Verursachen Wälder durch Brände mehr CO2, als sie aufnehmen können?

Waldbrände in USA und Amazonas: Negative Bilanz in der CO2-Kompensation
Foto: CCO Public Domain / Pixabay – Manfred Richter

Die Nachrichten zu Waldbränden auf der Welt häufen sich. In den USA brennen derzeit Wälder, die unter anderem zur CO2-Kompensation gepflanzt wurden – aber jetzt bewirken sie genau das Gegenteil. Experte Lorenz Klein von Wisenberg verrät uns, wie es mit der Waldbrandgefahr in Deutschland aussieht.

In den USA, Griechenland, Italien, Russland und Brasilien stehen zurzeit Wälder in Brand und emittieren große Mengen Kohlenstoff, die während des Wachstums der Bäume aus der Atmosphäre entzogen wurden. Diese Wälder stehen nun als Kohlestoffsenke nicht mehr zur Verfügung.

Wie das Magazin politico.com berichtet haben die Waldbrände in Oregon und Washington verheerende Folgen. Denn dort brennen Wälder, die zur Kompensation von CO2 angelegt wurden. Erst im Februar hatte beispielsweise Microsoft für den Wald bezahlt, um eine Viertelmillion Tonnen der CO2-Emissionen des Unternehmen im Jahr 2021 auszugleichen.

Verbrannter Wald kann kein CO2 mehr binden

Projekte, die CO2 kompensieren sollen, gibt es immer mehr. Dabei handelt es sich oft um Organisationen, die fürs Klima Bäume pflanzen. Diese entziehen der Luft durch Photosynthese CO2 und gewinnen aus dem Klimagas mit Wasser und unter Lichteinfluss frischen Sauerstoff. Wenn Bäume aber verbrennen oder verfaulen, dann setzen sie das zuvor gespeicherte CO2 wieder frei. Beim Fäulnisvorgang werden zusätzlich die Gase Methan und Lachgas freigesetzt.

Die Landbesitzer:innen der Wälder in den USA, die von den Bränden betroffen sind, verpflichten sich dazu, ihre Wälder gesund zu halten, damit die Bäume den Kohlenstoff für mindestens 100 Jahre speichern können.

Eigentlich sollten die Bäume CO2 kompensieren. Wenn sie aber nun verbrennen, kann der Wald logischerweise kein CO2 mehr aufnehmen und nicht dazu beitragen, die Klimaziele der USA zu erreichen.

Aufforstung zur Kompensation sinnvoll?

Wenn Waldbrände zunehmen, macht es dann überhaupt Sinn, Bäume zum Zwecke des KLimaschutzes zu pflanzen? Experten wie Forstberater Lorenz Klein von Wisenberg stehen solchen Aufforstungen durchaus positiv gegenüber – aber auch mit gehobenen Zeigefinger. Denn „mit der Erstaufforstung ist es nicht getan, da die Kulturen und später die Waldbestände auch gepflegt werden müssen“, so Klein von Wisenberg. „Um auch die bestmögliche Multifunktionalität je nach Ausstattung der Wälder nachhaltig zu entfalten“.

Mittlerweile ist es auch wissenschaftlich genau belegt, in welchem Maße Aufforstung zum Klimaschutz beitragen kann.
Mittlerweile ist es auch wissenschaftlich genau belegt, in welchem Maße Aufforstung zum Klimaschutz beitragen kann. (Foto: CC0 / Pixabay / jplenio)

Wälder, so Klein von Wisenberg, bieten der Gesellschaft ökonomische, ökologische und soziale Funktionen. Ökonomisch, weil Holz ein wichtiger Rohstoff für Baumaterialen und Holzwerkstoffe ist und somit Arbeitsplätze im ländlichen Raum entstehen. Ökologisch, weil nachhaltig bewirtschafte Wälder die höchste Artenvielfalt bieten, eine Versteppung verhindern, Wasser speichern und reinigen und für saubere Luft sorgen sowie Lärm mindern. Sozial, weil nur ein intakter Wald dem Menschen Schutz und Erholung bietet sowie als Kulturgut dient.

Für Klein von Wisenberg sind nachhaltig bewirtschaftete Wälder effizienter als stillgelegte. Denn ein stillgelegter Wald kann je nach Strukturvielfalt und Zerfallsphase ein Emittent oder C02 neutral sein oder auch maximal nur 1,1 Tonnen CO2 pro Hektar kompensieren, während ein nachhaltig bewirtschafteter Wald in Deutschland grundsätzlich im Durchschnitt jährlich 8 Tonnen CO2 pro Hektar der Atmosphäre entziehen würde.

Das bedeutet kurz gesagt: Ein nachhaltig bewirtschafteter Wald kann mehr CO2 aufnehmen als ein stillgelegter Wald.

Auch der Amazonas setzt mehr CO2 frei, als er aufnimmt

Waldbrände im Amazonas sorgen dafür, dass immer weniger Fläche vorhanden ist, die CO2 speichern kann. Wie das Onlinemagazin geo.de berichtet, werden Teile des Amazonas durch illegale Brandrodung zerstört.

Zusätzlich wird bei einem Waldbrand wie dem im Amazonas auf einen Schlag das komplette CO2 freigesetzt, dass die Bäume vorher aufgenommen haben. In diesem Zeitraum setzt der betroffene Wald also mehr CO2 frei, als er in dieser Zeit aufnehmen kann.

Konkret bedeutet das: Zwischen 2010 und 2019 hat der Regenwald 16,6 Milliarden Tonnen CO2 in die Umwelt abgegeben, nahm aber nur rund 13,9 Tonnen auf. Das ergab eine Studie vom französischen nationalen Institut für Agronomieforschung. Die Wissenschaftler:innen berufen sich auf Satellitendaten, die die Biomasse im Regenwald sowie die Abholzung dokumentieren.

Waldbrände in Deutschland: Das können wir tun

Forstberater Lorenz Freiherr Klein von Wisenberg erklärt, dass „der Klimawandel mit langanhaltenden Trockenperioden auch in unseren gemäßigten Breiten Waldbrände begünstigt“. Nadelwälder seien zudem anfälliger als Misch- oder Laubwälder, da sie zu einem trockenen Innenklima neigen und sich dort zusätzlich trockenes Astmaterial ansammelt.

Waldbrände können durch verschiedene Arten entstehen, wie zum Beispiel Blitzeinschläge, weggeworfene Zigaretten und Brandstiftung.
Waldbrände können durch verschiedene Arten entstehen, wie zum Beispiel Blitzeinschläge, weggeworfene Zigaretten und Brandstiftung. (Foto: CCO Public Domain / Pixabay - Gerd Altmann)

Waldbrände können entstehen durch:

  • Blitzeinschläge
  • Weggeworfene Zigaretten
  • Wildes Feuer im Wald
  • Heißen Auspuff über trockenem Gras
  • Funkenflug beim Bremsvorgang des Bahnverkehrs
  • Brandstiftung

Um Waldbrände in Deutschland zu verhindern, brauchen wir eine „nachhaltige und kluge Bewirtschaftung von Wäldern“, so Klein von Wisenberg. Das heißt: „Es sollten mehr Nadel-Laubmischwälder angebaut werden. Der Totholzanteil speziell in trockenen Nadelwäldern sollte geringgehalten werden. Und um eine grüne Bodenflora als schwer brennbare Bodendeckung zu erhalten, sollten die Jung- und Altbestände stärker durchforstet werden. Aber auch die Bevölkerung sollte über die Waldbrandgefahren stärker aufgeklärt werden.“

Hier ein paar Hinweise, wie wir uns am besten im Wald verhalten:

  • Das gesetzliche Rauchverbot im Wald einhalten
  • Keinen Müll oder Zigaretten wegwerfen
  • Keine Fahrzeige mit heißem Auspuff am Waldrand oder im Wald auf trockenem Gras zu parken
  • Im Wald nicht wild campen

Außerdem bräuchten wir laut Klein von Wisenberg in Zukunft eine stringente Waldüberwachung, eine gute Erschließung der Wälder und vernünftige Konzepte, um Waldbrände zu bekämpfen.

Utopia meint: Die globale Erwärmung begünstigt das Ausbreiten von Feuern und erschwert es, die Brände zu löschen. Im Pariser Klimaabkommen wurde festgelegt, dass sich die Erde nur um 1,5 Grad Celsius erwärmen darf. Momentan bewegt sich die Erde eher auf eine Erwärmung von über drei Grad zu. Daher ist Klimaschutz enorm wichtig und nur durch ihn können wir verhindern, dass die Zukunft noch viel schlimmer wird.

Hier findest du weitere Tipps dazu, was du für den Klimaschutz tun kannst:

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