Elektroauto Microlino: „Elektro-Isetta“ wird auch in Deutschland gebaut

Elektroauto Microlino E-Auto Quad
Foto: Microlino AG

Im September hatte das Elektroauto Microlino das europäische Zulassungsverfahren hinter sich gebracht, jetzt gaben die Schweizer bekannt, dass auch in Deutschland produziert werden wird. Die „Elektro-Isetta“ im 50er-Jahre-Look ist ein leichtes und kleines Stadtauto, das zu einem der umweltfreundlichsten Elektroautos werden könnte.

Wer braucht schon viele PS, wenn er doch eh nur in der Stadt oder auf dem Land stets die gleichen kurzen Strecken fährt? Diesen Gedanken verfolgt der Schweizer Hersteller Micro Mobility Systems beim Elektroauto Microlino.

Der ultrakompakte Zweisitzer hat einen 15-kW-Motor ist maximal 90 km/h schnell und schafft in der Standardversion rund 125 Kilometer Reichweite am Stück. Der Elektro-Kabinenroller beschleunigt dabei in 5 Sekunden von 0 auf … 50 km/h ;-).

Aufgrund der kleinen Grösse und der Leichtgewichtkonstruktion ist der Microlino ein Energiesparauto. Laut Hersteller benötigt er 40% weniger Teile als andere Autos, daher würde er zur Herstellung wesentlich weniger Energie verbrauchen als ein normales Elektroauto. Dadurch würde 60% der Energie gespart, die für die Produktion eines Autos sonst nötig seien. Im Betrieb selbst würde das Auto 65% der sonst üblichen Energie verbrauchen.

Microlino: auch in Deutschland produziert

Das Auto soll dezentral produziert worden – es kann also in jedem Land gebaut werden, in dem sich ein regionaler Lizenznehmer findet. Im Dezember 2018 kündigte das Unternehmen an, dass die Artega GmbH alle Rechte für die Produktion des Microlino übernommen hat. So will man man ein Produkt „mit Deutscher Qualität und Schweizer Präzision“ auf den Markt bringen – besser gehts doch kaum.

Artega ist ein deutscher Hersteller von Sportwagen aus Delbrück, Deutschland. Das Unternehmen baut auch einen elektrischen Sportwagen mit dem Namen Artega Superelletra, von dem die ersten Prototypen 2019 produziert werden sollen. Es soll auch die kleinen Tazzari-Zero-Elektroautos produzieren.

Produziert wird der Microlino in einer 3.000 Quadratmeter großen Halle in Delbrück-Hagen. Die zunächst vorgesehene Produktionskapazität beträgt 8.000 Fahrzeuge pro Jahr und soll im Frühling Kunden in der Schweiz und ab Mitte 2019 auch in Deutschland beliefern.

Microlino: startklar ab 2019

Im Januar 2018 stellten die Schweizer zwei Vorserien-Modelle in den Farben in Zurich Blue und in Milano Red vor, die bereits grösstenteils dem Serienfahrzeug entsprechen sollen. Anfang Juli bestand Microlino die letzten Tests für die europäische „Homologation“, im September rollten ersten Vorserienmodelle vom Band, in Paris gab es im Oktober eine Probefahrt.

Die Ergebnisse will das Unternehmen in letzte Anpassungen an der Fahrdynamik vor dem Serienstart einfliessen lassen. Die eigentliche Produktion soll Anfang 2019 starten und die ersten Auslieferungen in der Schweiz kurz danach erfolgen. Von da an wollen die Schweizer Schritt für Schritt auch in andere Länder expandieren.

Unsere Kollegin Sarah saß auf der ISPO schon drin:

Microlino: Mini-Elektroauto für Minimalisten

Hauptsache elektrisch, günstig und zuverlässig? Dann ist ein Blick auf den Microlino auf jeden Fall ein Muss: Das Elektroauto im Isetta-Retrolook spart sich jeglichen Schnickschnack und setzt auf ein möglichst praktisches Elektroauto ohne hohe Ansprüche. Schnelllade-Säulen braucht der Elektro-Kabinenroller nicht, da sich jede normale Steckdose als Microlino-Tankstelle nutzen lässt (ca. 4 Stunden Ladezeit, am Typ-2-Lader eine Stunde).

Dennoch passen mindestens zwei Personen in das minimalistische Rollermobil, hier allerdings hintereinander. Und auch der Preis ist heiß: Das Auto soll laut Hersteller bei Markteinführung etwa 12.000 Euro kosten.

Der Microlino soll in fünf Farben kommen: blau/weiss, rot/weiss, orange/weiss, mint/weiss, grau/weiss, weiss einfarbig und schwarz einfarbig.
Der Microlino soll in fünf Farben kommen: blau/weiss, rot/weiss, orange/weiss, mint/weiss, grau/weiss, weiss einfarbig und schwarz einfarbig. (© Micro Mobility Systems AG)

Dafür müssen Kunden in der elektrischen „Knutschkugel“ allerdings auf allzu viel Komfort verzichten. Heizung und Schiebefenster wird es geben. Sitzheizung und Entertainment-Paket eher nicht. Auch die Fahrertür fehlt, denn zum Einsteigen muss die ganze Front des Kabinenrollers aufgeklappt werden – eben wie bei der Isetta.

Einen Luxus gönnt sich das Elektro-Rollermobil aber doch: Ein Schiebedach ist – wie bei der Original-Isetta aus den 50er Jahren – natürlich auch beim Microlino Pflicht und Teil der Standardaustattung.

Elektro-Isetta – nur „fast“ ein E-Auto

Genau genommen handelt es sich beim 450 Kilogramm leichten Microlino gar nicht um ein Mini-Elektroauto, sondern wie beim Renault Twizy um ein Quad. Aber: Um das 15 kW / 20 PS starke Gefährt zu fahren, reicht ein Rollerführerschein nicht – es muß schon ein Klasse-2-Führerschein sein.

Microlino Cockpit mit kreisrundem Touchscreen, gesehen durch das Sonnendach (Standardausstattung)
Microlino Cockpit mit kreisrundem Touchscreen, gesehen durch das Sonnendach (Standardausstattung) (© Micro Mobility Systems AG)

Die geringe Größe hat Vorteile: Der elektrifizierte Kabinenroller ist mit 2,4 Metern so kurz, dass er auch quer parken kann, dank Vordereinstieg klappt das auch. So passen drei Microlinos in eine normale Parklücke, in der sonst nur ein SUV parken würde.

Als Cockpit entwickeln die Hersteller ein rundes Touchscreen-Display, das ganz wie der Rest extrem minimalistisch arbeitet und sich mit einem Smartphone verbindet. Geschwindigkeit, verbleibende Reichweite und Ladestatus soll es anzeigen können – allzu viel mehr wird das elektrische Micro-Auto nicht können.

Reichweite des Elektro-Kabinenrollers Microlino

Je nach Fahrstil und Verkehrslage bietet der Akku eine Papier-Reichweite von 120 Kilometer (kleiner Akku) bis 215 Kilometer (großer Akku). Im Juli 2018 gab es erste Reichweitentests nach dem neuen Zyklus: Mit der kleinen Batterie (8kWh) wurden 125 km, mit der grossen Batterie (14.4kWh) 200 km erreicht.

Für Pendler lohnt sich ein Microlino dann schon: Schätzungsweise 96% der beruflichen Pendler legen mit dem Auto eine Strecke von weniger als 50 Kilometern zur Arbeit zurück. Auch Fahrten mit dem Auto in der Freizeit dauern in der Regel nicht lange. Im Durchschnitt fahren wir Deutsche etwa 17 Kilometer, so eine Mobilitätsstudie (PDF). Folglich meistert das der Elektro-Isetta-Nachbau selbst in der Standardversion ohne Bedenken

In Sachen Sicherheit ist der Winzling natürlich kein SUV. Einen Crashtest muß das Micro-Auto nicht bestehen, in Simulationen soll er aber Crashs mit 50 km/h bestanden haben, so die Schweizer Autobauer. In der Schweiz konnte Microlino Bosch Car Services als Service-Partner gewinnen.

Microlino: Preis und Prämie

Etwa 10.000 Reservierungen (seit März 2016) sind nach Herstellerangaben bereits für das Microlino eingegangen, was über 100 Mio. Umsatz entspricht. Die meisten Kunden kommen aus Deutschland, der Schweiz und den USA. Der Marktstart in Deutschland wird frühestens 2019 erwartet.

Microlino-Elektroauto in Mint/Weiß: die Elektro-Isetta ist eigentlich ein Quad
Microlino-Elektroauto in Mint/Weiß: die Elektro-Isetta ist eigentlich ein Quad (Foto: Microlino AG)

Der Preis sollte ursprünglich etwas unter 10.000 Euro liegen und mit ähnlichen Elektroautos wie dem Renault Twizy (ca. 7.000 Euro, aber nur in der 45-km/h-Version und ohne Batterie, Seitentüren, Seitenfenster) konkurrieren, das ließ sich aber wohl nicht halten.

Für ihren Microlino haben die Hersteller zuletzt einen Preis von etwa 12.000 Euro veranschlagt. Kommen noch Zusatz-Ausstattung und eine größere Batterie für mehr Reichweite dazu, kann er natürlich auch mehr kosten.

Schade: Kunden können nicht von der Prämie für Elektroautos in Deutschland profitieren. Quads und Leichtbaufahrzeuge wie Renault Twizy , Twike oder eben der Microlino sind nämlich vom Förderprogramm ausgenommen. Verstehen muß man das nicht …

Technische Daten: Microlino

  • Preis: ca. 12.000 Euro mit Batterie
  • Leistung: 15 kW (20 PS, Drehmoment max. 110 Nm)
  • Akkukapazität: 8 kWh (Extended 14.4 kWh, ca. 3000 Euro Aufpreis)
  • Ladezeit (0-80%): 1 Stunde (Ladesäule) bis 4 Stunden (Haushaltsstecker)
  • Reichweite (NEFZ, vorläufig): ca. 125 Kilometer (Extended 200 km)
  • Länge x Breite x Höhe: 2.43m x 1.5m x 1.46 m
  • Kofferraumvolumen: 300 Liter
  • Leergewicht: 513 kg (mit Batterie), 435 kg (ohne)
  • Höchstgeschwindigkeit: 90 km/h (limitiert)
  • Marktstart: ca. ab Q1/2019, Bestellungen sind möglich, Schweizer Kunden werden bevorzugt
  • Infos: www.micro-mobility.com

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(28) Kommentare

  1. Nachtrag II:
    Einen Airbag kann ich in diesem Fahrzeug nicht erblicken!
    Kein Zwang zu eine Crash-Test (so die Auskunft des Herstellers), keine Airbags und die Einstiegs-Tür im Frontbereich, wo sie bei einem Frontal-Aufprall blockiert wird und dadurch die Rettung der Insassen erschwert ist – so ein Fahrzeug ist zum Kauf wohl kaum zu empfehlen!
    Und ob die gepriesene Umwelt-Billanz tatsächlich so gut aussieht wie beschrieben, muß sich auch erst noch zeigen.

  2. Es bringt nichts, die gleiche Autodenke abzuspulen und zu sagen, der hat aber diese und jene Sicherheitsfeatures nicht.
    Der TWIZY und auch der Microlino ersetzen einen Motorroller oder ein Motorrad. Diese haben i.d.R. keinen (!) passiven Sicherheitsschutz. Niemand kommt aber bei diesen Fahrzeugen auf die Idee zu schreiben … was ist mit dem crash Test, wo ist der aiirbag, wo ist die Tür … ?

  3. Im Gegensatz zu Motorrädern handelt es sich hier um geschlossene Fahrzeuge, wo die Insassen fest an das Fahrzeug gebunden sind.
    Da muß zu deren Sicherheit ein Optimum an passiver Sicherheit her.
    Hier sind ganz klar die Hersteller in der Pflicht, das zu bieten!
    Das Kleinstwagen eine hohe Insassensicherheit bieten können, zeigt z.B. der Smart oder der Toyota iQ.
    Und was den konkreten Fall betrifft:
    Bei einem geschlossenen Fahrzeug die einzige Zugangs-Tür in den Front-Aufprallbereich zu legen – das ist schlicht dilettantisch !
    Wie soll im Fall eines Frontaufpralls die Entfluchtung des Fahrzeugs geschehen, wenn die Tür beschädigt und der einzige Zugang dadurch blockiert ist? Wegen einem Aufprall von vielleicht 10 oder 20 km/h der sonst mit einem Blechschaden ablaufen würde das Dach aufschneiden?
    Überlegt doch mal selbst, wie hirnrissig das ist !

  4. Ich verstehe nicht, wie „Konstrukteure“ oder Designer ein solches Konzept in Erwägung ziehen können.
    Die Vergangenheit hat doch gezeigt, das die BMW Isetta eine Todesfalle war.
    Im Gegensatz zum Quad oder Motorrad, gibt es kein entkommen, sollte man eingeklemmt sein und es brennt oder ist schwer verletzt.
    Wer einem solchen Fahrzeug die Zulassung zum Straßenverkehr ausstellt, gehört wegen gefährlichem Unwissen eingesperrt.

  5. Genau so sehe ich das auch – ich wollte es nur nicht so drastisch ausdrücken.
    Aber dieser Elefanten-Rollschuh ist ja öko – da muß er unbedingt gut sein.
    Um jeden Preis – selbst um den Preis der Preisgabe.

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