Was ist nachhaltiger: Kleidung aus Wolle oder Synthetik?

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Foto: Colourbox/ 1014, CC0 Public Domain – Unsplash/ tanya trukyr

Synthetische Fasern basieren nicht auf tierischen Produkten, können aber Mikroplastik verursachen. Die Naturfaser Wolle gerät wegen Praktiken wie Mulesing immer wieder in die Kritik. Was ist da nachhaltiger?

Fasern wie Polyester, Polyacryl, Nylon, Elasthan oder Acetat (Kunstseide) sind günstig und deshalb bei Kleidung sehr verbreitet. Sie kommen sowohl bei Alltagskleidung als auch bei Sport- und Outdoortextilien und Bademode zum Einsatz – teils auch als Mix mit einer Naturfaser wie Wolle. Dazu sind sie vielseitig: Es gibt kühlende, wärmende und elastische Kunstfasern, die sich alle leicht reinigen lassen und formstabil sind.

Doch für die vielen Vorteile von Synthetik gib es ebenso schwerwiegende Nachteile: So basieren die Fasern auf der endlichen Ressource Erdöl, für deren Förderung Natur zerstört sowie Tiere und Menschen vertrieben werden.

Dazu verursachen Kunstfasern beim Waschen Mikroplastik. Die genaue Menge ist unbekannt, Schätzungen reichen von 3.000 bis 700.000 Fasern pro Waschgang. In Wasserorganismen können sie unter anderem innere Schäden verursachen. Weitere Auswirkungen von Mikroplastik, auch auf den Menschen, sind immer noch unzureichend erforscht.

Die Vorteile und Nachteile von Wolle

Deshalb greifen viele zu Naturfasern wie Wolle. Diese besteht aus einem natürlichen Rohstoff, ist teils selbstreinigend und wasserabweisend und kann Träger:innen wärmen oder kühl halten – je nach Außentemperatur. Das macht sie zu einem sehr beliebten Material: Jährlich produzieren mehr als eine Milliarde Schafe weltweit mehr als eine Million Kilogramm Wolle. Außerdem werden auch Haare von anderen Tieren zu Wolle verarbeitet zum Beispiel Kamel, Yak, Alpaka und Kaschmirziegen.

Allerdings ist das Material teurer und dadurch viel weniger verbreitet wie Kunstfasern: 2018 handelte es sich bei 70 Prozent der hergestellten Fasern um Kunststofffasern, Wolle machte weniger als zwei Prozent aus. Außerdem steht auch Wolle immer wieder in der Kritik: Verdeckte Videos von Tierschutzorganisationen zeigen teils brutale Schurpraktiken und Verstümmelung durch Mulesing. Wolle stammt zudem oft aus Australien und Neuseeland, muss also über weite Strecken zu uns transportiert werden.

Als tierisches Produkt geht Wolle außerdem mit Methan-Emissionen einher, was sich auf den CO2-Fußabdruck auswirkt. Dieser soll laut Forscher:innen vom Massachusetts Insitute of Technology doppelt so hoch wie der von Kunstfasern sein. Dazu wird Wolle häufig mit Chemikalien behandelt, um mit den Materialeigenschaften von Synthetik mithalten zu können.

Und nun? Klar gibt es auch andere natürliche Fasern wie Baumwolle, auf die man ausweichen könnte – aber auch diese haben Nachteile; zum Beispiel einen hohen Wasserverbrauch.

Was also kaufen – Kleidung aus Wolle oder Synthetik? Was ist nachhaltiger?

Achte darauf, dass die Wolle aus Betrieben stammt, die Schafen artgerechte Bedingungen schaffen.
Wolle ist eine Naturfaser – aber ist sie deshalb nachhaltiger als Synthetik? (Foto: CC0 Public Domain/ Pixabay – Uschi_Du)

Was kaufen: Wolle oder Synthetik?

Wie so oft lässt sich diese Frage nicht pauschal beantworten, denn: Neben dem Material selbst beeinflussen viele weitere Faktoren die Ökobilanz eines Kleidungsstückes, zum Beispiel:

  1. Woher stammt das Material und wie wurde es gewonnen? Wird in dem Ursprungsland zum Beispiel auf Arbeitsschutz geachtet?
  2. Wie weit wurden die Materialien transportiert? Basieren die Fasern zum Beispiel auf Bambus aus China oder auf Buche aus Deutschland?
  3. Wie wurde die Faser behandelt? Laut Greenpeace kommt ein Textil während des Herstellungsprozesses mit bis zu 3.000 verschiedenen Chemikalien in Berührung.
  4. Wurde die Faser aus Abfallprodukten gewonnen? Besteht sie zum Beispiel aus Ozeanplastik oder Reißwolle?
  5. Wie lange kann ich das Kleidungsstück tragen? Und lässt es sich leicht entsorgen?
  6. Ist das Produkt neu oder gebraucht? Stammt es zum Beispiel von einem Flohmarkt, einer Kleidertauschparty oder einem Online-Shop für Gebrauchtes?

Naturfasern sind meist besser

Gebraucht Kleidung Second Hand Verkauf
Besonders nachhaltig: Second-Hand-Mode kaufen. (Foto: CC0 / Pixabay / StockSnap)

Bei allen Fasern gibt es also große Unterschiede in der Ökobilanz. Das heißt aber nicht, dass es keinen Unterschied macht, was du kaufst. Viola Wohlgemuth, Textilexpertin bei Greenpeace, rät prinzipiell zu Naturfasern, da diese keinen Mikroplastikabrieb verursachen. Wir von Utopia schließen uns dieser Empfehlung an.  

Doch deshalb sind Textilien aus Naturfasern wie Wolle, Baumwolle oder Leinen nicht bedingungslos empfehlenswert: „Nur weil eine Faser aus einem Naturprodukt hergestellt wird, heißt das nicht, dass sie biologisch abbaubar ist“, mahnt Wohlgemuth im Gespräch mit Utopia.

Reine Wolle zersetzt sich zum Beispiel in der Natur, nicht aber Gewebe, in denen zum Beispiel Wollfasern mit Synthetik gemischt wurden. Auch über langlebige Chemikalien, die über die Textilien in die Umwelt gelangen, sagt die Faser an sich nichts aus. 

Synthetische Stoffe wie Polyester und synthetische Fasergemische sind in der Regel nicht biologisch abbaubar. Besser sollen halbsynthetische Stoffe wie Viskose, Modal oder Lyocell (Tencel) sein. Diese basieren nicht auf fossilen Rohstoffen, sondern auf Zellulose von Pflanzen. Sie werden zwar ebenfalls unter Einsatz von Chemikalien verarbeitet, sollen aber leichter und schneller biologisch abbaubar sein.

Doch auch hier muss man aufpassen: Wohlgemuth empfiehlt idealerweise halbsynthetische Stoffe, die als „kompostierbar“ ausgewiesen sind. Beim Erkennen hilft zum Beispiel das Zertifikat Cradle-to-Cradle. Der Begriff ist nämlich strenger definiert als „biologisch abbaubar“: Unter anderem müssen sich die Stoffe in einem bestimmten Zeitraum selbst zersetzen. Wohlgemuth betont aber, jedes noch so grüne neue Kleidungsstück verbraucht viele Ressourcen in der Herstellung. Deshalb ist das nachhaltigste Kleidungsstück immer das, das nicht neu hergestellt werden muss.  

Genau so wichtig ist, dass du die Kleidungsstücke lange nutzt. Wenn du zum Beispiel ein tier- und umweltfreundlich produziertes Wollshirt nicht trägst und nach einem halben Jahr wieder aussortierst, weil es dir zu kratzig oder warm ist, wäre ein kühleres, veganes Shirt aus einer kompostierbaren Faser in diesem Fall die klügere Entscheidung gewesen.

Wie du bessere Produkte erkennst

Bei Wolle kannst du auf folgendes achten:

  • Reine Wollfasern: Wir raten unbedingt zu Kleidung aus reinen, unbehandelten Wollfasern, nicht zu Mischprodukten mit Kunstfasern.
  • Recycling: Manche Labels arbeiten mit Secondhand-Wolle (z.B. Reißwolle), was Emissionen spart.
  • Tierwohl: Wollprodukte aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT), mit GOTS– oder IVNZertifizierung sind grundsätzlich mulesingfrei. Die Wolle stammt außerdem garantiert von Tieren, die gemäß den Richtlinien für ökologischen Landbau gehalten wurden und unter anderem Zugang zu Weideflächen hatten. Auch das Siegel Responsible Wool Standard (RWS) verbietet Mulesing und andere tierquälerische Praktiken.
  • Richtig pflegen: Beachte die Waschhinweise deiner Wollkleidung! Wolle lässt sich oft nur per Handwäsche waschen.

Mehr Informationen: Nachhaltige Wolle: Das musst du wissen

Beachte bei Kunstfaser:

  • Meiden oder genau hinschauen: Synthetik geht mit vielen Umweltschäden einher. Kaufe deshalb nur kompostierbare, halbsynthetische Stoffe.
  • Auch andere Siegel beachten: Checke neben der Faser selbst auch, ob der Stoff oder das Kleidungsstück Siegel für Kleidung ohne Gift trägt, zum Beispiel IVN BestGOTS, Made in Green von Oeko-Tex.
  • Richtig waschen: Wenn du Kleidung aus synthetischen Fasern besitzt, kannst du diese in einem Waschbeutel von Guppyfriend waschen. Dieser verhindert, dass der Mikroplastikabrieb aus deiner Wäsche ins Abwasser gelangt.

Mehr Informationen findest du in unseren Artikeln zu Polyester, Polyacryl, Polyamid, Elasthan, Acetat, Viskose, Modal und Tencel.

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