Heimische Greifvögel: Diese solltest du kennen

heimische Greifvögel
Foto: CC0 / Pixabay / RoyBuri

Heimische Greifvögel sind unverwechselbar majestätisch und dennoch wissen wir nicht viel über ihre Lebensweisen. Hier stellen wir dir einige der Vögel genauer vor.

Heimische Greifvögel zählen zu den beeindruckendsten Tieren Deutschlands. Sie sind groß, pfeilschnell und hervoragende Späher. Bevor es moderne Schusswaffen gab, waren sie dank ihres erstklassigen Sehvermögens und ihrer Präzision Verbündete auf der Jagd. Im arabischen Raum erfreut sich die Beizjagd mit Steinadlern oder Habichten noch heute großer Beliebtheit.

Greifvögel werden in verschiedene Unterarten aufgeteilt in: 

  • Habichtartigen, zu denen Bussarde, Adler, Weihen, Habichte und Milane gehören
  • Falkenartige, wie Turmfalken oder Wanderfalken

Falken gehören strenggenommen zu den Papageivögeln, werden aber im Allgemeinen zu den Greifvögeln gezählt. 

Da Greifvögel in Deutschland weit verbreitet sind, hast auch sicher du schon einmal eine heimische Art gesichtet. Typische Merkmale sind:

  • der Hakenschnabel
  • große Augen
  • kräftige Krallen, mit denen sie ihre Beute greifen

Sie sind tagaktiv und erbeuten ihre Nahrung mit unterschiedlichen Jagdtaktiken aus der Luft. Sie nisten auf dem Boden, wie der sehr seltene Wiesenweihe, oder in Bäumen und auf Felsen, wie der Steinadler. 

Adler – Herrscher der Lüfte

Ein Seeadler im Manöver.
Ein Seeadler im Manöver.
(Foto: CC0 / Pixabay / lightobi)

Ein Steinadler erreicht eine Flügelspannweite von bis zu zweieinhalb Meter und gehört mit dem Seeadler zu den größten Vögeln Deutschlands. Während der Steinadler in Felswänden nistet, baut der Seeadler seine Nester (bis zu zwei Meter Durchmesser!) an Küstenwäldern und Klippen. 

Beide Vögel sind braun, wobei das Braun des Seeadlers einen wärmeren Ton aufweist. Er hat einen weißen Schwanz und einem ebenfalls weißen, auffällig großen Kopf mit einem klobigen gelben Schnabel. Die Flügelhaltung beider Vögel ist waagrecht und der Steinadler besitzt eine auffällige, helle Fingerung an den Handschwingen. Er jagt, indem er seine Beute im Flug zwischen Felswänden sucht. Wenn er etwas erspäht hat, startet er einen Überraschungsangriff. 

Beide Adlerarten gelten als bedroht, wobei der Steinadler stark gefährdet ist. Wie fast alle Greifvogelarten wurde auch er bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts in Europa massiv bejagt und kommt inzwischen nur noch in den bayerischen Alpen vor. Er pflanzt sich schlecht fort, da er sich durch Gleitschirme, Hubschrauber und Wanderer massiv gestört fühlt. Laut Nabu leben etwa 50 Brutpaare streng geschützt im deutschen Alpengebiet. 

Seeadler kommen vor allem in Norddeutschland vor. Sie jagen vorzugsweise Fische. Sie umkreisen das Wasser in der Luft, bis sie Beute an der Oberfläche erspähen. Darüber hinaus fressen sie auch kleine Säugetiere, andere Vögel und Aas. Sie leben in monogamen und lebenslangen Partnerschaften und brüten ihre Küken gemeinsam aus, bis sie flügge werden. 

Leider wird der Lebensraum für Seeadler knapp, da Menschen Altholzbestände reduzieren und immer noch Feuchtgebiete trocken legen. Auch laute Freizeitaktivitäten stören die Vögel. Obendrein vergiften sich die Tiere des Öfteren mit Blei von Bleimunition, welche im Jagdaas steckt. 

Weitere Vögel aus der Familie der Habichtartigen sind:

  • Habicht
  • Rotmilan
  • Sperber
  • Kornweihe (Rote Liste -vom Aussterben bedroht)
  • Bussarde

Ausnahme: Der Fischadler gehört nicht zu den Habichtaritgen, sondern zu der Familie der Fischadler und ist in Deutschland vor allem in Mecklenburg-Vorpommern zu sehen. Er nistet in Wäldern, die sich in unmittelbarer Nähe zu Süß- und Brackgewässern befinden. Wie sein Name es schon erahnen lässt, ernährt sich der Fischadler ausschließlich von Fisch. Hat er einen entdeckt, stürzt er sich blitzschnell in die Tiefe, taucht gegebenenfalls komplett ins Wasser und ergreift seine Beute mit den Krallen. 

Du kannst ihn von den anderen Adlerarten gut unterscheiden, denn seine Unterseite ist weiß. Die Oberseite ist grau-braun und der Kopf ist hell mit einem markanten, dunklen Augenband, das sich maskenartig bis zum Nacken zieht. Seine Flügel sind schmaler und länger als bei anderen Adlern. 

Bussarde – die häufigsten heimischen Greifvögel

Mäusebussard auf der Jagd.
Mäusebussard auf der Jagd.
(Foto: CC0 / Pixabay / ABeijeman)

In Deutschland brüten zwei Bussardarten: Der Wespenbussard und der Mäusebussard. Während der Mäusebussard der häufigste heimische Greifvogel ist, erholen sich die Bestände des Wespenbussards langsam und er gilt erst seit Kurzem als nicht gefährdet. 

Der Wespenbussard ist nicht leicht zu bestimmen, da seine Gefiederfarbe stark variieren kann. Normalerweise ist sein Federkleid braun und unterseits hell. Auch wenn er stark an den Mäusebussard erinnert, ist er etwas größer und hat einen längeren Schwanz, aber gleichzeitig schmalere Flügel und einen kleineren Kopf. 

Er jagt oft „zu Fuß“ am Boden und ist ein Nahrungsspezialist, der Wespen und deren Larven frisst, indem er sie aus der Erde gräbt. Sein dichtes Gefieder und Hornplättchen an den Füßen schützen ihn vor Wespenstichen. Zum Brüten baut er sein Nest gerne auf hohen Bäumen an einem Waldrand.

Sein Artverwandter, der Mäusebussard, kommt flächendeckend in Deutschland vor. Er ist ein mittelgroßer, brauner Greifvogel, der eine charakteristische Querbinde aufweist, welche die obere Brust von dem helleren Bauch trennt. Du kannst ihn oft auf Zaunpfählen an Straßenrändern sitzen sehen. Dort wartet er, bis ihm ein Auto die Jagd auf seine Beute abnimmt. Als Nahrung bevorzugt er Wühlmäuse, Kaninchen oder Maulwürfe. Für die aktive Jagd braucht der Mäusebussard offene Flächen wie Schneisen, Felder oder Lichtungen in Wäldern. Hat er seine Beute gesichtet, stürzt er aus großen Höhen auf sie zu. Für die Brut wählt er gerne Feldgehölze, Waldränder, Alleen oder Einzelbäume.

Falken – Raser der Lüfte

Turmfalke im Portrait.
Turmfalke im Portrait.
(Foto: CC0 / Pixabay / HarryJBurgess)

Falken sind vor allem für ihre waghalsigen Flugmanöver bekannt. Sie haben die schärfsten Augen von allen Greifvögeln und stürzen sich auf ihre Beute aus großen Entfernungen. Falken sind sogenannte „Bisstöter“. Im Gegensatz zu Adlern oder Bussarden besitzen sie keine kräftigen Krallen zum Töten – sie beißen mit ihren Schnäbeln in die Halswirbel ihrer Opfer. Zur Jagd benötigen Falken große und offene Flächen, meistens Felder da sie sich von Mäusen ernähren. Brüten können die Vögel allerdings sowohl in naturnahen Lebensräumen wie Felsen und Wäldern, aber auch in der Nähe des Menschen. Nicht selten bauen sie ihr Nest an Brückenpfeilern, Hochhäusern, Schornsteinen oder Kirchtürmen. 

Falken sind vergleichsweise kleine Beutegreifer. Du kannst sie gut an ihren spitzen Flügeln und einer schmaler Statur erkennen. Sie bewegen sich agil in der Luft und können scharfe Kurven fliegen. 

Es gibt drei Falkenarten in Deutschland:

  • Turmfalken
  • Wanderfalken
  • Baumfalken

Der Baumfalke gilt als gefährdet. Er jagt gerne auf Wiesen, Sümpfen und der Heide nach Insekten und kleinen Vögeln wie Sperlingen, Schwalben und Lerchen. Da sowohl die Feuchtgebiete, wie auch seine Nahrung knapper werden, geht die Population der Baumfalken seit einigen Jahren zurück. Am ehesten kannst du den Baumfalken in Ostdeutschland sichten. 

Auch die Wanderfalken waren kurz davor, auszusterben. In den Siebzigern kam das Umweltgift DDT in den Naturkreislauf und somit in die Nahrungskette des Falken. Heute haben sich die meisten Bestände erholt. 

Mehr Schutz für heimische Greifvögel

Greifvögel in Deutschland brauchen Schutz.
Greifvögel in Deutschland brauchen Schutz.
(Foto: CC0 / Pixabay / Klappe)

Neben dem Verlust des Lebensraums ist die Wilderei eine große Gefahr für Greifvögel. Immer wieder berichten Medien von ausgelegten Giftködern oder aus dem Horst geschossenen Müttern mit Küken. In diesem Jahr fand man bereits 13 Vogelkadaver in Bayern, alle von dem Nervengift Carbofuran dahingerafft. Es ist ein grausamer Tod für die Vögel und eine Bedrohung für Kinder und Hunde, da die Köder auf dem Boden verteilt liegen und das Gift auch beim Hautkontakt Krämpfe auslösen kann.

Damit die heimischen Greifvögel in Deutschland besser geschützt sind, fordert der Nabu ein konsequentes Abschussverbot und die strenge Verfolgung von Wilderei durch Behörden. Auch die Brut muss beschützt  werden, zum Beispiel in dem Horstschutzzonen eingerichtet werden und in der Nähe eines Horstes forstliche Tätigkeiten (Rodung) verboten werden. Außerdem brauchen die Vögel genügend Altholzbestände.

Des Weiteren können Greifvögel wie folgt geschützt werden: 

  • Erhalt und Pflanzung von Hecken und Baumzeilen in ausgeräumten Feldfluren
  • Verzicht auf Entwässerung von Feuchtgebieten
  • Einsatz von Pestiziden reduzieren
  • ökologischen Landwirtschaft fördern

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