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Dämmfolie hinter der Heizung – spart das Heizkosten?

Foto: CC0 Public Domain / Pexels - Patrycja Grobelny

Die Heizkosten werden diesen Winter sehr hoch ausfallen – jedes Grad weniger Heizen spart deshalb bares Geld. Ein oft gegebener Tipp: Eine Dämmfolie hinter die Heizkörper kleben, damit weniger Wärme nach draußen entweicht. Wir haben nachgeforscht, was Dämmfolien hinter Heizung tatsächlich bringen.

Je höher die Kosten fürs Heizen trotz Gaspreisbremse ansteigen, desto mehr Tipps zum Sparen kursieren im Netz. Jüngst haben wir aufgedeckt, dass der TikTok-Energiespartipp, Fenster in den „Wintermodus“ zu setzen, nur wenig bringt. Heute prüfen wir einen weiteren Tipp, um Heizkosten zu sparen: Dämmfolien hinter den Heizkörpern.

Dämmfolie aus dem Baumarkt: Günstig, aber auch effektiv?

Im Baumarkt oder online gibt es dünne isolierende Folien bereits ab rund fünf Euro pro Quadratmeter zu kaufen. Sie sind unter folgenden Bezeichnungen erhältlich: Dämmfolie, Isolierfolie, Thermofolie, Reflexionsfolie und Dämmtapete.

Die Anbringung einer solchen dämmenden Folie ist recht einfach und funktioniert aus eigener Erfahrung auch ohne handwerkliche Begabung: Auf die passende Größe zuschneiden und auf die Wand hinter der Heizung kleben, sodass keine Lücken bleiben. Die Folie, die oft nur wenige Millimeter dick ist, soll die Wärme der Heizung abstrahlen und dadurch in den Raum leiten. Ohne Dämmung entweicht wertvolle Wärme über die Wände nach draußen. Doch wie viel bringen die Dämmfolien aus dem Handel?

Experte für energetisches Bauen: „Dämmfolien sind besser als nichts“

Nach Einschätzung von Christian Handwerk, Referent für energetisches Bauen und Bauphysik bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, bringen Dämmfolien hinter den Heizkörpern nicht viel. „Sie sind aber besser als nichts“, so der Experte gegenüber Utopia.

Zunächst kommt es darauf an, ob du in einem Neubau oder Altbau wohnst. Vor allem in alten Gebäuden sind die Heizkörper meist in sogenannten Heizkörper-Nischen verbaut. Die Außenwand ist an der Stelle der Heizkörper dünner, wodurch dort ohne Außendämmung besonders schnell Wärme verloren geht.

Hat die (dünne) Außenwand keine Dämmung, kann man von innen mit der Dämmfolie nachrüsten. Die wärmesparende Wirkung hängt dabei von zwei Faktoren ab: der Wärmeleitfähigkeit des Materials und der Dicke.

Heizkörper dämmen: So gehst du vor

Um möglichst wenig Heizwärme zu verlieren, gehe am besten folgendermaßen vor:

  1. Prüfe, ob deine Wände gedämmt sind. In neueren Gebäuden ist das Standard, in Altbauten leider nicht. Christian Handwerk empfiehlt hier zwei Dinge: Bei geöffnetem Fenster die Dicke der Außenwände messen. Bei einer mindestens 50 Zentimeter dicken Mauer kannst du davon ausgehen, dass eine Dämmschicht verbaut wurde. Zudem kannst du außen auf die Mauer klopfen. Klingt es hohl, befindet sich eine Dämmung in der Mauer. Bist du dir nicht sicher, frag bei einen Nachbar:innen oder Vermieter:innen nach.
  2. Ist die Wand gedämmt, bringt eine zusätzliche Dämmfolie sehr wenig: „Der Effekt ist verschwindend gering“, präzisiert der Bauexperte.
  3. Bei einer ungedämmten Mauer, kann eine nachträgliche Dämmschicht die Heizkosten spürbar senken. Dann gilt aber: Je dicker die Dämmung, desto besser.

Dämmfolie vs. Vakuum-Dämmplatten vs. klassische Dämmung

Von Vakuum-Dämmplatten rät der Experte ab. „In der Theorie erzielen diese Platten eine sehr gute Dämmwirkung.“ In der Praxis seien die Vakuumplatten aber sehr empfindlich, es komme beim Einbau schnell zu Beschädigungen der äußeren Folie, was Luft eindringen lässt und die Dämmwirkung zunichte macht.

„Außerdem kann man die Platten, anders als die Dämmfolie aus geschäumtem Material, nicht zuschneiden„, so Handwerk weiter. Deshalb muss man mehrere solcher Platten nebeneinander einbauen, die Stoßstellen der Platte bilden schnell eine Schwachstelle, die die Dämmwirkung schwächen.

Besser als Vakuum-Dämmplatten oder Dämmfolien findet Handwerk eine klassische Dämmung der Heizkörpernische von innen. Wenn eine Nische – also ein Versprung des Mauerwerks auf der Innenseite – vorhanden ist, ist es auch oft möglich, Platz zu schaffen und ca. sechs oder noch mehr Zentimeter Dämmung zwischen Heizkörper und Mauer einzubauen.

Du kannst natürlich einen Fachbetrieb damit beauftragen, doch das kann dauern und teuer werden. „Man kann das als Mieter selbst hinbekommen – ein gewisses handwerkliches Geschick vorausgesetzt“, sagt Christian Handwerk. Die Verbraucherzentrale rät dann aber, den:die Vermieter:in zu informieren.

Diese Materialien eignen sich für die Dämmung

Für die Dämmung kannst du verschiedene Dämmstoffe verwenden, Christian Handwerk nennt beispielhaft die folgenden drei:

  • PIR (Polyisocyanurat), ein Dämmstoff aus fossilen Rohstoffen: Er hat eine sehr hohe Dämmleistung, ist aber eine harte Platte, bei der man die Seiten und eventuelle Stoßfugen zum Beispiel mit Bauschaum abdichten muss.
  • Geschäumtes Kalziumsilikat, ebenfalls eine harte Dämmplatte: Diese Platte kann die Luftfeuchtigkeit im Raum speichern und ist deshalb ideal für Bad und Küche.
  • Mineralwolle in Form einer weichen Matte: Sie ist einfach einzubauen, passt sich Unebenheiten an, kann aber Kondenswasser-Probleme hervorrufen. In Wohnräumen sollte man eine zusätzliche Dampfsperre (spezielle Folie) einbauen.

Insgesamt schätzt Experte Christian Handwerk die Schimmelgefahr, die wegen des Kondenswassers herbeigeführt wird, bei einer zusätzlichen Dämmung eher gering ein. „Bei den dünnen Dämmfolien besteht keine Gefahr für Schimmel“, so Handwerk.

Bei Dämmdicken auf der Innenseite bis ungefähr sechs Zentimeter können einige Dämmstoffe auch genügend Raumluftfeuchte speichern und wieder abgeben, um die Gefahr gering zu halten. Besonders eine Dämmung von innen ist bei Einbau-Fehlern aber anfällig für Schimmel. Deshalb solltest du dir sicher sein, dass du die Dämmung fachlich richtig einbauen kannst.

Fazit: Eine effektive Dämmung spart Heizkosten

Utopia-Fazit: Eine Dämmung ist wichtig, um effizient zu heizen. Eine dünne Dämmfolie oder Reflexionsfolie hinter den Heizkörpern spart aber nur wenig Heizkosten ein. Unsere Tipps zum richtigen Heizen dagegen sparen eine ganze Menge.

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