Nachhaltige Stadtentwicklung: Was ist das?

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Eine nachhaltige Stadtentwicklung hilft dabei, Umweltverschmutzung zu vermeiden und einer Spaltung der Gesellschaft vorzubeugen. Wie das funktioniert, erklären wir dir hier.

Was ist eine nachhaltige Stadt?

Heutzutage lebt bereits mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. Bis zum Jahr 2030 sollen es sogar ganze 60 Prozent sein. Das starke Wachstum der Städte bringt viele Herausforderungen mit sich, denen wir uns in Zukunft stellen müssen. Hierzu zählen beispielsweise:

  • Steigende Mietpreise, die die unteren Einkommensgruppen aus den Städten verdrängen
  • Zunehmende Luftverschmutzung durch Industrieanlagen und Autos
  • Platzmangel, da Städte sich nicht unbegrenzt ausbreiten können

Das Ziel der nachhaltigen Stadtentwicklung ist es, gesellschaftliche und wirtschaftliche Interessen unter einen Hut zu bringen. Das gelingt nur, wenn die Stadt verantwortungsvoll mit den vorhandenen Ressourcen umgeht und sowohl die Interessen der heutigen als auch zukünftiger Generationen berücksichtigt. Konkret engagiert sich eine nachhaltige Stadt zum Beispiel gegen Umweltverschmutzung. Eine nachhaltige Stadtentwicklung wirkt aber auch sozialer Ungleichheit entgegen.

Zu den Merkmalen einer nachhaltigen Stadt zählen:

  • Ein geringer Energie- und Ressourcenverbrauch. Hierzu zählen beispielsweise energieeffiziente Straßenbeleuchtungen und wärmegedämmte Bauten. Zudem motiviert eine nachhaltige Stadt die Einwohner motiviert, auf das eigene Auto so oft wie möglich zu verzichten und stattdessen öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Im Rahmen einer nachhaltigen Stadtentwicklung könnten beispielsweise günstige Bus- und Bahntickets eingeführt werden.
  • Der vorhandene Raum wird nachhaltig genutzt. Eine nachhaltige Stadt vermeidet leerstehende Gebäude und Brachen. Zudem nutzt sie die bestehende Fläche möglichst effizient, zum Beispiel durch die Kombination eines Einkaufsladens im Erdgeschoss und Wohnungen in den oberen Stockwerken.
  • Die Produktion nicht verwertbarer Materialien wird vermieden, um Ressourcenverschwendung vorzubeugen. Zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung gehört ein effizientes Entsorgungssystem, in dem so viel Müll wie möglich recycelt wird.

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Eine nachhaltige Stadt braucht eine nachhaltige Infrastruktur

In öffentlichen Parks können Menschen jeder Herkunft zusammenkommen.(Foto: CC0 / Pixabay / Free-Photos)
In öffentlichen Parks können Menschen jeder Herkunft zusammenkommen.

Damit sich eine Stadt nachhaltig entwickeln kann, muss sie ihre Infrastruktur ausbauen. Zu den Grundpfeilern einer nachhaltigen Infrastruktur zählen:

Diese Möglichkeiten machen es Bewohnern einer Stadt einfacher, im Alltag nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Je geringer die Hürde, desto mehr Menschen lassen sich für einen nachhaltigen Lebensstil motivieren. Damit Nachhaltigkeit in der Mitte unserer Gesellschaft ankommt, ist die Politik gefordert, entsprechende Bedingungen zu schaffen.

Nachhaltige Stadtentwicklung für die ganze Gesellschaft

Sozialer Wohnungsbau ist ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen Stadtentwicklung.(Foto: CC0 / Pixabay / Emiliyam)
Sozialer Wohnungsbau ist ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen Stadtentwicklung.

Nachhaltige Stadtentwicklung umfasst nicht nur ökologische Aspekte. Es ist zwar ein großes Ziel, die Umweltverschmutzung in Städten zu reduzieren. Mindestens genauso wichtig ist es aber, öffentlichen und Wohnraum für Menschen aus allen Gesellschaftsschichten zu schaffen.

Steigende Mietpreise sind zum Beispiel ein großes Problem in vielen Städten. Sie sorgen dafür, dass Menschen, die wenig verdienen, an die Stadtränder vertrieben werden.

Gleichzeitig steigt die Zahl der armen Haushalte in Deutschland: Zwischen den Jahren 2010 und 2016 ist sie von 14,1 auf 16,7 Prozent gestiegen. Als arm gilt, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens deutscher Arbeitnehmer zu Verfügung hat. Um diese Grenze zu überschreiten, fehlten armen Haushalten 2016 3.400 Euro – 779 Euro mehr als 2011. Die Schere zwischen Arm und Reich geht also immer weiter auf.

Viele Stadtbewohner können sich deshalb ihre Wohnung nicht mehr leisten und müssen in eine billigere Wohngegend ziehen. Die wohlhabenden und ärmeren Gesellschaftsschichten bleiben also zunehmend unter sich und verfolgen gegensätzliche Interessen. Während ärmere Gesellschaftsschichten beispielsweise vor allem den Bau von Sozialwohnungen einfordern, nutzen wohlhabendere Gesellschaftsschichten den Immobilienmarkt als Wertanlage. Da Sozialwohnungen finanziell weniger rentabel als Wohnungen im Luxussegment sind, muss die Regierung dafür sorgen, dass diese trotzdem gebaut werden. Gleichzeitig müssen aber auch die Interessen der Investoren gewahrt werden, die den Immobilienmarkt als Wertanlage betrachten.

Im Zuge einer nachhaltigen Stadtentwicklung muss Platz für alle gesellschaftlichen Gruppen entstehen. Städte müssen zum Beispiel auch Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen schaffen, unabhängig davon, ob sich diese Bauprojekte finanziell lohnen. Zudem müssen soziale Treffpunkte wie etwa Sport-, Musik-, oder Heimatvereine erhalten werden und für alle Gesellschaftsschichten offen sein.

Nachhaltige Stadtentwicklung: In vielen Deutschen Städten ein Thema

In Deutschland engagieren sich bereits viele Gemeinden im Bereich Nachhaltige Stadtentwicklung. Im Zuge der „New Urban Agenda“ der UNESCO wurden Gemeinden für deren Engagement ausgezeichnet. Zu den ausgezeichneten Gemeinden zählen beispielsweise:

  • Dornstadt für die Initative „Dornstadter Zukunftsgestalter“, die sich dafür engagiert, dass alle Gesellschaftsgruppen über das Thema nachhaltige Stadtentwicklung aufgeklärt und gebildet werden.
  • Erfurt für die Schaffung einer städtischen Stabstelle, die Nachhaltigkeitsprojekte und -bildung koordiniert.
  • Neumarkt in der Oberpfalz für die Entwicklung eines Nachhaltigkeitsleitbilds, und des Förderprogramms „Nachhaltigkeit neu erleben“, das nachhaltige Ideen finanziell unterstützt.
  • Frankfurt am Main für das Projekt „Schuljahr der Nachhaltigkeit“, in dem Grundschüler ein Schuljahr lang für einen nachhaltigen Lebensstil sensibilisiert werden.

Weitere Projekte zur nachhaltigen Stadtentwicklung fördert zum Beispiel das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung.

Nachhaltige Stadtentwicklung: Das kannst du tun

Wie du siehst, ist nachhaltige Stadtentwicklung ein sehr komplexes Zukunftsthema. Es gilt, viele unterschiedliche Interessen unter einen Hut zu bringen.

Eine nachhaltige Gesellschaft funktioniert nur, wenn die Bürger auch selbst bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Gehst du mit einem guten Beispiel voran, so kannst du mit der Zeit sicherlich auch einige deiner Freunde und Mitmenschen davon überzeugen, ihr Leben nachhaltiger gestalten. Denn nur eine nachhaltige Gesellschaft ist auch zukunftsfähig.

Um mit gutem Beispiel voranzugehen, kannst du beispielsweise:

  • dich in deiner Gemeinde engagieren und dort die Zukunft aktiv mitgestalten.
  • in Vereinen und Umweltschutzorganisationen mitwirken.
  • eine Petition an deinen Gemeinderat oder die Landesregierung starten oder unterschreiben.
  • Freunde und Bekannte für einen nachhaltigen Lebensstil sensibilisieren.

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