Extinction Rebellion: Ziviler Ungehorsam für das Klima

Foto: © Extinction Rebellion Deutschland

Die Bewegung „Extinction Rebellion“ kämpft mit Methoden des zivilen Ungehorsams für mehr Klimaschutz. Was „Extinction Rebellion“ ausmacht und wie du selber mitmachen kannst, erfährst du hier.

„Extinction Rebellion“ heißt übersetzt „Rebellion gegen das Aussterben“. Denn den Gründern der Bewegung zufolge steht uns Menschen das Aussterben kurz bevor. Im Oktober 2018 rief eine Gruppe aus AktivistInnen und WissenschaftlerInnen „Extinction Rebellion“ (kurz XR) in Großbritannien ins Leben. Inzwischen gibt es Ableger der Bewegung in mehr als 30 Ländern – auch in Deutschland.

Was will „Extinction Rebellion“ erreichen?

"Extinction Rebellion" fordert die Netto-Null bei den CO2 Emissionen bis 2025.
„Extinction Rebellion“ fordert die Netto-Null bei den CO2 Emissionen bis 2025. (Foto: CC0 / Pixabay / SD-Pictures)

„Extinction Rebellion“ geht es nicht nur darum, einzelne Verbesserungen beim Klimaschutz zu erreichen: Sie fordern viel mehr einen generellen Wandel von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft, um den Klimawandel einzudämmen. Dieses Ziel drückt „Extinction Rebellion“ in Deutschland durch diese drei Forderungen aus:

  1. Die Bundesregierung soll anerkennen, dass der Klimawandel die Menschheit ernsthaft bedroht und diese Erkenntnis kommunizieren. Es darf keine Gesetze mehr geben, die den Klimaschutz behindern. Außerdem soll die Regierung uns BürgerInnen und Unternehmen mit Unterstützung der Medien konkret aufzeigen, wie wir zum Klimaschutz beitragen können.
  2. Bis 2025 sollen alle CO2-Emissionen auf Netto-Null begrenzt werden – das bedeutet, dass nur so viele Treibhausgase ausgestoßen werden dürfen, wie im Gegenzug in irgendeiner Weise gespeichert werden.
  3. Die Regierung soll Bürgerversammlungen einberufen, die ausarbeiten, wie die Klimaschutz-Ziele erreicht werden können. Eine solche Bürgerversammlung soll aus per Los bestimmten BürgerInnen bestehen und möglichst gut die verschiedenen Gruppen unserer Gesellschaft repräsentieren. Sie soll nicht nur Maßnahmen ausarbeiten, sondern auch dafür sorgen, dass diese umgesetzt werden.

Ziviler Ungehorsam und düstere Bilder: So geht „Extinction Rebellion“ vor

Mit düsteren Bildern veranschaulichen die AktivistInnen die Bedrohung durch den Klimawandel.
Mit düsteren Bildern veranschaulichen die AktivistInnen die Bedrohung durch den Klimawandel. (Foto: © Extinction Rebellion)

Einer der Gründer von „Extinction Rebellion“, der Biobauer und Doktorand Roger Hallam, beschäftigt sich seit seiner Jugend mit Protestbewegungen. Er hat aus seinen Recherchen geschlussfolgert, dass Bewegungen mit Methoden des zivilen Ungehorsams am effektivsten ihre Ziele erreichen können. Was genau „ziviler Ungehorsam“ ist, lässt sich nur schwer definieren – er kann in den unterschiedlichsten Formen zum Ausdruck gebracht werden. Ziviler Ungehorsam ist jedoch in jedem Fall ein gewaltfreier Protest und, wie der Name schon sagt, mit „Ungehorsam“, also mit Regelverstößen verbunden. Ein jüngeres Beispiel für zivilen Ungehorsam ist zum Beispiel die Besetzung des Tahrir-Platzes in Kairo während des arabischen Frühlings.

Die Bewegung „Extinction Rebellion“ will gezielt unser Alltagsleben behindern, damit wir – und vor allem die Regierungen – ihre Forderungen nicht ignorieren können. Dafür besetzen die AktivistInnen zum Beispiel Straßen, öffentliche Plätze oder Bahngleise. Bekannt wurde die Bewegung, als AktivistInnen im November 2018 Teile der Londoner Innenstadt für mehrere Tage blockierten. Mit solchen Aktionen provoziert die Bewegung absichtlich, dass einzelne AktivistInnen verhaftet werden – das soll die Bewegung noch bekannter und präsenter in den Medien machen.

Hinzu kommen künstlerische und schauspielerische Aktionen, in denen „Extinction Rebellion“ die Bedrohung durch den Klimawandel zum Ausdruck bringt. Besonders bekannt sind die „Die-Ins„, bei denen AktivistInnen auf ein Signal hin scheinbar tot umfallen. Viel Aufmerksamkeit erregte die Bewegung auch, als AktivistInnen in London künstliches Blut in der Downing Street auskippten.

So kannst du bei „Extinction Rebellion“ mitmachen

"Extinction Rebellion" hat in vielen deutschen Städten Ortsgruppen, in denen du dich engagieren kannst.
„Extinction Rebellion“ hat in vielen deutschen Städten Ortsgruppen, in denen du dich engagieren kannst. (Foto: CC0 / Pixabay / filmbetrachterin)

In Deutschland gibt es über 50 Ortsgruppen von „Extinction Rebellion“, in denen du dich engagieren kannst – besonders bekannt ist die Gruppe aus Berlin. Eine vollständige Liste der Ortsgruppen findest du hier. Außerdem ist es in der Bewegung ausdrücklich erwünscht, dass neue Gruppen oder Aktionen ins Leben gerufen werden. Auf der Website von „Extinction Rebellion“ findest du ein Kontaktformular, mit dessen Hilfe du mit den bestehenden Gruppen in Deutschland in Kontakt treten kannst.

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(1) Kommentar

  1. Gewaltfreier Widerstand: Bei M.L. King der Busboykott von Montgomery. Die Busse fuhren, aber leer. Salzgewinnung aus Meerwasser, eine der berühmten Aktionen Mahatma Gandhis. Niemandem sollte das zum Leben Nötige vorenthalten werden, im Gegenteil, die britische Salzsteuer als Machtinstrument wurde damit umgangen.
    Heute Bahngleise blockieren und das gewaltfrei nennen, geht’s noch? Die bessere Alternative zum Auto als Zielscheibe des Widerstandes gegen Umweltzerstörung?
    Kreuzungen blockieren, da hoffen wir mal, dass sie wenigstens den Krankenwagen mit dem Infarktpatienten oder der Schwangeren kurz vor der Niederkunft passieren lassen. Sonst ist diese sogenannte gewaltfreie Aktion Nötigung, Freiheitsberaubung, Lebensgefährdung – und damit alles andere als gewaltfreier ziviler Ungehorsam.
    Öffentlicher Zivilverkehr ist kein Atommülltransport.

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