Citizen Science: Das steckt hinter dem Konzept

Citizen Science
Foto: CC0 / Pixabay / Efraimstochter

Citizen Science ist Wissenschaft unter Beteiligung von Bürger:innen. Das Konzept bringt nicht nur die Forschung voran, sondern öffnet auch den allgemeinen Zugang zu Wissen. Wie du selbst ein Citizen Scientist wirst, erfährst du hier.

Wissenschaft und Forschung finden nur in Universitäten statt? Citizen Science beweist das Gegenteil: Damit sind Forschungsprojekte gemeint, die unter Mithilfe von oder komplett durch interessierte Laien durchgeführt werden: Bürger:innenforschung also. Bürger:innen, die nicht am institutionellen Wissenschaftsbetrieb angebunden sind, können als Citizen Scientists einen wichtigen Beitrag zur wissenschaftlichen Forschung leisten.

Bekannt dürfte dir Citizen Science beispielsweise schon durch Projekte von Naturschutzverbänden wie dem NABU sein, der vom 5. bis 14. August 2022 wieder zum Zählen von Insekten aufruft. Doch inzwischen ist die Bandbreite an Citizen-Science-Projekten deutlich gewachsen – und die Forschungsmethoden und -mittel haben sich zunehmend digitalisiert. 

Was ist Citizen Science?

Citizen Science ermöglicht Bürger:innen die Teilnahme an Forschung – oft ganz einfach per Smartphone.
Citizen Science ermöglicht Bürger:innen die Teilnahme an Forschung – oft ganz einfach per Smartphone.
(Foto: CC0 / Pixabay / sweetlouise)

Citizen Science öffnet die Wissenschaft für Menschen, die keine Berufsforscher:innen sind und keinen akademischen Hintergrund haben. Bürger:innen haben in Citizen-Science-Projekten die Möglichkeit, sich aktiv an den verschiedenen Phasen eines Forschungsprojektes zu beteiligen: Sie formulieren Forschungsfragen, entwickeln neue Methoden, recherchieren, steuern lokales Wissen bei, erheben und werten Daten aus und nehmen an der Veröffentlichung und Kritik der Forschungsergebnisse teil. Häufige Felder der Citizen Science sind Astronomie, Flora und Fauna, Gesundheit und Meeresbiologie.

Nicht nur wissenschaftliche Institutionen wie Universitäten initiieren Citizen Science, sondern auch Behörden wie das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Ebenso findet Citizen Science an Bildungsstätten wie Schulen und Museen statt und kann auch durch Engagement im Ehrenamt erfolgen, beispielsweise über Fachgesellschaften und Vereine. Manchmal organisieren einzelne Bürger:innen selbst Citizen-Science-Projekte, um mit gezielter Forschung Probleme in ihrem Umfeld zu lösen. Dann sind sie es, die zu bestimmten Zeitpunkten professionelle Wissenschaftler:innen dazuholen. 

Warum gibt es Citizen Science?

Citizen Science hat mehrere Ziele:

  • Erstens gibt es auf wissenschaftliche Themen oft verschiedene Perspektiven. Gemeint sind hier vor allem die wissenschaftliche und die Laiensicht.
  • Zweitens wünschen sich viele Bürger:innen, bei Prozessen und Entwicklungen der Forschung dabei zu sein. Citizen Science ermöglicht ihnen das. Sie benötigen keine Vorkenntnisse, sondern lediglich Engagement und Interesse.
  • Des Weiteren beschleunigt Citizen Science den Wissenstransfer in die Gesellschaft. Bürger:innen, die teilnehmen, erzählen ihre Erkenntnisse weiter und so bahnen sich die Informationen ihren Weg.
  • Zuletzt sind oft große Datenmengen nötig, um wissenschaftliche Erkenntnisse sicher zu belegen. Da sind Wissenschaftler:innen oft auf die Hilfe von vielen Freiwilligen angewiesen.

In Deutschland werden Citizen-Science-Projekte beispielsweise vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Am 20. Januar 2021 veröffentlichte das es eine Pressemitteilung über 15 neue Projekte, die neun Millionen Euro erhalten.

Wie kann ich ein Citizen Scientist werden?

Citizen Science kannst du in deinen Alltag integrieren, beispielsweise beim Thema Lebensmittelverschwendung.
Citizen Science kannst du in deinen Alltag integrieren, beispielsweise beim Thema Lebensmittelverschwendung.
(Foto: CC0 / Pixabay / Pexels)

Von Meeresbiologie und Gesundheit über Landwirtschaft und Biodiversität bis hin zu Stadtentwicklung, Luftfahrt und Astronomie: Citizen-Science-Projekte decken eine große Bandbreite an Forschungsbereichen ab. Möchtest auch du an solchen Projekten teilnehmen, ist die Website von BürgerSchaffenWissen die erste Anlaufstelle. Dabei handelt es sich um die zentrale Plattform für Citizen Science in Deutschland. Sie bietet eine Datenbank, in der du nach Citizen-Science-Projekten suchen kannst, die dich interessieren und in deiner Nähe stattfinden. 

Dort findest du beispielsweise folgende Projekte, an denen du standortunabhängig ganz einfach online teilnehmen kannst:

  • Das Projekt „Natur der Dinge. Eine partizipative Sammlung des Anthropozäns“ lädt Bürger:innen dazu ein, auf eine Online-Plattform persönliche Gegenstände hochzuladen, die eine Geschichte über unser verändertes Verhältnis zur Natur erzählen. 
  • Am Projekt „OpenGeoResearch“ kannst du teilnehmen, um Forschungslücken aufzudecken. Dafür installierst du die OpenGeoResearch-App und stellst darüber deine Fragen zu Fachgebieten wie Geographie, Geologie, Klimatologie, Stadtplanung und viele mehr. Expert:innen in diesen Bereichen antworten dir dann. So geht Wissenschaftsdialog unkompliziert mit dem Smartphone. 
  • Als Citizen Science für das Projekt „Deutschland rettet Lebensmittel“ protokollierst du, wie viele Abfälle in deiner Küche entstehen und testet Strategien, wie sich Lebensmittelverschwendung vermeiden lässt. Dein Feedback übermittelst du über eine Online-Plattform. 
  • Im Projekt „Barrierefreiheit von Orten bewerten“ forschen Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen, um die „Wheelmap“ weiterzuentwickeln: eine Karte, die die Rollstuhlgerechtigkeit von Orten bewertet. Nun sollen Citizen Scientists dabei helfen, auch in ihrer Nachbarschaft Orte hinsichtlich ihrer Barrierefreiheit zu bewerten. 
  • Das Projekt „GINGER – Gemeinsam Gesellschaft erforschen“ richtet sich an Citizen Scientists mit sozialwissenschaftlichem Interesse. Du hast die Möglichkeit, deinen Beteiligungsgrad selbst zu bestimmen: Du kannst Interviews führen und eigene Daten zu gesellschaftliche Fragen erheben oder dich um die Kommunikation der Forschungsergebnisse kümmern. 

Für die meisten Citizen-Science-Projekte ist kein Vorwissen nötig. Allerdings kann es je nach Projekt Altersempfehlungen für die Teilnahme geben. Beachte auch, dass Citizen-Science-Projekte unterschiedliche Laufzeiten haben. So kannst du Projekte mit einem Zeitaufwand auswählen, der sich gut in deine Freizeit integrieren lässt. 

Bisherige Erfolge von Citizen Science

Citizen Science öffnet der Wissenschaft viele neue Türen und kann bereits Erfolge vorweisen. Einige Beispiele dafür sind:

  • Beim Projekt „Dem Plastikmüll auf der Spur“ haben Bürger:innen und Forscher:innen die Plastikmüllbelastung von Stränden in Deutschland und Chile verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Situation in Chile deutlich schlimmer war. Durch Citizen Science wurde darauf aufmerksam gemacht und nun werden Lösungen für dieses Plastikmüllproblem gesucht.
  • Ein erfolgreiches Projekt ist auch „Citclops“, bei dem die App „EyeOnWater-Colour“ entstand. Bürger:innen nutzten die App und machten selber Fotos. Damit trugen sie dazu bei, dass Veränderungen von Meeren und Küsten über längere Zeiträume erfasst und schädliche Einflüsse durch den Menschen sichtbar gemacht werden konnten. Die Ergebnisse der Aktivist:innen schickten diese selbst weiter an Experten. Ergebnisse der App können von vielen verschiedenen Personen genutzt werden und so können politische Akteure sie zum Schutz und Erhalt der Meeres- und Küstenumwelt verwenden.
  • Bei dem Projekt „Reden Sie mit“ wurden anhand 826 eingereichter Fragen von Patient:innen der richtige Umgang und eine angemessene Kommunikation zu Arbeits-, Verkehrs- oder Sportverletzungen herausgearbeitet. Freiwillig beteiligte Bürger:innen geben hier ihre Erfahrungen zu Verletzungen und Unfällen an die Forschung weiter, um diese zu fördern.
  • Dank des Projektes „HackAir“ konnten 350 Feinstaubsensoren in Deutschland registriert und auf einer Online-Plattform zusammengeführt werden. Die Sensoren wurden von Aktivist:innen selbst zusammengebaut. Mit ihnen haben die aktiven Bürger:innen dann den Feinstaub in der Luft gemessen. Dank der ermittelten Daten gibt es nun mehr Anhaltspunkte, wo die Luft besonders stark verschmutzt ist.

Neben den wirklich wissenschaftlichen Erfolgen führt Citizen Science auch zu einem besseren Verständnis der Wissenschaft in der Gesellschaft, mehr Transparenz und einer Sensibilisierung für gesellschaftlich relevante Themen.

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