Die besten Anbieter für Carsharing: DriveNow, Car2go, Cambio & Co.

Carsharing
Foto: © Czanner - Fotolia.com

Millionen Bundesbürger haben es schon, Verkehrsminister Dobrindt will es nun auch: Carsharing. Utopia über die geplanten Gesetze und über Anbieter wie DriveNow, Car2go, Flinkster, Cambio, Stadtmobile und wie sie funktionieren (privat, organisiert, free floating). 

Zumindest in den Städten ist „Autoteilen“ mehr als nur ein Wunschgedanke: Junge Menschen haben heute weniger Geld als früher, auch als Statussymbol hat das Auto seine frühere Bedeutung verloren (ifmo-Studie). Der öffentliche Nahverkehr ist gut ausgebaut und eine wachsende Zahl von Apps unterstützt seine bedarfsgerechte Nutzung. Mitfahrgelegenheiten ergänzen öffentliche Verkehrsmittel. Elektrofahrräder und Pedelecs sowie Roller und Skateboards sind populär wie nie und werden heute auch ganz oder teilweise für den Weg ins Büro benutzt.

Carsharing ist ein weiterer Baustein in der Weg-von-der-Karre-Strategie. Die kann sicher nicht jeder in seine Lebensumstände einbauen. Dennoch rechnet der zuständige Bundesverband bcs vor, dass bei den rund 150 deutschen Anbietern über 1 Mio. Fahrberechtigte angemeldet waren. Das ist beachtlich. Und: In innenstadtnahen Quartieren besitzen laut bcs-Studie aus dem Jahr 2016 fast 80 Prozent der Kunden kein eigenes Auto mehr.

Dobrindt will Carsharing fördern

Carsharing-Parkschild
Carsharing-Parkschild (Grafik: BMVI)

Mit deutlicher Verspätung ist Carsharing auch in der Politik angekommen. Während man die Industrie jahrelang gewähren ließ, als sie mit Tricks Öko-Autos grün rechnete, ignorierte man das Thema ja weitgehend. Ende August 2016 sieht ein Gesetzesentwurf nun endlich vor, Carsharing-Fahrzeuge zu begünstigen:

  • Ein neues Verkehrsschild soll Carsharing-Parkflächen kennzeichnen.
  • Straßenverkehrsbehörden sollen die Möglichkeit haben, separate Parkflächen für CS-Fahrzeuge auszuweisen.
  • Die Länder sollen Carsharing-Fahrzeuge von Parkgebühren befreien können.
  • Bevorrechtigt werden sollen sowohl stationsgebundene Anbieter wie z. B. Flinkster und Cambio, als auch nicht stationsgebundene Fahrzeuge beispielsweise der Anbieter Car2Go oder DriveNow (siehe unten).
  • Die Vernetzung mit dem öffentlichen Personennahverkehr, Rad- und Fußverkehr soll verbessert werden.
  • Das Gesetz definiert zudem, was unter dem Begriff Carsharingfahrzeug zu verstehen ist und wie diese Fahrzeuge zu kennzeichnen sind.

Stand August 2016: Das neue Gesetz befindet sich in der Anhörung.

Carsharing: Pro & Contra

Pro:
Carsharing spart Geld, weil mehrere Nutzer die Fixkosten tragen. Ein inzwischen starkes Netz an verschiedensten Anbietern garantiert theoretisch, dass immer ein Auto verfügbar ist, auch verschiedene Modelle. Und nachhaltig ist es auch: Je nach Schätzung ersetzt ein gesharter Wagen vier bis sechzehn privat genutzte Autos. Der Fahrzeugbestand von Haushalten, die ein Auto teilen, ist laut einer bcs-Studie im Vorher/Nachher-Vergleich um rund 62 Prozent gesunken.

Contra:
Als oberste Hemmschwelle beim Carsharing gilt die Angst, dass, wenn man mal ein Auto braucht, gerade dann keines zu haben ist. Die Nutzung erscheint zunächst aufwendig und kompliziert, die Anmeldung ist oft kostenpflichtig. Nicht alle können ein geteilten Pkw in ihren normalen Lebensverlauf einbinden. Nicht jeder mag mit fremden Wägen fahren. Und auf dem Land sind Angebote noch selten.

Ein grundsätzlicher Unterschied besteht darin, ob das Auto von privat zu privat oder von Unternehmen organisiert zur Verfügung gestellt wird.

Carsharing privat (P2P)

Beim privaten Carsharing bietet eine Privatperson über Web-Portale das eigene Auto in der lokalen Umgebung an, verleiht es entgeltlich zu bestimmten Zeiten. Der Vermieter senkt durch die Einnahmen seine Haltungskosten, der Mieter zahlt Benzin oder Parkgebühren.

Autonetzer.de

autonetzer.de (neuerdings: „Drivy“) vermittelt tausende von privaten Autos an zahlreichen Standorten in Deutschland. Das Portal richtet sich an Automieter und -vermieter gleichermaßen. Die Registrierung bei autonetzer.de ist kostenlos, Apps gibt es für Android und iPhone. Die Autos werden über die Plattform Vollkasko- und Haftpflicht-versichert. (Die Plattform „Nachbarschaftsauto“ ist inzwischen mit autonetzer.de fusioniert.)

Tamyca.de

tamyca.de bietet mehr oder weniger das gleiche, nämlich das private Mieten und Vermieten von Autos an über 600 Postleitzahlengebieten. Smartphone-Nutzer finden Apps bei Google Play und Apple iTunes. Auch bei Tamyca werden die Autos versichert, Autos unterhalb von 60 kW erhalten günstigere Versicherungskonditionen. Tamyca.de vermittelt auch gewerbliche Autos, etwa von lokalen Händlern.

Carunity

carunity.de organisiert per App privates Carsharing zwischen „CarBietern“ und „CarMietern“ und schlägt dabei eine Brücke zum sozialen Netzwerk Facebook.

Liste: das beste private Carsharing

Organisiertes Carsharing

Organisierte Carsharing-Anbieter unterhalten eigene Fuhrparks mit verschiedenen Fahrzeugmodellen. Sie sind überwiegend gewerblich unterwegs, doch es gibt auch Organisationen ohne kommerzielles Interesse, etwa Vereine. Die großen kommerziellen Anbieter bieten naturgemäß professionellere Buchungssysteme und Apps, die kleinen punkten mit Charme und Individualität. Wichtige Anlaufstelle ist die Website des Bundesverbandes CarSharing: Dort finden Sie eine Mitgliederliste und eine gut nutzbaren Landkarte von Auto-Standorten und Geschäftsstellen.

Stationsgebundenes Carsharing

Beim ortsgebundenen Carsharing (bundesweit etwa 9000 Fahrzeuge an 490 Städten und Gemeinden) stehen die mietbaren Autos stets an ganz bestimmten Abholstationen und müssen an diese auch wieder zurückgebracht werden. Damit einher geht bei dieser sehr klassischen Carsharing-Variante die Notwendigkeit, die Kraftfahrzeuge im Voraus zu buchen. Erstaunlicherweise gibt es kaum wirklich bundesweite Anbieter für stationsgebundenes Carsharing, doch über Partner wird man fast immer fündig.

Flinkster

Flinkster: Beim beachtlich flächendeckenden Carsharing-Angebot der Deutschen Bahn (früher DB Carsharing) wählen Sie zwischen verschiedenen deutschen Städten und Fahrzeugklassen von Klein bis Transporter. Der Preis wird bei Flinkster stündlich berechnet, darüber hinaus gibt es diverse Tarife mit und ohne Grundgebühr. Mit Bahncard entfällt die Anmeldung für den grundgebührlosen bundesweiten Tarif. Naturgemäß stehen bei Flinkster viele Autos an Bahnhöfen.

Cambio

Cambio: Nicht ganz flächendeckend, aber mit 200 Städten immer noch gut abdeckend ist das vor allem in Norddeutschland starke Angebot von Cambio. Auch hier lassen sich verschiedenen Größenklassen wählen. Der Tarif sieht eine Grundgebühr vor (meist monatlich 10 Euro) und ist abhängig von der gewählten Stadt.

Stadtmobil

Stadtmobil: Der Carsharing-Verbund bietet in 180 Städten in den Regionen rund um Berlin, Hannover, Karlsruhe, Stuttgart, Trier und einigen Rhein-Gebieten eine sehr umfangreiche Palette von Fahrzeugen. Autos gibt’s dabei sowohl stationsgebunden als auch Free Floating (siehe unten).

Liste: die besten Carsharing-Anbieter

Elektroautos finden Sie übrigens sowohl bei Flinkster als auch bei Cambio und auch bei einigen anderen, was teils über Partner abgewickelt wird.

Free Floating Carsharing

Beim stationsunabhängigen Carsharing (bundesweit etwa 6.400 Fahrzeuge an 13 Städten und Gemeinden) gibt es keine Abholstationen für die Autos. Vorteil beim „Free Floating Carsharing“: Sie mieten das Autos ganz spontan, finden es im Idealfall in der näheren Umgebung vor und stellen es nach der Fahrt einfach auf öffentlich zugänglichen Parkplätzen wieder ab.

Car2go

Car2go: Dieser Dienst wird von Mercedes-Benz-Hersteller Daimler betrieben, entsprechend sind die meisten Autos hier Smarts. Mit einer Smartphone-App findet man Autos in seiner Nähe, reserviert sie und öffnet sie auch. Die Anmeldung ist bei Car2go kostenpflichtig, Grundgebühr gibt es keine. Viele bemängeln den Preis: Abgerechnet wird nach Minuten, Stunden (14,90 Euro) oder Tagen (59 Euro).

DriveNow

DriveNow: Bei diesem Dienst für Free Floating Carsharing kooperieren Autohersteller BMW und der klassische Autoverleiher Sixt. Also Autos gibt es zahlreiche „Mini“-Modelle, aber auch BMWs, darunter auch elektrische (BMW i3 ist geplant). Auch bucht man alles mit einer einfachen App, und die kann man auch in Wien oder London nutzen. Die Abrechnung erfolgt im Minutentakt, aber es gibt auch Stundenpakete, zum Beispiel 29 Euro für 3 Stunden.

Multicity

Multicity: Auch Citröen hat einen Carsharing-Dienst am Start. Gerne würde man das Free-Float-Angebot Multicity empfehlen – weil es nämlich auf Elektro-Autos und Ökostrom setzt. Umso bedauerlicher, dass Multicity derzeit ausschließlich im Raum Berlin verfügbar ist. Dort zahlt man Minutenpreise und einen Tageshöchstpreis von 39 Euro.

Liste: die besten Carsharing-Anbieter

Wie man sieht, stehen hinter Free Floating Carsharing oft namhafte Automobilhersteller. Sie sehen in Carsharing-Konzepte verschiedene Chancen: Zum einen gewinnen sie, weil gemietete Autos wenigstens zum Teil gekaufte Autos ersetzen – wer also nicht auch welche vermietet, wird am Ende ganz leer ausgehen. Zum anderen bietet sich so die Möglichkeit, neue Wagen unters Volk zu bringen und darauf zu hoffen, dass der eine oder andere auf den Geschmack (eines BMWs) kommt.

Carsharing in Zahlen

Zugang hat inzwischen fast die Hälfte der Bevölkerung: Der Bundesverband CarSharing gibt an, dass 36,4 Millionen Einwohner über 490 Orte Zugang zu stationsgebundenem, 9,8 Millionen Einwohner über 13 Orte Zugang zu „free floating“ Carsharing haben. Zum Jahresbeginn 2016 waren laut Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur 1.260.000 Carsharingkunden registriert, die sich 16.100 Fahrzeugen shareten. Statistisch benutzen damit zirka 78 Fahrberechtigte gemeinsam ein Fahrzeug. In 537 deutschen Städten und Gemeinden gab es laut BMVI stationsbasierte Carsharinganbieter mit 430.000 Fahrberechtigten. In 12 Städten und Gemeinden gab es stationsunabhängige Carsharinganbieter mit reinen free-floating Angeboten sowie zusätzlich in vier Städten und in der Rhein-Main-Region mit free-floating Fahrzeugen in kombinierten Angeboten mit insgesamt 830.000 Fahrberechtigten.

Kurz: An Angeboten fehlt es nicht.

Fazit

Es lohnt sich, sich mit dem Thema Carsharing auf die eine oder andere Weise auseinanderzusetzen. Anbieter wie DriveNow, Car2go, Flinkster, Cambio, Stadtmobile und andere machen es uns heute leichter denn je. Und dank Apps ist total auch einfach, verfügbare Autos zu finden.

Severin Zeilbeck & Andreas Winterer

Weiterlesen auf Utopia.de:

Passende Bestenlisten:

Schlagwörter: , , , ,

(5) Kommentare

  1. Tja – die schöne gute Welt des Teilens …
    Sicher ist, dass mit Carsharing mehr Autos auf den Markt kommen – weil sich Leute, die sonst kein Auto hätten eben das Autofahren leisten. Sobald diese Sharing-Konzepte kommerzialisiert sind, folgen sie wirtschaftlichen Interessen und nicht mehr den nachhaltigsten Überzeugungen. Es verleitet eher Leute zum Autofahren, die sonst nicht fahren würden. Die wenigsten Nutzer die ich kenne, schaffen ihr eigenes Auto ab, um Car- sharing zu nutzen. Ich selbst bin Car Sharing Nutzer und profitiere von diesem Dienst seit 10 Jahren – aber es ist mit Vorsicht zu genießen. Manchmal wird es sogar bei uns die günstige Alternative zu den überteuerten Öffis – und das darf nicht sein.

    • Diese These wäre demnach, Carsharing würde Menschen zum Autofahren verführen, Das wird ja durchaus diskutiert, etwa hier („Das Fazit des Bundesverbands CarSharing ist deshalb: Die jetzt vorgelegte Studie eignet sich nicht als Grundlage für eine Debatte über das Verhältnis von CarSharing und öffentlichem Nahverkehr.“) oder hier („Langfristige Auswirkungen können bisher nicht belegt, höchstens antizipiert werden.“).

      Die Frage wird am Ende sein, ob die Zahl derer, die (Share-) Auto fahren, obwohl sie kein normales Auto fahren würden, im gleichen Maße zunimmt wie die Zahl derer, die bereit sind, ihr Auto abzuschaffen, weil sie erkennen, dass ein zielgerichtet genutzter Mix aus Carsharing und ÖPNV ihre Mobilitätsbedürfnisse stillen kann. Und ich denke, für diese Rechnung ist die Zeit noch zu früh.

  2. Für die Aussage „Manchmal wird es sogar bei uns die günstige Alternative zu den überteuerten Öffis“ hätte ich gerne ein belastbares Beispiel.
    Ich kenne erstens tatsächlich die ersten zwei Familien in Berlin, die das eigene Auto abgeschafft haben. Die nutzen Autonetzer, Car2Go und Drivenow.
    Zweitens sind die Carsharing-Angebote auch dann ein Segen, wenn überhaupt garniemand auf die Anschaffung eines eigenen Autos verzichtet. Sie sind eine praktische, bezahlbare Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr, keine Konkurrenz – vor allem keine billigere.
    Mein persönliches Beispiel: Ich wohne ein Stück außerhalb von Hamburg. Bevor es die Carsharing-Angebote gab, bin ich gelegentlich mit dem eigenen Auto in die Stadt ins Büro gefahren, weil ich irgendwann am Tag noch eine Strecke zurücklegen musste, die mit den Öffentlichen sehr unpraktisch und zeitaufwendig wäre. Das mache ich heute nicht mehr.

  3. Ein belastbares Bsp. wäre: meinen Sohn in den Kindergarten mit dem Bus zu bringen
    (normal geht das mit dem Fahhrad, aber manchmal hagelt es Katzen 🙂
    * Fahrradkosten gehen gegen 0 (ca. 200 € jährlich in alle Reparaturen usw)
    * Carsharing: 2 € (1 h) + 1,30 € für 5 km = 3,30 €
    Jahresgebühr Carsharing liegt bei 60 € schwer miteinrechenbar
    alles inkl. Mwst

    * Öffentl. Nahverkehr
    2* Busticket Erwachsene /(Sammelticket 2,12 pro Fahrt) in MZ= 4,24
    1* Kinder 1,32
    =5,56 €
    Preise Mainzer Verkehrsgesellschaft
    und Book-n-drive

    Mit dem Bus brauchen wir pro Fahrt ohne Warten 24 Min
    Mit dem Auto 7 Minuten
    Ich finde, das ist ein absolut trauriges Beispiel – für uns in Mainz sind das leider die Preise.
    Gott sei Dank ist die Schule jetzt so nah – dass wir immer laufen können ganz egal welchen Wetter

Kommentar schreiben

0/2500

* Pflichtfelder

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.