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Heizen ohne Heizung: Diese 8 Tipps solltest du kennen

Foro: CC0 Public Domain – Unsplash/ sandra seitamaa

Wer eine Gasheizung zuhause hat, versucht diesen Winter vielleicht, sie möglichst sparsam zu benutzen – und auf Heizalternativen zurückgreifen. Wir zeigen dir, wie du ohne Heizung heizen, dich und deine Wohnung dabei warm halten und Feuchtigkeit und Schimmelgefahr vorbeugen kannst.

Viele Häuser und Wohnungen werden noch über Gas- oder Ölheizung beheizt. In diesem Winter werden aufgrund der stark gestiegenen Energiepreise vor allem Menschen mit einer Gasheizung nach Alternativen suchen. Utopia verrät, wie du auch ohne Heizung heizen kannst.

Tipp 1: Wärmer anziehen – das heizt ein

Zunächst einmal gilt: Zieh dich selbst warm an! Natürlich sollst du damit nicht Minusgrade in der Wohnung ausgleichen. Aber mit einem Pulli, einer Strumpfhose und einem zweiten Paar Socken frierst du auch dann nicht, wenn es ein paar Grad kälter ist, als du es gewohnt bist. Das spart Energie und ist obendrein sehr gemütlich. Im Herbst kannst du es so ein bisschen herauszögern, mit dem Heizen zu beginnen. Und im tiefsten Winter muss die Wohnung nicht so warm sein, dass du im T-Shirt herumlaufen kannst.

Tipp 2: Heizen hilft nichts ohne gute Isolation

Außerdem sollte deine Wohnung möglichst gut isoliert sein. Andernfalls heizt du buchstäblich aus dem Fenster. Der Boden kann zum Beispiel mit Korkplatten ganz ohne Heizen fußwarm gehalten werden. Weniger gemütlich, dafür aber isolierend, sind reflektierende Metallbleche an den Wänden. Damit es nicht durch undichte Fenster zieht, kannst du die Fenster mit Gummidichtungen aus dem Baumarkt abdichten. Dazu musst du deine:n Vermieter:in nicht um Erlaubnis fragen.

Hinweis: Bitte beachte, dass du bei einem Kamin oder einer sogenannten raumluftabhängigen Feuerstätte im Zimmer nicht eigenständig die Fenster und Türen abdichten darfst. Stimme dich hier stets mit deinem Schornsteinfeger ab, um keine Kohlenmonoxidvergiftung zu riskieren. Übrigens: Auch über den Einbau neuer Fenster und Türen solltest du deinem Kaminkehrer informieren. Hier gilt ebenfalls Mitteilungspflicht.

Was dagegen nur wenig bringt für eine warme Wohnung: Eine Dämmfolie hinter den Heizkörpern. Besser ist eine dickere Dämmplatte, wenn die Außenwände nicht ohnehin gedämmt sind.

Tipp 3: Heizlüfter als Heizalternative?

Der Vorteil eines Heizlüfters liegt auf der Hand: schnell verfügbare Wärme überall, wo es Steckdosen gibt.

Der große Nachteil: Ein Heizlüfter frisst im Betrieb eine enorme Menge Strom. Wenn das kein Ökostrom ist, ist es mit dem nachhaltigen Heizen schnell vorbei. Mit Ökostrom hingegen ist das aus Nachhaltigkeitsperspektive okay, trotzdem fallen entsprechend hohe Stromkosten an.

Heizlüfter sind dafür in der Anschaffung preisgünstig: Kleine Modelle bekommt man schon für unter 20 Euro, Geräte aus Keramik kosten 40 Euro und mehr. Das Gerät sollte aber nur für kurze Zeit und mit Ökostrom heizen – eine langfristige Heizalternative stellt ein Heizlüfter nicht dar.

Von einem längeren Betrieb raten auch Expert:innen der Verbraucherzentrale ab: Damit spart man kein Geld, sondern treibt die Stromrechnung in die Höhe. Hinzu komme die Gefahr, dass zu viele Heizlüfter die Stromverteilnetze überlasten können.

Wichtig bei der Anschaffung:

  • Achte auf Kipp- und auf Überhitzungsschutz, sonst kann es im schlimmsten Fall zu Zimmerbränden kommen.
  • Der Kippschutz sorgt dafür, dass sich der Heizlüfter automatisch abschaltet, wenn er umfällt. Das ist vor allem dann ein Muss, wenn du Kinder oder Haustiere hast, die auch mal unbeaufsichtigt durch die Wohnung laufen.
  • Der Überhitzungsschutz unterbricht den Stromkreis, falls der Heizlüfter zu heiß wird.
  • Bei Heizlüftern für das Bad unbedingt auf Spritzschutz achten!
  • Heizlüfter sind wirklich eine Notlösung und ökologisch problematisch, wenn sie nicht mit Ökostrom betrieben werden.

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Tipp 4: Heizen ohne Heizung: Notlösung Heizstrahler

Heizstrahler werden meist in großen Hallen als Heizalternative eingesetzt, wo andere Heizungen unrentabel sind. Das liegt daran, dass Heizungen für gewöhnlich ihre Oberflächen und ihre nähere Umgebung aufwärmen, ohne die Luft zu sehr aufzuheizen. Ein Heizlüfter macht das Gegenteil: Er wärmt erst die Umgebungsluft auf, und diese wärmt dann die Oberflächen.

Heizstrahler werden meist an der Wand oder Decke montiert (Foto: © joho345)

Ein Heizstrahler macht das Zimmer viel schneller warm als ein Heizlüfter oder ein Heizkörper. An den meisten Geräten ist die gewünschte Temperatur einstellbar und nach fünf Minuten ist diese bereits erreicht. Außerdem ist er energiesparender als ein Heizlüfter.

Das heißt aber nicht, dass er wenig Strom verbraucht. Außerdem drohen auch bei Heizstrahlern lokale Netzüberlastungen, davor warnen Technik-Verbände. Auch reiche an einem sehr kalten Wintertag unter bestimmten Annahmen die derzeitige Kraftwerkskapazität für diese zusätzlichen Lasten nicht aus.

Aus ökologischer Sicht ist von einem längeren Betrieb von Heizstrahlern abzuraten: Elektrische Heizlüfter und Heizstrahler können fast hundert Prozent der elektrischen Energie in Wärmeenergie umwandeln. (Eine Gasheizung schafft dagegen „nur“ etwa 90 Prozent.) Doch der Strom, der sie betreibt, muss erst erzeugt werden. Von der Stromerzeugung bis hin zur erzeugten Wärme geht so viel Energie verloren, dass am Ende höchstens noch 50 Prozent der Energie in deinem Zimmer ankommt. Mehr Informationen findest du hier: Heizlüfter oder Heizstrahler: Geht das auch energiesparend?

Die Geräte gibt es in verschiedenen Größen und Formen, die Preise unterscheiden sich stark. Einen 55-Zentimeter-Heizstrahler haben manche Baumärkte schon ab 27 Euro im Angebot. Wichtig auch: Man sollte sie der Umwelt zuliebe am besten mit Ökostrom betreiben!

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Tipp 5: Küche ohne Heizung sondern mit Backofen heizen

Was wie eine riesige Umweltsünde klingt, kann auch nachhaltig werden: Wenn du gerade sowieso in der Küche den Backofen benutzt hast, kannst du die Restwärme nutzen, um deine Wohnung zu heizen: Öffne einfach die Backofentür, nachdem du den Ofen ausgeschaltet hast. Die Restwärme verteilt sich im Zimmer und wird so sinnvoll genutzt.

Achtung: Der Backofen ist keine komplette Heizalternative, also kein Ersatz für eine Heizung. Wenn du den Backofen mit geöffneter Türe laufen lässt, verschwendest du sehr viel Energie.

Tipp 6: Romantisch, aber wenig effizient – heizen mit Teelichtern

Aus Teelichtern und Stein oder Keramik kann man schöne Tischheizungen aus Teelichtern bzw. Teelichtöfen basteln. Eine einfache Konstruktion ist zum Beispiel mit Blumentöpfen möglich. Allerdings erhöht man die Raumtemperatur damit um nicht mehr als zwei bis drei Grad.

Diese Variante ist bei Weitem nicht so effizient beim Heizen wie andere, doch sie ist kostengünstig und schafft eine schöne Atmosphäre. Allerdings durch die DIY-Heizung eine ernsthafte Brandgefahr aus. Lies dazu auch: Gefährliches Heizexperiment: Heizen mit dem Teelichtofen

Falls du diese Heiz-Idee dennoch ausprobieren möchtest, achte bei der Wahl der Teelichter darauf, dass sie aus nachhaltigeren Rohstoffen als Paraffin oder Stearin gefertigt sind.

Tipp 7: Heizen wie bei Oma – mit Kaminofen oder Kachelofen

Wer einen Kachel- oder Kaminofen in der Wohnung hat, weiß: Es braucht zwar eine Weile, bis man ihn angefeuert hat. Doch danach wird die Wohnung schnell mollig warm – eine praktische Heizalternative zur Zentralheizung.

In punkto Nachhaltigkeit sollte man aber aufpassen: Wer mit Holz aus Raubbau, Holz mit Lackresten oder bedrucktem Papier heizt, riskiert hohe Schadstoffemissionen. Deswegen solltest du genau darauf achten, womit du den Holzofen beheizt: Pellets aus dem Baumarkt oder Holzscheite, am besten von einem regionalen Anbieter, sorgen für nachhaltige Wärme.

Tipps zum Heizen mit Holz hat der Industrieverband Haus-, Heiz- und Küchentechnik HKI herausgegeben. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und das Umweltbundesamt warnten vor kurzem von der Umwelt- und Gesundheitsbelastung, die von Kaminöfen ausgeht. Das Amt geht davon aus, dass das Heizen mit Holzöfen in Deutschland mittlerweile mehr Feinstaub produzieren als alle LKW und PKW zusammen. Doch mit einigen Tipps kannst du den gefährlichen Feinstaub minimieren, lies dazu: 5 Tipps, um den Feinstaub-Ausstoß beim Kamin zu reduzieren.

Das Feuer im Kaminofen gibt nicht nur mollige Wärme ab, sondern ist auch eine Augenweide – hier der Kleining Arona mit beachtlichen 80% Wirkungsgrad. (Foto: © Feuerdepot.de)

Sich einen Kachelofen zum Heizen ohne (Gas-)Heizung neu anzuschaffen, ist sehr kostspielig. Meist wird er schon beim Bau eines Hauses mit eingeplant, weshalb ein nachträglicher Zubau schnell teuer wird.

Ein Kaminofen hingegen kann einfacher neu angeschafft werden. Unbedingt beachten: Dazu brauchst du in der Regel das Einverständnis der Wohnungseigentümer:innen.

Voraussetzung für den Einbau eines Kaminofens ist ein guter Zugang zum Abzugsrohr – das klärst du am besten vorab mit zuständigen Schornsteinfeger:innen. Der berät dich auch dabei, was beim Aufstellen von Kaminöfen zu beachten ist. Ein Kaminofen ist allerdings ebenfalls nicht ganz billig: Mit 300 Euro und mehr allein für den Kaminofen aus dem Baumarkt musst du bei der Erstanschaffung auf jeden Fall rechnen; Kaminöfen mit Speicherfunktion kosten 1.200 Euro und mehr. Wegen der aktuellen Lage können Preise teils höher liegen und Öfen nur begrenzt verfügbar sein.

Den Einbau des Abzugrohrs solltest du besser Handwerker:innen überlassen; dein Schornsteinfeger oder deine Schornsteinfegerin kann dir sicher jemanden empfehlen, der die gesetzlichen Brand- und Umweltschutzvorschriften kennt und einhält.

Zusatztipp 8: Richtig heizen

15 Tipps zum richtigen Heizen findest du auf Utopia. Zum richtigen Heizen gehört auch das richtige Lüften – sonst kann es zu gesundheitsschädlicher Schimmelbildung kommen; auch dazu haben wir praktische Tipps für richtiges Lüften gegen Schimmel zusammengestellt.

Übrigens: Weitere Heizalternativen sind nur eine Frage der Zeit: Es gibt sogar erste Ideen, mit der Abwärme von verteilten Serverschränken ganze Häuser zu heizen – etwa von Cloud&Heat.

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