Die Gletscher schmelzen: Was das für unsere Umwelt bedeutet

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Die Gletscher schmelzen und wir können nichts mehr tun: So lautet die Prognose von Gletscherforschern. Warum das geschieht und was es für die Umwelt bedeutet, liest du hier.

Die Gletscher schmelzen weltweit immer schneller

Die imposanten Eiszungen der Gletscher nehmen weltweit kontinuierlich an Volumen ab. Boden, der sonst von meterdicken Eisschichten bedeckt war, wird auf einmal sichtbar. Auf Vergleichen mit alten Fotos der Gletscher ist der erschreckende Verlust an Dicke und Länge deutlich sichtbar. Sie führen eindringlich vor Augen, welche Wirkungen der Klimawandel auf die Natur hat.

Auf diesen Portalen kannst du dir einige „Vorher – Nachher“ Fotos ansehen:

Bildervergleiche demonstrieren, wie die Gletscher schmelzen.
Bildervergleiche demonstrieren, wie die Gletscher schmelzen. (Foto: CC0/NASA)

Gletscherforscher arbeiten schon seit Jahrzehnten daran, weltweit die Gletscher zu vermessen. Sie dokumentieren so die Veränderungen der Eismassen. Einem Forscherteam unter Leitung der Universität Zürich gelang es, sich ein umfassendes Bild von dem Zustand der Gletscher zu machen. Anhand von lokalen Messreihen und modernster Satellitentechnologie berechneten sie weltweit die Veränderung im Gletschereis zwischen 1961 und 2016:

  • In diesem Zeitraum verloren die Gletscher über 9.600 Milliarden Tonnen Eis. In dieser Zahl sind die schmelzenden Eisschilden von Grönland oder der Antarktis nicht berücksichtigt.
  • In den letzten 30 Jahren nahm das Tempo zu, mit dem die Gletscher ihre Eismassen verloren. Zuletzt schmolzen jedes Jahr etwa 335 Milliarden Tonnen Eis. Das ist, als ob jedes Jahr drei Mal die gesamten Gletscher der Alpen schmelzen würden.

Die Forscher ermittelten auch, aus welchen Regionen das Schmelzwasser stammt:

  • Gletscher in Alaska büßten am meisten Eis ein.
  • Danach folgen die Gletscher in Patagonien (Südamerika) sowie der Arktis.
  • In den Alpen, dem Kaukasus oder in Neuseeland sind die Gletscherflächen kleiner. Dadurch fällt der Verlust an Eis im Verhältnis zwar geringer aus, ist jedoch deutlicher sichtbar.

Eine Ausnahme zeigt die oben genannte Studie: Gletscher in Südwestasien nahmen an Masse zu. Das Wissensmagazin Spektrum erläutert dazu, dass dies das Karakorum-Gebirge ist. Die Forscher führen die wachsenden Gletscher auf vermehrte Niederschläge in der Region zurück.

Warum die Gletscher schmelzen

Gletscher sind von der Klimaerwärmung bedroht.
Gletscher sind von der Klimaerwärmung bedroht. (Foto: CC0/pixabay/Antelao)

Für die Gletscherschmelze ist hauptsächlich der vom Menschen verursachte Klimawandel verantwortlich.

Ein Gletscher verliert typischerweise im Sommer an Masse. Durch die warmen Temperaturen schmilzt das Eis an der Oberfläche. Im Winter dagegen gleichen Niederschläge den Verlust der Sommermonate wieder aus. Der Gletscher wächst in Summe, wenn er im Winter mehr Masse aufbauen kann, als im Sommer geschmolzen ist. Meteorologen erläutern, dass der Neuschnee noch eine andere wichtige Funktion erfüllt. Er schützt das Gletschereis vor den wärmenden Sonnenstahlen. Bleibt der Schneefall im Winter aus, liegt das Gletschereis ungeschützt in der Sonne und kann trotzt kühler Temperaturen weiterhin schmelzen.

Das Gletscherarchiv fasst zusammen, welche komplexen Klima- und Umweltbedingungen in den Alpen zum schmelzen der Gletscher führte:

  • Schnee fiel in den letzten Jahren (ab 2014) erst später im Winter und blieb meist nicht lange liegen.
  • Warme Frühlings- und Sommermonate sowie starke Regenfälle greifen das Gletschereis an.
  • Umweltverschmutzung durch Ruß und Feinstaub: Das Eis der Gletscher wird durch die Russpartikel dunkel gefärbt, es kann so das Sonnenlicht schlechter reflektieren und erwärmt sich schneller.
  • Nimmt die Ozonschicht ab, erreichen mehr wärmende Sonnenstrahlen die Erde und somit die Gletscher.

Die Gletscher schmelzen unwiderruflich

Gletscher in Patagonien schmelzen stetig.
Gletscher in Patagonien schmelzen stetig. (Foto: CC0/pixabay/steveofstonehenge)

Im Interview des EU-Magazins „Horizon“ erklärt ein Gletscherforscher der Universität Oslo, dass die Temperaturen im Gletschereis meist knapp unter Null Grad liegen. Deshalb reagieren Gletscher sensibel auf einen Anstieg der Lufttemperaturen um nur wenige Grad.

Mit computergestützten Modellen errechneten Forscher zum Beispiel, was die Klimaerwärmung durch Treibhausgase für die Alpengletscher bedeutet. Sie verwendeten für ihre Modellrechnungen die Klimaszenarien des Weltklimarates. Für diese Szenarien erarbeiteten Wissenschaftler Prognosen, wie sich das Klima bei unterschiedlicher Konzentration von Treibhausgasen entwickelt. Bezeichnet sind die Szenarien als Repräsentativer Konzentrationspfad, abgekürzt RCP. RCP 2.6 steht für ein Szenario, bei dem alle an einem Strang ziehen und schnell viele CO2-Emissionen einsparen – ein optimistisches Szenario. Auf der anderen Seite bedeutet das Szenario RCP 8.5, dass alles so weiter läuft wie bisher, ohne nennenswerte CO2-Einsparungen zu den heutigen Emissionen – die schlechtmöglichste Alternative.

Die Modelle der Gletscherforscher zeigen:

  • Bis etwa 2050 hat die heutige Klimaerwärmung schon die Weichen gestellt. In jedem Szenario reagieren die Gletscher in etwa gleich. Ungefähr 50 Prozent des heutigen Gletschereises der Alpen (Stand 2017) wird somit schmelzen. Dieser Prozess ist schon heute nicht mehr aufzuhalten.
  • Erst in der Zweiten Hälfte des Jahrhunderts könnten wir mit dem optimistischen Klimaszenario RCP 2.6 noch rund ein Drittel der heutigen Alpengletscher retten.
  • Kommt es dagegen, wie im Szenario RCP 8.5, zu wenig oder nur sehr geringen CO2-Einsparungen, sind bis 2100 alle Gletscher der Alpen geschmolzen.

Ein ähnliches Modell beschäftigt sich mit der weltweiten Entwicklung der Gletscher. Hierbei gehen die Forscher davon aus, dass um 2300 entweder alle Gletscher geschmolzen sind (RCP 8.5) oder im besten Fall noch zur Hälfte vorhanden sind (RCP 2.6).

Wenn die Gletscher schmelzen, bedroht das die Umwelt

Oft müssen Schneekanonen den Skipisten auf den Gletschern nachhelfen.
Oft müssen Schneekanonen den Skipisten auf den Gletschern nachhelfen. (Foto: CC0/pixabay/Elsemargriet)

Schmelzen die Gletscher, bleibt dies nicht ohne weitreichende Folgen für die Umwelt.

  • Meeresspiegel: Das Schmelzwasser der Gletscher trägt dazu bei, dass der Meeresspiegel der Ozeane ansteigt. Die Universität Zürich ermittelte, dass seit 1961 bis 2016 das weltweite Schmelzwasser zu einem Anstieg von 27 Millimetern führte. Damit ist das geschmolzene Eis der Gletscher für 25 bis 30 Prozent des Anstiegs verantwortlich. Greenpeace warnt, dass beispielsweise Inselstaaten im Pazifik oder tief gelegene Regionen, wie in Bangladesch untergehen könnten.
  • Hochwasser und Dürre: Greenpeace erinnert daran, dass Gletscher Wasserspeicher sind, die den Wasserstand in Flüssen und Seen beeinflussen. In den Alpen entspringen in Gletschergebieten große europäische Flüsse, wie der Rhein oder die Rhone. Im Himalaja drohen schon jetzt viele Gletscherseen über die Ufer zu treten. Schmilzt noch mehr Eis, kann es zu Überschwemmungen kommen. Sind dann große Teile der Gletscher geschmolzen, reicht das verbleibende Wasser oft nicht aus, um die Felder zu bewässern. Die Folge wären Hungersnöte in Asien, die etwa ein Zehntel der Weltbevölkerung bedrohen. In einigen Regionen der Erde, könnten mit den Gletschern auch die Trinkwasserreserven verloren gehen.
  • Permafrost: Der Boden unter den Gletschern ist das ganze Jahr über bis zu hundert Meter tief gefroren. Schmelzen die Gletscher, taut auch der Permafrostboden auf. Dadurch verlieren Berghänge ihren Halt. Die Folgen sind zunehmende Erdrutsche und Gerölllawinen. Diese können Ortschaften bedrohen und Menschen in Gefahr bringen. Den Schutz vor den Erdmassen versprechen aufwendige Auffangdämme. Der schweizer Ort Pontresina baute frühzeitig schon einen solchen Schutzdamm. Die Gemeinde macht vor, wie sich Orte im Hochgebirge zukünftig schützen müssen.
  • Skisport: Mit dem Verlust der Gletscher, drohen auch einigen Skigebieten die Pisten weg zu schmelzen. Das Alpenarchiv nennt als Beispiel den Hintertuxer Gletscher. Die Betreiber der Skipisten helfen heute schon mit künstlichem Schnee nach. Der Nachteil für das Ökosystem der Berge: Für Kunstschnee sind Wasserbecken in Hochgebirgsregionen notwendig. Der Bau dieser Becken belastet die Bergwelt zusätzlich zu den Klimaveränderungen.

 

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