Citizen Science: So kannst du dich an der Forschung beteiligen

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Citizen Science bietet viele Möglichkeiten, sich bei Prozessen der Forschung und der Wissenschaft zu beteiligen. Dabei musst du kein:e Expert:in in den speziellen Gebieten sein.

Citizen Science bedeutet übersetzt „Bürgerwissenschaft„. Bürger:innen helfen dabei, wissenschaftliche Daten zu beschaffen, auszuwerten und so Forschungsthemen weiterzuentwickeln. Sie tun das gemeinsam oder im Dialog mit Expert:innen und Wissenschaftler:innen. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Seiten ist bei der Citizen Science sehr wichtig.

Häufige Felder der Citizen Science sind Astronomie, Flora und Fauna, Gesundheit und Meeresbiologie.

Warum und wo gibt es Citizen Science?

Citizen Science gibt es aus mehreren Gründen:

  • Erstens gibt es auf wissenschaftliche Themen oft verschiedene Perspektiven. Gemeint sind hier vor allem die wissenschaftliche und die Laiensicht.
  • Zweitens wünschen sich viele Bürger:innen, bei Prozessen und Entwicklungen der Forschung dabei zu sein. Citizen Science ermöglicht ihnen das. Sie benötigen keine Vorkenntnisse, sondern lediglich Engagement und Interesse.
  • Des Weiteren beschleunigt Citizen Science den Wissenstransfer in die Gesellschaft. Bürger:innen, die teilnehmen, erzählen ihre Erkenntnisse weiter und so bahnen sich die Informationen ihren Weg.
  • Zuletzt sind oft große Datenmengen nötig, um wissenschaftliche Erkenntnisse sicher zu belegen. Da sind Wissenschaftler:innen oft auf die Hilfe von vielen Freiwilligen angewiesen.

Besonders groß ist Citizen Science in den USA und in Großbritannien. Allerdings gibt es auch in Deutschland eine offizielle Seite der Citizen Science.

In Deutschland werden Citizen-Science-Projekte beispielsweise vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Am 20. Januar 2021 veröffentlichte das es eine Pressemitteilung über 15 neue Projekte, die neun Millionen Euro erhalten.

Bei Citizen Science mitmachen

Seit der Digitalisierung sind die Möglichkeiten der Citizen Science gewachsen.
Seit der Digitalisierung sind die Möglichkeiten der Citizen Science gewachsen.
(Foto: CC0 / Pixabay / FunkyFocus)

Früher unterstützten Bürger:innen die Wissenschaftler:innen hauptsächlich, indem sie Naturphänomene experimentell erforschten und dokumentierten oder sich beispielsweise an Vogelzählungen beteiligten. Diese Arten der Citizen Science gibt es nach wie vor. Mit der Digitalisierung sind jedoch viele weitere Möglichkeiten hinzugekommen. Plattformen im Internet ermöglichen es dir, dich leicht zu informieren und Projekte zu finden. Im Folgenden haben wir einige konkrete Beispiele, wie du selber bei Citizen Science mitmachen kannst:

  • Suche zunächst eine der Online-Plattformen zu Citizen Science auf. Da gibt es zum Beispiel Zooniverse (siehe letzter Abschnitt), citizenscience:germany oder die Leibniz-Gemeinschaft.
  • Hast du eine passende Plattform gefunden, kannst du dir dort die aktuellen Forschungsprojekte anschauen. Wenn dich eines davon interessiert, kannst du dich daran beteiligen.
  • Eine sehr alltagstaugliche Art der Citizen Science sind Umfragen. Eine aktuelle Umfrage ist beispielsweise die „Umfrage zu gesundheits- und therapieorientierten Citizen Science Projekten„. Sie geht von der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg aus und soll neue Impulse für die Gesundheitsprävention und die Entwicklung neuer Therapieansätze für Krankheiten liefern.
  • Du kannst dich auch über dein Smartphone engagieren. Ein Beispiel hierfür ist das Projekt „GLOBE at night„, das weltweit die Himmelshelligkeit untersucht. Eine spezielle App leitet dich zu bestimmten Sternen und fragt nach deren Sichtbarkeit. So lässt quantifizieren, wie sehr der Himmel an dem Ort durch künstliches Licht in der Nacht beeinträchtigt ist.
  • Auch für Jugendliche finden sich Projekte bei Citizen Science. Eines ist das Projekt „Plastikpiraten„. Hier geht es darum herauszufinden, wie viel und welche Art von Plastikmüll sich in Gewässern finden lässt und welche Folgen das hat. Um dich hier zu engagieren, musst du also wirklich raus in die Natur und Plastikteile finden, zählen und ordnen. Deine Ergebnisse übermittelst du digital.
  • In den meisten Fällen übermittelst du deine Ergebnisse digital. Es gibt allerdings auch Ausnahmen; ein Beispiel dafür ist das Projekt „Mückenatlas„. Anstelle von Daten sendest du Mücken an die zuständigen Wissenschaftler:innen des Projekts. Davor musst du die Stechmücken sammeln, vorsichtig einfangen und im Gefrierschrank in einer Schachtel abtöten.
  • Wie du in direktem Kontakt mit anderen Bürger:innen etwas bewirkst, zeigt das Projekt Patientslikeme. Auf der damit verbundenen Plattform tauschen sich Patient:innen über Wirkungen, Folgen oder Symptome von Medikamenten aus. Die Ergebnisse werden dann anonym ausgewertet.
  • Über Citizen Science kannst du sogar dein Zuhause besser kennenlernen. Ein Beispiel dafür stellt das Projekt „CS:iDrop“ dar. Mittels chemischer Methoden erforschen Hausbewohner:innen gemeinsam mit Wissenschaftler:innen die Wasserqualität bei ihnen zu Hause.

Grundsätzlich gibt es sehr viele verschieden Möglichkeiten, bei Citizen Science mitzumachen. Wenn dich die oben genannten Projekte interessieren, informiere dich einfach auf einer der Plattformen. Es kommen immer wieder neue Projekte hinzu.

Bisherige Erfolge von Citizen Science

Das Citizen-Science-Projekt "Hack Air" hat die Feinstaubbelastung in Deutschland untersucht.
Das Citizen-Science-Projekt „Hack Air“ hat die Feinstaubbelastung in Deutschland untersucht.
(Foto: CC0 / Pixabay / hpgruesen)

Citizen Science öffnet der Wissenschaft viele neue Türen und kann bereits Erfolge vorweisen. Einige Beispiele dafür sind:

  • Beim Projekt „Dem Plastikmüll auf der Spur“ haben Bürger:innen und Forscher:innen die Plastikmüllbelastung von Stränden in Deutschland und Chile verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Situation in Chile deutlich schlimmer war. Durch Citizen Science wurde darauf aufmerksam gemacht und nun werden Lösungen für dieses Plastikmüllproblem gesucht.
  • Ein erfolgreiches Projekt ist auch „Citclops„, bei dem die App „EyeOnWater-Colour“ entstand. Bürger:innen nutzten die App und machten selber Fotos. Damit trugen sie dazu bei, dass Veränderungen von Meeren und Küsten über längere Zeiträume erfasst und schädliche Einflüsse durch den Menschen sichtbar gemacht werden konnten. Die Ergebnisse der Aktivist:innen schickten diese selbst weiter an Experten. Ergebnisse der App können von vielen verschiedenen Personen genutzt werden und so können politische Akteure sie zum Schutz und Erhalt der Meeres- und Küstenumwelt verwenden.
  • Bei dem Projekt „Reden Sie mit“ wurden anhand 826 eingereichter Fragen von Patient:innen der richtige Umgang und eine angemessene Kommunikation zu Arbeits-, Verkehrs- oder Sportverletzungen herausgearbeitet. Freiwillig beteiligte Bürger:innen geben hier ihre Erfahrungen zu Verletzungen und Unfällen an die Forschung weiter um diese zu fördern.
  • Dank des Projektes „HackAir“ konnten 350 Feinstaubsensoren in Deutschland registriert und auf einer Online-Plattform zusammengeführt werden. Die Sensoren wurden von Aktivist:innen selbst zusammengebaut. Mit ihnen haben die aktiven Bürger:innen dann den Feinstaub in der Luft gemessen. Dank der ermittelten Daten gibt es nun mehr Anhaltspunkte, wo die Luft besonders stark verschmutzt ist.

Neben den wirklich wissenschaftlichen Erfolgen führt Citizen Science auch zu einem besseren Verständnis der Wissenschaft in der Gesellschaft, mehr Transparenz und einer Sensibilisierung für gesellschaftlich relevante Themen.

Zooniverse: Ein Beispiel für Citizen Science

Freiwillige helfen über Zooniverse bei einem Forschungsprojekt namens Penguin Watch.
Freiwillige helfen über Zooniverse bei einem Forschungsprojekt namens Penguin Watch.
(Foto: CC0 / Pixabay / MemoryCatcher)

Zooniverse ist eine kollaborative Online-Plattform, über die sich Bürger:innen an unzähligen wissenschaftlichen Forschungsprojekten finanziell oder praktisch beteiligen können. Die Forschungsthemen reichen auch hier über die Natur und den Klimaschutz bis hin zu Geschichte und Literatur. Zooniverse setzt auf die „Weisheit der Vielen“. Das bedeutet, dass die Genauigkeit von Forschungsergebnissen zu einem Thema mit der Anzahl der Messdaten steigt. Für Zooniverse können Freiwillige beispielsweise Tiere beobachten, Dokumente transkribieren oder das Wetter beobachten.

Insgesamt hat Zooniverse bereits eine Millionen Nutzer:innen. Diese haben zusammen schon viele Erfolge erzielt. Bei dem Projekt Penguin Watch von Zooniverse werten Freiwillige beispielsweise Fotos von Pinguinen, deren Eiern und Nestern aus. Sie zählen, wie viele erwachsene Tiere, Küken oder Eier es jeweils gibt. ANgaben über die Tierbestände liefern dann wiederum wertvolle Daten über den Zustand des Ökosystems vor Ort. Und das ist eine wichtige Information für die Forscher.

Zusätzlich gibt es für alle Nutzer:innen Kommunikationskanäle. Über diese können sie sich untereinander austauschen oder Fragen zu Forschungsthemen stellen.

Du willst noch mehr über Citizen Science wissen? Einen ausführlichen Überblick liefert dir dieses Dossier.

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