staates. Wo bleibt diese aber bei dem viel zu vielen Zucker allüberall? Wo es doch schon diabetische Kinder geben soll! Das wäre doch ein viel dankbareres Spielfeld der höchsten Politik in diesem Lande!
    Und das NOx-Problem sollte erst mal ordentlich wissenschaftlich (und nicht juristisch / politisch!) aufgearbeitet werden, bevor man große Teile der Bevölkerung übervorteilt und/oder Vorsorgenutznießer werden läßt!