Nachhaltig biwakieren: Das solltest du wissen

biwakieren
Foto: CC0 / Pixabay / blackcat38

Biwakieren – Übernachten im freien mit Schlafsack, Hängematte oder Decke wird immer beliebter. Es gibt jedoch einige Dinge, die du beachten solltest. Welche das sind, verraten wir dir im Artikel.

Egal ob auf Instagram oder anderen sozialen Medien – immer häufiger sieht man Videos von Menschen, die mit Schlafsack auf dem Berg oder anderswo in der Natur schlafen und am nächsten Morgen ihre Aussicht präsentieren.

Der Begriff „biwakieren“ bezeichnet das ungeplante Nächtigen im alpinen Gelände. Oder anders ausgedrückt: Biwakieren gilt als biwakieren, solange nicht vorsätzlich übernachtet, gezeltet oder campiert wird.

Vorsätzliches Nächtigen in der freien Natur ist als Wildcampen bekannt und in vielen Europäischen Ländern gänzlich verboten. Ausnahmen bilden hier beispielsweise die meisten skandinavischen Länder und die Schweiz, da dort das Jedermannsrecht gilt. Auch ein „geplantes biwakieren“ fällt unter den Begriff des Wildcampens. In Deutschland ist es jedoch oft in einer Art Grauzone anzusiedeln, abhängig von den jeweiligen Gegebenheiten.

Biwakieren in Deutschland – wo ist es erlaubt?

Biwakieren ist an manchen Orten nicht direkt verboten.
Biwakieren ist an manchen Orten nicht direkt verboten.
(Foto: CC0 / Pixabay / danfador)

Die rechtlichen Regelungen für das Biwakieren sind nicht in allen Ländern Europas gleich. In Deutschland ist biwakieren oftmals eine Grauzone. Es ist bis auf ein paar Ausnahmen nicht direkt verboten, aber eben auch nicht direkt erlaubt. Meist wird es jedoch für eine Nacht geduldet. Die Komplexität des Ganzen zeigt sich bei näherer Betrachtung der Gesetzeslage. Da Deutschland ein föderalistischer Staat ist, gibt es Gesetze auf Bundesebene und auf Landesebene, die Einfluss auf die Rechtslage des Biwakierens haben. Unter anderem sind dies:

Hier ist Biwakieren nicht erlaubt:

  • In Naturschutzgebieten und Nationalparks ist biwakieren nicht erlaubt. Hier ist das Biwakieren zum Schutz der Pflanzen- und Tierwelt gänzlich verboten und du solltest es auf jeden Fall unterlassen.
  • Es gibt jedoch noch viele weitere Schutzgebiete, deren Rechtslage unterschiedlich geregelt ist. Hier prüfst du am Besten mit der Karte vom Bundesamt für Naturschutz, ob sich dein Wunschplatz in einem Schutzgebiet befindet. Sollte dies der Fall sein, schau dir zu diesem Schutzgebiet auf jeden Fall die Schutzgebietsverordnung an oder kontaktiere die Gemeinde.
  • Das Biwakieren auf Privatgrund ist nicht erlaubt, da du dort gegen das Eigentumsrecht verstoßen würdest. Wenn du dir unsicher bist, ob ein Grundstück jemandem gehört, frag am Besten bei der Gemeinde nach. Sollte dies der Fall sein, suche dir einen anderen Platz oder frage den Grundstückseigentümer um Erlaubnis. In einigen Fällen ist das möglich und erfahrene „Biwakierer“ berichten davon, dass es oftmals kein Problem darstellt, solange man den Besitzern freundlich begegnet und die Natur respektiert.

Hier und auf diese Art ist Biwakieren erlaubt:

  • In den Bergen ist ein Notbiwak grundsätzlich erlaubt. Das bedeutet, bei einer Verletzung oder anderen Gründen, die dich am weitergehen hindern, darfst du jederzeit biwakieren. Geplantes Biwakieren wird in den deutschen Alpen in der Regel geduldet, solange es sich nicht um ein Schutzgebiet handelt, in dem es explizit verboten ist. Hier lohnt es sich ebenfalls, die Verordnung zu lesen oder bei der Verwaltung des Schutzgebiets anzurufen.
  • Grundsätzlich gibt es selbst in Nationalparks Ausnahmen. Beispielsweise gibt es im Nationalpark Sächsische Schweiz sogenannte „Boofen„. Hier können Kletterer auf insgesamt 58 ausgewiesenen Plätzen übernachten. Diese Boofen sind allerdings nur für Kletterer gedacht. Die Website des Parks weist allerdings darauf hin, dass der Nationalpark seine Belastungsgrenze erreicht hat und geht auch auf die Probleme ein, die durch Aktivitäten wie beispielsweise das Biwakieren entstehen können. Einige der genannten Probleme lassen sich aber durch richtiges Verhalten beeinflussen, weshalb du beim Biwakieren ein paar grundlegende Regeln beachten solltest.

Das benötigst du zum Biwakieren

Beim Biwakieren benötigst du die passende Ausrüstung.
Beim Biwakieren benötigst du die passende Ausrüstung.
(Foto: CC0 / Pixabay / wolfgang11)

Wie oben bereits erwähnt, solltest du dir nur Orte aussuchen an denen Biwakieren nicht verboten ist. Hast du einen Ort gefunden, der dir gefällt und an dem Biwakieren erlaubt beziehungsweise nicht verboten ist, brauchst du die nötige Ausrüstung:

  • Zum biwakieren eignet sich (je nach Jahreszeit) ein warmer Schlafsack. Solltest du noch keinen Schlafsack besitzen, achte beim Kauf auf eine nachhaltige Herstellung. Utopia hat dir dafür bereits eine Übersicht zusammengestellt: Schlafsäcke: Empfehlenswerte nachhaltige Marken.
  • Außerdem empfehlen wir dir eine Isomatte für’s Biwakieren. Höheren Schlafkomfort bietet eine selbstaufblasbare Isomatte. Selbstverständlich kannst du auch eine normale Isomatte nehmen, diese ist jedoch normalerweise etwas härter.
  • Optional kann ein Biwaksack sinnvoll sein. Dieser schützt dich vor Wind und Regen und verhindert, dass dein Schlafsack klamm wird. Ob du diesen wirklich brauchst, hängt natürlich vom Wetter ab. Generell solltest du immer Vorab das Wetter im Blick behalten, denn biwakieren bei Gewitter ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch gefährlich werden.

Bist du mit deiner Ausrüstung am Biwakplatz angekommen, solltest du ihn auf mögliche Gefahren absuchen. Beispielsweise sind exponierte Stellen eher ungünstig, wenn ungeplant ein Gewitter aufzieht. Felsvorsprünge solltest du auf möglichen Steinschlag prüfen und du solltest darauf achten, dass dein Untergrund rutschfest ist.

Das solltest du unbedingt beachten

Respektiere stets die Natur, wenn du biwakierst.
Respektiere stets die Natur, wenn du biwakierst.
(Foto: CC0 / Pixabay / Pexels)

Ein paar Grundregeln solltest du beim Übernachten in der Natur beachten:

  • Solltest du im Wald biwakieren, ist Feuer ein absolutes tabu. Je nach Trockenheit reicht im Wald schon ein Funke um einen Waldbrand auszulösen. Auch außerhalb des Waldes solltest du auf offenes Feuer verzichten, wenn es keine ausgewiesenen Feuerstellen gibt. 
  • Auf laute Musik und generell laute Geräusche in der Nacht solltest du auch verzichten. Viele Tiere schlafen in der Nacht und werden so von den lauten Geräuschen geweckt und gestört. 
  • Eine einfach Grundregel lautet: Verlasse die Natur stets so wie du sie vorgefunden hast. Hinterlasse also keinen Müll oder anderes. Manchmal ist es sogar möglich, die Natur in einem besseren Zustand zu hinterlassen. Solltest du also irgendwo Müll vorfinden, so sammle ihn am besten ein und hilf, die Natur sauber zu halten. Solltest du in der Natur deinen Toilettengang verrichten müssen, so achte darauf, kein Papier zu hinterlassen. Auch Essensreste haben in der Natur nichts verloren und sollten wieder eingepackt werden. Achte also bei deiner Vorbereitung darauf, dass du nur so viel mitnimmst, wie du auch problemlos wieder zurücktragen kannst. 
  • Auch wenn es in manchen Fällen nicht verboten ist, solltest du darauf achten, dein Biwak nicht in Feuchtgebieten aufzustellen. Dort sind oftmals seltene Pflanzenarten vorzufinden, die geschützt werden müssen. Auch Weideland solltest du respektieren und genügend Abstand zu den Tieren halten.

Biwakieren – Fazit

Der Schrecksee wird aufgrund starker Vermüllung seit 2019 videoüberwacht.
Der Schrecksee wird aufgrund starker Vermüllung seit 2019 videoüberwacht.
(Foto: CC0 / Pixabay / Andreas_Schur)

Biwakieren ist ein kleines Abenteuer und kann sehr reizvoll und schön sein. Um möglichst schonend mit der Natur umzugehen, ist es wichtig, dass du dich an die Regeln hältst, die Natur nicht verschmutzt und Rücksicht auf Tiere und Pflanzen nimmst. Aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte in Deutschland ist es verständlich, dass biwakieren nicht gänzlich erlaubt werden kann (im Gegensatz zu vielen skandinavischen Ländern). Deshalb sollte biwakieren immer die Ausnahme bleiben.

Da biwakieren die letzten Jahre, unter anderem sicher auch durch Social Media immer beliebter wurde, ist es teilweise auch in Verruf geraten. Negativbeispiele wie der Schrecksee im Allgäu, dessen Ufer teilweise komplett vermüllt von Campern waren, sind vielen ein Begriff. Seit 2019 wird stark gegen das Problem vorgegangen. Der Schrecksee wird videoüberwacht und bei Verstößen drohen saftige Geldstrafen. Der Schrecksee ist ganz klar ein Negativbeispiel dafür, wie man sich in der Natur nicht verhalten sollte. 

Viele Gemeinden haben mittlerweile auf den Trend des Draußenschlafens reagiert und sogenannte Wildnis– oder Treckingscamps eingerichtet. Diese verfügen manchmal sogar über einfache Plumpsklos, sind jedoch mitten in der Natur und meist nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen.

Gehst du aber verantwortungsvoll mit der Natur um, wählst deinen Platz an einem Ort an dem biwakieren nicht verboten ist und störst nicht die Tier–und Pflanzenwelt, kann biwakieren ein nachhaltiges Abenteuer werden und dich die Natur noch mehr wertschätzen lassen, da du sie von einer anderen Seite erlebst.

Anmerkung: Dieser Artikel stellt keine Aufforderung zum biwakieren dar. Informiere dich in jedem Fall bei der Gemeinde über den Ort, den du dir als Übernachtung ausgesucht hast. Auf der sichersten Seite bist du bei privaten Ländereien, bei denen du dir die Zustimmung des Eigentümers eingeholt hast.

Weiterlesen auf Utopia.de:

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter: