Korallenbleiche: Wie der Klimawandel die Riffe bedroht

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Die Korallenbleiche ist nicht durch einen Virus oder mangelnde Nährstoffe bedingt, sondern durch den Klimawandel. Denn mit den globalen Temperaturen steigt auch die Meerestemperatur. Mit verheerenden Folgen für Riffe.

Korallenbleiche: Wieso verlieren Korallen ihre Farbe?

Um zu verstehen, warum Korallen ihre Farbe verlieren und absterben, muss man sich zunächst mit ihrer Anatomie vertraut machen. Wenn man es genau nimmt, handelt es sich bei einer Koralle um zwei Organismen, die in einer Gemeinschaft miteinander leben – eine sogenannte Symbiose.

  • Das Grundgerüst der Koralle wird durch Polypen bestimmt. Diese kleinen Lebewesen sind Entwicklungsstadien der sogenannten Nesseltiere, zu denen auch Quallen und Seeanemonen gehören.
  • Die meisten Polypen scheiden Kalk ab und bauen somit ein verästeltes Skelett, das die Form der Koralle bestimmt. Korallen tragen dadurch maßgeblich zur Architektur eines Riffs bei.
  • In der äußeren Gewebeschicht der Polypen siedeln sich Millionen einzelliger Algen an, die sogenannten Zooxanthellen. Diese sorgen nicht nur für die charakteristische Farbe und Oberflächenstruktur der Koralle, sondern produzieren durch Fotosynthese Zucker und ernähren die Polypen. Im Gegenzug stellen diese ihnen Nährstoffe sowie einen geschützten Lebensraum zur Verfügung.

Die über Jahrmillionen intakte Symbiose ist heute durch menschliche Einflüsse bedroht. Zentrale Ursache für die Korallenbleiche ist die globale Erwärmung und der dadurch bedingte Anstieg der Meerestemperaturen:

  1. Bereits geringe Temperaturschwankungen von 0,8 bis ein Grad können zur Korallenbleiche führen. Sie rufen Stressreaktionen in den Zooxanthellen hervor. Anstelle von Zucker produzieren diese dann giftige Substanzen, die dazu führen, dass der Polyp sie als Fremdkörper wahrnimmt.
  2. Vergleichbar mit einem Krankheitserreger, den unser Immunsystem loswerden möchte, stößt auch der Polyp die Zooxanthellen ab und verliert damit seine wichtigste Nahrungsquelle. Er bleibt als weißes Skelett zurück.

Wenn Korallen ihre Farbe verlieren, sind sie jedoch noch nicht tot. Sinken die Wassertemperaturen binnen kurzer Zeit wieder auf den Ausgangszustand zurück, so können sich erneut Zooxanthellen ansiedeln und die Koralle erholt sich. Bleiben die Temperaturen jedoch erhöht, verhungert der Polyp – und das bereits nach wenigen Tagen.

Was ist das Ausmaß der Korallenbleiche?

Das Sterben von Korallen geht mit schwerwiegenden Folgen für die Natur einher.
Das Sterben von Korallen geht mit schwerwiegenden Folgen für die Natur einher. (Foto: CC0 / Pixabay / dom974)

Wenn Korallen sterben, dann bleiben die Ozeane nicht nur ein bisschen farbloser zurück. Durch die Korallenbleiche geht die Grundlage von Riffen und damit die Voraussetzung eines komplexen ökologischen Systems verloren. Du kannst dir das anhand eines Kartenhauses vorstellen, in dem Korallen das unterste Stockwerk bilden. Sie sind das Fundament dieses Systems, da sie kleinen Tieren einen Lebensraum und dadurch größeren Tieren eine Nahrungsquelle bieten. Verschwinden die Korallen, fällt das Kartenhaus in sich zusammen.

Erstmals beobachtet wurden kranke Korallen in den 70er Jahren. Damals trat die Erscheinung jedoch nur kurzzeitig und lokal begrenzt auf. Seitdem ist die Zahl der farbenprächtigen Meeresorganismen durch mehrere Korallenbleichen drastisch gesunken – die Verluste waren zuletzt im Jahr 2016 durch das Wetterphänomen El Niño verstärkt zu beobachten. Das australische Great Barrier Reef mag dabei das prominenteste Opfer der Korallenbleiche sein, die Zerstörung ist aber überall zu sehen: Ob bei Hawaii oder Fidschi, den Malediven oder den Bahamas. In manchen Teilen des Indischen Ozeans sank die Anzahl der Korallen um bis zu 90 Prozent.

Korallenbleiche: Das wird bereits getan

Korallen können sich von einer Korallenbleiche regenerieren, solange es sich um kurzzeitige Temperaturschwankungen handelt. Im Angesicht des voranschreitenden Klimawandels können wir uns jedoch nicht darauf verlassen, dass der Anstieg der Meerestemperatur kurzzeitig bleibt.

Die australische Regierung stellte deswegen im Jahr 2014 den „Riff 2050 Langzeit-Nachhaltigkeitsplan“ vor, der zum Beispiel den Bau neuer Häfen verbietet. Außerdem sollen mehr als eine Milliarde Euro in einen Wissenschaftswettbewerb investiert werden, der Forscher*innen dazu einlädt, kreative Ideen gegen das Korallensterben zu entwickeln. Unterdessen versuchen Forscher*innen am Great Barrier Reef weiterhin, gezüchtete Korallen neu anzusiedeln. Umweltschutzorganisationen beklagen die politischen Fördermaßnahmen dennoch als ungenügend, um gegen die Korallenbleiche vorzugehen. Die Maßnahmen seien zu schwach, um die Wasserqualität zu verbessern oder die Fischerei nachhaltig zu regulieren. Außerdem seien die Bemühungen der Politik, das Ausmaß des Klimawandels zu begrenzen, nicht ausreichend.

Misool: Paradebeispiel für effektiven Meeresschutz

Neben der Errichtung mariner Schutzräume ist effektiver Klimaschutz von zentraler Bedeutung.
Neben der Errichtung mariner Schutzräume ist effektiver Klimaschutz von zentraler Bedeutung. (Foto: CC0 / Pixabay / joakant)

Raja Ampat: Diesen Namen trägt eine indonesische Archipelinsel in einem ansonsten unbewohnten Gebiet des Pazifiks. Hier sitzt die Verwaltung der Misool Foundation, die zeigt, wie effektiver Meeresschutz funktioniert. Über 7.000 Quadratkilometer des Ozeans sind hier geschützt: eine Fläche, die größer ist als der Schwarzwald. Wenn sich hier ein Mensch hin verirrt, dann sind das Forscher*innen oder Tauchbegeisterte aus dem Eco-Resort, welches Teil des Konzepts ist.

Zusammen mit lokalen Gemeinden hat die Misool Foundation hier vor über zehn Jahren eine „No-Take-Zone“ des Meeres durchgesetzt. Der Name ist dabei Programm – Patroullien und Drohnen kontrollieren täglich, dass hier niemand etwas aus dem Wasser entnimmt.

Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Von 2007 bis 2013 hat sich die Biomasse innerhalb des Schutzgebiets im Durchschnitt mehr als verdoppelt, in manchen Teilen sogar versechsfacht. Das Misool Marine Reserve ist damit einer der einzigen Lebensräume der Erde, in denen die Biodiversität ansteigt. Laut dem Meeresbiologen Mark Erdmann befänden sich in einer fußballfeldgroßen Fläche dieses Gebiets knapp fünf Mal so viele Korallenarten wie in der ganzen Karibik.

Korallenbleiche: Das muss noch getan werden

Korallenriffe befinden sich weit weg von uns und nur wenige Menschen haben das Glück, ihre Schönheit einmal aus nächsten Nähe zu betrachten. Dennoch sind die „Schübe“, mit denen die Korallenbleiche bisher Riffe überrollt hat, ernst zu nehmen: Sie sind eine unverkennbare Folge der Klimakrise mit möglicherweise katastrophalen Konsequenzen für Ökosysteme.

Der Erfolg der Misool Foundation zeichnet ein hoffnungsvolles Bild der so aussichtslos wirkenden Lage. Dennoch wissen auch die Gründer*innen des Schutzprogramms, dass ihre Anstrengungen zur Bewahrung mariner Vielfalt nur dann langfristig sind, wenn die Meerestemperaturen nicht weiter ansteigen. Im Jahresbericht 2018 fordert die Stiftung, den CO2-Ausstoß sofort und effektiv zu reduzieren, da ansonsten die „Mission zum Schutz der weltweit artenreichsten Riffe bedeutungslos ist“.

Deswegen ist es umso dringender, dass jede*r von uns Maßnahmen ergreift, um Emissionen im Alltag zu reduzieren. Das ist ein wichtiger Anfang, wird aber wahrscheinlich nicht genügen, um die Problematik nachhaltig in den Griff zu bekommen: Um gegen die Korallenbleiche vorzugehen, sind wir darüber hinaus als Gesellschaft in der Verantwortung, schnelle und zielführende politische Entscheidungen für einen effektiven Klimaschutz einzufordern.

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