Next Economy Award: vier spannende Finalisten

NEA 2018
Foto: Sirplus / NEA / Shift [m]

An grünen Gründern fehlt es nicht: 178 Start-ups haben sich für den Next Economy Award beworben, der heute am 7. Dezember 2018 im Rahmen des Deutschen Nachhaltigkeitspreises in Düsseldorf zum vierten Mal verliehen wird.

Wir können entweder warten, bis die Regierungen Nägel mit Köpfen machen und schon längst fällige Gesetzesänderungen verabschieden, um dem Wort Nachhaltigkeit ein bisschen mehr Substanz zu verleihen. Oder wir unternehmen als Bürger etwas.

Next Economy Award: nachhaltige Innovationen

Bewusster zu konsumieren ist dabei eine Möglichkeit – nachhaltige Geschäftsideen mit wirtschaftlicher Erfolgsperspektive zu verwirklichen eine andere. Insgesamt neun Finalisten stellten am 7. Dezember 2018 ihre Geschäftsmodelle innerhalb 60 Sekunden in einem „Elevator-Pitch“ vor.

Vier spannende Finalisten des Next Economy Award haben wir für dich mal genauer unter die Lupe genommen.

Bio-Lutions will Plastikmüll ein Ende setzen

Vom Erdöl werden wir in nicht so weit entfernter Zukunft zu wenig haben und Plastikberge haben wir jetzt schon viel zu viel. Warum also nicht Verpackungen und Einweggeschirr ausschließlich aus Pflanzenresten herstellen, dachte sich Eduardo Gordillo – Gründer und CEO des Hamburger Start-ups Bio-Lutions. Die Augen geöffnet habe ihm Werner Bootes Dokumentarfilm „Plastic Planet“.

Egal ob Tomatenpflanzen, Bananenstämme oder Ananassträucher – als Rohstoff wird das verwendet, was die Agrarproduktion lokal hergibt. Insofern ist dieses patentierte Upcycling-Verfahren überall auf der Welt anwendbar und somit ökonomisch und ökologisch nachhaltig. Die Produkte sind zu 100 Prozent kompostierbar oder können CO₂-neutral verbrannt werden.

Die Produktion kommt ganz ohne Chemikalien und Zusätze aus, der Prozess ist wasser-, und energiesparend und dabei auch noch kostengünstig – ein entscheidender Faktor in der Verpackungsindustrie.

Der technische Aufwand ist gering. Zuerst werden die Pflanzenreste gereinigt und danach durch einen mechanischen Prozess zu selbstbindenden Fasern verarbeitet. So entsteht das Grundmaterial, das anschließend getrocknet, geformt und zugeschnitten wird.

Nach fünf Jahren Entwicklung und vielen Testphasen steht nun die erste Produktionsanlage in Indien. 2019 will das Unternehmen mit seinen biobasierten Verpackungen bereits 1250 Tonnen Plastikmüll vermeiden. In den nächsten Jahren sollen 40 weitere Fabriken weltweit eröffnet und somit mindestens eine Milliarde Plastikprodukte ersetzt werden. Bio-Lutions ist Finalist beim Next Economy Award.

www.bio-lutions.com

Natürliche Hundeleckerlis von EntoNative

Es heißt ja, wir Menschen sollten allein schon deshalb weniger Fleisch essen, weil die industrielle Tierhaltung für 60 Prozent der durch die Landwirtschaft versuchten Emissionen verantwortlich ist. Was ist dann mit den 9,2 Millionen Hunden, die 2017 in Deutschland gemeldet waren?

Sie vegan zu ernähren, halten wenige Besitzer für sinnvoll. Eine innovative und vor allem langfristige Alternative haben sich die jungen EntoNative-Gründerinnen aus Brandenburg einfallen lassen. Inspiriert von ihren Reisen in Asien, wo essbare Insekten eine Selbstverständlichkeit sind, produzieren sie nun in der Nähe von Potsdam Hundesnacks auf Basis essbarer Mehlwürmer.

Während das Thema Insekten als alternative Proteinquelle für Menschen in Deutschland noch nicht ganz in Frage kommt, scheinen Vierbeiner daran großen Gefallen zu finden. Das Start-up will mit seinen innovativen und natürlichen Hundesnacks die bisherigen klassischen Fleischlieferanten ablösen. Da Mehlwürmer erheblich weniger Wasser, Futter und Fläche benötigen, leisten die Unternehmerinnen mit ihrer Geschäftsidee einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele. Die Leckerlis kommen aus eigener, ressourcenschonender Aufzucht und sind dank der hochwertigen Proteine, gesunden Fette und der vielen Vitamine und Mineralstoffe ein Highlight für den Speiseplan eines jeden Hundes.

Die TenePops gibt es in vier Geschmackssorten, die sowohl im Direktvertrieb als auch über den Online-Shop bezogen werden können. EntoNative ist Finalist beim Next Economy Award.

www.tenetrio.de

Shift GmbH baut modulare Mobiltelefone

Wenn bei herkömmlichen Smartphones der Akku den Geist aufgibt, der Speicher voll ist oder der Home Button nicht reagiert, muss meistens ein neues Gerät her. Eine äußerst ärgerliche Angelegenheit, zumal das gefühlt immer öfter vorkommt. Also heißt es wieder tief in die Tasche greifen und nicht nur das: Die Smartphone-Produktion verbraucht viel Energie und endliche Ressourcen. In jedem Handy stecken nämlich wertvolle Rohmaterialen wie Lithium, Zinn, Gold und Tantal.

Wie kann man diesen Teufelsreis durchbrechen? Indem man Smartphones fairer und nachhaltiger herstellt. So war die Idee für das Shiftphone geboren. Bei Shift streben die Gründer längere Produktzyklen an, liefern Ersatzteile und versichern, dass sich die Geräte schnell und einfach nur mit einem Schraubenzieher reparieren lassen.

Das neueste Shiftphone bietet 18 austauschbare Module. Der erweiterbare Speicher sorgt ebenfalls dafür, das Handy länger verwenden zu wollen. Zudem führte das Start-up ein Gerätepfand ein, der für die Kunden einen finanziellen Anreiz darstellt, das Smartphone zurückzugeben, damit die Rohstoffe nachhaltig recycelt werden können. Auf Coltan wird bei der Herstellung verzichtet. Produziert wird in China, wo das Unternehmen eine eigene kleine Fertigungsstätte hat, um faire Arbeitsbedingungen gewährleisten zu können. Shift ist Finalist beim Next Economy Award.

www.shiftphones.com

Shift Shiftphones NEA 2018
Shift beim NEA 2018 (Foto © Utopia / Sibylle Reuter)

Sirplus schafft Food Outletstores gegen Lebensmittelverschwendung

Dass Tonnen an Lebensmittel täglich weggeschmissen werden ist spätestens seit dem Dokumentarfilm „We feed the world“ bekannt. In Deutschland ist es genaugenommen eine LKW-Ladung pro Minute. Trotzdem scheint sich an den Zahlen wenig zu ändern. Ein Umdenken ist dringend notwendig, so Sirplus-Gründer und CEO Raphael Fellmer. Also beschloss das Team des Berliner Impact Start-up überschüssige, gerettete, aber noch bestens genießbare Lebensmittel vergünstigt zu verkaufen.

Meistens handelt sich dabei um Produkte, die nicht der Normen entsprechen, die kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen oder dieses bereits überschritten haben. Von den meisten Supermärkten aussortiert und von der Tafel nicht gebraucht, bekommen sie bei Sirplus eine dritte Chance. Sie werden entweder in einem der Rettermärkte verkauft, über den Onlineshop verschickt oder an gemeinnützige Organisationen und Projekte gespendet.

Um die Lebensmittel in den Kreislauf zurückzuführen kooperiert Sirplus mit mittlerweile 250 Partnern – Händlern, Landwirten, Produzenten oder Onlineshops. Das Ergebnis ist eine Win-win-Situation für die Kunden, die Lebensmittelhersteller und natürlich auch für die Umwelt.

Lebensmittelverschwendung sollte ganzheitlich gelöst werden, sind sich die Berliner grüne Gründer sicher. Um mehr Bewusstsein zu schaffen organisieren sie auch Workshops in Schulen und Unternehmen.

Vier Rettermärkte gibt es in Berlin bereits, in den nächsten Jahren sollen weitere Filialen dazukommen. Das große Ziel dabei: Lebensmittelretten zum Mainstream zu machen. Sirplus ist Finalist beim Next Economy Award.

sirplus.de

Next Economy Award: weitere Nominierungen

Ebenfalls nominiert für den NEA sind folgende Start-ups (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Die gemeinnützige Climb GmbH veranstaltet Lernferien für Grundschulkinder aus einkommensschwachen Familien und für junge Erwachsene.
  • Digital Career Institute gGmbH bildet Geflüchtete und andere Migranten schnell und umfassend in Mangelberufen aus.
  • Intrapore GmbH saniert kontaminiertes Grundwasser mit Nanomaterialien, die gezielt Schadstoffe abbauen.
  • Numaferm GmbH hat ein neues Bioverfahren zur Herstellung von Peptiden entwickelt.
  • Die Social-Bee gGmbH integriert mit ihrem Geschäftsmodell Geflüchtete in den deutschen Arbeitsmarkt und die Gesellschaft.

Weitere Informationen findest du unter www.nexteconomyaward.de.

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(1) Kommentar

  1. Viel Erfolg und hoffentlich gibt es auch bald in Süddeutschland eine „Filiale“. Ihr könnt doch schlecht die Sachen verschicken (wäre ja wieder eine Umweltbelastung) zumal es auch hier genug sogenannten Abfall gibt.

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