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Öko-Test Balsamico: Gute Noten, aber die Hersteller schummeln auf der Zutatenliste

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Öko-Test

Bei hellen Balsamico-Essigen versprechen die Hersteller „Traubenmost“, verwenden aber nur dessen extrahierten Zucker. Echter Traubenmost, so die Produzent:innen, würde den Essig trüb aussehen lassen und Verbraucher:innen abschrecken. Das Magazin Öko-Test, das gerade 20 helle und dunkle Essige ins Labor geschickt hat, kritisiert das als Verbrauchertäuschung. Hier erfährst du, welche Unterschiede zwischen den Balsamico-Sorten bestehen und welche Produkte Öko-Test empfiehlt.

Was ist eigentlich echter Balsamico – und was nicht? Bei Balsamico handelt es sich zunächst um eine bestimmte Essigart. Während Essig grundsätzlich aus allen möglichen Stoffen gewonnen werden kann (Obst, Malz, Reis, Molke u.a.), basiert Balsamico oder Balsamessig auf eingekochtem, vergorenem Traubensaft. Während der Begriff „(Aceto) Balsamico“ von jedem Essig-Hersteller verwendet werden kann, unterliegen bestimmte BalsamicoNamenszusätze besonderen rechtliche Vorgaben.

Heller vs. dunkler Balsamico

So dürfen sich dunkle Balsamicos nur dann „Aceto Balsamico di Modena“ nennen, wenn sie mindestens 20 Prozent konzentrierten Traubenmost enthalten. Ein bestimmter Anteil davon muss über zehn Jahre gereift sein, außerdem sind mindestens zehn Prozent Weinessig vorgeschrieben. Der Essig muss zudem mindestens 60 Tage in Holzfässern reifen. Findet sich die Aufschrift „g. g. A.“ oder „I. G. P.“ auf dem Etikett, wird maßgeblich in den norditalienischen Provinzen Modena oder Reggio Emilia produziert. Nur hier kann man eigentlich von „echtem“ oder „authentischem“ Balsamico sprechen.

Winterportulak kannst du als Salat zubereiten.
Frischer Winterportulak schmeckt beispielsweise hervorragend mit Balsamico-Essig. (Foto: Colourbox.de / Dieter Meyer)

Sogenannter „weißer“ Balsamico hingegen ist eigentlich gar kein echter Balsamessig, sondern eine Würzmischung aus Weißweinessig und Traubenmost bzw. dessen Konzentrat. Im Handel findet sich weißer Balsamico vor allem unter der Bezeichnung „Condimento Bianco“. Seine Herstellung ist viel weniger reglementiert als die von dunklem Balsamico. So ist es beispielsweise erlaubt, hellem Balsamico rektifiziertes Traubenmostkonzentrat – ein hochkonzentrierter Zuckersirup – beizugeben.

Balsamico-Essig bei Öko-Test

Die Zeitschrift Öko-Test hat nun für ihre aktuelle Ausgabe zehn „echte“ dunkle Aceti Balsamici di Modena und zehn helle Condimenti Bianci nicht nur ins Labor geschickt, sondern auch verkosten lassen. Grund zur Sorge besteht erst mal nicht: In keinem der 20 getesteten Produkte, egal welcher Farbe, fand das Labor problematische Inhaltsstoffe.

Unter den dunklen Balsamicos im Test gab es einen klaren Überflieger, was Qualität und Geschmack betraf: Der Giuseppe Cremonini Aceto Balsamico di Modena gereift I.G.P. erhielt als einziger dunkler Balsamico die Bestnote „sehr gut“ von Öko-Test. Der zähflüssige Testsieger überzeugte die Verbraucherschützer:innen nicht nur mit „sehr guten“ Inhaltsstoffen, sondern hatte als Einziger auch eine feine Karamell-Note.

Mit einem Preis von ca. 32 Euro/500 ml war er aber auch der teuerste Balsamico im Test. Eine Empfehlung also als Geschenk oder für anspruchsvolle Geschmäcker, für die tägliche Salatsoße aber wohl zu schade.

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Balsamico-Test: Dunkler Bio-Balsamico ist Preis-Leistungssieger

Ebenfalls „gut“, aber deutlich günstiger, war dafür der Zweitplatzierte Alnatura Aceto Balsamico di Modena g. g. A.: Mit rund 2,70 Euro/500 ml passt er nicht nur in jedes Budget, sondern trägt auch noch ein Bio-Siegel. Die Inhaltsstoffe überzeugten mit „sehr gut“, der Geschmack des dunklen, flüssigen Alnatura-Balsamicos war laut Öko-Test u.a. zugleich sauer, süß, fruchtig und geschmacklich langanhaltend.

Der Alnatura-Essig kann damit als Preis-Leistungssieger unter den „Dunklen“ gelten. Du bekommst das Produkt in jedem Alnatura-Biomarkt und online u.a. bei Rossmann.

Neben dem Testsieger und den „guten“ Produkten erhielten mehrere Aceti Balsamici di Modena noch das Test-Ergebnis „befriedigend“, darunter der Cucina Nobile Aceto Balsamico di Modena I.G.P. von Aldi – mit 0,99 Euro/500 ml eines der billigsten Produkte im Test – sowie der Kühne Aceto Balsamico di Modena I.G.P. (oben im Bild) für rund 2,80 Euro/500 ml.

Weiße Balsamicos überzeugen etwas weniger

Öko-Test sieht dunkle Balsamicos durch die roten Trauben, die darin mitverarbeitet werden, sowie den längeren Reifungsprozess geschmacklich im Vorteil gegenüber hellem Balsamico-Essig. Die Verbraucherschützer:innen bemängelten bei den Condimenti Bianci zudem einen häufigen Etikettenschwindel. So schreiben Hersteller „(konzentrierten) Traubenmost“ auf die Zutatenliste, obwohl nur der isolierte Zucker, der aus dem Traubenmost gewonnen wird, im Produkt steckt. Öko-Test wittert hinter dieser verbreiteten Praxis Verbrauchertäuschung.

Das hatte u.a. zur Folge, dass von den zehn hellen Essigen im Test nur ein Condimento Bianco das Prädikat „sehr gut“ erhielt. Mit dem Prädikat „gut“ noch empfehlenswert war der weiße Bio-Balsamico Rapunzel Condimento Bianco aus Modena (rund 5 Euro/500 ml); die anderen acht weißen Essige waren nur „befriedigend“ oder „ausreichend“, darunter der „befriedigende“ Hengstenberg Condimento Balsamico Bianco (3,29 Euro/500 ml, oben im Bild).

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Balsamico im Test: Erfreulicher Trend

Öko-Test hat dennoch den Eindruck, dass sich die Qualität der Balsamessige in den letzten Jahren verbessert hat. Im Gegensatz zum letzten Balsamico-Test aus dem Jahr 2018 verdächtigte das Labor diesmal nur noch ein Produkt, Fremdzucker beigesetzt zu haben, der nicht aus Trauben stammt. Außerdem waren vor drei Jahren noch neun von 17 Balsamicos mit synthetischem Farbstoff gefärbt, was diesmal bei keinem Essig mehr der Fall war. Das positive Fazit der Warentester:innen: „Verbraucherschutz wirkt.“ (Mitarbeit: L. Wirag)

Alle Details findest du in Ausgabe 07/2021 von Öko-Test sowie online auf www.ökotest.de.

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