3 bittere Wahrheiten aus der Doku „Europas dreckige Ernte“

Foto © ARD / BR Jan Zimmermann

Obst und Gemüse bei Aldi, Edeka, Real und Co. kommt meist aus Spanien oder Italien – und ist häufig extrem billig. Eine aktuelle Doku des Bayerischen Rundfunks zeigt: Den wahren Preis zahlen andere.

Gut gefüllte Regale, niedrige Preise: Die Obst- und Gemüseabteilungen in deutschen Supermärkten sind stets gut gefüllt; Tomaten, Gurken oder Orangen zudem günstig. Doch die billigen Preise sind nur auf Kosten anderer möglich: Auf den Plantagen und Gewächshäusern in Italien oder Spanien herrschen oft katastrophale Arbeitsbedingungen, Arbeiter werden misshandelt und ausgebeutet, die Bauern unter Druck gesetzt.

In der Dokumentation „Europas dreckige Ernte“ decken Reporter diese erschreckenden Zustände auf. Die wichtigsten Erkenntnisse haben wir hier für euch zusammengefasst. Die Dokumentation ist für einige Zeit in der Mediathek abrufbar.

#1 Arbeiter werden systematisch ausgebeutet

Die größte Anbaufläche mit Gewächshäusern der Welt befindet sich im spanischen Almería. Dort ernten über 130.000 Arbeiter Tomaten, Gurken oder Zucchini, die später bei uns im Supermarkt landen.

Den Recherchen der BR-Reporter zufolge erhalten die Arbeiter dort extrem niedrige Löhne: Gerade mal 35 Euro pro Tag zahlen die Landwirte den Erntehelfern. Arbeiter ohne Dokumente bekommen sogar noch weniger – nur 25 Euro Lohn pro Tag. Dabei verstoßen die Landwirte mit den niedrigen Löhnen gegen den Tarifvertrag. Der schreibt vor, dass den Arbeitern eigentlich ein Lohn von fast 47 Euro pro Tag gezahlt werden muss.

Auf Orangen- oder Mandarinenplantagen in Italien ist die Situation kaum besser. Dort erhalten die Feldarbeiter für die Akkordarbeit gerade mal 25 Euro am Tag, je nachdem, wie viele Obstkisten sie voll bekommen. Laut Tarifvertrag müssten sie mindestens doppelt so viel verdienen, der Tariflohn liegt bei 50 Euro.

Auch innerhalb der Gewächshäuser können Neonikotinoide großen Schaden anrichten.
Die Löhne in den Gewächshäusern und auf den Plantagen sind extrem niedrig. (Foto: CC0 / Pixabay / hpgruesen)

Erntehelfer leben in Slums

Weil sich die Arbeiter von diesem Lohn keine Wohnung leisten können, leben sie häufig in Slums, die sich am Rande der Plantagen und Gewächshaus-Flächen befinden. Dort schlafen sie in Zelten und Hütten, die oft aus alten Gewächshaus-Planen und anderem Müll notdürftig zusammengeschustert sind. Die Behausungen sind undicht, es gibt kein fließend Wasser, dafür aber überall Dreck.

Keine Schutzkleidung beim Einsatz von Pestiziden

Neben den Dumpinglöhnen und der unmenschlichen Wohnsituation sind die Arbeiter auch bei der Arbeit selbst katastrophalen Bedingungen ausgesetzt. Arbeiter berichten von Misshandlungen und zeigen Videos, wie sie giftige Pestizide ohne Schutzbekleidung anbringen.

Der Bio-Anbau ist leider keine Ausnahme: Ein Arbeiter des Bio-Betriebs „Bio-Sabor“ berichtet den Reportern, wie er ohne Schutzkleidung Schwefel spritzen musste – das Pestizid darf bei Obst und Gemüse mit EU-Bio-Siegel verwendet werden. Weitere Arbeiter, die für den Betrieb tätig sind, klagen zudem über nicht bezahlte Überstunden und eine verweigerte Festanstellung. In Deutschland findet man die Bio-Ware von Bio-Sabor zum Beispiel bei Edeka, Rewe, Real und Penny.

Einsatz von Pestiziden
Viele Landwirte missachten den Arbeitsschutz. (Foto: CC0 / Pixabay / wuzefe)

#2 Die Ausbeutung wird von der EU finanziert

Die EU schüttet jährlich 58 Milliarden Euro an Agrar-Subventionen aus. Davon gehen 70 Prozent als Direktzahlung an die Landwirte. Je größer deren Betrieb, desto mehr Geld erhält der Landwirt.

Auch Landwirte, die gegen Sozialstandards verstoßen, kassieren nach BR-Recherchen millionenschwere EU-Subventionen. Denn bei der Vergabe dieser Subventionen spielen soziale Standards wie Arbeitsrecht und Mindestlöhne keine Rolle.

#3 Deutsche Supermarktketten tragen Mitschuld an der Ausbeutung

Der Handelskonzern Schwarz-Gruppe, zu dem Lidl und Kaufland gehören, Aldi, Edeka und die Rewe Group bestimmen den deutschen Lebensmittelmarkt, sie haben 85 Prozent Marktanteil. Mit ihrer Niedrigpreis-Politik setzen sie Lieferanten massiv unter Druck und zwingen sie, immer billiger zu produzieren.

Die Hilfsorganisation Oxfam bestätigt das: Die Supermarktketten geben Preise, Konditionen und Rabatte vor, die Lieferanten können meist nicht anders, als zustimmen. Das brutale Preisdumping bedroht die Existenz der Landwirte. Die wiederum müssen Wege finden, Geld zu sparen, etwa in dem sie ihre Arbeiter ohne Schutzkleidung arbeiten lassen und ihnen geringe Löhne zahlen.

Die Supermarktketten tragen deshalb eine Mitschuld an der Situation auf den Plantagen.

Supermarkt Obst Gemüse Aldi Lidl Rewe Edeka
Supermärkte tragen Mitschuld an der Situation der Arbeiter. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay)

Das kannst du gegen die Ausbeutung tun

Wenn du die Ausbeutung in den spanischen Gewächshäusern und auf den italienischen Plantagen nicht unterstützen willst, kannst du beim Einkaufen auf ein paar Dinge achten:

  • Kaufe Obst und Gemüse saisonal aus der Region und in Bio-Qualität. In unserem Utopia-Saisonkalender erfährst du, was gerade bei uns wächst. Auf Märkten und in Bio-Läden bekommst du Bio-Waren aus der Region bei denen es unwahrscheinlicher ist, dass sie von dem Preisdumping der großen Supermarktketten betroffen sind.
  • Kaufe Obst und Gemüse mit strengem Bio-Siegel: Bei Bio-Obst und -Gemüse der Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter kannst du dir sicher sein, dass die Waren unter fairen Sozialstandards produziert werden.
  • Kaufe, wenn vorhanden, Obst- und Gemüse mit Fairtrade-Siegel. Auch hier kannst du dir sicher sein, dass die Obst und Gemüse fair gehandelt werden. In unserer Bilderstrecke erfährst du, welche Produkte du auf jeden Fall fair kaufen solltest.
  • Kaufe dein Obst- und Gemüse direkt beim Bauern im Hofladen.

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