Co-Parenting: Elternschaft ohne Liebesbeziehung

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Co-Parenting ist ein neues Familienmodell aus den USA, das sich zunehmend auch in Europa etabliert. Was es genau damit auf sich hat, erfährst du hier.

Was ist Co-Parenting?

Unter Co-Parenting versteht man eine neue Form der Familienplanung, die nicht auf einer Liebesbeziehung basiert. Dabei schließen sich in der Regel eine Frau und ein Mann zusammen, die zusammen ein Kind großziehen wollen. Beide leben jedoch in getrennten Haushalten und sind nur befreundet – sie haben keine romantische Beziehung.

Co-Parenting muss sich nicht nur auf zwei Personen beschränken. So können sich zum Beispiel auch homosexuelle Paare mit einer Person des anderen Geschlechts zusammenschließen. So haben sie die Möglichkeit, ein eigenes Kind großzuziehen.

Sex spielt bei der Familiengründung normalerweise keine Rolle. Bei Co-Parenting werden Kinder in der Regel durch künstliche Befruchtung gezeugt. Das Modell ist vor allem für diejenigen interessant, die nicht auf Kinder verzichten wollen, nur weil sie noch keine*n passende*n Partner*in gefunden haben.

Co-Parenting: Die Suche nach dem passenden Partner

Auch wenn Co-Parenting nicht auf Liebe basiert, musst du dich auch hier auf die Suche nach einem geeigneten Partner machen.(Foto: CC0 / Pixabay / sasint)
Auch wenn Co-Parenting nicht auf Liebe basiert, musst du dich auch hier auf die Suche nach einem geeigneten Partner machen.

Co-Parenting ist vor allem für Singles mit Kinderwunsch geeignet. Nichtsdestotrotz muss man auch bei diesem Modell eine Person finden, mit der man Kinder großziehen möchte.

Für die Co-Parenting-Partnersuche existieren verschiedene Plattformen. Dort können Interessierte ein Profil erstellen, Gleichgesinnte kennenlernen und sich verabreden. Besonders in den USA und Großbritannien erfreuen sich diese Portale schon seit Längerem zunehmender Beliebtheit.

Doch auch mithilfe von Online-Plattformen ist es nicht einfach, das zukünftige andere Elternteil seines Kindes auszuwählen. Laut Rachel Hope, der Autorin des Ratgebers „Family by choice“, nimmt nur ein geringer Teil der angemeldeten Männer die Angelegenheit wirklich ernst und hat sich intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt. Um den richtigen Partner zu finden, braucht es viel Zeit und Geduld – man muss eventuell die ein oder andere Enttäuschung in Kauf nehmen.

Kann Co-Parenting Konflikten vorbeugen?

Ein Ziel von Co-Parenting ist es, Konflikte zwischen den Eltern und damit verbundenen negativen Auswirkungen auf das Kind zu vermeiden.(Foto: CC0 / Pixabay / Free-Photos)
Ein Ziel von Co-Parenting ist es, Konflikte zwischen den Eltern und damit verbundenen negativen Auswirkungen auf das Kind zu vermeiden.

Die Scheidungsrate in Deutschland lag 2018 bei 33 Prozent – jede dritte Ehe wurde also geschieden. Sogenannte „Scheidungskinder“ leiden nicht selten unter den Beziehungsproblemen und Streitereien ihrer Eltern.

Bei Co-Parenting gehen die Eltern dagegen keine Beziehung oder Ehe miteinander ein. Viele Befürworter sehen darin einen großen Vorteil: Denn Liebe kann oft willkürlich auftreten und vergehen und sei deshalb keine gute Grundlage für eine Familiengründung. Bei Co-Parenting basiert die Familie dagegen auf pragmatischen Überlegungen und festen Freundschaften. Somit soll es im Vergleich zu Scheidungsfamilien weniger zu Problemen und Konflikten kommen. Wissenschaftliche Studien, die dies belegen könnten, fehlen jedoch bislang.

Dabei darf man nicht vergessen, dass Konfliktpotenzial überall vorhanden ist. So kommt es auch in Freundschaften und anderen zwischenmenschlichen Beziehungen oft zu schwerwiegenden Streitereien.

Die Zeit berichtet zum Beispiel von Melanie Klimke, die ihr zweites Kind im Rahmen einer Co-Partnerschaft zeugen und großziehen wollte. Sie lernte den zukünftigen Vater ihres Kindes über ein Portal kennen. Ein paar Monate nach der Geburt war er verschwunden.

Laut der Psychologin Petra Thorn fehlen bisher eindeutige Studien und wissenschaftliche Erkenntnisse, um die Auswirkungen von Co-Parenting auf die Kindererziehung und die familiäre Stabilität zu belegen. So lang die Eltern jedoch gut mit der Situation umgehen, sieht sie für Kinder keine Probleme.

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(1) Kommentar

  1. Ich weiß ja nicht.
    Wieso sollten Leute mit weniger Verbindlichkeit eine bessere Durchahlte-Quote zeigen, als mit mehr Verbindlichkeit, geschaffen durch gesellschaftlichen Druck und eine institutionelle Einleitung?
    Die statistische Verteilung auf den Co-Parenting-Portalen dürfte die Gleiche sein, wie bei den Kinder wünschenden „normalen“ Ehe-Willigen auch.

    Es stimmt schon, dass Liebe zwischen den Eltern eine schlechte Voraussetzung für das Aufziehen von Kindern ist, aber umgekehrt dürften sich jede Menge Schwierigkeiten ergeben (z.B. bei den Erziehungs-Eckdaten), wie in einer Ehe auch.
    Und: Wenn ich mich mit einem Zweck-Erziehungspartner, mit dem ich ein Kind groß ziehe, wenig streite, und mit ihm zusammen partnerschaftlich über zwei Jahrzehnte grob den gleichen Pfad beschreite, um die bestmögliche Umgebung für ein Kind zu schaffen, was ist das dann anderes als eine Ehe?
    Die Leute lieben es, sich selber zu betrügen.